© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Aktuelles

Produkte aus ganzen Blättern: Krebsrisiko Aloe

Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor möglicherweise krebserregenden Inhaltsstoffen aus der Schale

Bei Aloe-Produkten denken viele Menschen zuerst an Aloe vera Gel in Kosmetika. Doch es gibt noch viel mehr, beispielsweise Säfte und weitere Nahrungsergänzungsmittel aus ganzen Aloe-Blättern. Sind letztere tatsächlich gut für die Gesundheit? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die Gesundheitsrisiken von Zubereitungen aus ganzen, ungeschälten Blättern von Aloe-Pflanzen bewertet. Denn: Die Schale der Blätter von Aloe-Pflanzen enthält Inhaltsstoffe, die möglicherweise krebserregend sind. Neue Studien haben diesen Verdacht nun bestärkt. Der Tipp des BfR: Am besten verzichtet man auf Produkte, in denen ganze Aloe-Blätter verwendet wurden.

Warum sind aus ganzen Aloe-Blättern hergestellte Produkte krebserregend?

Aloe arborescens Pflanze mit Blüten © Ton Rulkens
Aloe arborescens Pflanze mit Blüten © Ton Rulkens

Eine Suche im Internet zeigt: Neben den weit verbreiteten Kosmetika mit Gel aus Blättern der Aloe vera (Aloe barbardensis) werden aktuell noch viele weitere Aloe-Produkte vermarktet. Ein Beispiel sind Extrakte aus ganzen Blättern der Baumaloe (Aloe arborescens). Sie werden zum Beispiel in Form von Säften als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Diese Extrakte sollen laut Aussage einiger Anbieter gesund sein und sogar gegen Krebs helfen.

Tatsächlich stehen einige Inhaltsstoffe, die sogenannten Anthranoide, seit längerem unter Verdacht, möglicherweise krebserregend zu sein. Besonders im Fokus der Wissenschaftler: die Anthrachinone, eine Untergruppe der Anthranoide.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat nun die Gesundheitsrisiken von Produkten aus ganzen, ungeschälten Aloe-Blättern bewertet. Die Ergebnisse von Langzeitstudien an Ratten erhärten den Verdacht: Einige der in Säften aus ganzen, ungeschälten Blättern der Art Aloe arborescens enthaltenen Substanzen sind möglicherweise krebserregend. Für eine endgültige Beurteilung müssen jedoch noch weitere Studien durchgeführt werden.

Auch Produkte aus ganzen Blättern anderer Aloe-Arten wurden bereits untersucht: Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Extrakte aus ganzen Aloe vera (Aloe barbardensis) Blättern bereits in 2016 als möglicherweise krebserregend für den Menschen eingestuft.

Wie kann man sich schützen?

Die möglicherweise krebserregenden Anthranoide sind in der obersten Schicht der Blätter von Aloe-Pflanzen enthalten. Daher empfiehlt das BfR:

  • Bei der Herstellung von Speisen und Getränken mit Aloe-Blättern sind die äußeren Blattschichten sorgfältig zu entfernen.
  • Auf Säfte, Nahrungsergänzungsmittel und sonstige Lebensmittel auf der Basis von ganzen, ungeschälten Blättern der Aloe arborescens sollte man ganz verzichten.

Sind Kosmetika mit Aloe vera Gel auch betroffen?

Einen weit größeren Anteil der Aloe-Produkte auf dem Markt machen jedoch Duschgel, Cremes oder weitere Kosmetika mit Aloe vera Gel aus. Sie enthalten in der Regel keine ganzen Blätter, sondern ein aus dem Mark der Blätter der Art Aloe barbardensis (Aloe vera) hergestelltes Gel: Es ist für seine feuchtigkeitsspendende und kühlende Wirkung bekannt. Enthält auch Aloe-Gel die möglicherweise krebserregenden Inhaltsstoffe? Die Anthranoide sind nur in der äußeren Blattschicht der verschiedenen Aloe-Arten enthalten. Lebensmittel und Kosmetika, die nur aus der innersten Blattschicht hergestelltes Gel enthalten, sind daher von der aktuellen Warnung des BfR nicht betroffen.

Was ist mit auf Aloe basierenden Abführmitteln?

Auf Aloe basierende Abführmittel haben eine lange Tradition in der Heilkunde. Allerdings werden sie ebenfalls aus dem Saft von ganzen, ungeschälten Blättern von Aloe-Pflanzen hergestellt. Das bedeutet: Auch sie enthalten je nach Zubereitungsform die möglicherweise krebserregenden Anthranoide als Wirkstoffe. Es gibt Studien, die den Zusammenhang zwischen Darmkrebs und der langfristigen Einnahme anthranoidhaltiger Abführmittel untersucht haben. Die Ergebnisse dieser Studien sind jedoch uneinheitlich. Ob Aloe-haltige Abführmittel trotzdem gegen Verstopfung infrage kommen, sollte man auf jeden Fall mit den behandelnden Ärzten besprechen.

Gibt es ähnliche Beispiele für riskante Zubereitungen aus Pflanzen?

Ein aktuelles Beispiel hierfür sind frische Zubereitungen und Säfte aus Açaí-Beeren. Die Früchte der in Südamerika heimischen Açaí-Palme enthalten viele Antioxidantien - was sie eigentlich zu einem gesunden Obst macht. Sie werden daher zunehmend auch in Deutschland als "Superfood" beworben, das sogar gegen Krebs schützen soll. Angeboten werden allerdings nur selten die frischen Beeren: Meist handelt es sich um Extrakte oder Zubereitungen, die einen mehr oder weniger aufwändigen Herstellungs- und Konservierungsprozess durchlaufen haben.

Auffällig ist: dort wo viel frischer Açaí-Saft getrunken wird, zum Beispiel in Brasilien, kommt es jedes Jahr zu Ausbrüchen der sogenannten Chagas-Krankheit. Sie geht bei der Infektion mit grippeähnlichen Symptomen einher. Nach mehreren Jahren ohne Beschwerden können dann Schäden am Herz oder an Verdauungsorganen auftreten. Dank neuer Methoden konnten Forscher nun einen Zusammenhang herstellen: Säfte oder roher Fruchtbrei aus Açaí-Beeren können mit dem Erreger der Chagas-Krankheit, dem Parasiten Trypanosoma cruzi, verunreinigt sein. Dieser gelangt bei der Verarbeitung der frischen Beeren in den Saft.

Trinkt man, wie in Brasilien üblich, den unbehandelten und nicht pasteurisierten oder sterilisierten Saft, so kann man sich mit dem Erreger anstecken. In Deutschland sind rohe Beeren oder daraus zubereitete, aber frische Produkte dagegen kaum erhältlich.