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Aktuelles

Brustkrebs: Lebensqualität normalisiert sich wieder – aber nicht ganz

DKFZ-Studie: Gezieltere Nachsorge könnte helfen

Fünf Jahre nach der Diagnose hat sich die Lebensqualität von Brustkrebsüberlebenden weitestgehend wieder den Werten der Allgemeinbevölkerung angeglichen. Das ermittelten Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum.
Allerdings litten die Betroffenen weiterhin signifikant stärker unter Schlafproblemen, kognitiven Beeinträchtigungen und unter Fatigue.

Die Ergebnisse der gerade veröffentlichten Studie sollen dazu beitragen, die Brustkrebsnachsorge gezielter an die Beschwerden der Betroffenen anzupassen.

Immer mehr Frauen überstehen die Erkrankung gut – umso wichtiger wird die Lebensqualität

Frau entspannt sich im Grünen - Lebensqualität nach Brustkrebs. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Lebensqualität - im Alltag zur Ruhe kommen. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 70.000 Frauen an Brustkrebs. Dank großer Fortschritte in der Früherkennung und der Therapie überleben heute deutlich über 80 Prozent der Betroffenen die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Die Zahl der Frauen, die nach der Brustkrebstherapie viele Jahre erkrankungsfrei leben, ist hoch und weiter steigend.
Die langfristige Lebensqualität nach einer Brustkrebstherapie gewinnt daher immer mehr an Bedeutung. Die Datenlage zu den Problemen und Bedürfnissen der erkrankungsfreien Frauen war bisher jedoch noch dünn.

Im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) untersuchte daher Martina Schmidt verschiedene Aspekte der Lebensqualität im zeitlichen Verlauf bis fünf Jahre nach einer Brustkrebsdiagnose und verglich sie mit den Werten gleichaltriger Frauen der deutschen Allgemeinbevölkerung.
Zudem befragte die Wissenschaftlerin 190 Frauen, die fünf Jahre nach Diagnose noch erkrankungsfrei waren, nach Problemen, Symptomen und der Zufriedenheit mit Unterstützungsangeboten.

Konzentration und Schlaf auch nach fünf Jahren noch beeinträchtigt

Während der Krebstherapie selbst waren die allgemeine Lebensqualität sowie physische, emotionale, soziale, kognitive Funktionen erheblich eingeschränkt. Auch litten die Patientinnen mehr unter chronischen Erschöpfungszuständen (Fatigue), Schlafstörungen und finanziellen Sorgen als die Allgemeinbevölkerung.

Nach fünf Jahren hatten sich die Werte jedoch für fast alle Funktionen und Symptome wieder an die Normwerte angeglichen. Die erkrankungsfreien Brustkrebsüberlebenden litten aber nach wie vor signifikant stärker an Schlafproblemen und berichteten über signifikant schlechtere kognitive Funktionen als die Frauen der Allgemeinbevölkerung.

Nach fünf Jahren gaben 39 Prozent der erkrankungsfreien Brustkrebsüberlebenden an, mäßig oder sehr an Schlafproblemen zu leiden, und 22 Prozent hatten Gedächtnisprobleme. Zudem waren 24 Prozent der Überlebenden noch von Fatigue betroffen, und von allen berichteten Symptomen beeinträchtigte Fatigue die Lebensqualität am stärksten. Fatigue trat häufig zusammen mit psychischen Problemen, Schlafproblemen, Schmerzen oder Gedächtnisproblemen auf.

Ein weiterer häufiger Symptomkomplex, der unabhängig von Fatigue auftrat, umfasste hormonbedingte klimakterische Probleme wie sexuelle Störungen (z.B. vaginale Trockenheit, Reizungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Libidoverlust), Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen, Hitzewallungen, Osteoporose und psychische Probleme.
43 Prozent der Brustkrebsüberlebenden hätten sich zu diesen Beschwerden von ihren Ärzten mehr Beratung oder Therapieangebote gewünscht.

Auch hinsichtlich des Verlusts an körperlicher Leistungsfähigkeit, Schlafproblemen, Gelenkbeschwerden, kognitiven Problemen, Gewichtsproblemen und Fatigue empfand über ein Drittel der Frauen die Unterstützung als unzureichend.

Probleme in der Nachsorge gezielter ansprechen

"Die Ergebnisse sind eine beruhigende Botschaft an Brustkrebspatientinnen: Auch wenn sie während der Behandlung unter deutlichen Einschränkungen der Lebensqualität leiden, so klingen die belastenden Symptome doch langfristig bei der Mehrheit wieder ab", sagt Karen Steindorf, Leiterin der Studie. Dies gelte für Patientinnen, deren Tumor noch nicht gestreut hat. "Andererseits zeigen die Ergebnisse deutlichen Handlungsbedarf für ein besseres und längerfristiges Management von Fatigue, Schlafproblemen, kognitiven Problemen, klimakterischen Problemen und Gelenkbeschwerden bei Brustkrebsüberlebenden."