Vegetarische Ernährung: Wie beeinflusst sie das Krebsrisiko?

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Von: Catharina Goedecke (Chemikerin, Dipl.)

Vegetarisch, vegan, nur Geflügel oder nur Fisch: Verschiedene Ernährungsformen können die Gesundheit auf vielfältige Weise beeinflussen – auch das Risiko für Krebserkrankungen. Forschende der Universität Oxford haben dazu nun Daten von rund 1,8 Millionen Menschen ausgewertet: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Vegetarierinnen und Vegetarier seltener an bestimmten Krebsarten erkranken. Für andere Krebsarten zeigte sich in dieser Studie aber auch ein erhöhtes Risiko. Die Forschenden haben zudem untersucht, wie sich eine vegane Ernährung auf das Krebsrisiko auswirkt: Diese Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren.

Das Forscherteam hat analysiert, wie die Ernährungsformen das Krebsrisiko beeinflussen. Dafür hat es die Daten aus 9 einzelnen Studien zusammen ausgewertet, um die Aussagekraft der Beobachtungen zu erhöhen.

Die Studie im Überblick

  • Teilnehmende: Über 1,8 Millionen Menschen aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Indien und Taiwan.
  • Ernährungsweisen: Rund 1.646.000 Fleischesser, 63.000 Vegetarier, 57.000 Geflügelesser (kein rotes Fleisch wie Rind, Schwein oder Lamm), 43.000 Pescetarier (nur Fisch, kein Fleisch) und 9.000 Veganer.
  • Betrachtete Erkrankungen: Insgesamt 17 Krebsarten, zum Beispiel Bauchspeicheldrüsenkrebs, Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs, Multiples Myelom, Nierenkrebs, Prostatakrebs, Speiseröhrenkrebs.
  • Methode: Die Forschenden zählten, wie viele Personen mit fleischlosen Ernährungsweisen neu an Krebs erkrankten. Sie verglichen diese Zahlen mit denen für Personen, die Fleisch essen. Mit statistischen Methoden ermittelten sie, ob das Krebsrisiko in den Gruppen unterschiedlich war.
  • Beobachtungszeitraum: Im Mittel 16 Jahre.
Scheibe Brot mit Salat und Gemüse
Salat statt Salami: Ändert das das Krebsrisiko?
Bild: © Karolina Grabowska, Pexels

Vegetarische Ernährung: Studie zeigte geringeres Risiko für 5 Krebsarten

Im Vergleich zu Menschen, die Fleisch essen, traten bei Vegetarierinnen und Vegetariern in dieser Studie manche Krebserkrankungen seltener auf, nämlich:

  • Nierenkrebs,
  • Multiples Myelom,
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs,
  • Brustkrebs und
  • Prostatakrebs.

Eine Krebsart trat bei Vegetariern allerdings häufiger auf als bei Menschen, die Fleisch essen:

  • eine Art von Speiseröhrenkrebs, das sogenannte Plattenepithelkarzinom.

Und vegane Ernährung? Bei Menschen, die sich vegan ernähren, ergab die Analyse ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Allerdings muss dieses Ergebnis mit besonderer Vorsicht interpretiert werden. Unter den nur 8.849 Veganerinnen und Veganern erkrankten insgesamt 93 Personen an Darmkrebs. Diese vergleichsweise geringe Personenzahl senkt die statistische Aussagekraft der Ergebnisse. Um belastbare Aussagen treffen zu können, sind weitere Studien mit mehr vegan lebenden Teilnehmenden nötig.

Hinzu kommt: Eine kürzlich veröffentlichte Übersichtsarbeit von Forschenden am Imperial College London fand indes keinen Zusammenhang zwischen veganer Ernährung und einem erhöhten Darmkrebsrisiko. 

Bislang ist unklar, warum eine fleischlose Ernährung manchmal auch nachteilig für das Krebsrisiko sein könnte. Möglicherweise haben manche Veganer und Vegetarier durch einen Mangel an bestimmten Mikronährstoffen ein höheres Risiko für bestimmte Krebsarten. Zu diesen Mikronährstoffen gehören zum Beispiel Vitamin B2, Vitamin B12, Zink, und Kalzium, die vor allem in tierischen Nahrungsmitteln vorkommen.

Nur Fisch oder nur Geflügel: Auch dies kann Risiken senken

Bei Personen, die Fisch, aber kein Fleisch essen, traten in den analysierten Studien die folgenden Krebserkrankungen seltener auf als bei Fleischessern:

  • Nierenkrebs,
  • Darmkrebs und
  • Brustkrebs.

Bei Studienteilnehmenden, die Geflügel essen, aber kein rotes Fleisch wie Rind, Schwein oder Lamm, ergab die Analyse ein geringeres Risiko für

  • Prostatakrebs.

Die Ernährungsform allein sagt nicht alles

Die Analyse beruht auf Daten von vielen Menschen, mit großen Anteilen von Vegetarierinnen und Vegetariern sowie langen Beobachtungszeiträumen. Dennoch können die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf alle Menschen übertragen werden können.

Zum einen essen nicht alle Menschen mit derselben Ernährungsform die gleichen Lebensmittel oder gleich viel davon. Beispielweise kann eine vegetarische Ernährung viel Obst und Gemüse beinhalten, aber auch viel Weißbrot oder Süßigkeiten. Eine Person, die grundsätzlich Fleisch isst, kann viel oder auch sehr wenig davon essen. Eine Person, die sich als Pescetarier bezeichnet, isst prinzipiell Fisch, aber vielleicht nur sehr selten. Ernährungsgewohnheiten können sich auch mit der Zeit ändern.

Zum anderen lässt sich der Einfluss der Ernährungsweise nur schwer vom sonstigen Lebensstil trennen. Auch andere Faktoren können das Krebsrisiko beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel Alkoholkonsum, Rauchen und Bewegung. Deshalb ist es oft schwer zu beurteilen, welchen Anteil die Ernährung allein an den Ergebnissen hat. 

Was bedeutet das für Ernährungsempfehlungen?

Experten geben keine gesicherten Empfehlungen für die Ernährung auf Grundlage einer einzelnen Studie. Vielmehr wägen sie die Ergebnisse vieler Studien ab.

Zum Beispiel hat die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verarbeitetes Fleisch als krebserregend und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Diese Bewertung basiert auf über 800 Studien.

Um das Krebsrisiko zu senken, empfehlen die Fachleute der IARC unter anderem:

  • weniger rotes Fleisch zu verzehren und verarbeitete Fleischprodukte zu meiden,
  • häufig Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst zu essen und
  • Wert auf ein gesundes Körpergewicht zu legen.

Gut zu wissen

Ein gesunder Lebensstil kann helfen, das persönliche Krebsrisiko zu senken. Krebs kann aber auch Ursachen haben, auf die wir keinen Einfluss haben. Deshalb können auch Menschen, die sehr gesund leben, an Krebs erkranken.

Zum Weiterlesen

Mehr Informationen finden Sie in unserem Text Gesund ernähren – Krebs vorbeugen.

Quellen und Links (Auswahl)

Dunneram Y, Lee JY, Watling CZ, Lawson I, Parsaeian M, Fraser GE, Butler FM, Prabhakaran D, Shridhar K, Kondal D, et al. Vegetarian diets and cancer risk: pooled analysis of 1.8 million women and men in nine prospective studies on three continents. Br J Cancer. 2026 Apr;134(8):1218–1229. doi: 10.1038/s41416-025-03327-4.

Aune D, Schlesinger S, Sobiecki JG. Vegetarian and vegan diets and cancer incidence: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. Eur J Epidemiol. 2026 Mar 25. doi: 10.1007/s10654-026-01380-8.

Im Europäischen Kodex zur Krebsbekämpfung haben Fachleute der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wissenschaftlich geprüfte Tipps zur Krebsvorbeugung zusammengestellt (aufgerufen am 10.07.2026).

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