Ursachen für Schlafstörungen: Körperliche und seelische Belastungen
Die Gründe für Schlafstörungen bei Krebs sind vielfältig.
- Krebserkrankte sind starken psychischen Belastungen ausgesetzt. Ängste um die familiäre und berufliche Zukunft sowie die Angst vor einem Fortschreiten der Erkrankung lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Vor allem abends und nachts kreisen die Gedanken um diese Themen.
- Aber auch die Krebserkrankung selbst oder Krebstherapien können Schlafstörungen auslösen. Schmerzen, Übelkeit oder Schwierigkeiten beim Atmen beeinträchtigen den Schlaf. Auch einige Medikamente wie antihormonelle Therapien, Kortikosteroide oder bestimmte Chemotherapeutika führen zu Schlafstörungen.
Behandlungsmöglichkeiten: Besser schlafen trotz Krebs
So vielfältig wie die Ursachen der Schlafstörungen sind, so unterschiedlich sind auch die Ansätze, diese zu behandeln – nicht immer ist es notwendig, Medikamente für einen besseren Schlafrhythmus einzunehmen.
Wichtig
Sprechen Sie bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an, wenn Sie schlecht schlafen.
Schon allgemeine Verhaltensregeln können den Schlaf verbessern:
- regelmäßiger Tagesablauf mit festen Schlafens- und Aufstehzeiten
- gleichmäßige Abendroutine und entspannte Tätigkeiten vor dem Zubettgehen
- regelmäßige körperliche Aktivität
- leichte Mahlzeiten am Abend
- Verzicht auf koffeinhaltige Getränke ab dem Mittag
- kein Alkohol vor dem Zubettgehen
Eine psychoonkologische Betreuung kann helfen, mit den psychischen Belastungen und Ängsten besser umzugehen. Unterstützen kann dabei die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernen Patienten zum Beispiel Entspannungsmethoden und Techniken, um das nächtliche Gedankenkreisen zu durchbrechen.
Eine weitere Möglichkeit ist, körperliche Ursachen gezielt zu behandeln: Schmerzen, Atembeschwerden oder andere körperliche Gründe, die den Schlaf stören, können Ärztinnen und Ärzte mit geeigneten Therapien mildern. Wenn ein Medikament der Krebstherapie die Schlafprobleme auslöst, kann manchmal ein Wechsel auf ein anderes Präparat helfen.
Schlafmittel nur kurzzeitig einsetzen: Falls andere Maßnahmen nicht ausreichen, kann die Ärztin oder der Arzt vorübergehend Medikamente zur Schlafförderung verschreiben. Da diese Medikamente Nebenwirkungen haben, sollten sie nur kurze Zeit eingenommen werden. In Frage kommen zum Beispiel Benzodiazepine oder bestimmte Antidepressiva.
Wichtiger Hinweis zu Melatonin-haltigen oder pflanzlichen Präparaten
Bislang ist nicht ausreichend durch Studien belegt, ob die Einnahme von Melatonin die Schlafqualität tatsächlich verbessert. Gleichzeitig können Risiken entstehen, wenn Sie melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel ohne ärztliche Begleitung und über längere Zeit einnehmen.
Auch bei vielen pflanzlichen Präparaten ist der Nutzen nicht eindeutig belegt. Zudem lassen sich mögliche Wechselwirkungen mit anderen Behandlungen oder Auswirkungen auf die Krebserkrankung nicht sicher ausschließen.
Sprechen Sie deshalb vor der Anwendung solcher Präparate unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und klären Sie gemeinsam, ob diese in Ihrer individuellen Krankheitssituation sinnvoll und sicher sind.
Zum Weiterlesen
Hier finden Sie Anlaufstellen für eine psychoonkologische Betreuung:
- Ambulante Psychotherapie für Krebsbetroffene: Adresssuche
- Psychosoziale Krebsberatungsstellen: Adresssuche
Quellen und Links (Auswahl)
S2-Leitlinie "Nichtorganische Schlafstörungen" der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP) Stand 01.07.2018 (aufgerufen am 23.10.2023)
Yu, Z. Y., Peng, R. Y., Cheng, N., Wang, R. T., Nan, M. D., Milazzo, S., Pilkington, K., Seely, D., Horneber, M., & Liu, J. P. (2025). Melatonin in cancer treatment. The Cochrane database of systematic reviews, 4(4), CD010145.
Patienteninformation "Insomnie" der Bundesärztekammer (Stand 2018, aufgerufen am 23.10.2025)
