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August 2013: Zur Ruhe kommen - Entspannungstechniken für Krebspatienten

Innere Unruhe, Nervosität und Angst - viele Krebspatienten kennen diese Gefühle nur zu gut. Manchmal ist es gar nicht die Erkrankung selbst, die Sorgen verursacht. Als zusätzlich belastend empfinden Betroffene nicht selten die notwendigen Untersuchungen und Behandlungen: das Stillhalten bei einer Computertomographie, das beklemmende Liegen in der engen "Röhre" eines Magnetresonanztomographen oder unter der "Strahlenkanone", das Warten, bis die Infusion zur Chemotherapie endlich durchgelaufen ist. Was kann man gegen Angst und Nervosität in solchen Situationen tun? Muss man diese negativen Gefühle wirklich aushalten?

Anhand einer aktuellen E-Mail-Anfrage zum Thema möchte der Krebsinformationsdienst Betroffenen Informationen und Anregungen geben, wie man belastende Situationen entspannter meistern kann.

Interessierte und Fachleute finden am Ende des Textes weiterführende Informationen und die zur Erstellung des Textes genutzten Quellen.

Entspannung: Kleiner Zen-Garten mit Stein auf Sand © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
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Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Wie Ihnen geht es auch vielen anderen Krebspatienten: Im Alltag "läuft" eigentlich alles ganz gut, und man geht mit der Erkrankung und ihren Anforderungen scheinbar gefasst um. Doch dann gibt es Anlässe, bei denen sich Ängste und Sorgen unvermittelt zurückmelden. Sie können von Mensch zu Mensch ganz verschieden sein. Wie bei Ihnen gehören dazu oft die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Kommt wie bei Magnetresonanztomographien noch die Beklemmung durch das Liegen und Stillhalten in der engen "Röhre" dazu, so fällt es vielen Betroffenen schwer, die Situation zu ertragen.

Was können Sie aktiv dazu beitragen, um besser durch diese Phasen zu kommen? Es gibt eine Reihe von Entspannungstechniken, die zu mehr innerer Ausgeglichenheit beitragen können. Hat man sie einmal erlernt, lassen sie sich gerade in Stresssituationen zur eigenen Beruhigung einsetzen. Im Folgenden haben wir Ihnen eine Auswahl von Verfahren zusammengestellt, die sich bei Krebspatienten bereits bewährt haben.

Was bei Ihnen "funktioniert" und was nicht, hängt aber auch von Ihrer persönlichen Situation ab, ein "Richtig" oder "Falsch" gibt es hier nicht.  Manche der Techniken können Sie sich selbst beibringen, etwa mit einem Buch oder einem Übungsblatt. Andere erlernt man besser unter Anleitung.

Wenn Sie bereits vor Ihrer Erkrankung unter Stress standen, wenn Sie schon länger mit starker Anspannung auf eigentlich wenig belastende Anlässe reagiert haben, können einfache Entspannungsübungen zwar helfen; sie reichen zu Ihrer Entlastung vielleicht aber nicht aus.

Daher haben wir für Sie auch Informationen dazu zusammengestellt, wo Sie Anbieter von Kursen und weitere Ansprechpartner finden, und was Sie insgesamt zur Krankheitsverarbeitung tun können. Auch Ihre behandelnden Ärzte können Ihnen weitere Tipps geben und Sie unterstützen.

Bei Fragen steht Ihnen der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung.

Entspannungstechniken: Zur Ruhe kommen

Entspannungstechniken sind Teil gängiger therapeutischer Angebote für Krebspatienten. Auf entsprechende Informationen und Kurse stößt man oft schon während der Behandlung im Krankenhaus oder in Rehakliniken.

Die Grundlagen der meisten Techniken lassen sich aber auch unabhängig von Krebstherapie oder Rehabilitation erlernen.

Für einfache Entspannungstechniken reichen meist schon ein Buch oder eine CD. Aber auch die Anleitung in einer Gruppe ist möglich.

Viele regionale Krebsberatungsstellen informieren über Entspannungsangebote oder bieten selbst, umsonst oder gegen eine Gebühr, entsprechende Trainings an. Auch an Volkshochschulen, in Fitnessstudios oder bei Sportvereinen können die verschiedensten Kursangebote wahrgenommen werden.

Je nach Anbieter übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für solche Kurse. Die Krankenversicherer raten deshalb, sich vor der Anmeldung wegen der Kostenübernahme zu erkundigen. Einige Kassen bieten zudem eigene Kurse an, die für Versicherte kostenfrei oder besonders günstig sind. Bei privaten Versicherungen hängt es vom individuellen Tarif ab, welche Leistungen übernommen werden.

Wer akut größeren Belastungen ausgesetzt ist, kann mit seinem Hausarzt besprechen, ob eine psychoonkologische Unterstützung durch Fachleute sinnvoll ist: Psychoonkologen sind besonders ausgebildete Spezialisten, die professionelle und individuelle Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung anbieten. Sie sind häufig auch mit Entspannungsverfahren vertraut, die sich schlecht ohne Anleitung erlernen lassen, oder die besser unter Aufsicht eingesetzt werden sollten.

Welche Verfahren sind gängig?

Die folgenden Methoden werden in der Fachliteratur häufig aufgeführt:

  • Die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson ist eine vergleichsweise einfach zu erlernende Entspannungsmethode: Dabei werden die Muskeln systematisch angespannt und wieder entspannt. Ein Beispiel: Im Sitzen oder im Liegen ballt man zuerst die rechte Hand für einige Sekunden zur Faust und lässt wieder los, dann die linke. Dann spannt man die Muskeln im Oberarm an und löst die Spannung bewusst wieder. Diesen Wechsel von Anspannung und Entlastung setzt man nacheinander für weitere Muskelgruppen im ganzen Körper fort. Langfristig sollen die Übungen die eigene Körperwahrnehmung verbessern: Man bemerkt muskuläre Verspannung und Verkrampfung schneller und kann sie bewusster beeinflussen. 
    Ziele der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson sind  unter anderem innere Ruhe und Gelassenheit, verbesserte Schlaf- und Erholungsfähigkeit sowie verbesserte Stress- und Angstbewältigung, etwa bei Untersuchungen, vor Operationen oder in anderen konkreten Belastungssituationen. Die Progressive Muskelentspannung lässt sich schnell und im Prinzip auch allein erlernen: Zu kaufen gibt es Broschüren, CDs oder Filme, und viele Krankenkassen und weitere Organisationen im Gesundheitsbereich bieten solche Lernprogramme sogar kostenlos an. Alternativ gibt es Kurse, in denen Interessierte eine persönliche Anleitung bekommen.
  • Autogenes Training: Auch bei dieser Technik steht die ganzheitliche Entspannung im Vordergrund. Man lernt, sich durch das Wiederholen formelhafter Sätze in einen Zustand der Entspannung zu versetzen. Beispiele sind "mein Arm wird ganz schwer" oder "meine Atmung ist ruhig und gleichmäßig". Fachleute sprechen von "Autosuggestion", einer Art "Selbsthypnose", bei der man die äußeren Reize ausblendet und sich selbst in einen Zustand der Ruhe versetzt. Zwar lässt sich Autogenes Training auch aus Büchern oder mithilfe von CDs lernen, viele Menschen tun sich jedoch mit Kursen unter Anleitung leichter.
  • Imaginationstechniken: Hierunter fasst man verschiedene weitere Techniken zusammen, die mit inneren Vorstellungsbildern arbeiten, wie etwa Gedanken- oder Phantasiereisen. Mithilfe dieser Bilder sollen Emotionen beeinflussbar werden: Positive Eindrücke und Vorstellungen sollen Anspannung und Angst in den Hintergrund treten lassen.
    Imaginationstechniken erlernt man am besten unter professioneller Anleitung. Sie gehören wie das Autogene Training zu den Verfahren, mit denen viele Ärzte und Psychotherapeuten bei der Betreuung von Krebspatienten arbeiten.
  • Yoga soll das Gleichgewicht von Körper und Geist herstellen sowie Muskulatur und Nervensystem stärken. Manche Menschen können durch das Erlernen der richtigen Atemtechnik in Stresssituationen beispielsweise einen Blutdruckanstieg besser kontrollieren. Beim Yoga gibt es verschiedene Formen, die entweder meditativ oder eher sportlich ausgerichtet sind, je nach Anbieter. Die Auswahl ist abhängig von den Zielen, die man mit der Ausübung verknüpft.
    Yoga erlernt man am besten in Kursen qualifizierter Anbieter – einige Übungen können durchaus körperlich belastend sein, vor allem, wenn sie nicht korrekt ausgeführt werden. Was für Krebspatienten hier möglich ist und wo eher Vorsicht geboten ist, hängt daher von der persönlichen Belastbarkeit ab. Ob Yoga infrage kommt und in welcher Form, sollte sicherheitshalber mit den behandelnden Ärzten besprochen werden.    
  • Weitere Entspannungstechniken: Qigong und Tai Chi haben sich aus asiatischen Kampfkünsten entwickelt. Sie sollen zu besserer Konzentration, aber auch zu mehr Ausgeglichenheit und Kraft verhelfen. Die ruhigen, fließenden Bewegungen der verschiedenen Übungen werden von vielen Menschen als entspannend für Körper und Seele empfunden.
    Die Übergänge zu Sport, aber auch zu Meditationsverfahren sind bei diesen Techniken fließend: Wo der Schwerpunkt liegt, hängen auch vom jeweiligen Anbieter ab. Je nach Kondition und Bereitschaft können Patienten sportlichere oder eher meditative Techniken ausprobieren, am besten unter qualifizierter Anleitung.
  • Nicht zu vernachlässigen ist der Beitrag, den körperliche Betätigung allgemein zur Entspannung liefern kann. Für manche Patienten ist es sogar die beste Methode, Sport zu machen oder sich anderweitig zu verausgaben. Das baut Stresshormone ab und macht auf die Dauer gelassener. Mehr zum Thema bietet der Text "Bewegung und Sport bei Krebs".
    Neben den hier aufgeführten Entspannungstechniken gibt es auch noch weitere, die bei Problemen mit Angst oder Stress angewendet werden können.

Was lässt sich mit Entspannungsübungen erreichen, was nicht?

Alles, was Anspannung, Angst und Verkrampfung lindert, kann Krebspatienten dabei helfen, ihre Erkrankung besser zu verarbeiten und die täglichen Anforderungen ihrer Behandlung möglichst gut zu verkraften. Was sich Krebspatienten von den einzelnen Verfahren versprechen können, wurde zum Teil in wissenschaftlichen Studien untersucht. Zum Teil setzen Fachleute wie Betroffene auch auf Erfahrungswissen.

Keinesfalls aber sollte man erwarten, dass Entspannungsverfahren die Wirksamkeit einer konventionellen Krebstherapie verbessern oder sie sogar ersetzen können. Anbieter, die mehr versprechen, sind möglicherweise nicht seriös.

Professionelle Hilfe: Was tun, wenn Entspannungsübungen nicht ausreichen?

Stress und Angst empfinden viele Krebspatienten. Wie stark Betroffene belastet sind, ändert sich mit der Zeit: Die meisten Menschen durchleben unterschiedliche Phasen während einer Tumorerkrankung. Manche Patienten kommen jedoch an einen Punkt, an dem sie nicht mehr weiterwissen. Symptome für starke psychische Belastung können - neben einer Beeinträchtigung der Stimmungslage - zum Beispiel über längere Zeit anhaltende Schlaflosigkeit, fortwährendes Grübeln oder Angst sein. Manchmal führt die Belastung auch dazu, dass Patienten Untersuchungen oder Behandlungen abbrechen. Entspannungsverfahren reichen dann zur Bewältigung möglicherweise nicht aus: Patienten haben Anspruch auf professionelle Unterstützung.

Betroffene, die ambulant oder stationär im Krankenhaus behandelt werden, finden dort in der Regel entsprechende Anlaufstellen: Psychoonkologische Beratungsdienste gibt es heute an allen großen Krebszentren und den meisten spezialisierten Krankenhäusern. Sie vermitteln auch weiterführende Hilfen.
Unterstützung bieten auch die regionalen Krebsberatungsstellen, meist kostenlos und ohne längere Wartezeiten. Eine Suche nach Adressen in Deutschland bietet der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Wegweiser".
Wer längerfristige Betreuung benötigt, kann sich an niedergelassene Psychotherapeuten wenden, die auf die Begleitung von Krebspatienten spezialisiert sind. Bundesweite Adressen bietet der Krebsinformationsdienst, aufgeführt sind Psychotherapeuten, die eine anerkannte Ausbildung durchlaufen haben. Viele haben eine sogenannte Kassenzulassung, so dass auch gesetzliche Krankenversicherungen die Kosten der Behandlung tragen können.

Medikamentöse Behandlung

Viele Menschen haben Angst vor konkreten Untersuchungen oder Behandlungen. Geht es nur darum, einen einzelnen Termin "durchzustehen"? Dann können Patienten vor der Untersuchung mit ihrem Arzt besprechen, ob die Einnahme eines Beruhigungsmittels  eine Option sein könnte.

Sind Probleme sehr belastend und halten länger an, können Betroffene gemeinsam mit ihren Ärzten auch über eine längerfristige medikamentöse Behandlung sprechen, am besten in Kombination mit einer psychotherapeutischen Begleitung. Bei Schlafstörungen kann je nach Situation  ein schlafanstoßendes oder beruhigendes Medikament sinnvoll sein, damit Patienten erst einmal wieder ausreichend Ruhe und Erholung finden. In manchen Fällen ist auch eine Stabilisierung durch Medikamente gegen Depressionen oder Ängste sinnvoll.

Was Betroffenen am besten hilft, eine psychotherapeutische Begleitung, Medikamente oder beides zusammen, hängt von der individuellen Situation ab. Pauschale Auskünfte sind daher schwierig. Gemeinsam mit ihren Ärzten sollten Patienten auch klären, welche Neben- oder Wechselwirkungen bei einer medikamentösen Therapie möglich sind. Wichtig, wenn mehrere Ärzte an der Behandlung beteiligt sind: Um Wechselwirkungen mit der Krebstherapie oder weiteren Medikamenten auszuschließen, sollten Betroffene immer allen behandelnden Ärzten mitteilen, was sie einnehmen.
Auch Hausmittel oder pflanzliche Mittel sind nicht unbedingt harmlos: Gerade von frei verkäuflichen Produkten gegen Niedergeschlagenheit oder Schlafstörungen weiß man, dass sie sich mit Krebsmedikamenten nicht vertragen. Ein Beispiel ist Johanniskraut. Auf eigene Faust und ohne Rücksprache mit den Ärzten sollten Krebspatienten daher solche Mittel nicht verwenden.