CBD bei Krebs: Pflanzlich, aber mit Risiken

Erstellt am:

Die unscheinbaren Fläschchen stehen in Drogerien, speziellen Läden oder Internetshops und sind rezeptfrei erhältlich. Auch manche Menschen mit Krebs greifen zu Produkten, die Cannabidiol (CBD) enthalten. Sie hoffen, dass ihnen CBD bei Schmerzen, Angst oder dem Einschlafen hilft. Aber Vorsicht: Neue Daten zeigen Risiken für die Gesundheit, besonders für die Leber. Auch manche Therapien gegen Krebs können unter dem Konsum von CBD-haltigen Produkten leiden.

Manche Krebspatientinnen und -patienten möchten selbst etwas gegen ihre Beschwerden tun oder die Nebenwirkungen von Krebstherapien vermeintlich sanft lindern und setzen dabei auf Cannabidiol (kurz: CBD). Besonders beliebt sind dabei CBD-Öle aus Drogerien oder dem Internet. 

Doch die Erwartungen sind oft größer als der belegte Nutzen. Studien zeigen beispielsweise, dass CBD bei fortgeschrittenem Krebs gegen Angst oder Depressionen nicht besser wirkt als ein Scheinmedikament (Placebo). Allenfalls für kurzfristige Angst, etwa vor Untersuchungen, gibt es erste Hinweise auf einen möglichen Effekt. Bei starken Schmerzen oder Übelkeit können in manchen Fällen ärztlich verordnete Cannabis-Arzneimittel helfen. Diese enthalten jedoch in der Regel den Wirkstoff THC und sind daher überhaupt nicht mit frei verkäuflichen CBD-Produkten zu vergleichen.

Gleichzeitig bedeutet "pflanzlich" nicht automatisch sicher. Wir informieren über neue Erkenntnisse zur Sicherheit von CBD und dazu, warum man bei CBD-Öl aus der Drogerie oder dem Internet Vorsicht walten lassen sollte.

In Kürze

  • "Pflanzlich“ heißt nicht automatisch sicher: Neue Studien zeigen, dass CBD die Leber belasten kann – besonders bei höheren Dosen.
  • CBD kann mit Krebsmedikamenten wechselwirken und deren Wirkung abschwächen oder verstärken.
  • Frei verkäufliche CBD-Öle sind keine Arzneimittel. Sie sind außerdem nicht als Lebensmittel und damit auch nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und ihre Zusammensetzung schwankt.
  • Wichtig für Krebspatientinnen und -patienten: Nehmen Sie CBD nur nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam ein.

Am Ende des Artikels finden Sie eine Übersichtsbox mit Informationen, für welche Krebspatientinnen und Krebspatienten CBD-haltige Produkte besonders riskant sind.

wei braune Glasfläschchen mit Pipette stehen neben einem grünen Hanfblatt.
Pflanzlich heißt nicht automatisch unbedenklich: Frei verkäufliche CBD-Öle erfreuen sich großer Beliebtheit, können aber mit (Krebs)medikamenten wechselwirken und die Leber belasten. Zudem sind sie für den Verzehr nicht geeignet.
Bild: © Freepik

Der rechtliche Status von CBD-Öl

Was ist CBD überhaupt?

Cannabis (Hanf) enthält verschiedene Wirkstoffe, sogenannte Cannabinoide. Die bekanntesten sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Während THC berauschend wirkt, macht CBD nicht "high“.

Neben frei verkäuflichen CBD-Produkten gibt es auch cannabisbasierte Arzneimittel aus der Apotheke, etwa mit THC oder THC-ähnlichen Wirkstoffen.

Was viele nicht wissen: Sogenannte CBD-Öle sind aktuell in Deutschland weder als Nahrungsergänzungsmittel noch als "neuartiges Lebensmittel" (novel food) zugelassen. Sie sind somit als Lebensmittel rechtlich "nicht verkehrsfähig". Einige Hersteller umgehen dieses Verbot aber, indem sie die Öle zum Beispiel als "Aromaöl", "Kosmetikum für die Mundhöhle" oder "Mundspray" verkaufen. 

Das birgt Gefahren für Verbraucherinnen und Verbraucher, denn diese Produkte sind nicht zum Verzehr geeignet und werden auch nicht wie andere "neuartige Lebensmittel" auf mögliche Gesundheitsgefahren hin untersucht. Hinzu kommt: 

  • Oft enthalten die Produkte eine andere Menge an CBD als draufsteht. Das macht korrektes Dosieren praktisch unmöglich.
  • Manchmal finden Labore auch Verunreinigungen oder sogar berauschendes THC. Das kann Folgen für den Führerschein haben: Enthält ein ungeprüftes Öl zu viel THC, kann bei einer Verkehrskontrolle unter Umständen ein Drogentest positiv ausfallen.

Neue Daten: CBD belastet die Leber

CBD gilt in der Öffentlichkeit bislang als eher harmlos, möglicherweise auch, weil es pflanzlich ist. Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigt jedoch, dass hohe CBD-Dosen die Leber belasten können: Gesunde Erwachsene, die größere Mengen einnahmen (ab 5 mg pro kg Körpergewicht), zeigten teils deutlich erhöhte Leberwerte im Blut. Dies weist auf eine Schädigung der Leber hin. Nach dem Absetzen normalisierten sich die Leberwerte wieder. 

Zwar erreichen wenige Tropfen frei verkäuflicher CBD-Produkte solche Dosen meist nicht. Dennoch ist der Hinweis für Menschen mit Krebs wichtig: Ihre Leber ist durch die Erkrankung oder durch Medikamente oft schon stark beansprucht. CBD kann diese Belastung zusätzlich verstärken. Zudem schwankt der tatsächliche CBD-Gehalt frei verkäuflicher Präparate teils erheblich, wodurch das Risiko schwieriger einzuschätzen ist.

Ein schwer kalkulierbares Risiko: Wechselwirkungen von CBD

Ein weiteres wichtiges Argument gegen eine Selbstbehandlung mit CBD-Produkten ist, dass sich CBD nicht immer mit Medikamenten verträgt.

Wichtig

"Menschen mit Krebs nehmen häufig mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Dadurch steigt ihr Risiko für Wechselwirkungen."

Dr. Anke Ernst, Fachapothekerin für Arzneimittelinformation

Besondere Vorsicht ist hier geboten:

  • Chemotherapie: CBD kann den Abbau von Medikamenten in der Leber stören. Eine Chemotherapie kann dann möglicherweise zu stark oder zu schwach wirken.
  • Antihormontherapie: Es gibt Hinweise aus Studien, dass CBD bestimmte Leberenzyme hemmen kann, die das Krebsmedikament Tamoxifen erst in seine wirksame Form umwandeln. Tamoxifen nehmen viele Patientinnen mit hormonabhängigem Brustkrebs, um das Rückfallrisiko zu senken. Wenn sie gleichzeitig CBD-Produkte einnehmen, kann der Schutz sinken, ohne dass Betroffene es merken.
  • Immuntherapie: Vorsicht gilt auch bei modernen Antikörper-Therapien wie etwa den "Checkpoint-Hemmern". Es gibt Hinweise darauf, dass die Behandlung nicht so gut wirkt, wenn Patientinnen und Patienten gleichzeitig THC-haltige Cannabisprodukte einnehmen. Ob das auch für reines CBD gilt, ist noch nicht sicher. Aus Vorsicht sollten Patientinnen und Patienten vor der Einnahme von CBD auf jeden Fall Rücksprache mit ihrem Behandlungsteam halten.

Tipps zum Umgang mit CBD bei Krebs

Wenn Sie überlegen, CBD-haltige Produkte anzuwenden, sollten Sie sich dabei an die folgenden Empfehlungen von Fachleuten halten:

  • Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Nehmen Sie nichts ohne Rücksprache ein. Erzählen Sie Ihrem Behandlungsteam offen von Ihrem Wunsch, CBD einzusetzen.
  • Hinterfragen Sie Produkte, die Sie einnehmen: Überprüfen Sie, ob die Inhaltsstoffe transparent aufgelistet sind und die Herkunft offengelegt ist. Achten Sie darauf, ob der Hersteller die Qualität seines CBD-Produktes von einem Labor analysieren lässt und durch Angaben zum Herstellungsverfahren die Qualität nachvollziehbar macht. Und denken Sie daran: CBD-Öle, die Sie in Drogerien, Apotheken und im Internet kaufen können, sind nicht zum Verzehr zugelassen und geeignet.
  • Lassen Sie regelmäßig Ihr Blut überprüfen: Wenn Sie CBD einnehmen, sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt regelmäßig Ihre Leberwerte kontrollieren.

CBD ist normalerweise nicht geeignet für:

  • Menschen, die bestimmte Gerinnungshemmer ("Blutverdünner") wie Marcumar einnehmen. Bei ihnen könnte CBD das Blutungsrisiko erhöhen.
  • Menschen mit bekannter Lebererkrankung oder deutlich erhöhten Leberwerten.
  • Patientinnen, die Tamoxifen bei oder nach Brustkrebs einnehmen, da CBD die Schutzwirkung verringern könnte.
  • Patientinnen, die schwanger sind, stillen oder einen Kinderwunsch haben.

Wann mit CBD Vorsicht geboten ist:

  • Menschen, die eine Immuntherapie mit Checkpoint-Hemmern erhalten, da CBD deren Wirkung möglicherweise beeinflusst.
  • Menschen, die viele Medikamente gleichzeitig einnehmen. Das erhöht das Risiko für Wechselwirkungen.
  • Bei bestimmten Chemotherapien (wie etwa den Taxanen) oder zielgerichteten Therapien (Tyrosinkinase-Inhibitoren). Hier sind Wechselwirkungen möglich.
  • Bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion, da hierzu Daten fehlen.

Zum Weiterlesen

Quellen und Links (Auswahl)

Verbraucherzentrale: CBD-Öl legal auf dem Markt? Stand: 03.11.2025; abgerufen am 26.01.2026.

Pharmazeutische Zeitung: Leberwerte bei CBD-Gebrauch im Blick behalten. Stand: 13.08.2025; abgerufen am 26.01.2026. 

Fachartikel (englisch)

Übersichtsarbeit (ASCO-Leitlinie) zum Einsatz von Cannabisprodukten in der Krebstherapie: Braun, I. M., Bohlke, K., Abrams, D. I., Anderson, H., Balneaves, L. G., Bar-Sela, G., Bowles, D. W., Chai, P. R., Damani, A., Gupta, A., Hallmeyer, S., Subbiah, I. M., Twelves, C., Wallace, M. S., & Roeland, E. J. (2024). Cannabis and Cannabinoids in Adults With Cancer: ASCO Guideline. J Clin Oncol, 42(13), 1575-1593. https://doi.org/10.1200/JCO.23.02596

Fachartikel zur Wirkung von CBD auf die Leber von gesunden Erwachsenen: Florian, J., Salcedo, P., Burkhart, K., Shah, A., Chekka, L. M. S., Keshishi, D., Patel, V., Yang, S., Fein, M., DePalma, R., Matta, M., Strauss, D. G., & Rouse, R. (2025). Cannabidiol and Liver Enzyme Level Elevations in Healthy Adults: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med, 185(9), 1070-1078. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2025.2366

Fragen Sie uns. Wir sind für Sie da.

Ärztinnen und Ärzte beantworten Ihre Fragen zu Krebs am Telefon oder per E-Mail – kostenfrei.
Unsere Informationen sind verständlich, aktuell, wissenschaftlich fundiert und qualitätsgesichert.

Ärztlicher Telefondienst

Telefonisch erreichen Sie uns unter 0800 420 30 40 täglich von 8 bis 20 Uhr. Ihr Anruf ist innerhalb Deutschlands kostenlos.

Wir rufen Sie gerne zurück

Sie haben uns nicht erreicht? Oder wollen in einem festen Zeitraum mit uns telefonieren? Dann
können Sie mit unseren Ärztinnen und Ärzten einen Rückruf vereinbaren.

  • Pflichtfelder Bitte hinterlegen Sie eine Telefonnummer unter der Sie persönlich gut zu erreichen sind, wählen Sie unter "Uhrzeit" den Zeitraum, in dem Sie zurückgerufen werden möchten und stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.

Ärztlicher E-Mail-Service

Schriftliche Anfragen senden Sie bitte entweder