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Metastasierter Prostatakrebs: Neues Medikament (Pluvicto®) in Europa zugelassen

Die Europäische Kommission hat das Medikament Lutetium-177-PSMA-617 auch in Europa zugelassen. Es kann die Überlebenschancen von einer bestimmten Patientengruppe mit metastasiertem Prostatakrebs erheblich verbessern.

Mann bekommt etwas in die Vene gespritzt.
Lutetium-177-PSMA ist ein Arzneimittel, das Männer mit metastasiertem Prostatakrebs in mehreren Sitzungen in die Vene gespritzt bekommen. © yacobchuk, iStock

Nachdem das Medikament Lutetium-177-PSMA-617 (Handelsname Pluvicto®) bereits im März dieses Jahres die FDA-Zulassung für die USA erhalten hat, hat auch die Europäische Kommission am 13.12.2022 die Zulassung für Europa erteilt: für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs, der auf seiner Zelloberfläche das sogenannte "Prostata-spezifische Membranantigen" oder kurz PSMA trägt. Bislang ist das Medikament aber nur für Patienten zugelassen, die zuvor eine Chemotherapie und eine neue antihormonelle Therapie erhalten haben und nicht mehr auf eine klassische Hormontherapie ansprechen.

Das Lutetium-177-PSMA wurde federführend vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Heidelberg und der Universität Heidelberg entwickelt.

Wie wirkt Lutetium-177-PSMA?

Nicht verwechseln: PSMA und PSA

PSMA ist die Abkürzung für "Prostata-spezifisches Membranantigen". Das ist ein Eiweiß, das vermehrt auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen vorkommt.

PSA steht für "Prostata-spezifisches Antigen". Ein Eiweiß, das von gesunden Prostatazellen, aber vermehrt von Prostatakrebszellen gebildet wird und im Blut nachgewiesen werden kann.

Lutetium-177-PSMA-617 ist ein radioaktives Arzneimittel, das im Körper auf eine sehr kurze Distanz von wenigen Millimetern Strahlung abgibt.

Das Lutetium-177 ist die radioaktive Substanz, die an ein kleines Molekül namens PSMA-617 gekoppelt ist. Mit Lutetium-177 "im Gepäck" bindet PSMA-617 passgenau an PSMA der Prostatakrebszellen und kann so von der Zelle aufgenommen werden. Die Mehrzahl aller Prostatakrebszellen trägt dieses PSMA auf ihrer Zelloberfläche. Im übrigen Körper kommt das Eiweiß hingegen kaum vor. Daher nehmen vor allem die Krebszellen den Wirkstoff ins Zellinnere auf, so dass er sich in den Tumoren anreichert und seine zelltötende Strahlendosis im Zellinneren abgibt. Das macht die Wirkung der Therapie besonders präzise und zielgenau.

Warum die Forschung bei metastasierten Tumoren wichtig ist

Prostatakrebs ist mit 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung und die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern in Deutschland.

Ist der Tumor bei der Diagnose noch auf die Prostata beschränkt, so überleben die ersten 5 Jahre nach der Diagnose wahrscheinlich 100 von 100 Patienten. Bei metastasierten Tumoren überleben dagegen nur etwa 30 von 100 Männern.

Ausblick: Zulassungserweiterung in Sicht?

Derzeit prüfen Forschende bereits mit weiteren klinischen Studien, ob Lutetium-177-PSMA-617 auch Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs einen Überlebensvorteil bringt, die zuvor noch keine Chemotherapie und/oder neuen hormonellen Substanzen erhalten haben.





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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