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Brustkrebs: Gewichtszunahme durch Antihormontherapie oder Chemo?

Hintergründe und Vorbeugung

Patientinnen mit Brustkrebs nehmen oft an Gewicht zu. Dies kann durch einen Hormonmangel bedingt sein, der durch eine antihormonelle Behandlung oder eine Chemotherapie entsteht – kann aber auch andere Gründe haben.

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Eine Frau stellt sich auch die Waage.
Es kommt vor, dass Brustkrebspatientinnen im Verlauf der Erkrankung zunehmen. [Symbolbild] © Shvets production, Pexels

Viele Brustkrebspatientinnen berichten, dass sie nach der Diagnose oder vielmehr während der Therapie an Gewicht zunehmen.

Fachleute vermuten, dass dies mit Brustkrebstherapien zusammenhängen könnte: nämlich dann, wenn sich die Therapie auf die körpereigenen Hormone auswirkt. Denn: Frauen nehmen auch häufig in den Wechseljahren zu – eine Zeit, in der sich der Körper ebenfalls hormonell sehr umstellt.

Hormone beeinflussen den Fettstoffwechsel

Lexikon

Östrogen: weibliches Geschlechtshormon, dass vor den Wechseljahren hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet wird

Menopause: letzte Regelblutung im Leben

In oder nach den Wechseljahren verändert sich unter anderem der Fettstoffwechsel bei Frauen. Das ist für Fachleute eine mögliche Ursache dafür, dass Frauen in dieser Lebensphase zunehmen.

Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Östrogene den Fettstoffwechsel beeinflussen. So konnten Forschende beispielsweise belegen, dass sich das Körperfett nach der Menopause anders einlagert: Es setzt zum Beispiel statt an den Oberschenkeln eher am Bauch an.

Ob und wie stark ein Östrogenmangel bewirkt, dass generell mehr Fett eingelagert wird, ist nicht geklärt. Dafür gibt es bisher keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten aus klinischen Studien.

Diese Krebstherapien können einen Hormonmangel verursachen

Bekommen Brustkrebspatientinnen eine Chemo- oder Antihormontherapie, löst dies bei ihnen häufig Symptome eines Östrogenmangels aus.

  • Chemotherapie: Brustkrebspatientinnen, die bei Therapiebeginn noch nicht in den Wechseljahren sind, bekommen häufig eine Chemotherapie. Die Chemo kann dazu führen, dass die Eierstöcke zu wenig oder gar kein Östrogen mehr bilden. Dieser Hormonmangel kann typische Wechseljahresbeschwerden auslösen wie etwa Hitzewallungen oder Gelenkbeschwerden.
  • Antihormontherapie: Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs erhalten häufig eine antihormonelle Therapie. Denn bei diesen Patientinnen regen unter anderem Östrogene die Krebszellen an, zu wachsen. Eine Antihormontherapie verhindert, dass Östrogen im Körper gebildet wird oder wirken kann.

Auch Brustkrebspatientinnen mit hormonabhängigen Tumoren nach den Wechseljahren bekommen eine antihormonelle Therapie. Die Eierstöcke bilden dann zwar kein Östrogen mehr, andere Gewebe – wie etwa das Fettgewebe – stellen jedoch auch weiterhin eine geringe Menge davon her.

Wichtig zu wissen: Die Antihormontherapie kann bereits vorhandene Wechseljahresbeschwerden verstärken. Allerdings wirkt sich ein Östrogenmangel häufig besonders stark bei Brustkrebspatientinnen aus, die vor Therapiebeginn noch nicht in den Wechseljahren waren.

Warum Brustkrebspatientinnen zunehmen

Es gibt verschiedene Faktoren, die beeinflussen können, dass Frauen mit Brustkrebs an Gewicht zunehmen.

  • Lebensgewohnheiten: Betroffene sind durch die Diagnose nicht nur seelisch, sondern auch körperlich belastet und ändern deswegen möglicherweise ihre Gewohnheiten – auch in Bezug auf körperliche Aktivität und Ernährung. Beispielsweise können Nebenwirkungen wie Gelenkbeschwerden unter einer Antihormontherapie oder Fatigue durch eine Chemo dazu führen, dass sie sich weniger bewegen.
  • weitere Medikamente: Manche Brustkrebspatientinnen nehmen noch weitere Medikamente ein, die eine Gewichtszunahme fördern können, wie etwa Kortikosteroide
  • Hormonmangel? Inwiefern ein Östrogenmangel dazu beiträgt, dass Brustkrebspatientinnen zunehmen, konnten Forschende mit ihren bisherigen wissenschaftlichen Daten noch nicht eindeutig aufklären. Dies müssen sie noch weiter untersuchen.

Neben dem Hormonmangel gibt es also verschiedene andere Faktoren, die beeinflussen können, dass Brustkrebspatientinnen zunehmen. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass die Wechseljahre einsetzen, während Betroffene eine antihormonelle Therapie erhalten.

Fazit: Es lässt sich also nicht immer abgrenzen, ob und in welchem Ausmaß eine Chemo oder eine Antihormontherapie dazu beitragen, dass Brustkrebspatientinnen zunehmen.

Einer Gewichtszunahme kann man vorbeugen

Unabhängig davon, ob Brustkrebspatientinnen durch den therapiebedingten Hormonmangel oder durch andere Faktoren zunehmen: Es lohnt sich, etwas dagegen zu tun.

Studien zeigen: Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können vielen Betroffenen dabei helfen, ein gesundes Körpergewicht zu halten – was sich auch generell positiv auf den Krankheitsverlauf und auf die Lebensqualität auswirkt





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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