Bin ich nach einer Brachytherapie radioaktiv?

Frage des Monats

Erstellt am:

Von: Nicole Dürr (Human- und Molekularbiologin, M.Sc.)

Bei örtlich begrenztem Prostatakrebs ist eine mögliche Behandlung eine Kurzdistanz-Strahlentherapie – die sogenannte Brachytherapie. Dafür bekommt der Patient sehr kleine radioaktive Strahlenquellen direkt in die Prostata eingesetzt. Viele Patienten fragen sich deshalb, ob sie nach der Brachytherapie selbst Strahlung abgeben und ein Strahlenrisiko für Partnerin oder Partner, Familie oder andere Kontaktpersonen besteht. Wir erklären, wann Vorsicht geboten ist und wie Prostatakrebspatienten ihr Umfeld schützen können.

Ihre Frage an uns

"Ich habe Prostatakrebs und habe mich für eine LDR-Brachytherapie entschieden. Wenn ich die Seeds mit radioaktivem Jod-125 eingesetzt bekommen habe, kann ich nach ein paar Tagen wohl wieder nach Hause. Ich habe eine 5 Monate alte Enkelin und frage mich, ob ich danach "normal" mit ihr umgehen kann. Ich füttere sie zum Beispiel gerne, wenn ich zu Besuch bin. Kann ich meine Enkelin dann auch direkt wieder auf den Schoß nehmen? Oder ist das zu gefährlich?“* 

Oma hat Enkel auf dem Schoß sitzen, gegenüber sitzt der Opa und lächelt das Baby an.
Ob Männer mit Prostatakrebs nach einer Strahlentherapie Vorsichtsmaßnahmen für das eigene Umfeld einhalten sollten, hängt von der Art der Brachytherapie ab [Symbolbild].
Bild: © pixel-shot.com, Freepik

Unsere Antwort

Generell wird kein Patient aus der Klinik entlassen, der für seine Umgebung ein Risiko darstellen würde. Aus diesem Grund messen und dokumentieren die Ärzte den Wert der Strahlung der reiskorngroßen Strahlenquellen (Seeds) direkt nach dem Einsetzen in die Prostata (Seed-Implantation) und bevor Sie entlassen werden. Überschreiten die Messwerte bestimmte Strahlengrenzwerte, werden die Patienten auch nicht entlassen. 

Fachleute empfehlen zur Sicherheit aber Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Babys und Kleinkindern nach einer Low-Dose-Rate-Brachytherapie (LDR-Brachytherapie): Sie sollten vorsichtshalber 2 bis 3 Monate keinen engen Körperkontakt haben – also Ihre Enkelin in der Zeit zum Beispiel auch nicht auf den Schoß nehmen. 

Schutzmaßnahmen zu treffen, bedeutet aber nicht, dass Sie sich komplett isolieren müssen. Generell reicht die Strahlung der Seeds bei einer Brachytherapie nur wenige Millimeter weit. Auf der Haut ist die Strahlung zum Beispiel kaum messbar und in 2 Metern Abstand sogar nicht mehr nachweisbar. Sie können sich also im selben Zimmer wie Ihre Enkelin aufhalten und Erwachsene auch zur Begrüßung umarmen. Es gibt auch spezielle Schutzkleidung (Bleihosen), die Sie zum Schutz Ihrer Enkelin tragen könnten.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt

Sie können jederzeit bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin nachfragen, wenn Sie sich unsicher fühlen oder Rückfragen haben. 

Im Folgenden haben wir Hintergrundinformationen zu unserer Antwort für Sie zusammengestellt. 

Brachytherapie ist nicht gleich Brachytherapie

Es gibt 2 Arten, wie eine Brachytherapie ablaufen kann: 

  • Seed-Implantation (LDR-Brachytherapie): Bei diesem Verfahren werden die reiskorngroßen Seeds (meist Jod-125) direkt in die Prostata eingesetzt und verbleiben dauerhaft im Tumor. Sie geben etwa über 12 Monate eine geringe Strahlendosis mit einer Reichweite von wenigen Millimetern ab. Nach 4 bis 6 Wochen überprüfen die Ärzte mit einer Computertomographie die Lage der Seeds und berechnen die Verteilung der Strahlendosis.
  • Afterloading-Verfahren (HDR-Brachytherapie): Hier bleiben die Strahlenquellen (Iridium-192 oder Cobald-60) nur 10 bis 20 Minuten im Körper und werden danach wieder entfernt – In der Regel gibt es 2 Therapiesitzungen im Abstand von 1 Woche. Die Strahlendosis ist deutlich höher als bei der Seed-Implantation. 

Vorsichtsmaßnahmen hängen von der Art der Brachytherapie ab

Bei der Seed-Implantation wird der größte Teil der Strahlungsdosis innerhalb der ersten 12 Wochen abgegeben. Daher raten Fachleute in den ersten 2 bis 3 Monaten dazu, generell keinen engen Körperkontakt zu Babys, Kindern oder Schwangeren zu haben – sicherheitshalber sollten Patienten auch mindestens 2 Meter Abstand halten, wenn man über mehrere Stunden beisammen ist. Geschlechtsverkehr ist nach dem Eingriff aber ohne ein Strahlenrisiko möglich, weil der Samen nicht radioaktiv ist. Wer sicher gehen will, kann in der ersten Zeit nach dem Eingriff mit einem Kondom verhüten: extrem selten kann ein Seed durch die Ejakulation beim Geschlechtsverkehr ausgeschieden werden.

  • Gut zu wissen: Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) strahlen die eingesetzten Seeds über die Zeit immer weniger, bis nach etwa 12 Monaten gar keine Strahlung mehr von ihnen ausgeht. Deswegen können die Seeds auch dauerhaft im Körper bleiben.

Beim Afterloading-Verfahren müssen keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Weil die Seeds nicht im Körper bleiben, besteht nach der Therapie für das nähere Umfeld auch kein Strahlenrisiko. 

Zum Weiterlesen

Mehr zum Ablauf und dem Ziel einer Brachytherapie mit Seeds lesen Sie in unserem Text Bestrahlung bei Prostatakrebs im Abschnitt “Brachytherapie: Prostatakrebs lokal von innen bestrahlen“.

Informationen zur Strahlentherapie im Allgemeinen finden Sie auch in unseren Texten zum Thema Strahlentherapie und Nuklearmedizin: Mit Energie gegen Krebs.

Quellen und Links (Auswahl)

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 8.1, 2025, AWMF Registernummer: 043/022OL (Stand 08/2025, aufgerufen am: 06.02.2026) 

Die begleitende Patienteninformation zur Brachytherapie ist im Beschluss des G-BA ab Seite 4 zu finden und als PDF-Dokument abrufbar.

*Hinweis: Solche Fragen erreichen den Krebsinformationsdienst regelmäßig. Die verwendete Frage ist keine Original-Anfrage, sondern ein redaktionell bearbeitetes Beispiel.

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