Unsere Antwort
Es gibt tatsächlich Hinweise aus Studien, dass der Inhaltsstoff Silymarin der Mariendistel Nebenwirkungen einer Chemotherapie lindern kann. Dazu gehören beispielsweise Nebenwirkungen an Leber, Herz oder Nieren.
Warum empfehlen Fachleute keine Mariendistel-Präparate? Der bisherige Wissenstand aus der Forschung reicht dafür nicht aus. Er ist teilweise sogar widersprüchlich. Um die Wirksamkeit und Risiken besser einschätzen zu können, sind noch mehr und größere Studien erforderlich.
- Beispielsweise ist noch unklar, ob Mariendistel-Präparate die Wirkung der Krebstherapie oder anderer Arzneimittel (zum Beispiel blutzuckersenkende Mitteln) beeinträchtigt.
Wichtiger Hinweis: Die aktuell erhältlichen Mariendistel-Präparate sind nicht als Arzneimittel zugelassen, um Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu behandeln. Daher greifen Patienten oft auf Produkte mit Mariendistel als Nahrungsergänzungsmittel zurück. Diese gelten rechtlich aber als Lebensmittel. Das bedeutet, für sie sind weder Wirksamkeit noch Risiken untersucht. Auch für Silymarin-haltige homöopathische Mittel ist keine Wirksamkeit nachgewiesen.
- Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat die Unterschiede zwischen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmitteln ausführlich in einer Tabelle dargestellt.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Mariendistel-Präparate einnehmen
Es ist sehr wichtig, dass Sie keine Präparate auf eigene Faust einnehmen. Denn: Sie können Nebenwirkungen verursachen und die Wirkung der Krebstherapie beeinträchtigen.
Im Folgenden haben wir Hintergrundinformationen zu unserer Antwort für Sie zusammengestellt.
Welche Nebenwirkungen oder Risiken sind möglich?
Mariendistel-Präparate und die Hauptinhaltsstoffe Silymarin und Silybinin gelten generell als sicher. In der Regel sind sie auch gut verträglich: In den meisten Studien traten bei den Patientinnen und Patienten keine oder nur leichte bis mittelschwere Nebenwirkungen auf.
Mögliche Beschwerden sind zum Beispiel:
- Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen
- Gewichtsverlust
- Leichtes Schwitzen
- Muskel- und Gelenkschmerzen
Risiken sind dennoch nicht ausgeschlossen:
- Allergische Reaktionen: Es gibt Menschen, die allergisch auf Inhaltsstoffe reagieren können. Etwa wenn eine Allergie gegen Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) bekannt ist.
- Wechselwirkungen mit Arzneimitteln: Nach aktuellem Wissenstand ist es nicht ausgeschlossen, dass Mariendistel-Präparate die Wirkung der Krebstherapie beeinträchtigen können.
- Vorsicht speziell bei hormonabhängigem Brustkrebs: Es gibt Hinweise aus Tier- und Zellmodellen, dass Mariendistel-Bestandteile eine östrogenähnliche Wirkung haben und sich dadurch auf das Wachstum von Brustkrebs auswirken können.
Zum Weiterlesen
Was genau Komplementärmedizin ist, wie der Stellenwert bei Krebs ist und wie sie verschiedenen Methoden besser bewerten können, erfahren Sie unter Alternative Medizin und Komplementärmedizin bei Krebs.
Quellen und Links (Auswahl)
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen. Langversion 2.0 – Mai 2024. AWMF-Registernummer: 032/055OL.
Auf Englisch: Dana Mora, Lisa Dal Pozzo, CAM Cancer Collaboration. Milk thistle (Silybum marianum) [online document], May 2025.
*Hinweis: Solche Fragen erreichen den Krebsinformationsdienst regelmäßig. Die verwendete Frage ist keine Original-Anfrage, sondern ein redaktionell bearbeitetes Beispiel.

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