Hilft Mariendistel gegen Nebenwirkungen einer Chemotherapie?

Frage des Monats

Erstellt am:

Von: Nicole Dürr (Human- und Molekularbiologin, M.Sc.)

Mariendistel ist eine Heilpflanze. Sie enthält unter anderem den Inhaltsstoff Silymarin. Silymarin kann Nebenwirkungen einer Chemo an Leber, Herz und Nieren lindern. Darauf deuten kleine Studien mit wenigen Krebsbetroffenen hin – doch die Datenlage ist schwach und uneinheitlich. Fachleute betonen: Nutzen und Risiken sind noch nicht ausreichend geklärt. Sie raten vor allem wegen möglicher Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten zur Vorsicht. Wenn Sie Mariendistel-Präparate zusätzlich zu Ihrer Krebstherapie einnehmen möchten, sollten Sie das vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Diese können beurteilen, ob das Präparat die Sicherheit und Wirksamkeit Ihrer Krebstherapie gefährden kann. Das gilt besonders bei hormonabhängigem Brustkrebs.

Ihre Frage an uns

"Ich starte bald mit meiner Chemotherapie und frage mich, ob ich während der Chemo Mariendistel-Präparate einnehmen soll. In einem Forum habe ich gelesen, dass Silymarin die Leber schützen soll und die Nebenwirkungen der Chemotherapie verringert. Stimmt das? "*

Nahaufnahme einer Mariendistelpflanze.
Mariendistel-Präparate gibt es überwiegend in Form von Tabletten und Kapseln, Tinkturen, Tropfen oder Tees.
Bild: H. Zell, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Unsere Antwort

Es gibt tatsächlich Hinweise aus Studien, dass der Inhaltsstoff Silymarin der Mariendistel Nebenwirkungen einer Chemotherapie lindern kann. Dazu gehören beispielsweise Nebenwirkungen an Leber, Herz oder Nieren.

Warum empfehlen Fachleute keine Mariendistel-Präparate? Der bisherige Wissenstand aus der Forschung reicht dafür nicht aus. Er ist teilweise sogar widersprüchlich. Um die Wirksamkeit und Risiken besser einschätzen zu können, sind noch mehr und größere Studien erforderlich. 

  • Beispielsweise ist noch unklar, ob Mariendistel-Präparate die Wirkung der Krebstherapie oder anderer Arzneimittel (zum Beispiel blutzuckersenkende Mitteln) beeinträchtigt.

Wichtiger Hinweis: Die aktuell erhältlichen Mariendistel-Präparate sind nicht als Arzneimittel zugelassen, um Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu behandeln. Daher greifen Patienten oft auf Produkte mit Mariendistel als Nahrungsergänzungsmittel zurück. Diese gelten rechtlich aber als Lebensmittel. Das bedeutet, für sie sind weder Wirksamkeit noch Risiken untersucht. Auch für Silymarin-haltige homöopathische Mittel ist keine Wirksamkeit nachgewiesen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Mariendistel-Präparate einnehmen

Es ist sehr wichtig, dass Sie keine Präparate auf eigene Faust einnehmen. Denn: Sie können Nebenwirkungen verursachen und die Wirkung der Krebstherapie beeinträchtigen.

Im Folgenden haben wir Hintergrundinformationen zu unserer Antwort für Sie zusammengestellt. 

Welche Nebenwirkungen oder Risiken sind möglich?

Mariendistel-Präparate und die Hauptinhaltsstoffe Silymarin und Silybinin gelten generell als sicher. In der Regel sind sie auch gut verträglich: In den meisten Studien traten bei den Patientinnen und Patienten keine oder nur leichte bis mittelschwere Nebenwirkungen auf.

Mögliche Beschwerden sind zum Beispiel:

  • Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen
  • Gewichtsverlust
  • Leichtes Schwitzen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Risiken sind dennoch nicht ausgeschlossen:

  • Allergische Reaktionen: Es gibt Menschen, die allergisch auf Inhaltsstoffe reagieren können. Etwa wenn eine Allergie gegen Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) bekannt ist.
  • Wechselwirkungen mit Arzneimitteln: Nach aktuellem Wissenstand ist es nicht ausgeschlossen, dass Mariendistel-Präparate die Wirkung der Krebstherapie beeinträchtigen können.
  • Vorsicht speziell bei hormonabhängigem Brustkrebs: Es gibt Hinweise aus Tier- und Zellmodellen, dass Mariendistel-Bestandteile eine östrogenähnliche Wirkung haben und sich dadurch auf das Wachstum von Brustkrebs auswirken können.

Zum Weiterlesen

Was genau Komplementärmedizin ist, wie der Stellenwert bei Krebs ist und wie sie verschiedenen Methoden besser bewerten können, erfahren Sie unter Alternative Medizin und Komplementärmedizin bei Krebs.

Quellen und Links (Auswahl)

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen. Langversion 2.0 – Mai 2024. AWMF-Registernummer: 032/055OL.

Auf Englisch: Dana Mora, Lisa Dal Pozzo, CAM Cancer Collaboration. Milk thistle (Silybum marianum) [online document], May 2025.

*Hinweis: Solche Fragen erreichen den Krebsinformationsdienst regelmäßig. Die verwendete Frage ist keine Original-Anfrage, sondern ein redaktionell bearbeitetes Beispiel.

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