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Darmkrebs-Früherkennung: Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung?

Frage des Monats

Viele Menschen finden den Gedanken an eine Darmspiegelung unangenehm. Welche anderen Darmuntersuchungen gibt es? Wie zuverlässig sind sie? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Wir geben Antworten auf häufige Fragen.

Während der Darmspiegelung © Felix Burda Stiftung
Bei einer Darmspiegelung untersucht der Arzt den Darm mit einem biegsamen Schlauch, der eine kleine Kamera am Ende hat. [Symbolbild] © Felix Burda Stiftung


Mit Ihren Bedenken sind Sie nicht allein: Einige Menschen verbinden mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) unangenehme Vorstellungen. Tatsächlich gibt es verschiedene andere Untersuchungen, mit denen Ärzte Darmkrebs früh erkennen können. Dazu gehören zum Beispiel Stuhltests, Bluttests oder eine Computertomographie. Allerdings sind diese Methoden weniger zuverlässig als eine Darmspiegelung. Und nicht bei allen übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

Stuhltest auf nicht sichtbares Blut

Röhrchen für Stuhlprobe
Für einen Stuhltest sammelt man zu Hause eine Stuhlprobe und gibt das Probenröhrchen in der Arztpraxis ab. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Ein Stuhltest zeigt, ob sich Blut im Stuhl befindet, das mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Das kann auf Darmkrebs hinweisen, da manche Darmtumoren und ihre Vorstufen bluten.

Für Menschen ab 50 Jahren gehört der Stuhltest zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland. Die Krankenkasse übernimmt also die Kosten. Das gilt allerdings nur für sogenannte immunologische Stuhltests, die das Blut mithilfe von Antikörpern nachweisen.

Studien zeigen: Stuhltests senken das Risiko an Darmkrebs zu sterben – vor allem für Menschen, die sie regelmäßig wiederholen. Sie sind aber weniger verlässlich als eine Darmspiegelung, denn nicht jeder Tumor oder Darmpolyp blutet. Und Blut im Stuhl kann auch harmlosere Gründe wie beispielsweise Hämorrhoiden haben. Wenn Ihr Stuhltest auffällig ist, ist also trotzdem eine Darmspiegelung notwendig, um die Ursache genauer abzuklären.

Virtuelle Darmspiegelung und Kapselendoskopie

Mann liegt auf der Liege eines Computertomographen (CT) und spricht mit seinem Arzt.
Auch mithilfe einer Computertomographie können Ärzte Bilder vom Darm erhalten. [Symbolbild] Foto: Tobias Schwerdt, © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Bei einer virtuellen Darmspiegelung, einer sogenannten CT- oder MRT-Koloskopie, fertigen die Ärzte Bilder des Darms mithilfe einer Computertomographie oder einer Magnetresonanztomographie an.

Bei einer Kapselendoskopie schlucken Betroffene eine kleine Kapsel mit Kameras. Sie sendet Bilder aus dem Darm und wird danach mit dem Stuhl wieder ausgeschieden.

  • Die CT-Koloskopie gilt als vergleichsweise zuverlässige Untersuchung, auch wenn kleinere Veränderungen im Darm nicht so gut erkennbar sind wie bei einer normalen Darmspiegelung. Sie geht allerdings mit einer gewissen Strahlenbelastung einher.
  • Die MRT-Koloskopie dagegen ist zur Früherkennung von Darmkrebs nicht zuverlässig genug.
  • Die Kapselendoskopie ist bisher nicht gut genug untersucht, um sie zur Darmkrebs-Früherkennung in der Allgemeinbevölkerung zu empfehlen.

Wichtig zu wissen: Für alle diese Verfahren ist eine gründliche Darmreinigung ebenso notwendig wie bei einer normalen Darmspiegelung. Sind die Untersuchungsergebnisse auffällig, dann erhalten Sie außerdem zusätzlich eine normale Darmspiegelung oder eine Operation. Denn Arzt oder Ärztin können bei diesen Untersuchungen keine Gewebeproben entnehmen, um sie auf Krebszellen zu untersuchen.

Fachleute empfehlen die CT-Koloskopie und die Kapselendoskopie deshalb nur Menschen, bei denen eine normale Darmspiegelung nicht möglich ist oder nicht vollständig war, zum Beispiel wegen Verengungen im Darm. Ist sie medizinisch notwendig, dann übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Untersuchung.

Molekularbiologische Stuhl- und Bluttests

Es gibt weitere Verfahren, mit denen Ärztinnen und Ärzte den Stuhl untersuchen können. Dazu gehören unter anderem molekularbiologische Tests. Sie weisen sogenannte Biomarker nach, die auf Krebs hindeuten – wie etwa Veränderungen am Erbmaterial oder bestimmte Eiweiße, die von Darmkrebszellen vermehrt gebildet werden.

Ein anderer Ansatz sind Bluttests. Denn ein Darmtumor kann typische Biomarker auch ins Blut abgeben, die sich dann dort nachweisen lassen.

Wichtig zu wissen: Diese Tests befinden sich noch in der Entwicklung und sind nicht ausreichend untersucht. Es steht also bisher nicht fest, ob sie sich zur Früherkennung von Darmkrebs eignen.

Einige dieser Verfahren werden trotzdem als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) oder zum Selbstkauf im Internet angeboten. Das bedeutet: Diese Tests müssen Sie selbst bezahlen. Bevor Sie sich für eine solche Untersuchung entscheiden, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darum bitten, Ihnen die Vor- und Nachteile für Ihre persönliche Situation zu erläutern und sich bei unabhängigen Ansprechpartnern wie dem Krebsinformationsdienst informieren.



Fazit: Darmspiegelung ist die zuverlässigste Methode

Auch wenn Ihnen die Vorstellung einer Darmspiegelung unangenehm ist, sollten Sie bedenken, dass diese Untersuchung die zuverlässigste Methode zur Darmkrebs-Früherkennung ist. Auch Krebsvorstufen lassen sich während der Darmspiegelung entfernen, bevor ein Tumor daraus entstehen kann. Für die Darmspiegelung übernimmt die Krankenkasse die Kosten bei Männern ab 50, bei Frauen ab 55 Jahren.

Weniger unangenehm, als viele denken: Befragungen zeigen, dass die Untersuchung weniger belastend ist, als viele Menschen meinen. Auch die vorbereitende Darmreinigung empfinden viele Menschen zwar als unangenehm, aber erträglich.

Gut zu wissen: Wenn Sie Angst vor der Untersuchung haben, können Sie ein Beruhigungsmittel oder eine Kurznarkose bekommen. Dann spüren Sie kaum etwas und schlafen während der Untersuchung weitgehend.

Auch das Risiko für Komplikationen durch die Darmspiegelung ist sehr gering. Möglich sind kleine Blutungen im Darm – vor allem dann, wenn die Ärztin oder der Arzt Krebsvorstufen entfernt. Solche Blutungen sind jedoch harmlos und können meist direkt gestillt werden. Schwerere Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Darmdurchbrüche treten nur bei weniger als 1 von 1.000 Darmspiegelungen auf.

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Wenn Sie weitere Fragen zu Vor- und Nachteilen der verschiedenen Methoden haben oder unsicher sind, ob Sie die Darmkrebs-Früherkennung wahrnehmen möchten, fragen sie nach. Ihre Ärzte können Ihre persönliche Situation und Ihr individuelles Darmkrebsrisiko am besten einschätzen.





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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