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Was ist dran: Hochdosiertes Vitamin C bei Krebs?

Sichere Belege fehlen

Infusionen mit hochdosiertem Vitamin C sollen gegen Krebs wirken, behaupten Anbieter der Methode. Lässt sich Krebs tatsächlich mit intravenösem Vitamin C bekämpfen? krebsinformationsdienst.med erläutert die Datenlage.

Zitrusfrüchte in Scheiben vor hellem Hintergrund (Zitronen, Limetten, Orangen)
Vitamin C in normalen Mengen kann man über frisches Obst in der Nahrung aufnehmen. © Pixabay, PublicDomainImages

In der Komplementär- und Alternativmedizin (KAM) ist die Verwendung von hochdosiertem, intravenösen Vitamin C weit verbreitet. Anbieter von Vitamin-C-Infusionen erklären, hochdosiertes Vitamin C wirke gezielt zytotoxisch gegen Krebszellen und verschone gesunde Zellen.

Außerdem soll Vitamin C in hohen Dosen die Lebensqualität von Krebspatienten verbessern. Als supportive Therapie schütze es gesundes Gewebe vor den Schäden einer Chemotherapie und verstärke die Wirkung einer Bestrahlung sowie einiger Zytostatika. Sichere wissenschaftliche Belege für diese Aussagen fehlen allerdings.

Hochdosiertes Vitamin C – was ist das?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Frauen eine tägliche Zufuhr von 95 mg Vitamin C und für Männer von 110 mg. Raucher haben einen etwas höheren Bedarf. Mehr als 200 mg Vitamin C pro Tag können über den Magen-Darm-Trakt nicht resorbiert werden. Das gilt sowohl für Vitamin C aus der Nahrung als auch für Nahrungsergänzungsmittel. Überschüssiges Vitamin C scheidet der Körper mit dem Urin aus.

Höhere Plasmaspiegel lassen sich mit einer intravenösen Gabe von hochdosiertem Vitamin C erreichen. Von einer Behandlung mit hochdosiertem Vitamin C spricht man üblicherweise dann, wenn eine Person eine Infusion mit mehr als 0,5 Gramm Vitamin C pro Kilogramm Körpergewicht erhält. Wer Vitamin C schluckt, beispielsweise als Kapsel, wird solche Konzentrationen also nicht erreichen.

Wirkung von Vitamin C gegen Krebs

Vitamin C (Ascorbinsäure) hat antioxidative Eigenschaften. Das heißt, es kann freie Radikale im Körper unschädlich machen und so Zellen vor Schäden bewahren. Allerdings ist Vitamin C nur in niedrigen, physiologischen Konzentrationen ein Antioxidans.

Je nach Dosierung antioxidativ oder prooxidativ: In hohen, pharmakologischen Dosen wirkt Vitamin C eher prooxidativ. Zum Beispiel können Verbindungen wie Peroxide entstehen, die Zellen schädigen. Die prooxidativen Eigenschaften richten sich auch gegen Tumorzellen: Sie neutralisieren freie Radikale meist nicht so gut wie normale Zellen.

Weitere Wirkmechanismen: Daneben werden weitere Mechanismen diskutiert, über die Vitamin C einen Einfluss auf Krebszellen oder die Metastasierung haben könnte. Beispielsweise über verschiedene Enzyme und Faktoren. Hier gibt es noch Forschungsbedarf.

Datenlage: hochdosiertes Vitamin C bei Krebs

In der Zellkultur und im Tiermodell ist hochdosiertes Vitamin C recht gut untersucht. Zu Vitamin-C-Infusionen bei Krebspatienten gibt es dagegen kaum wissenschaftliche Daten. Und die vorhandene Evidenz ist gering.

Präklinische Studien zu Vitamin C, hochdosiert:

  • In Experimenten mit Mäusen führte eine tägliche Gabe von hochdosiertem Vitamin C über die Vene zu einer deutlichen Verringerung des Tumorvolumens. Dies beobachteten Forscher bei verschiedenen Krebsarten.
  • In anderen Mausexperimenten hemmte hochdosiertes Vitamin C das Tumorwachstum.
  • Bei Krebszelllinien bremste Vitamin C in hohen Dosen die Zellproliferation oder führte zum Zelltod.

Klinische Studien mit Krebspatienten:

  • Nur in wenigen klinischen Studien haben Forscherinnen und Forscher bisher überprüft, ob hochdosiertes Vitamin C gegen Krebs wirkt.
  • Hochdosiertes Vitamin C wird vor allem dahingehend untersucht, ob es die Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung lindern kann.


Keine ausreichenden Daten: Die meisten Daten zu hochdosiertem Vitamin C gegen Krebs stammen aus nicht-randomisierten Studien, retrospektiven Studien oder Fallberichten. Ihre Ergebnisse sind also wenig aussagekräftig.

Randomisiert-kontrollierte Studien zu hochdosiertem Vitamin C bei Krebs gibt es nur sehr wenige. Und diese haben zum Teil große methodische Schwächen und ihre Aussagekraft ist gering. Zu den Kritikpunkten gehören zum Beispiel:

  • Es hat nur eine sehr kleine Zahl an Patientinnen und Patienten teilgenommen.
  • Aussagen sind zum Teil nicht nachprüfbar, weil Angaben zu Zahlen fehlen.
  • Es bestehen Unterschiede im Umgang mit der Versuchs- und der Kontrollgruppe.

Zu beachten ist, dass die Patientinnen und Patienten die Vitamin-C-Infusionen in den meisten Studien zusätzlich zu einer Standard-Krebstherapie oder einer anderen Behandlung erhalten haben und nicht als alleinige Therapie.

Studienergebnisse zusammengefasst1,2,3,4:

Einfluss auf Lebensqualität:

  • Manche Studien zeigen, dass sich die Nebenwirkungen unter einer Chemotherapie durch hochdosiertes Vitamin C mindern lassen.
  • Eine Studie beschreibt, dass Krebsbetroffene nach einer Operation teilweise weniger Schmerzen hatten, wenn sie hochdosiertes Vitamin C über die Vene infundiert bekommen hatten.

Einfluss auf Überleben:

  • Einzelne Studien deuten darauf hin, dass sich durch Vitamin C in hohen Dosen das progressionsfreie Überleben verlängern lässt.
  • Es gibt nur wenige Hinweise, dass hochdosiertes Vitamin C das Überleben von Krebspatientinnen und Krebspatienten verlängern kann.

Derzeit laufen weitere Studien, in denen hochdosiertes Vitamin C bei Krebspatienten untersucht wird. Keine davon allerdings in Europa.

Hochdosiertes Vitamin C: Komplikationen

Für Gesunde ist hochdosiertes Vitamin C intravenös in der Regel unproblematisch. Als Nebenwirkungen treten während der Infusion vor allem Durst und erhöhter Harnfluss auf. In Einzelfällen kann es zu Übelkeit/Erbrechen, Schüttelfrost und/oder Kopfschmerzen kommen. Nach der Infusion berichten manche Menschen über Benommenheit oder über Beinödeme, die einige Tage andauern können.

Vorsicht ist geboten bei Patientinnen und Patienten

  • mit Neigung zu Nierensteinen,
  • mit Niereninsuffizienz und
  • mit erythrozytärem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel.

Für diese Fälle gibt es jeweils eine empfohlene Maximaldosis für Vitamin C, die unbedingt einzuhalten ist. Patienten mit Eisenspeichererkrankungen sollten hochdosiertes Vitamin C gar nicht bekommen.

Wechselwirkungen mit Krebstherapien möglich: Verschiedene onkologische Leitlinien raten davon ab, Vitamin C zeitgleich zu einer Strahlentherapie und/oder Chemotherapie zu verabreichen. Ein Grund ist, dass es zu Wechselwirkungen kommen kann. Auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln – wie etwa Betablockern – sind bekannt.

Fazit

Eine Wirkung von hochdosiertem Vitamin C gegen Krebserkrankungen ist wissenschaftlich nicht belegt. Es gibt derzeit keine hochwertigen klinischen Studien zu Vitamin-C-Infusionen bei Krebsbetroffenen, die ausreichend Beweiskraft haben. Die Autoren der neuen S3-Leitlinie Komplementärmedizin sprechen daher weder eine Empfehlung für noch gegen die Anwendung von hochdosiertem Vitamin C bei Krebspatienten aus.

Es gibt schwache Hinweise, dass intravenös verabreichtes Vitamin C die Lebensqualität von Krebspatienten verbessern und die Nebenwirkungen einer Chemotherapie verringern könnte.

Auch wenn die meisten Menschen Vitamin C, hochdosiert, in der Regel gut vertragen, ist insbesondere in den oben genannten Situationen Vorsicht geboten. Außerdem können Wechselwirkungen mit Krebstherapien und anderen Arzneimitteln nicht ausgeschlossen werden.



krebsinformationsdienst.med: Service für Fachkreise



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Fachkreise-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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