Der rechtliche Status von CBD-Öl
Was ist CBD überhaupt?
Cannabis (Hanf) enthält verschiedene Wirkstoffe, sogenannte Cannabinoide. Die bekanntesten sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Während THC berauschend wirkt, macht CBD nicht "high“.
Neben frei verkäuflichen CBD-Produkten gibt es auch cannabisbasierte Arzneimittel aus der Apotheke, etwa mit THC oder THC-ähnlichen Wirkstoffen.
Was viele nicht wissen: Sogenannte CBD-Öle sind aktuell in Deutschland weder als Nahrungsergänzungsmittel noch als "neuartiges Lebensmittel" (novel food) zugelassen. Sie sind somit als Lebensmittel rechtlich "nicht verkehrsfähig". Einige Hersteller umgehen dieses Verbot aber, indem sie die Öle zum Beispiel als "Aromaöl", "Kosmetikum für die Mundhöhle" oder "Mundspray" verkaufen.
Das birgt Gefahren für Verbraucherinnen und Verbraucher, denn diese Produkte sind nicht zum Verzehr geeignet und werden auch nicht wie andere "neuartige Lebensmittel" auf mögliche Gesundheitsgefahren hin untersucht. Hinzu kommt:
- Oft enthalten die Produkte eine andere Menge an CBD als draufsteht. Das macht korrektes Dosieren praktisch unmöglich.
- Manchmal finden Labore auch Verunreinigungen oder sogar berauschendes THC. Das kann Folgen für den Führerschein haben: Enthält ein ungeprüftes Öl zu viel THC, kann bei einer Verkehrskontrolle unter Umständen ein Drogentest positiv ausfallen.
Neue Daten: CBD belastet die Leber
CBD gilt in der Öffentlichkeit bislang als eher harmlos, möglicherweise auch, weil es pflanzlich ist. Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigt jedoch, dass hohe CBD-Dosen die Leber belasten können: Gesunde Erwachsene, die größere Mengen einnahmen (ab 5 mg pro kg Körpergewicht), zeigten teils deutlich erhöhte Leberwerte im Blut. Dies weist auf eine Schädigung der Leber hin. Nach dem Absetzen normalisierten sich die Leberwerte wieder.
Zwar erreichen wenige Tropfen frei verkäuflicher CBD-Produkte solche Dosen meist nicht. Dennoch ist der Hinweis für Menschen mit Krebs wichtig: Ihre Leber ist durch die Erkrankung oder durch Medikamente oft schon stark beansprucht. CBD kann diese Belastung zusätzlich verstärken. Zudem schwankt der tatsächliche CBD-Gehalt frei verkäuflicher Präparate teils erheblich, wodurch das Risiko schwieriger einzuschätzen ist.
Ein schwer kalkulierbares Risiko: Wechselwirkungen von CBD
Ein weiteres wichtiges Argument gegen eine Selbstbehandlung mit CBD-Produkten ist, dass sich CBD nicht immer mit Medikamenten verträgt.
Wichtig
"Menschen mit Krebs nehmen häufig mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Dadurch steigt ihr Risiko für Wechselwirkungen."
Dr. Anke Ernst, Fachapothekerin für Arzneimittelinformation
Besondere Vorsicht ist hier geboten:
- Chemotherapie: CBD kann den Abbau von Medikamenten in der Leber stören. Eine Chemotherapie kann dann möglicherweise zu stark oder zu schwach wirken.
- Antihormontherapie: Es gibt Hinweise aus Studien, dass CBD bestimmte Leberenzyme hemmen kann, die das Krebsmedikament Tamoxifen erst in seine wirksame Form umwandeln. Tamoxifen nehmen viele Patientinnen mit hormonabhängigem Brustkrebs, um das Rückfallrisiko zu senken. Wenn sie gleichzeitig CBD-Produkte einnehmen, kann der Schutz sinken, ohne dass Betroffene es merken.
- Immuntherapie: Vorsicht gilt auch bei modernen Antikörper-Therapien wie etwa den "Checkpoint-Hemmern". Es gibt Hinweise darauf, dass die Behandlung nicht so gut wirkt, wenn Patientinnen und Patienten gleichzeitig THC-haltige Cannabisprodukte einnehmen. Ob das auch für reines CBD gilt, ist noch nicht sicher. Aus Vorsicht sollten Patientinnen und Patienten vor der Einnahme von CBD auf jeden Fall Rücksprache mit ihrem Behandlungsteam halten.
Tipps zum Umgang mit CBD bei Krebs
Wenn Sie überlegen, CBD-haltige Produkte anzuwenden, sollten Sie sich dabei an die folgenden Empfehlungen von Fachleuten halten:
- Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Nehmen Sie nichts ohne Rücksprache ein. Erzählen Sie Ihrem Behandlungsteam offen von Ihrem Wunsch, CBD einzusetzen.
- Hinterfragen Sie Produkte, die Sie einnehmen: Überprüfen Sie, ob die Inhaltsstoffe transparent aufgelistet sind und die Herkunft offengelegt ist. Achten Sie darauf, ob der Hersteller die Qualität seines CBD-Produktes von einem Labor analysieren lässt und durch Angaben zum Herstellungsverfahren die Qualität nachvollziehbar macht. Und denken Sie daran: CBD-Öle, die Sie in Drogerien, Apotheken und im Internet kaufen können, sind nicht zum Verzehr zugelassen und geeignet.
- Lassen Sie regelmäßig Ihr Blut überprüfen: Wenn Sie CBD einnehmen, sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt regelmäßig Ihre Leberwerte kontrollieren.
CBD ist normalerweise nicht geeignet für:
- Menschen, die bestimmte Gerinnungshemmer ("Blutverdünner") wie Marcumar einnehmen. Bei ihnen könnte CBD das Blutungsrisiko erhöhen.
- Menschen mit bekannter Lebererkrankung oder deutlich erhöhten Leberwerten.
- Patientinnen, die Tamoxifen bei oder nach Brustkrebs einnehmen, da CBD die Schutzwirkung verringern könnte.
- Patientinnen, die schwanger sind, stillen oder einen Kinderwunsch haben.
Wann mit CBD Vorsicht geboten ist:
- Menschen, die eine Immuntherapie mit Checkpoint-Hemmern erhalten, da CBD deren Wirkung möglicherweise beeinflusst.
- Menschen, die viele Medikamente gleichzeitig einnehmen. Das erhöht das Risiko für Wechselwirkungen.
- Bei bestimmten Chemotherapien (wie etwa den Taxanen) oder zielgerichteten Therapien (Tyrosinkinase-Inhibitoren). Hier sind Wechselwirkungen möglich.
- Bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion, da hierzu Daten fehlen.
Zum Weiterlesen
Quellen und Links (Auswahl)
Verbraucherzentrale: CBD-Öl legal auf dem Markt? Stand: 03.11.2025; abgerufen am 26.01.2026.
Pharmazeutische Zeitung: Leberwerte bei CBD-Gebrauch im Blick behalten. Stand: 13.08.2025; abgerufen am 26.01.2026.
Fachartikel (englisch)
Übersichtsarbeit (ASCO-Leitlinie) zum Einsatz von Cannabisprodukten in der Krebstherapie: Braun, I. M., Bohlke, K., Abrams, D. I., Anderson, H., Balneaves, L. G., Bar-Sela, G., Bowles, D. W., Chai, P. R., Damani, A., Gupta, A., Hallmeyer, S., Subbiah, I. M., Twelves, C., Wallace, M. S., & Roeland, E. J. (2024). Cannabis and Cannabinoids in Adults With Cancer: ASCO Guideline. J Clin Oncol, 42(13), 1575-1593. https://doi.org/10.1200/JCO.23.02596
Fachartikel zur Wirkung von CBD auf die Leber von gesunden Erwachsenen: Florian, J., Salcedo, P., Burkhart, K., Shah, A., Chekka, L. M. S., Keshishi, D., Patel, V., Yang, S., Fein, M., DePalma, R., Matta, M., Strauss, D. G., & Rouse, R. (2025). Cannabidiol and Liver Enzyme Level Elevations in Healthy Adults: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med, 185(9), 1070-1078. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2025.2366
