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Weihrauch bei Krebs – Was ist dran?

Boswellia als komplementäre Therapie

Weihrauch gilt seit Jahrhunderten als Heilmittel, zum Beispiel bei entzündlichen Erkrankungen. Auch gegen Krebs soll das Harz des Boswellia-Baums wirken. krebsinformationsdienst.med hat die Datenlage gesichtet.

Zwei Schalen mit Weihrauch stehen auf einer hölzernen Unterlage.
Weihrauch ist das Harz des Boswellia-Baums. Eine Wirkung gegen Krebs ist bislang nicht belegt. © Shutterstock, Madeleine_Steinbach

Im Rahmen der ayurvedischen Medizin wird Weihrauch bereits seit sehr langer Zeit eingesetzt. Und auch in der europäischen traditionellen Medizin findet Weihrauch Erwähnung. Weihrauch soll beispielsweise gegen Arthritis, Asthma oder Colitis ulcerosa wirken. In klinischen Studien werden heutzutage die antientzündlichen Eigenschaften von Weihrauchextrakten erforscht. Studien zur Wirksamkeit bei Krebs, insbesondere zur Behandlung von Hirntumoren, oder als supportive Therapie bei Hirnödemen sind bislang rar.

Weihrauch – das Harz der Boswellia-Bäume

Weihrauch ist das gereinigte, gehärtete Gummiharz aus den verschiedenen Arten des Weihrauchbaumes (Boswellia). Die Bäume aus der Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae) kommen in Indien, Nordafrika und im Nahen Osten vor.

Zu den verschiedenen Boswellia-Arten zählen

  • der indische Weihrauch (Boswellia serrata) – vor allem dieser wird für medizinische Zwecke verwendet – und
  • der afrikanische Weihrauch (Boswellia carterii oder Boswellia sacra), der oft bei kirchlichen Bräuchen eingesetzt wird.

Salai guggal und Olibanum: Das gummiartige, ölige Harz ist auch als Salai guggal (Boswellia serrata) oder als Olibanum (Boswellia carterii) bekannt. Aus dem Harz werden Trockenextrakte gewonnen und unter verschiedenen Handelsnamen verkauft. Weihrauchpräparate können entweder oral eingenommen, topisch auf die Haut aufgetragen oder in Form eines Öls in der Aromatherapie verwendet werden. Als aktive Wirkstoffe gelten die Boswelliasäuren (auch: Boswellinsäuren).

Boswellia – Wirkung gegen Hirntumoren?

Seit mehreren Jahrzehnten wird die Wirkung von Weihrauch bei Krebs erforscht, vor allem bei Hirntumoren.

  • Bislang konzentriert sich die Forschung zu Weihrauch aber vor allem auf vorklinische Experimente an Zellkulturen oder Mäusen.
  • Klinische Studien zur Wirksamkeit von Weihrauch bei Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren oder einer anderen Krebserkrankung liegen derzeit nur wenige vor.

Das Wirkprinzip der Weihrauchpräparate ist trotz umfangreicher pharmakologischer, vorklinisch-therapeutisch ausgerichteter Forschung und einigen wenigen klinischen Studien noch nicht vollständig geklärt.

Weihrauch in vorklinischen Studien: Boswelliasäuren greifen unter anderem in den Leukotrien-Stoffwechsel ein und zeigen in vitro und im Tierversuch eine entzündungshemmende Wirkung. Auch eine zytotoxische und eine Apoptose-auslösende Wirkung wurde in vorklinischen Studien beobachtet. Insbesondere Acetyl-11-Keto-beta-Boswelliasäure (AKBA) hat in Versuchen mit Tumorzelllinien von Tieren und Menschen (darunter Gliom, Melanom, Leukämie, multiples Myelom, Prostata-, Darm-, Brust- und Gebärmutterhalskrebs) sowie in Tierstudien die Vermehrung von Tumorzellen verringert und Apoptose ausgelöst.

Weihrauch bei Krebspatienten: Bislang gibt es keine klinischen Studien, in denen die Wirkung von Boswellia auf das Ansprechen eines Tumors oder das Überleben von Krebspatienten untersucht wurden. In wenigen Studien wurde Weihrauch als supportive Therapie bei Betroffenen mit Hirnödemen oder Strahlendermatitis untersucht.

Weihrauch als supportive Therapie

Boswellia bei Krebs – Was sagen Fachgruppen?
  • Die Fachleute der S3-Leitlinie Komplementärmedizin sprechen weder eine Empfehlung für noch gegen Boswellia zur Behandlung von Hirnödemen bei Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren aus.
  • Ebensowenig wird zur Prophylaxe oder Behandlung einer Strahlentherapie-induzierten Dermatitis eine boswelliahaltige Creme empfohlen oder von ihr abgeraten.
  • Laut Fachleuten des CAM-Cancer Consortium können weiterhin keine gesicherten Aussagen über die Wirkung von oral eingenommenen Boswelliaextrakten auf peritumorale Hirnödeme oder Hirntumore getroffen werden.
  • Es liegen nicht genügend Daten vor, um die Wirksamkeit von boswelliahaltigen Cremes bei Strahlendermatitis zu beurteilen.
  • Keine Erwähnung findet Weihrauch in den aktuellen Gliom-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der European Association of Neuro-Oncology (EANO).

Insgesamt liegen zu Weihrauch als supportive Therapie bei Krebs keine hochwertigen Daten vor. Die Aussagekraft der bisherigen Studien ist gering.

Hirnödeme: Zur Wirkung von Boswellia auf Hirnödeme gibt es derzeit nur eine randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) sowie einzelne nicht-randomisierte Studien und Fallberichte. Die Daten deuten darauf hin, dass Boswellia bei Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren therapiebedingte Hirnödeme verringern könnte:

  • An der RCT1 nahmen 44 Betroffene teil, die aufgrund von primären Hirntumoren oder Hirnmetastasen eine Strahlentherapie erhielten. Die Teilnehmenden nahmen entweder ein Boswellia-Extrakt oder ein Placebo zusätzlich zu einer Steroidtherapie ein. Nach Ende der Strahlentherapie ging das Hirnödem bei Betroffenen mit Hirnmetastasen bei 60 % in der Boswellia-Gruppe und bei 26 % in der Placebo-Gruppe um > 75 % zurück. Die notwendige Steroid-Dosis war in beiden Gruppen gleich. Bei Patientinnen und Patienten mit primären Hirntumoren konnten in dieser Studie keine Unterschiede beobachtet werden.
  • In einer prospektiven klinischen Studie2 mit 29 Gliom-Betroffenen und einer einarmigen Pilotstudie3 mit 20 Glioblastom-Patienten wurde nach Boswellia-Einnahme eine Verkleinerung des Ödems beobachtet. Wegen des Studiendesigns ist allerdings jeweils unklar, ob der Effekt tatsächlich auf Boswellia zurückzuführen ist.

Radiodermatitis: Eine boswelliahaltige Creme könnte Strahlenschäden der Haut nach einer Strahlentherapie mindern. Dazu gibt es allerdings bislang nur eine Studie4 und diese weist methodische Schwächen auf.

Hat Weihrauch Nebenwirkungen?

Im Allgemeinen sind Boswellia-Extrakte gut verträglich. Bislang gibt es lediglich einzelne Fallberichte zu unerwünschten Wirkungen, beispielsweise einer allergischen Kontaktdermatitis nach der Anwendung einer boswelliahaltigen Creme. In einer Studie mit Patienten mit Reizdarmsyndrom, die ein bestimmtes Produkt aus Boswellia serrata erhielten, war eine leichte Verstopfung der einzige unerwünschte Effekt. Toxische Wirkungen sind in der Literatur bislang nicht beschrieben.

Wechselwirkungen: Pharmakokinetische Studien deuten auf hemmende Wirkungen von Boswelliasäuren auf Cytochrom-P450-Enzyme und P-Glykoprotein hin. Das Risiko von Arzneimittelwechselwirkungen beim Menschen kann aufgrund fehlender Daten aber bisher nicht bewertet werden.

Ist Weihrauch in Deutschland zugelassen?

Zum Weiterlesen

Wissenswertes rund um das Thema Nahrungsergänzungsmittel finden Sie unter Nahrungsergänzungsmittel: Große Versprechen, k(l)eine Wirkung?

Weihrauch ist in der Europäischen Union (EU) nicht als Arzneimittel zugelassen. Boswelliahaltige Produkte sind nur in Form freiverkäuflicher Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Die Lebensmittelbehörden kontrollieren Produkte, die bereits auf dem Markt sind, nur stichprobenartig. Verunreinigungen und unerlaubte Beimischungen in Nahrungsergänzungsmitteln sind daher nicht ausgeschlossen.

Auf dem Markt sind Weihrauch-Produkte von verschiedenen Herstellern und in unterschiedlichster Zusammensetzung. Einige dieser Produkte werden als "ayurvedisch" bezeichnet und tragen häufig den Namenszusatz "H15".

Importarzneimittel: Einige boswelliahaltige Medikamente sind beispielsweise in Indien zugelassen. In Deutschland können diese für einzelne Personen gemäß § 73 Absatz 3 Arzneimittelgesetz (AMG) über eine sogenannte "internationale Apotheke" importiert werden. Voraussetzung dafür ist eine ärztliche Verordnung. Ärztinnen und Ärzte haben damit eine erhöhte Aufklärungspflicht Patienten gegenüber: Patientinnen und Patienten müssen wissen, dass es sich hierbei um ein in Deutschland nicht zugelassenes Arzneimittel und damit um einen individuellen Heilversuch unter der unmittelbaren Verantwortung des Arztes handelt.

Solche Einzelimporte sind in der Regel keine Kassenleistung. Ob eine Krankenkasse die Kosten für den individuellen Heilversuch übernimmt, sollten Patienten vor Behandlungsbeginn dort erfragen.

Rezepturarzneimittel: Werden Weihrauchkapseln als in Deutschland hergestelltes Rezepturarzneimittel angewendet, ist zumindest die pharmazeutische Qualität sichergestellt. Für den indischen Weihrauch (Boswellia serrata) existiert eine Monographie im Europäischen Arzneibuch. Als Rezepturarzneimittel ist Weihrauch verordnungsfähig. Auch hier geschieht die Anwendung jedoch im Rahmen des individuellen Heilversuchs.

Fazit

Insgesamt liegen derzeit keine ausreichenden Daten zur Wirksamkeit von Weihrauch (Boswellia) bei Krebs vor. Klinische Studien mit Boswellia zum Überleben von Krebskranken oder zum Ansprechen des Tumors gibt es nicht. Ob Weihrauch in der supportiven Therapie bei Krebs hilfreich sein könnte, ist bislang nur unzureichend untersucht. Es gibt Hinweise darauf, dass Boswellia-Extrakte therapiebedingte Hirnödeme bei Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren verkleinern könnten.



krebsinformationsdienst.med: Service für Fachkreise



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Fachkreise-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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