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Mutter mit Kind unterm Sonnenschirm © Monkey Business - Fotolia.com

Ultraviolette Strahlung: Sonne und Solarien

Schutz schon in der Kindheit wichtig

Die wichtigste Quelle natürlicher UV-Strahlung ist die Sonne. Künstlicher UV-Strahlung ist man beim Besuch von Sonnenstudios ausgesetzt. Auch am Arbeitsplatz kann UV-Strahlung entstehen - zum Beispiel beim Schweißen. UV-Strahlung hat positive Effekte auf den Körper, sie regt zum Beispiel die Vitamin-D-Bildung an. Sie kann aber auch erhebliche negative Auswirkungen bis hin zur Entstehung von Krebserkrankungen haben. Trotzdem nehmen viele Menschen die Warnhinweise auf die leichte Schulter - braune Haut gilt bei vielen noch immer als gesund. Die Rechnung zahlt der Körper später.

Der folgende Text bietet Hintergrundinformationen, nennt besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, zählt Schutzmaßnahmen auf und verweist auf Ansprechpartner und weitere Informationen im Internet.

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Quellen und Links (Stand: 12/2015)

Die genutzten Quellen sowie eine Auswahl weiterführender Literatur sind am Ende des Textes zusammengestellt.

Das Wichtigste in Kürze: Wie gefährlich sind UV-Strahlen?

Ultraviolette (UV-)Strahlung ist eindeutig krebserzeugend. Das gilt sowohl für die ultravioletten Anteile der Sonnenstrahlung als auch für das in Solarien abgestrahlte UV-Licht. UV-Strahlung ist energiereich genug, um Schäden an der Erbsubstanz (DNA) zu verursachen. Geringfügige DNA-Veränderungen bessern Reparaturenzyme in der Regel wieder aus. Bei immer wiederkehrender UV-Überdosierung entstehen allerdings dauerhafte Schäden am Erbmaterial, so genannte Mutationen. Diese Veränderungen geschehen auch schon, bevor ein sichtbarer Sonnenbrand entsteht.

Überschreitet die UV-Bestrahlung eine gewisse Dosis, treten zunächst akute Schäden auf. Nach einigen Stunden kommt es zu einer Rötung ("Erythem", erstes Anzeichen eines Sonnenbrandes). Durch eine Erweiterung der Blutgefäße steigert sich die Durchblutung: Die bestrahlte Haut schwillt an, juckt und schmerzt. Nach einem Sonnenbrand erholt sich die Haut oberflächlich zwar wieder. Die entstandenen Schäden haben sich jedoch sozusagen eingebrannt. Erst nach Jahren bis Jahrzehnten zeigen sich die Auswirkungen der Sonnenbestrahlung mit vermehrter Faltenbildung oder etwa Pigmentflecken. Sterben die geschädigten Zellen nicht ab, kann Hautkrebs entstehen.

Wichtig ist:

  • Es gibt keinen Schwellenwert für die Schädlichkeit von UV-Strahlen.
  • Es gibt kein Alter, ab dem UV-Strahlung nicht mehr schadet.

Mit einfachen Mitteln kann man sich jedoch vor zu viel UV-Strahlung schützen.

UV -Strahlung: Grundlagen verständlich erklärt

Die Sonne strahlt Energie in einem sehr weiten Spektrum ab, darunter die so genannte ultraviolette Strahlung. Aber nicht alle von der Sonne ausgehenden UV-Strahlen treffen auf die Erde: Die so genannte Ozonschicht filtert die Strahlen ganz oder teilweise heraus. Besonders die schädlichen UV-C-Strahlen werden fast vollständig durch diese Schutzschicht aufgehalten. Die langwelligeren, energieärmeren und dadurch auch weniger schädlichen UV-A- und UV-B-Strahlen werden durch die Ozonschicht zumindest erheblich abgeschwächt. Die übrig gebliebene Strahlung trifft auf den Körper: UV-B wird größtenteils in der sogenannte Oberhaut aufgehalten , während das etwas langwelligere UV-A tief in die sogenannte Lederhaut eindringt.

Die hautrötende Wirkung von UV-A ist etwa hundert- bis tausendfach schwächer als die der UV-B-Strahlen. Unter dem Einfluss von UV-B bildet die Haut zunächst den Farbstoff Melanin. UV-A bewirkt innerhalb von Minuten eine Sofortpigmentierung der Haut, über eine Umwandlung des Hautfarbstoffes: Die Haut bräunt. Dieser Bräunungseffekt anstelle einer Rötung führte in den vergangenen Jahren zunächst zu einer günstigeren Bewertung von künstlichen Höhensonnen und Solarien, die hauptsächlich mit UV-A arbeiten. Inzwischen ist man davon abgerückt: Beide UV-Spektren sind als "eindeutig krebserzeugend für den Menschen" eingestuft (siehe Quellen am Ende des Textes).

Andere Anteile des Sonnenlichts: Ist Infrarot-Strahlung gefährlich?

Die Sonne strahlt nicht nur sichtbares und UV-Licht ab, sondern auch Wärme - Infrarot-Strahlung. Diese ist nicht so energiereich wie ultraviolette Strahlung. Trotzdem wurde eine Zeitlang auch für Infrarot-A-Strahlung diskutiert, sie könne die Haut über akute Wirkungen wie etwa eine Verbrennung hinaus langfristig schädigen. 2010 kamen Forscher zu dem Ergebnis: Natürliches Infrarot A ist nicht gefährlich. Die Wissenschaftler hatten die bisher vorliegenden Untersuchungen zum Risiko überprüft und Fehler entdeckt. Sie gehen daher davon aus, dass ein besonderer Schutz vor Infrarot-Strahlung durch Sonnenschutzmittel nicht notwendig ist.

Trotzdem rät das Bundesamt für Strahlenschutz zur Vorsicht, wenn es um die Kombination von künstlichem Infrarot-Licht mit UV-Strahlung geht: Auf den Besuch einer Infrarot-Wärmekabine oder der Sauna vor oder nach UV-Bestrahlung im Solarium sollte eher verzichtet werden. Basis dieser Empfehlung sind Ergebnisse aus Tierversuchen. Aufgrund der noch nicht ausreichenden Datenlage wird das Thema des kombinierten Effektes von UV- und Infrarot-Strahlung nach wie vor in der wissenschaftlichen Forschung bearbeitet.

Welche Rolle spielen Umwelt- und Klimaveränderungen für den Schutz vor Strahlung?

Seit den 1980er Jahre beobachten Wissenschaftler eine Abnahme der Ozonkonzentration. Dies wird vielfach fälschlich als "Ozonloch" dargestellt. Es handelt sich jedoch nicht tatsächlich um ein "Loch", sondern um eine Verringerung der Ozonkonzentration. Allerdings verdeutlicht dieser Begriff die besorgniserregende Entwicklung dieser für Mensch und Tier lebenswichtigen Schutzschicht der Erde. Experten gehen davon aus, dass auch kleine Änderungen in der Ozonschicht "erheblichen Einfluss auf das Gefährdungspotenzial der Sonnenstrahlen an der Erdoberfläche" haben können.

Untersuchungen in Kanada, Europa und Japan ergaben zwar, dass sich die Ozonschicht in einigen Regionen leicht erholt. Bisher hat dies jedoch keinen messbaren Einfluss auf die Stärke der UV-Strahlung in Deutschland. Gemeinsame Messungen von Bundesamt für Strahlenschutz, Umweltbundesamt, Deutschem Wetterdienst und weiteren Institutionen zeigen keine eindeutige Verringerung des so genannten UV-Index. Der UV-Index ist international einheitlich festgelegt. Er ist ein Maß für die Sonnenbrandwirksamkeit der UV-Strahlung: Je höher der UV-Index ist, desto höher ist auch das Risiko für sofortige Gesundheitsschäden wie Sonnenbrand und Langzeitfolgen wie Hautkrebs.

Wirkungen an Haut und Augen: Welche Folgen hat UV-Strahlung?

Akute Folgen

Als Grenze zur Einstufung einer Strahleneinwirkung, die gerade noch verträglich ist, wurde die "Erythemschwelle" definiert: Sie bezeichnet die höchste UV-Dosis, bei der einige Stunden nach der Einwirkung von Sonne oder Solarium keine Hautrötung auftritt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt folgende akute Wirkungen von UV-Strahlung:

  • Hautrötung, Schwellung, Juckreiz, Schmerzen
  • Sonnenbrand
  • Verbrennungen mit Blasenbildung
  • möglicherweise Fieber, Kreislaufzusammenbruch
  • Quaddeln und Bläschen ("Sonnenallergie")
  • Hautreaktionen bei Medikamenteneinnahme oder Kontakt mit giftigen Substanzen
  • Augenschäden (schmerzhafte Hornhautentzündung, "Schneeblindheit")

Spätfolgen

Nicht alle Strahlen im UV-Spektrum wirken gleich oder gleich stark: Die Erythemwirksamkeit ist im UV-B-Bereich um ein Vielfaches größer als im UV-A-Bereich. UV-B führt deshalb schneller zu einer Verdickung und vermehrten Verhornung der Oberhaut (Akanthose und Hyperkeratose), sowie zur Ausbildung der so genannten Lichtschwiele. Sie kann nach langen Jahren des Sonnenbadens kosmetisch sehr störend werden.

Langfristige Hautveränderungen sind:

  • Beschleunigte Hautalterung mit Pigmentstörungen, Faltenbildung, Austrocknung, Bindegewebsschäden
  • Hautkrebs (Basalzellkarzinome, Plattenepithelkarzinome oder Spinalzellkarzinome, Melanome)
  • Augenschäden (Linsentrübung, Katarakt oder "Grauer Star", Makuladegeneration, Netzhautveränderungen, Aderhautmelanom)

Hauttypen und angeborene Empfindlichkeit

Für das Hautkrebsrisiko spielen auch der Hauttyp und damit die angeborene Empfindlichkeit eine Rolle. Man unterscheidet in Mitteleuropa vier Hauttypen (I-IV), von Menschen weißer Haut mit roten oder hellblonden Haaren bis hin zu Personen mit dunklen Haaren, braunen Augen und hellbrauner Haut. Die Einteilung beruht auf der individuellen, angeborenen Pigmentierung - also der Farbgebung von Haut, Haaren und Augen.

Schutz vor Schaden: Wie sieht ein guter UV-Schutz aus?

Je höher der Lichtschutzfaktor eines Sonnenschutzmittels ist, desto höher sollte der wirksame Schutz sein. Echte "Sunblocker", die gar kein UV durchlassen, gibt es jedoch nicht. Allein auf den Lichtschutzfaktor sollte man sich daher nicht verlassen: Schon einfache weitere Maßnahmen reichen aber aus, um sich vor der UV-Strahlung zu schützen, so das Bundesamt für Strahlenschutz.

So ist zum Beispiel in der Mittagszeit von 11 bis 15 Uhr die Sonnenstrahlung am stärksten. Zu dieser Zeit sollte man die Sonne meiden. Lange, weitgeschnittene Kleidung, Hut und Sonnenbrille tragen ebenfalls dazu bei, die Strahlungswirkung auf Haut und Augen zu vermindern. Unbedeckte Körperteile sollte man ausreichend mit Sonnenschutzmittel eincremen (mindestens Lichtschutzfaktor 20, je nach Hauttyp und Sonneneinstrahlung).

Besondere Beachtung sollte man auch dem UV-Index (UVI) schenken. Erst unter einem Index von zwei ist ein Sonnenbrand unwahrscheinlich. Dieser Wert kann in Deutschland bei wolkenlosem Himmel schon Ende März überschritten werden.

Junge Haut: Warum sind Kinder besonders empfindlich?

Vor allem Kinder brauchen ausreichenden Sonnenschutz © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Vor allem Kinder brauchen ausreichenden Sonnenschutz © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Noch bis ins 20. Jahrhundert kämpften Ärzte darum, Kinder aus Industriesiedlungen mehr an die Sonne zu bringen: In vielen lichtlosen, von Armut und Unter- oder Fehlernährung geprägten Wohngegenden der Städte trat überdurchschnittlich häufig Rachitis auf. Diese Erkrankung wird durch Vitamin-D-Mangel ausgelöst. Sie kann unter anderem zu schweren Knochenschäden führen. Die Vorstellung, Kinder müssten der Sonne ausgesetzt werden, um sie gesund zu erhalten, hat sich bis heute gehalten.

Kinderhaut ist jedoch wesentlich empfindlicher als die Haut Erwachsener. Sie ist sehr dünn, kann nicht ausreichend bräunen und bildet noch keine schützende Hornhaut. Kinder bekommen aus diesen Gründen besonders schnell einen Sonnenbrand. Verschiedene Studien konnten einen Zusammenhang zwischen den Sonnenbränden in der Kindheit, der Anzahl von Leberflecken und dem Auftreten von Malignen Melanomen zeigen. Starke  UV-Bestrahlung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem gutartigen Leberfleck Hautkrebs entsteht. Vitamin-D-Mangel oder seine Folgen müssen Eltern heute bei normaler Ernährung und üblichem Freizeitverhalten nicht mehr befürchten. Vor allem für Kinder im ersten Lebensjahr empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (DGKJ) Vitamin D-Tabletten. Wer darüber hinaus Vitamin D-Tabletten bekommen sollte, das erfahren Interessierte von ihrem Kinderarzt.

Wie kann man Sonnenschäden bei Kindern vermeiden?

In den Sommermonaten helfen schon  - wie bei Erwachsenen - einfache Maßnahmen zur Verminderung der Strahlungswirkung, zum Beispiel

  • Tragen langer, leichter und weitgeschnittener Kleidung, sowie eines Hutes mit Nackenschutz und einer Sonnenbrille
  • Meiden der Mittagssonne (etwa von 11 bis 15 Uhr), Schatten suchen
  • Eincremen mit Sonnenschutzmittel (mindestens Lichtschutzfaktor 15), am besten etwa 30 Minuten bevor man nach draußen geht, manche Produkte wirken auch schneller. Auf entsprechend kindergerechte Sonnenmittel sollte geachtet werden.
  • Nachcremen, wenn die Sonnencreme durch Schwitzen, Baden, Abtrocknen oder im Sand spielen abgetragen wurde.

Für Kinder unter zwei Jahren ist der Aufenthalt im Schatten am besten - direkte Sonnenstrahlung sollte unbedingt vermieden werden. Vorsicht ist bei der Verwendung von Babyölen geboten, da diese, wie auch andere Kosmetika, die Lichtempfindlichkeit sogar erhöhen können.

  • Weitere Tipps und Erklärungen zum Thema Kinderhaut und UV-Strahlung bietet das Infoblatt "Mit heiler Haut durch den Sommer" (abrufbar unter www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/sonne/kinder/heile-haut.html), herausgegeben vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Es ist in einer speziell für Kinder leicht verständlichen Sprache geschrieben und verdeutlicht anhand von vielen Bildern den richtigen Umgang mit der Sonne.
  • Mit dem Thema Kinderhaut und UV-Strahlung befasst sich ebenfalls der von der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Prävention zum Weltgesundheitstag herausgegebene Flyer "Die Kleinsten tragen das größte Risiko". Der Flyer ist als pdf-Datei im Internet unter www.who-tag.de/pdf/2003sonneflyerok.pdf abrufbar.

Textilien: Gibt es spezielle Kleidung zum besseren Schutz vor der Sonne?

Kleidung stellt eine gute Barriere für UV-Strahlung dar. Je nach Art des Stoffes gelangt dennoch mehr oder weniger Strahlung an die Haut und kann zu Hautschäden führen. Im Allgemeinen ist dicht gewebter, dunkler Stoff am wenigsten durchlässig für UV-Strahlen. Kleidung, die nass, stark gedehnt oder abgenutzt ist, verliert einiges an Schutzwirkung.

Manche Textilien haben durch spezielle Webtechniken oder Imprägnierungen einen besonderen UV-Schutz und sind dementsprechend ausgezeichnet. Dieser so genannte UV-Protektions-Faktor (UPF) sollte nicht geringer als 40 sein, empfiehlt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Entsprechende Kleidung dürfen die Hersteller durch ein gelbes Logo unter Angabe des Schutzfaktors "UPF 40+" auszeichnen. Grundlage für diese Zertifizierung ist eine europäische Norm. Ein weiterer Standard ist etwa der sogenannte UV-Standard 801. Der UV-Schutz wird bei dieser Methode auch am nassen, gedehnten Stoff gemessen, im Gegensatz zu anderen Standards.

Eigenschutz der Haut: Warum reicht natürliche Bräune nicht aus?

In gewissem Umfang kann die Haut einen Eigenschutz gegen UV-Strahlung aufbauen. Allerdings schützt Bräunung die Haut nicht so stark, wie allgemein angenommen. Dies zeigt zum Beispiel eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAuA) an Menschen, die beruflich im Freien arbeiteten, und an einer Kontrollgruppe von Büroangestellten nach einem dreiwöchigen Sommerurlaub.

Die Hauttypen I  bis III, die bei mehr als 90 Prozent aller Mitteleuropäer vorliegen, erreichen durch Bräunung und Gewöhnung an die Sonne nur einen sehr geringen Lichtschutz. Er entspricht in etwa einer Sonnencreme mit dem Lichtschutzfaktor 1,5 - viel zu wenig für die Vorbeugung vor Langzeitschäden. Selbst Menschen mit dem dunklen Hauttyp IV können durch Gewöhnung an die Sonne höchstens eine Verdopplung der Eigenschutzzeit erreichen, entsprechend dem Lichtschutzfaktor 2.

  • Bis es zum, wenn auch minimalen, Anstieg der Eigenschutzleistung der Haut gegenüber UV-Strahlung kommt, wird die Erbsubstanz bereits erheblich geschädigt.

Solarium, Höhensonne: Warum werden die Geräte so heftig kritisiert?

Im Jahr 2009 stufte die Internationale Krebsforschungsagentur (International Agency for Research on Cancer, IARC) nicht nur UV-Strahlung allgemein, sondern ganz besonders auch Solarien in die höchste Kategorie für krebsauslösende Faktoren ein: Damit gilt für Geräte zur künstlichen Bräunung die gleiche Einstufung wie für Asbest, Tabak oder andere bekannte Karzinogene. Die neue Bewertung stützt sich auf die Analyse von mehr als 20 Studien mit regelmäßigen Solariennutzern sowie auf die Auswertung von Laborstudien und Tierversuchen.

Die Experten stellen erstmals auch einen eindeutigen Zusammenhang zwischen UV-Strahlen und der Entstehung von Melanomen her. Dieser galt lange als umstritten, da Melanome oft an Hautstellen auftreten, die nie oder selten der Sonne ausgesetzt sind. Besonders Frauen in den Industrieländern tragen ein höheres Risiko für "schwarzen Hautkrebs": Sie sind die häufigsten Nutzer von Solarien und beginnen mehrheitlich schon im Alter von unter 30 Jahren mit der regelmäßigen künstlichen Bräunung. Selbst zwischen Solarienbesuchen und den seltenen Aderhautmelanomen des Auges stellen die Experten heute einen Bezug her.

"Vorbräunen" - das funktioniert nicht!

Damit gilt strenggenommen die Empfehlung, auf den Besuch von Solarien möglichst ganz zu verzichten. Ratschläge, wie man den Solarienbesuch "gesünder" gestalten kann, gibt es nicht.

Vorbräunen im Solarium, das funktioniert nicht. Bei Menschen, die während des Sommers nicht braun werden, sondern stets einen Sonnenbrand bekommen, in erster Linie hellhäutige, nordeuropäische Typen, können auch Solarien keine Bräunung erzielen. Ihnen rät das BfS grundsätzlich vom Sonnenstudio-Besuch ab.

Darüber hinaus sollten auch Menschen, die Hautkrebs haben oder hatten, aufs Solarium verzichten. Gleiches gilt, wenn in der Familie bereits ein Fall von Hautkrebs aufgetreten ist.  

Kontrolle der Sicherheit: Werden Solarien überwacht?

In Deutschland gelten bereits einige gesetzliche Schutzbestimmungen. So dürfen Minderjährige gar nicht mehr ins Sonnenstudio. Nichts genützt hat dagegen ein Zertifizierungsverfahren, dem sich die Betreiber von Solarien freiwillig unterziehen konnten – alle entsprechenden Gütesiegel oder Bescheinigungen haben ihre Gültigkeit verloren.

Seit 2012 regelt deshalb eine Verordnung den Betrieb. Solarienbetreiber müssen beispielsweise die Stärke der künstlichen Bestrahlung und die Wellenlängen begrenzen; sie müssen Schutzbrillen für die Augen anbieten, und sie müssen verhindern, dass Nutzerinnen und Nutzer zu nahe an die Strahlungsquelle gelangen können. Auch die Qualifikation des Personals ist vorgeschrieben. Bei Verstößen gegen die Verordnung drohen Bußgelder.

Vitamin D: Kann es zu Vitaminmangel kommen, wenn man es mit dem Sonnenschutz übertreibt?

Die natürliche UV-Strahlung hat tatsächlich nicht nur negative Seiten. Sie fördert auch den Aufbau von Vitamin D im Körper. Vitamin D hilft bei der Verwertung verschiedener Mineralien (zum Beispiel Kalzium oder Phosphor), die für den Knochenaufbau und -erhalt sorgen.

Wie wirkt es sich aus, wenn Menschen wegen des Hautschutzes gar nicht mehr in die Sonne gehen? Welchen Effekt hat es, wenn man immer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwendet?  Kann es zu Vitaminmangel kommen?

  • Experten sind sich einig: Diese Befürchtung ist unrealistisch.

Von Vitamin-D-Mangel betroffen sind in Deutschland eher besondere Risikogruppen, etwa alte und chronisch kranke Menschen, die kaum ins Freie kommen und unter Umständen auch nicht ausreichend ernährt sind. Für diese Gruppen ist der Arzt der wichtigste Ansprechpartner zum Thema Vitamin D-Einnahme und Sonnenschutz.
Eine weitere Ausnahme sind Säuglinge und Kleinkinder: Sie sollten bis zum zweiten Frühsommer nach der Geburt Vitamin D-Präparate erhalten, weil für sie Sonnen- und UV-Schutz besonders wichtig ist.

Was gilt für alle anderen Menschen? Dazu hat das "UV-Bündnis" klare Worte gefunden, eine Arbeitsgemeinschaft von Bundesinstituten, medizinischen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften und weiteren Organisationen, darunter auch das Deutsche Krebsforschungszentrum: 

  • Auf keinen Fall sollte man auf eigene Faust Vitamin-D-Präparate einnehmen. Einen Vitamin D-Mangel kann nur der Arzt feststellen. 
  • Es reicht, wenn man zwei bis dreimal pro Woche nach draußen geht und Gesicht, Hände und Arme wenige Minuten der Sonne aussetzt. Der Körper kann Vitamin D speichern.

Die Empfehlung der Fachleute des UV-Bündnisses im Wortlaut:

  • "Für eine ausreichende Vitamin-D-Synthese genügt es nach derzeitigen Erkenntnissen, Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz zwei- bis dreimal pro Woche der Hälfte der minimalen sonnenbrandwirksamen UV-Dosis (0,5 MED) auszusetzen, also der Hälfte der Zeit, in der man sonst ungeschützt einen Sonnenbrand bekommen würde. Beispielsweise bedeutet dies für Menschen mit Hauttyp II bei hohen sonnenbrandwirksamen UV- Bestrahlungsintensitäten (UV-Index 7) rein rechnerisch eine Bestrahlungszeit von cirka 12 Minuten."
  • "Ein Sonnenbrand ist grundsätzlich zu vermeiden.
    Bei längeren Aufenthalten in der Sonne sind UV-Schutzmaßnahmen zu ergreifen."
  • "Als Orientierungshilfe über die herrschende sonnenbrandwirksame UV- Bestrahlungsstärke und ab wann welche UV-Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind, wird der UV-Index (UVI) empfohlen. Der UV-Index ist ein weltweit einheitliches Maß für die an einem Tag mögliche höchste sonnenbrandwirksame UV-Bestrahlungsstärke. Den einzelnen UVI-Werten sind Empfehlungen für die hellhäutige Bevölkerung bezüglich der zu ergreifenden UV-Schutzmaßnahmen zugeordnet."
  • "Bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen ist besonders darauf zu achten, hohe UV-Belastungen und Sonnenbrände zu vermeiden, denn besonders in der Kindheit und Jugendzeit erhöhen starke UV-Belastungen und Sonnenbrände das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken."
  • "Säuglinge sollen grundsätzlich nicht direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden."
  • "Von starken, nicht ärztlich kontrollierten UV-Bestrahlungen (Sonne oder Solarium) zum Zweck der Vitamin-D-Bildung, der Selbsttherapie eines Vitamin-D-Mangels oder der Bräunung wird dringend abgeraten. Die erstmalige Nutzung eines Solariums in jungen Jahren (< 35 Jahre) verdoppelt annähernd das Risiko, an schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) zu erkranken. In Deutschland ist für Minderjährige die Nutzung eines Solariums gesetzlich verboten."
  • "Ein Vitamin-D-Mangel kann nur von ärztlicher Seite diagnostiziert und behandelt werden. Eine Supplementierung beziehungsweise Medikation mit Vitamin-D-Präparaten sollte unter ärztlicher Überwachung erfolgen. Säuglinge und Kleinkinder bis zum zweiten erlebten Frühsommer sollen Vitamin-D-Präparate erhalten."

Diese Informationen sind beim Bundesamt für Strahlenschutz auch direkt abrufbar unter www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/wirkung/akut/empfehlung.html.
Hintergründe zu Vitamin D bietet zudem eine Zusammenstellung wichtiger Fragen und Antworten, die 2012 gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, dem Max-Rubner-Institut und dem Bundesinstitut für Risikobewertung herausgegeben wurde, mehr unter www.bfr.bund.de/de/ausgewaehlte_fragen_und_antworten_zu_vitamin_d-131898.html.

Sensibilität: Können Medikamente oder Kosmetika lichtempfindlich machen?

Manche Medikamente steigern die Lichtempfindlichkeit, darunter sowohl Arzneimittel zum Einnehmen wie auch Mittel zur Anwendung auf der Haut. Fachleute sprechen von "Photosensibilisierung". Welche Mittel führen zu toxischen Reaktionen im Sinn einer durch UV verstärkten Giftigkeit oder durch Überempfindlichkeit mit Allergien? Dazu gehören zum Beispiel manche Antihistaminika, einige Psychopharmaka, bestimmte Antibiotika und Chemotherapeutika, Sulfonylharnstoffabkömmlinge, Phenothiazine, bestimmte entwässernde Medikamente und Psoralene. Unter den pflanzlichen Mitteln gilt vor allem Johanniskraut als photosensibilisierend. Ansprechpartner für Rückfragen sind Arzt oder Apotheker . Ob ein Medikament die Lichtempfindlichkeit steigert, ist in der Regel auch dem Beipackzettel zu entnehmen.

Kosmetika mit lichtempfindlich machenden Inhaltsstoffen sollten innerhalb der Europäischen Union inzwischen vom Markt verschwunden sein. Vorsicht ist jedoch nach wie vor bei Parfums oder stark parfumierten Pflegeprodukten geboten: Vor dem Sonnenbad sollte man sie nicht auftragen oder abwaschen, so die Empfehlung von Fachleuten.
Auch einige Pflanzen in Garten, Wiese, Feldern oder Wald können bei Hautkontakt lichtempfindlicher machen. Am bekanntesten ist diese Wirkung vom Riesenbärenklau (Heracleum).

Schutz im Beruf: Wie sieht es mit UV-Strahlung am Arbeitsplatz aus?

Es gibt viele Berufsgruppen, die bei der Arbeit zwangsläufig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, vom Bauarbeiter bis zur Erzieherin. UV-Strahlung am Arbeitsplatz kann außerdem auf Personen beim Schweißen, bei Arbeiten mit UV-Entkeimungslampen, bei der Materialprüfung mit UV-Strahlern und bei vielen anderen Arbeiten einwirken. Diese Strahlungen können - wie die Strahlung der Sonne auch -  Schädigungen der Augen und der Haut zur Folge haben.

Seit einiger Zeit wird dieser beruflich bedingten Belastung mehr Aufmerksamkeit gewidmet, es gibt gesetzliche Regelungen zum Schutz von Arbeitnehmern.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bietet umfangreiche Hintergrundinformationen für Arbeitgeber, Arbeitsmediziner und auch für Beschäftigte, unter www.baua.de. Ein Beispiel ist ein Forschungsbericht "Schutzkomponenten bei solarer UV-Exposition", der zeigt: Haut- und Augenschutz im Beruf sind weder aufwändig noch teuer.

Zum Laden und Ausdrucken: Informationsblatt "Hautkrebsrisiko UV-Strahlung: Wie kann man sich schützen?"

Dieses Informationsblatt informiert über die wichtigsten Maßnahmen zum Schutz. Es steht zum Laden und Ausdrucken als PDF zur Verfügung, unter "Hautkrebsrisiko UV-Strahlung".

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Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen, Fachinformationen (Stand: 12/2015)

Weiterführende Informationen und Quellen für Interessierte und Fachleute