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Infektionen als Krebsauslöser: Große nationale Unterschiede

Weltweit ist etwa jede sechste Krebserkrankung durch eine Infektion verursacht. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC), einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie hatten Daten aus 184 Ländern ausgewertet.

Die Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer chronischen Infektion an einem Tumor zu erkranken, ist in armen Ländern jedoch um ein Vielfaches höher als in Industrieländern. Wo beispielsweise Impfungen gegen Hepatitis-B zur Verfügung stehen, erkranken weit weniger Menschen an Leberkrebs als in Ländern, in denen Impfungen teuer sind und viele Menschen keinen Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung haben.
Auch in Deutschland stecken sich viele Frauen mit humanen Papillomviren an. Doch das Angebot der regelmäßigen Krebsfrüherkennung hat dazu geführt, dass virusbedingter Gebärmutterhalskrebs hier vergleichsweise selten geworden ist – anders als in armen Ländern, wo es kaum Möglichkeiten der Vorsorge und der Behandlung von Krebsvorstufen gibt.

Weitere Krankheitserreger, die die Wissenschaftler für ihre Auswertung berücksichtigt hatten, kommen in vielen Industrieländern gar nicht vor: zum Beispiel der Pärchenegel Schistosoma, der beim Baden in verunreinigtem Wasser in den Körper eindringt, seine Eier ablegt und vor allem Blasenkrebs fördern kann.

Risiko Armut: Fehlende Impfmöglichkeiten, fehlende Krebsfrüherkennung, mangelnde Hygiene

Die nationalen Unterschiede zeigen sich an den Krebszahlen, die von den IARC-Forschern zugrunde gelegt wurden: Sie gehen für das Jahr 2008 von weltweit etwa 12,7 Millionen neu diagnostizierten Tumorpatienten aus. 16,1 Prozent dieser Erkrankungen schreiben sie Infektionen zu, umgerechnet etwas mehr als zwei Millionen.
Vergleicht man diesen weltweiten Durchschnitt mit den Zahlen einzelner Ländern, so werden drastische Unterschiede deutlich: In Australien und Neuseeland sind nur 3,3 Prozent aller Krebsfälle infektionsbedingt. In Europa liegt der Durchschnitt bei etwa 7 Prozent. In afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind dagegen fast 33 Prozent der Tumorerkrankungen durch Infektionen verursacht. Etwa ein Drittel der Betroffenen ist hier zudem jünger als 50 Jahre.

Weil die meisten Krebsarten nichts mit Infektionen zu tun haben, konzentrieren sich bisher weltweit die meisten Maßnahmen zur Krebsvorbeugung auf die Vermeidung anderer Auslöser. Die Autoren der aktuellen Veröffentlichungen betonen deshalb:
Mehr Impfungen, weniger Ansteckung durch bessere Hygiene und, wo möglich, eine verbesserte Behandlung bestehender Infektionen könnten langfristig ebenfalls erheblich zur Senkung der weltweiten Krebsrate beitragen.



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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