Matcha ist momentan der Lifestyle-Hype schlechthin. Kaum ein Café, das keinen Matcha Latte anbietet. In den sozialen Medien finden sich unzählige Fotos des grünen Trend-Getränks. Wegen des hohen Gehalts an Polyphenolen soll Matcha besonders gut für die Gesundheit sein.
Was ist Matcha?
Matcha (japanisch für “gemahlener Tee”) ist eine Variante von grünem Tee. Für Matcha werden die Teeblätter zu feinstem Pulver vermahlen. Im Gegensatz zu grünem Tee, bei dem die Blätter nach dem Aufguss verworfen werden, trinkt man bei Matcha die gemahlenen Blätter mit. Traditioneller Matcha wird aus einem speziellen, besonders hochwertigen Grüntee gewonnen. Da Matcha aber kein lebensmittelrechtlich geschützter Begriff ist, bekommt man hierzulande Produkte, die qualitativ unterschiedlich gut sein können.
Was macht EGCG im Körper?
Schützt grüner Tee vor Krebs?
In unserer Meldung Grüntee gegen Krebs fassen wir die Ergebnisse eines Cochrane Reviews aus dem Jahr 2020 zur Wirksamkeit von Grüntee in der Krebsprävention zusammen.
Wie bei Blattgrüntee wird bei Matcha Epigallocatechingallat (EGCG) für die gesundheitsfördernde Wirkung verantwortlich gemacht. EGCG gehört zu den Polyphenolen. Es wirkt antioxidativ und verhindert die Bildung von freien Radikalen, die im Körper Schäden und Zelltod verursachen können.
Wer sollte Matcha-Tee nicht trinken?
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte vorsichtig sein: Studien aus der Grundlagenforschung deuten darauf hin, dass grüner Tee (und damit auch Matcha) potenziell mit verschiedenen Arzneimitteln interagieren kann. Die Mechanismen sind bisher nicht vollständig aufgeklärt und auch die klinische Relevanz möglicher Wechselwirkungen ist häufig unklar. Neben In-vitro- und In-vivo-Studien gibt es bislang nur einzelne Fallberichte.
Welche Wechselwirkungen sind bei Krebs möglich?
Verantwortlich für die Wechselwirkungen von Matcha und grünem Tee mit Krebsmedikamenten ist unter anderem der Inhaltsstoff EGCG. Fachleute diskutieren beispielsweise folgende Interaktionen von EGCG:
- Interaktion mit Cytochrom-P450-Enzymen in der Leber: Beschrieben ist eine hemmende Wirkung auf die Aktivität von CYP3A4, das eine Rolle bei der Verstoffwechselung von einigen Onkologika spielt.
- Als Antioxidans könnte EGCG die Wirkung einer Chemo- oder Strahlentherapie abschwächen.
- Hemmung des Membranproteins P-Glykoprotein, über welches viele Medikamente aus der Zelle heraustransportiert werden.
- EGCG kann die Wirkung des Proteasom-Inhibitors Bortezomib aufheben (antagonisieren).
- Hinweise auf Wechselwirkungen gibt es daneben zum Beispiel für 5-Fluorouracil, Sunitinib und Palbociclib.
Dürfen meine Patientinnen und Patienten unter der Krebstherapie Matcha trinken?
Theoretischen Überlegungen zufolge könnte der Konsum von Matcha die Plasmakonzentration und damit möglicherweise die Bioverfügbarkeit von Arzneimitteln beeinflussen. Vermutlich ist das jedoch erst ab sehr großen Mengen relevant. Nehmen Betroffene im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung “normale” Mengen an Matcha zu sich, sind Wechselwirkungen eher unwahrscheinlich.
Auch ist die klinische Relevanz dieser Beobachtungen bisher noch ungeklärt: Wie sich Matcha oder grüner Tee beim Menschen auf den Plasmaspiegel von Krebsmedikamenten auswirkt, wurde bislang nicht systematisch untersucht.
Patientinnen und Patienten, die auf den Genuss von Matcha nicht verzichten möchten, können Ärztinnen und Ärzte dazu raten, Matcha in Maßen und nur gelegentlich zu trinken und einen zeitlichen Abstand zur Medikamenten-Einnahme einzuhalten.
Zum Weiterlesen: Verwendete Quellen und vertiefende Informationen
Quellen
Karen Pilkington and the CAM Cancer Consortium. Green tea (Camellia sinensis) [online document]. Stand 08.12.2020.
Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC): About Herbs, Botanicals & Other Products. Green Tea. Stand 19.03.2024.
Leitlinien und systematische Übersichtsarbeiten
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF). S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen. Langversion 2.0, 2024, AWMF-Registernummer: 032/055OL (Zugriff am 03.02.2026).
Weitere Quellen
Verbraucherzentrale. Matcha – Gesundheit im grünen Pulver? Stand 02.12.2025.
