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Collage: Krebsstatistiken © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Krebsstatistiken: Wie häufig ist Krebs in Deutschland?

An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben in Deutschland mehr Menschen als an Krebs. Doch die Diagnose Krebs schockiert - sie wird immer noch mit Hoffnungslosigkeit und Unheilbarkeit in Verbindung gebracht. Die aktuellen Zahlen und Statistiken sprechen jedoch eine andere Sprache: Berücksichtigt man, dass die Menschen heute im Durchschnitt viel älter als noch vor 20 Jahren werden, so geht die Krebssterblichkeit in Deutschland seit Jahren zurück, und die Lebenserwartung Betroffener ist stark angestiegen. Vor 1980 starben mehr als zwei Drittel aller Krebspatienten an ihrer Krebserkrankung. Heute kann mehr als die Hälfte auf dauerhafte Heilung hoffen.
Wie viele Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs? Wie viele Patienten gibt es, die ihre Erkrankung überlebt haben? Der folgende Text bietet Zahlen und Daten zum Thema Krebs und nennt Internetadressen mit weiteren Informationen und Quellen.

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Erkrankungsraten: Wie viele Menschen bekommen Krebs?

Im Jahr 2014 erkrankten 476.120 Menschen in Deutschland neu an Krebs. Das zeigen die Zahlen der deutschen Krebsregister. Für das Jahr 2018 sagen Fachleute einen Anstieg auf etwa 493.600 Krebsneuerkrankungen voraus.

Damit steigt die Neuerkrankungsrate zwar. Vergleicht man die Zahlen mit der Lage im Jahr 1970, hat sich die Zahl der Betroffenen sogar fast verdoppelt. Doch ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt auch, woran das liegt: Die Ursache ist die gestiegene Lebenserwartung und der Rückgang bei anderen Erkrankungen, die früher lebensbedrohlich waren.

Die Experten der Krebsregister können anhand der Zahlen zeigen: Berücksichtigt man bei den Berechnungen die gestiegene Lebenserwartung, dann ist die Neuerkrankungsrate bei Männern in den letzten zehn Jahren sogar gesunken, bei Frauen dagegen leicht gestiegen.

Bei Frauen ist der Anstieg der Erkrankungszahlen innerhalb des letzten Jahrzehnts vor allem auf einen Anstieg der Lungenkrebszahlen und anderer durch das Rauchen geförderter Krebskrankheiten zurückzuführen. Diese Zunahme wird mit dem steigenden Zigarettenkonsum von Frauen seit den 1980er-Jahren in Verbindung gebracht.

Warum die Krebszahlen steigen: Alter als Krebsrisiko?

Fast alle Krebsarten treten bei älteren Menschen sehr viel häufiger auf als bei Jüngeren. Statistiker vergleichen die Angaben zu Krebsneuerkrankungen von Kindern, Jugendlichen und Menschen aller Lebensalter miteinander: Auf einen unter 15-Jährigen, der eine Krebsdiagnose erhält, kommen demnach 200 bis 300 über 80-Jährige.

Ein typisches Beispiel dafür, dass viele Tumorarten bei Kindern, Jugendlichen oder jungen Menschen selten oder gar nicht auftreten, ist Prostatakrebs: Vor dem 45. Lebensjahr wird diese Erkrankung kaum beobachtet. Ein 35-Jähriger hat ein sehr geringes Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre die Diagnose Prostatakrebs zu erhalten: es liegt bei weniger als 0,1 Prozent. Umgerechnet bedeutet dies: Von 1.000 Männern im Alter von 35 Jahren muss - rein statistisch - nur einer vor seinem 45. Geburtstag mit einer Erkrankung rechnen. Mit dem Alter steigt das Risiko allerdings an: Für einen 65-Jährigen liegt das Erkrankungsrisiko für die nächsten zehn Jahre schon bei 5,4 Prozent: Von 1.000 Männern werden 54 im nächsten Lebensjahrzehnt voraussichtlich einen Tumor in der Vorsteherdrüse entwickeln. Je länger Männer leben, desto höher wird auch ihr Risiko, Krebs zu bekommen.

Mortalität: Wie viele Menschen sterben an Krebs?

Etwa jeder vierte Todesfall in Deutschland war 2014 durch Krebs bedingt: Insgesamt starben 222.972 Menschen an dieser Erkrankung. Angaben zu den einzelnen Tumorarten finden sich in der Broschüre "Krebs in Deutschland 2013/2014“. Zum Vergleich: An Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstarben im gleichen Zeitraum 338.056 Menschen.

Für die meisten Krebs-Todesfälle unter Männern ist Lungenkrebs verantwortlich. 2014 starben 44.084 Betroffene an dieser Tumorform. Allerdings erkranken immer weniger Männer an Lungenkrebs. Bei Frauen ist diese Krebsart derzeit seltener als bei Männern, sie steht aber als Todesursache unter den Krebserkrankungen auch schon auf Platz zwei nach Brustkrebs. In der Altersgruppe der unter 45-Jährigen haben die Frauen bereits mit den Männern gleichgezogen, was die Zahl der Neuerkrankungen angeht - eine Folge ihres Rauchverhaltens.

Altersstandardisierte Krebssterblichkeit: Steigende Lebenserwartung macht Krebs wahrscheinlicher

Noch kann nicht jeder Krebspatient dauerhaft geheilt werden. Verbesserungen bei Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung haben jedoch dazu beigetragen, dass die altersstandardisierte Krebssterblichkeit seit Jahrzehnten zurückgeht. In den letzten zehn Jahren hat sie bei Männern um 12 Prozent, bei Frauen um 7 Prozent abgenommen. Mehr als die Hälfte aller Patienten kann heute mit dauerhafter Heilung rechnen. Allerdings ist die Prognose nicht bei jeder Tumorform ähnlich günstig.

Was heißt in diesem Zusammenhang "altersstandardisiert"? Die Altersstandardisierung ist ein wichtiger Rechenvorgang, um den Einfluss der wachsenden Lebenserwartung in der Bevölkerung herausrechnen zu können. Nur so lassen sich die Raten früherer Jahre mit denen von 2014 wirklich vergleichen. Würde man nur die absoluten Zahlen aller Neuerkrankungen an Krebs und aller Krebssterbefälle berücksichtigen, würde dies Fortschritte bei Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung verdecken.

Daher vergleichen die Experten die Todesursachen innerhalb jeder Altersgruppe gesondert. Seit zum Beispiel Infektionen wie Tuberkulose oder Komplikationen bei einer Geburt sehr viel seltener als früher zum Tod führen, werden Menschen immer älter. An Krebs erkranken mehr alte als junge Menschen. Die steigende Lebenserwartung erhöht damit für den Einzelnen die Wahrscheinlichkeit, eine Krebserkrankung "zu erleben". Daher steigen auch die absoluten Zahlen der Sterbefälle in Deutschland, obwohl in Wirklichkeit immer mehr Menschen ihre Erkrankung überleben.

Prävalenz: Wie viele Menschen leben derzeit mit einer Krebserkrankung?

Wie viele Menschen leben gleichzeitig in Deutschland mit der Erkrankung Krebs? Wer braucht aktuell Behandlung, und für wie lange? Wie viele Krankenhausbetten und Rehabilitationsplätze sind notwendig? Die Antworten auf diese Fragen sind vor allem für diejenigen wichtig, die Behandlung und Pflege organisieren: Gesundheitspolitiker und Verantwortliche in Krankenversicherungen, Krankenhäuser, aber auch Ärzte und Angehörige der Pflegeberufe. Sie müssen genügend Behandlungsplätze, Fachpersonal und die nötige Ausrüstung bereitstellen und die Kosten abschätzen.

Allerdings ist es nicht ganz einfach, die sogenannte Prävalenz anzugeben. Wie lange dauert durchschnittlich eine Krebstherapie? Ab wann kann sich ein Patient als geheilt betrachten? Wie viel Unterstützung benötigen Patienten, die zwar nicht dauerhaft geheilt werden können, deren Erkrankung aber über Jahre in Schach gehalten werden kann? Statistische Angaben können einzelne Patientenschicksale mit ihren oft ganz unterschiedlichen Verläufen nicht ausreichend berücksichtigen. Wissenschaftler behelfen sich daher damit, dass sie die Prävalenz auf einen festgelegten Zeitraum beziehen und so zu einer Durchschnittsangabe kommen. Weltweit üblich ist in der Krebsforschung die Angabe eines Zeitraums von fünf Jahren, die sogenannte Fünf-Jahres-Prävalenz: Damit sind alle Menschen erfasst und als Patienten gewertet, die innerhalb der jeweils letzten fünf Jahre an Krebs erkrankt sind.

Der Broschüre "Krebs in Deutschland" zufolge lebten im Jahr 2014 in Deutschland insgesamt etwa 1,55 Millionen Krebskranke, deren Diagnose nicht länger als fünf Jahre zurück lag. Die Gesamtbevölkerung liegt in Deutschland bei etwa 83 Millionen Menschen.

Heilungschancen und Überlebensraten

Was lässt sich aus den Zahlen der Krebsregister über Heilungschancen und Überlebenswahrscheinlichkeit ableiten? Insgesamt lebt heute mehr als die Hälfte aller Krebspatienten noch fünf Jahre nach der Diagnosestellung.

Fachleute unterscheiden allerdings die sogenannte absolute Überlebensrate von der relativen Übelebensrate: 

  • Die absolute Überlebensrate gibt an, wie viele Patienten insgesamt nach fünf Jahren noch am Leben sind - unabhängig davon, woran die anderen gestorben sind. Eine absolute Überlebensrate von 70 Prozent bedeutet, dass 70 von 100 Patienten diese Zeitspanne überlebt haben. 30 Patienten sind gestorben, jedoch nicht nur an Krebs, sondern insgesamt, also auch aufgrund anderer Ursachen.
  • Die relative Überlebensrate dagegen berücksichtigt tatsächlich nur die Sterbefälle an Krebs. 

Die Zeitspanne von fünf Jahren bedeutet bei vielen Tumorarten gleichzeitig eine gute Chance auf dauerhafte Heilung - danach sind Rückfälle nur noch wenig wahrscheinlich. Diese Aussage gibt allerdings nur einen Durchschnitt wieder und bezieht sich auf die Gesamtstatistik. Sie kann für Männer und Frauen und für einzelne Formen von Krebserkrankungen durchaus anders ausfallen. So haben Kinder mit Leukämien und junge Männer mit Hodenkrebs heute sehr gute Aussichten auf dauerhafte Heilung. Auch die Überlebensraten für Lippenkrebs, schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) und mittlerweile auch Prostatakrebs sind deutlich angestiegen. Vielen Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, Lungenkrebs oder Speiseröhrenkrebs dagegen können die Ärzte bis heute noch keine längere Überlebenszeit oder Heilung in Aussicht stellen.

Schätzung oder Zählung: Sind die angegebenen Zahlen verlässlich?

Die Sammlung von Angaben zu Krebserkrankungen macht Fortschritte. Inzwischen sind in allen Bundesländern Krebsregister aktiv. Zwölf Bundesländer erreichen bisher eine geschätze Vollzähligkeit von mehr als 90 Prozent und gelten damit als zuverlässige Datenlieferanten.

Insgesamt sind die Angaben für Deutschland im Vergleich zu den 1990er-Jahren wesentlich verlässlicher geworden. Damals wurden die gesetzlichen Voraussetzungen für eine flächendeckende Datensammlung geschaffen, doch viele Angaben mussten hochgerechnet und geschätzt werden. Inzwischen hat das Krebsregistergesetz von 2013 der Registrierung eine neue Basis verschafft (mehr dazu im Text "Krebsregister").

Allgemeine Statistiken: Was sagen sie über persönliche Chancen aus?

Bei Erhebung statistischer Daten werden keine individuellen Schicksale gewertet. Wie es einem einzelnen Krebspatienten tatsächlich geht und wie seine Erkrankung auf Dauer verläuft, dürfen die bevölkerungsbezogenen Krebsregister allein schon aus Datenschutzgründen nicht allzu detailliert erfassen. Außerdem verläuft jede Krebserkrankung individuell. Aus diesem Grund lassen sich aus diesen allgemeinen Informationen nur bedingt Prognosen zur persönlichen Situation ableiten.

Die bevölkerungsbezogenen statistischen Daten belegen jedoch den Nutzen von Krebsvorbeugung und Früherkennung: So lässt sich Darmkrebs, insgesamt die Nummer drei unter den Krebserkrankungen, heute relativ einfach in frühen Stadien erkennen und entsprechend effektiv behandeln.

Für Krebspatienten, die etwas über ihrer persönlichen Heilungschancen wissen wollen, bieten die reinen Erkrankungsstatistiken der bevölkerungsbezogenen Krebsregister nur bedingt persönlich nutzbare Informationen.

Wie es Patienten geht, welchen Einfluss die ein oder andere Behandlung auf ihr Schicksal hat, wird dagegen in den sogenannten klinischen Krebsregistern erfasst: Sie ermöglichen auch Aussagen über die Qualität der Krebstherapie und den Standard der Krankenhäuser und anderer Versorgungsangebote.

Betroffene, die mehr über den voraussichtlichen Verlauf ihrer Erkrankung wissen möchten, finden in ihren Ärzten die wichtigsten Ansprechpartner: Diese können anhand der individuellen Befunde am ehesten abschätzen, wie der Verlauf sich entwickeln könnte. Wie erfolgreich eine bestimmte Therapiemethode ist, was für ein Medikament oder gegen ein anderes spricht, wissen Ärzte heute aus der vorklinischen und klinischen Krebsforschung, mehr dazu im Text "Klinische Studien für Krebspatienten". Als Hilfestellung für ein solches Arztgespräch können Patienten das Informationsblatt "Entscheidung für eine Behandlung - was muss ich wissen?" nutzen.

Weitere Informationen: Linktipps, Quellen und Fachinformationen (Auswahl)