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Psychoonkologie als Fachgebiet

Psychosoziale Auswirkungen von Krebs

Ein Tumor lässt sich meist mit bildgebenden Verfahren sichtbar machen, die Gedanken und Gefühle eines Krebspatienten hingegen nicht. Eine eigene wissenschaftliche Fachrichtung, die Psychoonkologie, erforscht die seelischen Auswirkungen einer Krebserkrankung auf Betroffene und entwickelt Möglichkeiten der Unterstützung. Da eine Krebserkrankung auch Auswirkungen auf das Lebensumfeld hat, gibt es auch den Begriff der psychosozialen Onkologie.
In diesem Text gibt der Krebsinformationsdienst einen Überblick über das Fachgebiet der Psychoonkologie in Deutschland. Die Erläuterungen richten sich an Patienten und ihre Angehörigen, an Interessierte sowie an alle, die mit Krebspatienten arbeiten.

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Zuletzt überprüft: 21.09.2016

Quellen und Links

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Psychoonkologie: Unterstützung für Patienten und Angehörige

Die Psychoonkologie widmet sich allen Menschen, die von einer Krebserkrankung betroffen sind. In der Praxis zielt sie vor allem darauf ab, die Belastungen von Tumorpatienten zu lindern, die durch Krankheit und Therapie entstehen. Psychosoziale Beratung und Behandlung sollen bei der Auseinandersetzung mit der Erkrankung und ihren Folgen unterstützen. Betroffene und Psychoonkologen suchen gemeinsam nach Wegen, mit der gewandelten Lebenssituation umzugehen.

Psychoonkologische Forschung im heutigen Sinne wird seit Mitte der 1970er-Jahre betrieben. Bis in die 1990er-Jahre beschäftigte sie sich vor allem mit der Frage, inwiefern psychische Faktoren zur Entstehung eines Tumors beitragen. Viele ältere Theorien zur sogenannten Krebspersönlichkeit haben einer Überprüfung unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten jedoch nicht standgehalten. Die Erforschung von psychischen und sozialen Einflüssen auf Krankheitsentstehung und -verlauf beschäftigt die Psychoonkologie aber nach wie vor.

Ziele: Belastung erforschen, Abhilfe schaffen

Besonderes Augenmerk richten die Wissenschaftler heute auf die psychischen und sozialen Belastungen von Krebspatienten. Fachleute haben in den vergangenen Jahren Tests entwickelt, die helfen, diejenigen Betroffenen zu erkennen, die Unterstützung benötigen. Andere Experten untersuchen vorrangig unterschiedliche Hilfsangebote auf Wirksamkeit und Nutzen. Denn auch in der psychosozialen Onkologie gelten die Grundsätze der evidenzbasierten Medizin: Zur Betreuung von Krebspatienten sollte nur angewendet werden, was ihnen nachgewiesenermaßen guttut und ihnen nicht schadet.

Patienten, Ärzte und beruflich Pflegende: Wie sieht psychoonkologische Arbeit in der Praxis aus?

Die Unterstützung durch psychoonkologische Fachkräfte konzentriert sich auf folgende Gruppen:

  • Patienten: Sie erhalten Beratung, Betreuung und gegebenenfalls Behandlung in Akutkliniken, Rehabilitationseinrichtungen, über psychosoziale Beratungsstellen und in psychotherapeutischen Praxen. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung. Wie diese Hilfen aussehen, hängt vom subjektiven Erleben des Betroffenen ab, also davon, wie er selbst sich fühlt. Angehörige können viele Angebote der Unterstützung ebenfalls in Anspruch nehmen - auch sie müssen die Belastungen mit verkraften und bewältigen.
  • Ärzte, beruflich Pflegende: Psychoonkologische Fortbildungen sollen medizinische Fachkräfte dazu befähigen, im Umgang mit Krebspatienten auch psychosoziale Aspekte zu berücksichtigen und besser zu verstehen, was Patienten bewegt. Dazu können auch spezielle Gesprächs-Trainings beitragen. Regelmäßige "Supervision", die Auseinandersetzung mit Belastungen im Berufsalltag unter professioneller Anleitung, kann dazu beitragen, diese besser zu bewältigen und eine größere Zufriedenheit im Beruf zu erlangen.

Psychosoziale Unterstützung: Qualitätsmerkmal in der Krebstherapie

Verschiedene Studien zeigen, dass psychosoziale Unterstützung die Lebensqualität von Betroffenen verbessern kann. Fachleute sind sich heute einig: Zu einer guten Betreuung von Krebspatienten gehört nicht nur eine wirksame medizinische Therapie, sondern auch psychosoziale Unterstützung.

Dafür, dass diese Erkenntnisse immer mehr Beachtung finden, gibt es Beispiele:

  • In neueren Behandlungsleitlinien wird die Bedeutung psychosozialer Unterstützung in der Krebsmedizin betont, mehr dazu unter www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien.html, Stichwort "Leitlinien nach Fach", Auswahl "Krebs, Onkologie".
  • Seit Anfang 2014 existiert auch eine eigenständige Leitlinie "Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten". Sie definiert Rahmen und Qualitätsansprüche, mehr unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-051OL.html.
  • Auch bei spezialisierten Zentren spielt das Thema eine wichtige Rolle. Zertifizierte Organzentren, Onkologische Zentren und Onkologische Spitzenzentren müssen jeweils nachweisen, dass sie Patienten Zugang zu psychoonkologischer Betreuung bieten. Hintergründe bietet der Krebsinformationsdienst im Text "Gute Ansprechpartner finden: Kliniksuche" sowie als Informationsblatt zum Lesen und Ausdrucken.
  • Auch bei der Zulassung neuer Medikamente ist die Verbesserung der Lebensqualität eines von mehreren gesetzlich vorgegebenen Kriterien, die zur Bewertung der Wirksamkeit und des Nutzens eines neuen Mittels beitragen.

Fachverbände: Wie sind Psychoonkologen organisiert? Adressen und Links

In Deutschland bestehen mehrere Fachverbände:

  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Onkologie e.V. (dapo, www.dapo-ev.de) und
  • Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (PSO, www.pso-ag.de).

Beide Vereinigungen stehen mit entsprechenden Fachgesellschaften und Berufsverbänden in anderen Ländern im Austausch.

Ein weiterer Fachverband ist die "Bundesarbeitsgemeinschaft für ambulante psychosoziale Krebsberatung e.V." (BAK). Sie fördert die Arbeit von psychoonkologischen Krebsberatungsstellen, mehr dazu www.bak-ev.org.

Ausbildung: Was qualifiziert Psychoonkologen?

"Psychoonkologe" ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. In der Beratung und Unterstützung von Krebspatienten sind häufig Psychologen, Mediziner, Pädagogen und Sozialarbeiter tätig. Idealerweise verfügen sie über eine anerkannte psychoonkologische Weiterbildung. Mehrere Institutionen bieten Weiterbildungen im Bereich der psychosozialen Onkologie an.

Um die verschiedenen Ausbildungswege vergleichbar zu machen, hat die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften dapo und PSO im Jahr 2010 Standards entwickelt. Einrichtungen, die entsprechende Lehrgänge und Qualifizierungen anbieten und die entsprechende Anerkennung durch die Deutsche Krebsgesellschaft anstreben, haben bestimmte Kriterien zu erfüllen. Sie müssen unter anderem nachweisen, dass der Lehrplan grundlegende Kenntnisse über die häufigsten Krebserkrankungen und ihre Behandlung sowie über psychische Störungen, Schmerzen, Gesprächsführung und Sozialrecht vermittelt.

Einer der am längsten bestehenden Weiterbildungsgänge ist der von dapo und PSO entwickelte "Weiterbildungsgang Psychosoziale Onkologie (WPO, www.wpo-ev.de)". Er umfasst theoretische und praktische Elemente, die in mehreren Themenblöcken vermittelt werden. Zur Zielgruppe gehören neben Ärzten und Diplom-Psychologen auch Sozialarbeiter, Klinikseelsorger und andere Berufsgruppen, die mit Krebspatienten arbeiten.
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Fachhochschul- oder Hochschulstudium. Psychotherapeuten können eine verkürzte Weiterbildung absolvieren; diese besteht aus weniger Unterrichtseinheiten. Die erfolgreiche Teilnahme wird durch ein Zertifikat bestätigt.
Inzwischen gibt es jedoch eine ganze Reihe anderer Weiterbildungsgänge, die ebenfalls von der DKG anerkannt sind. 

Psychoonkologische Unterstützung: Wo findet man Angebote? Linktipps

Psychoonkologen unterstützen in vielen Krankenhäusern bei Bedarf Krebspatienten. Für die Anerkennung spezialisierter Krebszentren gehört ein Angebot psychoonkologischer Beratung sogar zu den Voraussetzungen. Auch im Rahmen von Rehabilitationsangeboten erhalten Betroffene psychosoziale Hilfen. Wie Reha-Maßnahmen Betroffenen helfen können, ihren Alltag zu meistern, erläutert der Krebsinformationsdienst in den Texten zu verschiedenen Tumorarten in der Rubrik "Nachsorge".

Weitere Angebote richten sich an Patienten, die nach einer Behandlung wieder zu Hause sind oder von vornherein ambulant behandelt werden, sowie ihre Angehörigen.
In vielen größeren Städten und regionalen Zentren gibt es Krebsberatungsstellen. Ihr meist kostenloses Angebot macht sie zur ersten Anlaufstelle für psychoonkologische Auskünfte und Beratung. Die Beratungsstellen bieten häufig selbst erste psychologische Hilfen an, und sie verweisen an geeignete Ansprechpartner vor Ort, wenn der Wunsch nach einem konkreten und längerfristigen Therapieangebot besteht.

Für Patienten, die eine solche längere Betreuung und Behandlung wünschen, sind psychotherapeutisch arbeitende Psychoonkologen wichtige Ansprechpartner. Um Betroffenen die Suche zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst ein Adressverzeichnis zusammengestellt. Dieses nennt niedergelassene Therapeuten und Mitarbeiter in Klinikambulanzen, deren Ausbildung den Anforderungen der DKG entspricht.

Was tun, wenn keine Angebote am Wohnort verfügbar sind? Der Krebsinformationsdienst bietet Patienten, ihren Angehörigen und Freunden Unterstützung bei der Suche: täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40, oder per E-Mail (beim Klick auf den Link öffnet sich ein datensicheres Kontaktformular).

Weitere Informationen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl)

Wissen gezielt nutzen: krebsinformationsdienst.med für Fachkreise
Für alle Berufsgruppen, die an der Versorgung Krebskranker beteiligt sind, bietet krebsinformationsdienst.med Unterstützung bei der Recherche nach Fakten, Hintergründen und Ansprechpartnern zum Thema. Erreichbar ist das Angebot für Fachkreise montags bis freitags von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 430 40 50, oder per E-Mail an kid.med@dkfz.de (beim Klick auf diesen Link öffnet sich ein Formular, das eine datensichere Verbindung bietet).