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Prostatakrebs: Soja-Präparate verringern das Rückfallrisiko nicht

Krebspatienten, die auf Sojapräparate für ihre Gesundheit setzen, müssen möglicherweise umdenken.

Dies gilt zumindest für Patienten mit einem Prostatakarzinom: In einer aktuellen US-amerikanischen Studie untersuchten Wissenschaftler bei Betroffenen den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Soja-Präparaten und Prostatakrebs.

Sie kamen zu dem Ergebnis: Soja kann das Risiko eines Rückfalls nicht verringern.

Studie untersuchte Wirksamkeit von Soja-Pulver

Sojamilch
Glas mit Sojamilch © Thinkstock

Männer im asiatischen Raum erkranken seltener an Prostatakrebs als Männer in den USA oder Europa. Schon lange hegen Wissenschaftler den Verdacht: Dies könnte mit den unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten zusammenhängen, etwa dem Verzehr von Soja. Aus Zellkultur- und Tierversuchen gibt es weitere Hinweise auf interessante Inhaltsstoffe der Sojapflanze: Einige könnten in Prozesse eingreifen, die für die Krebsentstehung und das Krebswachstum wichtig sind.

Lassen sich Soja-Extrakte eventuell zur Krebstherapie einsetzen? Um die Wirkung beim Menschen zu untersuchen, rekrutierten U.S.-Wissenschaftler an sieben Krebszentren zwischen 2007 und 2010 Männer mit Prostatakrebs für die Teilnahme an einer Studie. Insgesamt konnten die Daten von 177 Männern ausgewertet werden. Sie alle hatten sich wegen einer Krebserkrankung einer Entfernung der Prostata unterzogen. Maarten C. Bosland und seine Kollegen wollten herausfinden, ob sich durch die Einnahme von Sojapräparaten einem Rückfall vorbeugen lässt.

Über zwei Jahre erhielt die Hälfte der Studienteilnehmer täglich ein Getränk, das ein eiweißreiches Sojapulver enthielt, die andere Hälfte ein Getränk mit Milchpulver als unwirksames Placebo. Beide Lösungen waren mit Erdbeeraroma und Zucker versetzt worden, um den Geschmacksunterschied zu überdecken.

Regelmäßig untersucht wurde der PSA-Wert der Studienteilnehmer: Steigt der Blutspiegel dieses "prostataspezifischen Antigens", kurz PSA, gilt dies als Hinweis auf einen möglichen Rückfall.

45 der insgesamt 177 Männer erlitten innerhalb der ersten beiden Jahre nach Beginn der Studie einen solchen Rückfall: Davon hatten 22 Männer das Soja-Pulver erhalten, 23 das Placebo-Präparat.
Da die Ergebnisse keinen deutlichen Vorteil der Soja-Einnahme zeigten, wurde die Studie vorzeitig abgebrochen.

Soja: Bisher keine Arzneimittel zugelassen

Sojapflanzen enthalten neben verschiedenen Proteinen, Fetten, Vitaminen auch sogenannte "Isoflavonoide", wie etwa Genistein und Daidzein. Diese Substanzen zählen zu den Phytoöstrogenen und wirken hormonähnlich. Im Laborversuch hemmen einige Isoflavonoide zusätzlich das Wachstum von Tumorzellen durch nicht-hormonelle Wirkung. Wissenschaftler setzen deshalb große Hoffnungen auf solche Substanzen in der Vorbeugung und Behandlung von Krebs. Ob diese Hoffnungen tatsächlich gerechtfertigt sind, ist zurzeit jedoch noch offen – aussagekräftige klinische Studien bieten noch kein abschließendes Bild.

Trotzdem werden Produkte auf der Basis von Sojaeiweiß oder Sojaölen heute von vielen Menschen als Nahrungsergänzungsmittel genutzt: beispielsweise zum Muskelaufbau, oder gegen Wechseljahresbeschwerden, ohne dass die Wirksamkeit belegt ist. Gerade die mögliche hormonähnliche Wirkung könnte auch Risiken beinhalten: Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung warnt beispielsweise Frauen vor der Einnahme isolierter Isoflavone gegen Beschwerden im Klimakterium. Zugelassene Arzneimittel gegen Krebs mit Soja als wirksamem Inhaltsstoff gibt es bisher nicht.



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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