Wie häufig sind Lymphödeme bei Prostatakrebs?
Wie häufig ein Lymphödem nach einer Prostatakrebsbehandlung entsteht, hängt von der Art der Therapie ab.
- Operation: Bis zu 1 von 7 Patienten entwickelt nach der Prostatektomie ein Lymphödem in den Beinen, Leisten oder im Genitalbereich.
- Bestrahlung: Bis zu 1 von 11 Patienten bekommt nach der Strahlentherapie seines Prostatatumors ein Lymphödem.
- OP und Bestrahlung: Bei Männern, die sowohl operiert als auch bestrahlt wurden, tritt diese Behandlungsfolge besonders häufig auf. Hier ist bis zu 1 von 3 Patienten betroffen.
Auch Hormonentzugstherapien sowie Vorerkrankungen wie Diabetes und / oder Übergewicht erhöhen das Risiko, nach einer Prostatakrebsbehandlung ein Lymphödem zu entwickeln.
Neue Studien haben gezeigt: Lymphödeme treten häufig bereits in den ersten 3 Monaten nach der Tumorbehandlung auf. Sie können aber auch noch mit einer Verzögerung von bis zu zwei Jahren entstehen. Prostatakrebs-Patienten sollten daher längerfristig achtgeben, ob sich Schwellungen entwickeln.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt
Sie haben Prostatakrebs und möchten mehr über Ihr persönliches Lymphödem-Risiko wissen? Dann fragen Sie Ihren behandelnden Arzt oder Ihre Ärztin. Er oder sie kann Ihnen auch erklären, auf welche Symptome Sie besonders achten sollten.
Häufige Fragen zum Lymphödem
Was ist ein Lymphödem?
Ein Lymphödem ist eine großflächige Schwellung, die entsteht, wenn sich Lymphflüssigkeit im Gewebe anstaut.
Unser ganzer Körper ist von einem Netz aus Lymphgefäßen und Lymphknoten durchzogen. Sie transportieren die Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe ab. Wenn dieser Prozess an einer Stelle gestört ist, staut sich die Lymphe dort langsam in den Weichteilen an. Es entsteht eine sichtbare Wölbung.
Wie fühlt sich ein Lymphödem an?
Ein Lymphödem äußert sich als Schwellung. Diese Schwellung kann verschiedene Empfindungen auslösen. Das betroffene Körperteil kann sich zum Beispiel
- schwer,
- angespannt oder
- taub anfühlen
- oder auch schmerzen.
Diese Beschwerden wirken sich auf die Lebensqualität aus. Manche Patientinnen und Patienten können das betroffene Körperteil nur eingeschränkt bewegen oder ermüden dabei schnell.
Zudem können Lymphödeme das Körperbild verändern und psychisch belastend sein. Sie lassen sich jedoch behandeln, so dass die Symptome gelindert werden.
Warum kommt es bei Krebs zu Lymphödemen?
Bei Krebs können die Lymphgefäße und Lymphknoten rund um den Tumor verletzt werden. Das passiert, wenn
- der Tumor direkt in das Lymphsystem einwächst.
- das Lymphsystem durch die Krebsbehandlung beschädigt wurde.
Gut zu wissen: Neben dem Tumor selbst werden bei Krebspatienten oft auch die nächstgelegenen Lymphknoten entfernt oder bestrahlt. Das soll eine Ausbreitung der Krebszellen über die Lymphbahnen verhindern, kann aber auch Lymphödeme zur Folge haben.
Bei welchen Krebsarten treten Lymphödeme auf?
Lymphödeme können als Nebenwirkung bei allen Krebsarten auftreten, bei denen das umliegende Lymphsystem mitbehandelt wird.
- Frauen: Häufig treten Lymphödeme bei Brustkrebs auf. Sie können aber auch bei Patientinnen mit Tumoren an der Vulva, der Scheide, der Eierstöcke, dem Gebärmutterhals oder dem Gebärmutterkörper vorkommen.
- Männer: Männer entwickeln häufig Lymphödeme bei Prostatakrebs, aber auch bei Hoden- oder Peniskrebs.
- Frauen und Männer: Auch bei Betroffenen mit Blasen-, Nieren- und Darmkrebs oder Tumoren im Kopf-Hals-Bereich kann es zu Lymphödemen kommen.
Wie hoch ist mein Risiko für ein Lymphödem?
Ob Sie nach der Krebsbehandlung ein Lymphödem entwickeln, hängt vor allem vom Tumor selbst ab. Das Lymphödem-Risiko ist umso höher,
- je weiter fortgeschritten Ihre Krebserkrankung ist.
- je größer die Wahrscheinlichkeit für Metastasen ist.
- je mehr Lymphknoten während der OP entfernt werden.
Was kann ich tun, um ein Lymphödem zu verhindern?
Auf das Lymphödem-Risiko durch den Tumor selbst haben Sie keinen Einfluss. Es gibt aber auch steuerbare Faktoren, die das persönliche Lymphödem-Risiko zusätzlich beeinflussen. Um einem Lymphödem vorzubeugen, können Sie darauf achten,
- sich ausreichend zu bewegen,
- Normalgewicht anzustreben,
- starke Belastungen und Verletzungen der betreffenden Körperregion zu vermeiden.
Zum Weiterlesen
Mehr zu den möglichen Ursachen, Symptomen und Behandlungen von Lymphödemen finden Sie auf unserer Übersichtsseite Lymphödem bei Krebs.
Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie bietet auf ihrer Internetseite ebenfalls hilfreiche Informationen zu Lymphödemen und Alltagstipps für Betroffene.
Fachartikel (Auswahl)
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Clinckaert A, Ysenbaardt L, Bijnens A, Van Calster C, Geraerts I, Joniau S, Devoogdt N, Bijnens L, Everaerts W. Post-operative incidence of lymphedema after RARP with or without extended pelvic lymph node dissection in a cohort study. BJUI Compass. 2024 Dec 18;6(1):e466. doi: 10.1002/bco2.466.
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Larsen GS, Johansen C, Von Heymann A, Rafn BS. Prevalence of lymphedema symptoms across cancer diagnoses and association with depression, pain interference and health-related quality of life. Acta Oncol. 2025 Jan 21;64:87-95. doi: 10.2340/1651-226X.2025.42203.

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