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Februar 2013: Zielgerichtete Medikamente gegen Brustkrebs - kein Ersatz für andere Therapien

Seit einigen Jahren gibt es zur Behandlung von Brustkrebs neue Medikamente: sogenannte zielgerichtete Arzneimittel, auf Englisch auch als "targeted therapies" bezeichnet.
Welchen Stellenwert haben diese Wirkstoffe, die gezielt gegen Merkmale auf Tumorzellen gerichtet sind? Können sie die bisherigen Verfahren ersetzen, etwa die antihormonelle Behandlung oder die Chemotherapie?
Anhand einer aktuellen E-Mail-Anfrage bietet der Krebsinformationsdienst einen Überblick sowie Linktipps zu weiterführenden Informationen und Quellen.



Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre E-Mail an den Krebsinformationsdienst. Wie Ihnen geht es vielen Frauen mit Brustkrebs: Obwohl der Tumor bei einer Operation eigentlich vollständig entfernt wurde, soll sich eine längere ergänzende oder "adjuvante" Behandlung anschließen.
Und wie Sie fragen sich viele Frauen, ob Ihnen diese längere Therapie - die auch Nebenwirkungen hat - wirklich etwas nützt.

Gerne bietet Ihnen der Krebsinformationsdienst im folgenden Text Hintergründe und Linktipps. Und gerne stellen wir zu Ihrer Frage nach zielgerichteten Medikamenten gegen Brustkrebs Informationen zusammen. Wir gehen dabei davon aus, dass Ihnen die Behandlung mit dem Mittel Herceptin® empfohlen wurde. Dieses enthält den Wirkstoff Trastuzumab. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass wir Ihnen die konkrete Beratung durch Ihre Ärzte nicht ersetzen können:

  • Der Nutzen einer ergänzenden adjuvanten Behandlung lässt sich zwar aus den Daten klinischer Studien abschätzen.
    Wie er für eine einzelne Brustkrebspatientin aussehen kann, hängt aber auch von der individuellen Situation ab.

Mit dem Arzt sprechen

Was Sie auch bedenken sollten, wenn Sie über die nächsten Monate nachdenken: Nicht jede Frau muss mit allen denkbaren Nebenwirkungen rechnen, und selbst wenn unerwünschte Wirkungen auftreten, leidet nicht jede Frau gleich stark darunter. Gegen viele Nebenwirkungen der Krebsbehandlung lässt sich außerdem heute etwas tun.

Unsere Antworten auf Ihre Fragen können nur einen allgemeinen Überblick bieten: Wir würden uns aber freuen, wenn die folgenden Informationen und Linktipps Ihnen dabei helfen, sich auf das Gespräch mit Ihren Ärzten besser vorbereiten zu können.

Moderne Medikamente gegen Brustkrebs: Ergänzung, kein Ersatz für andere Therapien

In den vergangenen Jahren hat die Brustkrebs-Behandlung große Fortschritte gemacht. Ärzte wissen heute mehr über die Biologie von Mammakarzinomen. Und man kennt biologische Merkmale, aus denen sich Anhaltspunkte zum persönlichen Rückfallrisiko einer erkrankten Frau ableiten lassen.

Eines davon ist ein Merkmal auf Tumorzellen, das auf ein aggressives Wachstum des Gewebes hindeutet: Der sogenannte HER2-Rezeptor bindet Wachstumsfaktoren.
Ist er besonders oft vorhanden? Dann muss eine Frau trotz Operation mit einem höheren Rückfallrisiko rechnen als eine Frau, bei der diese Merkmale nicht außergewöhnlich oft im Tumorgewebe gefunden werden.
Diese Rezeptoren lassen sich aber blockieren. Dazu können Patientinnen seit einigen Jahren einen Antikörper als Medikament erhalten. Er besetzt den Rezeptor, bevor wachstumsfördernde Stoffe "andocken" können. So bremst er die Vermehrung von Tumorzellen, die eventuell nach einer Operation noch unsichtbar im Körper verblieben sind.

Dieser Antikörper ist unter dem Markennamen Herceptin® erhältlich. Der Wirkstoff selbst heißt Trastuzumab. Er muss als Infusion gegeben werden. Frauen, deren Erkrankung auf die Brust begrenzt war, empfehlen Fachleute derzeit eine Behandlung über ein Jahr.

Den Tumor auf verschiedenen Wegen angreifen

Zielgerichtete Therapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Kann Herceptin®  andere adjuvante Therapien ersetzen? Eher nein: Bislang setzen Ärzte auf eine Kombination mehrerer Strategien und verordnen nicht nur eine Behandlungsform.
Man weiß, dass eine Chemotherapie das Rückfallrisiko ebenfalls senken kann. Und in klinischen Studien konnte gezeigt werden: Frauen erleiden noch seltener einen Rückfall oder bilden Metastasen aus, wenn sie sowohl eine Chemotherapie wie auch den Antikörper erhalten.
Bei Frauen, deren Tumor außerdem auf das weibliche Hormon Östrogen mit Wachstum reagiert, empfehlen Experten zur Sicherheit zusätzlich eine Hormonentzugstherapie. So werden noch im Körper verbliebene Tumorzellen auf möglichst vielen Wegen daran gehindert, sich weiter zu teilen und sich zu neuen Tumoren zu entwickeln.
Die schützende Wirkung des Antikörpers zur alleinigen Therapie ist dagegen bisher nicht belegt.

Behandlungsplanung individuell

Aufgrund Ihrer E-Mail gehen wir davon aus, dass Ihre Ärzte auch bei Ihnen eine solche Kombination planen. Sie möchten Ihnen einen möglichst hohen Schutz vor einem Rückfall bieten, einem sogenannten Rezidiv.
Auf das ein oder andere Verfahren wird nur verzichtet, wenn bei einer Frau konkrete Gründe gegen die Therapie sprechen. Grundlage ist dabei immer eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiko.
Hier einige Beispiele:

  • Würde eine Frau eine Chemotherapie nicht vertragen, zum Beispiel weil sie eine Vorerkrankung hat? Dann müsste man darauf verzichten.
  • Reagiert laut der vorher durchgeführten Tests das Tumorgewebe nicht auf Hormone? Dann ist auch eine Hormonentzugsbehandlung nicht sinnvoll.
  • Weist der Tumor einer Frau keine vermehrten HER2-Rezeptoren auf? Dann hätte sie von der Behandlung nur das Risiko von Nebenwirkungen, aber keinen Nutzen.

Wir möchten Sie daher noch einmal um Verständnis dafür bitten, dass wir Ihnen zunächst nur diese allgemeinen Hintergrundinformationen zur Verfügung stellen. Bitte sprechen Sie mit Ihren Ärzten noch einmal darüber, wie sich Ihr persönliches Risiko für einen Rückfall am besten senken lässt.
In einem solchen Gespräch darf auch eine Rolle spielen, wie sehr die geplante Behandlung Ihr alltägliches Leben in den nächsten Monaten bestimmen wird. Bitten Sie um Informationen, wer Sie beispielsweise bei der Versorgung Ihrer Familie unterstützen kann, wenn es Ihnen zeitweilig nicht so gut gehen sollte.

Linktipps zum Weiterlesen

Folgende weiteren Texte des Krebsinformationsdienstes bieten Ihnen Hintergrundinformationen:

Einen allgemeinen Überblick über die Behandlungsplanung bietet Ihnen außerdem der Text "Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs – eine Übersicht" .

Gut durch die Zeit der Therapie kommen

Hilfe suchen

Wenn die Behandlung sehr belastet, sollte man sich nicht scheuen, Hilfe und Unterstützung zu suchen.

Hilfe bei der Bewältigung einer Krebserkrankung im Alltag bieten Ihnen außer Ihren behandelnden Ärzten folgende Ansprechpartner:

Lassen Sie sich von Ihrer Krankenkasse darüber informieren, welche Hilfen Ihnen laut Sozialrecht zustehen. Sollten Ihre Kinder noch klein sein und Ihnen niemand die Versorgung abnehmen können, so steht Ihnen möglicherweise zeitweilig eine Haushaltshilfe zu.
Wird Ihre Behandlung noch vom Krankenhaus aus organisiert, fragen Sie nach einem Beratungstermin beim Kliniksozialdienst. Weitere Einrichtungen nennt Ihnen das Informationsblatt "Sozialrechtliche Ansprechpartner" (PDF).

Unterstützung können Sie außerdem über eine Krebsberatungsstelle finden. Eine Adressliste hat der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Wegweiser"  zusammengestellt.
Dort finden Sie unter "Selbsthilfe" auch Links zu Selbsthilfeorganisationen, wo Sie sich mit anderen Patientinnen über deren Erfahrungen mit der adjuvanten, begleitenden Brustkrebsbehandlung austauschen können.
Einen Überblick über psychoonkologische Hilfen bietet Ihnen außerdem unser Informationsblatt "Diagnose Krebs. Wie geht mein Leben jetzt weiter?" (PDF).



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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