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Hand mit Zigarette © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Rauchen und Passivrauchen: Risiko durch blauen Dunst

Fakten für Raucher und Nichtraucher

Rauchen ist ungesund. Das haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahren immer wieder belegt. Nicht nur Lungenkrebs, sondern auch eine ganze Reihe anderer Krebsarten kann durch Tabakkonsum ausgelöst werden. Hinzu kommt das steigende Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele weitere Krankheiten.
Was bringt es, wenn man aufhört? Lohnt sich der Verzicht auf Zigarette, Zigarre, Pfeife auch noch, wenn man lange nikotinabhängig war? Oder gar bereits an Krebs erkrankt ist? Sind E-Zigaretten gesünder, oder Wasserpfeifen, sogenannte Shishas? Wie schützt man sich als Nichtraucher, wenn man unfreiwillig mitqualmen muss?
In diesem Text hat der Krebsinformationsdienst Antworten auf häufig gestellte Fragen sowie Links zu wichtigen Quellen zusammengestellt: für Raucher, ihre Angehörigen, Freunde und Kollegen, für Krebspatienten sowie für alle, die sich für das Thema interessieren.

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Zuletzt überprüft: 19.09.2016

Quellen und Links

Die verwendeten Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text angegeben. Eine Auflistung wichtiger Institutionen, Behörden sowie von Fachinformationen auch in englischer Sprache findet sich am Ende dieser Seite.

Lungenkrebs: Rauchen fördert doch vor allem Bronchialkarzinome, oder?

Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor der Krebsentstehung. Die Beziehung zwischen Tabakkonsum und Lungenkrebs ist besonders auffallend. In Deutschland sind bei Männern vermutlich neun von zehn, bei Frauen mindestens sechs von zehn Lungenkrebserkrankungen auf das aktive Rauchen zurückzuführen. Das schätzen das Robert Koch-Institut und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland in der Broschüre "Krebs in Deutschland".

Wissenschaftler haben aber auch Zusammenhänge zwischen Rauchen und der Entstehung weiterer Krebsarten nachgewiesen. Dazu zählen

  • neben Lungenkrebs
  • fast alle Kopf-Hals-Tumoren (Krebs der Mundhöhle, des Mund- und Nasenrachenraums, der Nasenhöhle und der Nasennebenhöhle sowie des Kehlkopfes)
  • Speiseröhrenkrebs
  • Magenkrebs
  • Darmkrebs
  • Krebs der Gallenblase und Gallenwege
  • Leberkarzinom
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • Gebärmutterhalskrebs
  • Vulvakarzinom
  • Blasenkrebs und Harnleiterkarzinom
  • Nierenzellkarzinom
  • myeloische Leukämien, eventuell auch Lymphome.

Tabak ist bei einigen dieser Tumorarten der Hauptrisikofaktor. Bei anderen verstärkt das Rauchen zumindest die Auswirkung anderer Risiken. Hintergründe fasste bereits 2009 ein Expertengremium der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC, www.iarc.fr) zusammen. Die Forscher berichten zudem, dass vieles auf einen Zusammenhang zwischen aktivem Rauchen und der Entstehung auch von Brustkrebs hindeutet, mehr zu den Quellen hier.

  • Nicht vergessen werden darf neben dem Krebsrisiko die Gefahr für Herz, Gefäßsystem und Lunge. Auch haben Raucher häufiger Probleme mit Zähnen, Zahnfleisch und dem gesamten Zahnhalteapparat als Nichtraucher.

Studien zeigen: Schaut man auf das allgemeine Sterberisiko von Rauchern und Nichtrauchern, so verlieren Raucher deutlich an Lebensjahren – auch dann, wenn sie an Erkrankungen leiden, die bisher nicht hundertprozentig sicher mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden konnten. Hier ist weitere Forschung notwendig.

Risiko auf Lebenszeit: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, als Raucher früher zu sterben?

Weltweit sterben etwa sechs Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen des Rauchens. In Deutschland wären damit jährlich rund 120.000 Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen. Dem vom Deutschen Krebsforschungszentrum herausgegeben "Tabakatlas Deutschland 2015" zufolge entspricht das 13,5 Prozent aller Todesfälle hierzulande.

Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist umso höher, je mehr Zigaretten ein Raucher täglich konsumiert, je früher er mit dem Rauchen begonnen hat und je länger er raucht, so das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum.
Wer aufhört zu rauchen, kann die gesundheitsgefährdende Entwicklung zumindest teilweise rückgängig machen. Je früher dies geschieht, desto stärker gleicht sich das Risiko wieder an das Niveau für einen Nichtraucher an. Dies dauert allerdings einige Zeit - Jahre, unter Umständen auch Jahrzehnte.
Diesen Effekt kennen Wissenschaftler schon länger für rauchende Männer. Frauen profitieren jedoch ebenfalls: Dies belegt eine 2012 erschienene Studie: Rauchende Britinnen verlieren statistisch im Vergleich zu Nichtraucherinnen bis zu elf Lebensjahre. Wer im Alter von 30 von der Zigarette loskommt, kann diesen Unterschied fast vollständig wieder wettmachen. Frauen, die den Rauchverzicht erst mit 40 schaffen, gewinnen durchschnittlich immerhin noch neun zusätzliche Lebensjahre.

Zigarette, Zigarre, Pfeife: Macht es einen Unterschied, was man raucht?

Nicht wirklich. Vergleicht man verschiedene Untersuchungen, fallen zwar geringfügige Unterschiede in der Beurteilung des Risikos verschiedener Formen des Tabakgenusses auf. Unstrittig ist aber, dass nicht nur Zigaretten, sondern auch Zigarren und Pfeife gesundheitsschädigend wirken, so die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC). Auch Zigarren- und Pfeifenraucher haben, im Vergleich zu Nichtrauchern, ein gesteigertes Risiko für verschiedene Tumoren. Dies sind vor allem Krebsarten am und im Mund sowie im Rachen, aber auch Lungenkrebs.

Wasserpfeifen, Shishas: Sind sie weniger gefährlich als Zigaretten?

Vor allem bei Jugendlichen sind seit einigen Jahren Wasserpfeifen beliebt (auch als "Shisha", "Schischa" oder "Hookah" bezeichnet). Sie werden im Vergleich zu Zigaretten oft als weniger gefährlich eingeschätzt. Das stimmt nach Ansicht von Experten so nicht.
Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind die vom Wasserpfeifenrauch ausgehenden Gefahren für die Gesundheit ähnlich hoch wie bei Zigaretten.

E-Zigaretten: Was ist von Nikotinverneblern und -verdampfern zu halten?

Auch die sogenannten elektronischen "Zigaretten" (E-Zigaretten), die seit einiger Zeit im Handel erhältlich sind, gelten unter Experten als nicht ungefährlich. Diese Geräte verbrennen keinen Tabak. Sie "verdampfen" eine Mischung aus Nikotin und, je nach Produkt, unterschiedlichen Aromen und Hilfsstoffen. Diese Flüssigkeiten werden oft als "Liquids" bezeichnet. In einer anderen Variante werden Zigaretten nur noch erhitzt, um das suchtauslösende Nikotin freizusetzen.

Die langfristigen Folgen und mögliche Risiken nikotinhaltiger E-Zigaretten sind noch nicht abschließend erforscht. Die bisherigen Daten umfassen nur vergleichsweise kurze Zeiträume. Einige Fragen bleiben vorerst offen: Sind E-Zigaretten eine "Einstiegsdroge", vor allem für Jugendliche, wegen der geschmacksintensiven Aromastoffe, die oft verwendet werden? Oder können sie für Raucher ein weniger gesundheitsschädlicher Ersatz sein und das Aufhören erleichtern? Wenn dies zuträfe, wie gut helfen E-Zigaretten im Vergleich zu Nikotinkaugummis oder Nikotinpflastern beim Aufhören?

Die bisherigen Daten lassen Trends erkennen, aber weitere Forschung ist notwendig – selbst Experten sind sich nicht ganz einig. Ein Beispiel ist die Diskussion um E-Zigaretten als Hilfe für "werdende Nichtraucher": Aus Nikotinkaugummis und Pflastern nehmen Nutzer fast nur Nikotin auf, diese Produkte unterliegen zudem der Apothekenpflicht und damit einer besonderen Qualitätskontrolle. In den nikotinhaltigen "Liquids" zum Inhalieren sind dagegen in der Regel noch sehr viele weitere Stoffe enthalten, die Nutzer über die Lunge aufnehmen - und deren Risiken weitgehend unklar sind.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät daher zur Vorsicht: "Fragen und Antworten zur E-Zigarette", unter www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zur-e-zigarette.pdf.

In einer weiteren Stellungnahme warnt das Bundesinstitut auch vor dem Konsum von nikotinfreien "E-Shishas". Das sind E-Zigaretten, die kein oder wenig Nikotin enthalten. Unabhängig vom Nikotingehalt bergen auch solche E-Zigaretten wegen der inhalierten Substanzen gesundheitliche Risiken, unter www.bfr.bund.de/cm/343/nikotinfreie-e-shishas-bergen-gesundheitliche-risiken.pdf.

Gesetzliche Einstufung von E-Zigaretten

Seit dem 1. April 2016 ist in Deutschland die Abgabe von E-Shishas und E-Zigaretten an Kinder- und Jugendliche gesetzlich verboten (www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2015/11/2015-11-04-e-zigaretten-shishas.html). Durch Änderungen im Jugendschutzgesetz und im Jugendarbeitsschutzgesetz sollen Kinder und Jugendliche besser vor gesundheitlichen Gefahren geschützt werden, so die Bundesregierung in ihrer Begründung. Außerdem gelten für E-Zigaretten seit dem 20. Mai 2016 ähnliche Werbeeinschränkungen wie für Tabakzigaretten.
Die Bundesregierung will längerfristig auch die nikotinfreien E-Zigaretten mit nikotinhaltigen E-Zigaretten gesetzlich gleichstellen.

Leichtzigaretten, Biotabak, Mentholzigaretten: Kann man das Risiko durch weniger Nikotin und weniger Zusatzstoffe senken?

Die auf der Packung angegebenen Werte für Nikotin, Kondensat oder Teer und Kohlenmonoxid in Fertigzigaretten werden mit sogenannten Rauchautomaten ermittelt. Auf die Praxis übertragbar sind die auf diese Weise gewonnenen Angaben nur bedingt: Der einzelne Raucher hat seine individuellen Gewohnheiten, was das Inhalieren und die Menge der Lungenzüge aus einer einzelnen Zigarette angeht. Viele Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten "Umsteiger" auf vermeintlich "mildere" oder "leichtere" Zigaretten nach dem Umstieg einfach nur tiefer inhalieren und an einer Zigarette öfter ziehen, um auf die gleiche Menge Nikotin zu kommen wie mit ihrer gewohnten Marke. Damit steigern sie die Aufnahme im Tabakrauch enthaltener Schadstoffe enorm.
Ganz ähnlich verhält es sich bei Mentholzigaretten: Menthol betäubt den Rachen und macht den Rauch weicher – das erleichtert das Rauchen. Der kühlende Effekt verleitet Raucher von Mentholzigaretten außerdem dazu, tiefer zu inhalieren.

In Deutschland ist es deshalb verboten, Zigaretten mit vergleichsweise niedrigem Nikotin- und Teergehalt als "light" oder "mild" zu bewerben. Frühere "Leicht"-Produkte werden unter verändertem Namen aber immer noch verkauft. Sie lassen sich häufig an ihrer Aufmachung mit hellen, pastellartigen Farben erkennen.
Mentholzigaretten sind Deutschland seit dem 20. Mai 2016 gesetzlich verboten. Der Verkauf ist innerhalb einer Übergangsfrist von vier Jahren jedoch noch erlaubt.

Konsumenten sollten sich von anderen werbenden Aussagen ebenfalls nicht in die Irre führen lassen: Auch Zigaretten, bei denen der Tabak laut Werbung "naturbelassen" ist und nicht mit Zusatzstoffen wie Aromen, Konservierungs- oder Feuchthaltemitteln versetzt wird, sind gesundheitsgefährdend. Gleiches gilt für Tabak aus "biologischem Anbau". Beim Verbrennen werden, wie auch bei "normalen" Zigaretten, gesundheitsschädliche und krebserzeugende Stoffe freigesetzt.

Rauchfreie Tabakprodukte: Wie sieht es mit Kau- oder Schnupftabak aus?

Tabak kann nicht nur geraucht werden, sondern auch geschnupft, gekaut oder gelutscht. Man spricht auch von rauchlosen Tabakwaren. Dazu zählen Schnupftabak, Kautabak, Lutschtabak und der in Skandinavien verbreitete Snus, der zwischen Lippe und Zahnfleisch geklemmt wird. Einige dieser Produkte dürfen in der EU und damit in Deutschland nicht mehr verkauft werden. Aufgrund besonderer Traditionen gibt es jedoch Ausnahmen: So ist beispielsweise Snus in Schweden weiter erhältlich.

Die Krebsgefahr dieser rauchlosen Produkte wird in der Öffentlichkeit immer noch kontrovers diskutiert. Grundsätzlich gilt: Diese Tabakwaren enthalten Nikotin und können deshalb abhängig machen. Sie dürfen in Deutschland nur mit einem Hinweis auf die Suchtgefahr und die möglicherweise gesundheitsschädigende Wirkung verkauft werden.

Die Internationale Krebsforschungsagentur hat rauchlose Tabakprodukte zudem wie Zigaretten als eindeutiges Krebsrisiko eingestuft. Besonders gut belegt ist der Zusammenhang mit Krebs im Mund, Speiseröhrenkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Fachleuten zufolge deutet außerdem vieles darauf hin, dass rauchloser Tabak auch Entzündungen des Zahnhalteapparates, eine Parodontitis, sowie Karies fördert.

Schutz dringend notwendig: Wie gefährlich ist Passivrauchen?

Passivrauchen gefährdet die Gesundheit. Wer sich regelmäßig in Räumen aufhält, in denen geraucht wird, hat ein erhöhtes Risiko für viele Krankheiten und Beschwerden wie Herz-Kreislauf-, Krebs- und Atemwegserkrankungen. Der Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs ist nach Angaben der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) eindeutig wissenschaftlich belegt. Für Kehlkopfkrebs und Tumoren des Rachenbereichs (Larynx- und Pharynxkarzinome) ist ein entsprechender Zusammenhang in begrenztem Umfang ebenfalls gezeigt worden, so die IARC.

Es gibt, soweit man heute weiß, keinen unteren Grenzwert für eine Konzentration von Tabakrauch in der Luft, die als nicht gesundheitsgefährdend und noch tolerabel angesehen werden könnte. Das bedeutet: Auch "ein bisschen" Rauch in der Luft kann noch gefährlich sein. Verantwortlich sind die vielen verschiedenen Substanzen, die beim Verbrennen von Zigaretten freigesetzt werden. Sie können rein statistisch noch in geringsten Mengen das Erbmaterial schädigen und so Krebs erzeugen. Insgesamt sind im Tabakrauch mehrere tausend Stoffe enthalten. Mindestens 90 davon gelten als krebserregend oder möglicherweise krebserregend.

Nichtraucherschutz: Was regeln Gesetze von Bund, Land und EU?

In Deutschland regeln das Bundesnichtraucherschutzgesetz sowie verschiedene Ländergesetze den Schutz von Nichtrauchern. Grundsätzlich verboten ist das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen des Bundes und im öffentlichen Personenverkehr, also in Zügen, Flugzeugen und Bussen. Die Ländergesetze sehen vor, dass in Schulen, Jugendhäusern, Behörden, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nicht geraucht werden darf. Unter bestimmten Umständen kann es Ausnahmen geben.

Die konkrete Umsetzung unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Das gilt auch für den Nichtraucherschutz in Gaststätten, der ebenfalls Ländersache ist. In einer 2014 vom DKFZ in Auftrag gegebenen Befragung kam heraus, dass mehr als drei Viertel der deutschen Bevölkerung ein Rauchverbot in Gaststätten befürworten. Selbst über die Hälfte der Raucher sprechen sich für rauchfreie Gaststätten aus. Die Zustimmung zu einem Verbot des Gebrauchs von E-Zigaretten in Gaststätten ist in der Bevölkerung ähnlich hoch. Bislang werden E-Zigaretten jedoch nicht durch die Nichtraucherschutzgesetzgebung erfasst.

Eine Übersicht über Gesetze auf Bundes- und Länderebene sowie zu EU-Vorgaben bietet das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle unter www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Rechtliche_Grundlagen.html.

Erfahrung: Rauchverbote sind wirkungsvoll

Die weltweiten Erfahrungen mit Rauchverboten in Restaurants und Kneipen zeigen: Die Luftqualität in den Gasträumen verbessert sich, Gesundheitsbeschwerden bei Gastronomie-Mitarbeitern nehmen ab. Rauchende Angestellte und Gäste greifen seltener zur Zigarette.

Internationale wissenschaftliche Arbeiten haben die Auswirkungen von Rauchverboten in der Gastronomie – also Restaurants und Kneipen – auf die Häufigkeit von Herzinfarkten in der Bevölkerung untersucht. Meist wurde dabei verglichen, wie viele Menschen vor und nach Gesetzesänderungen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Krankenhäuser eingewiesen wurden. Beobachtet wurden Rückgänge zwischen fünf und 39 Prozent.

Wie sich Rauchverbote auf die Häufigkeit von Krebserkrankungen auswirken, lässt sich anhand der bisher vorliegenden Daten nicht sagen. Krebserkrankungen entwickeln sich in der Regel über einen langen Zeitraum. Entsprechende Effekte einer rauchfreien Gastronomie lassen sich deshalb nur mit einigem Abstand feststellen.

Kinder und Tabakrauch: Was müssen Eltern wissen?

Ob Kinder zu Passivrauchern werden, hängt vor allem von ihren Eltern ab. Viele rauchende Mütter und Väter verzichten zu Hause auf das Rauchen, vor allem wenn ihre Kinder noch klein sind. Trotzdem sind Berechnungen zufolge mehr als 1,7 Millionen minderjährige Kinder täglich Tabakrauch ausgesetzt.
Kinder, die jünger als sechs Jahre sind, sind dabei seltener betroffenen als ältere Kinder und Jugendliche. Wenn jüngere Kinder betroffen sind, dann oft in größerem Umfang, da sie mehr Zeit mit und bei ihren Eltern verbringen. Das belegen Messungen des Nikotinabbauprodukts Cotinin im Urin von Kindern.

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht das Problem des Passivrauchens als dringlich an und bezeichnet es als eine echte und nachhaltige Bedrohung für Kinder.

 

Rauchen während der Schwangerschaft: Kinder bedroht

Rauchen während der Schwangerschaft birgt Risiken für Mutter und Kind. Fachleute des Deutschen Krebsforschungszentrums nennen unter anderem diese Gefahren (2015):

  • Im Vergleich zu Nichtraucherinnen haben Raucherinnen ein höheres Risiko für Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter, vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens (Plazenta), vorzeitigen Blasensprung und Fehllage der Plazenta, was zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann.
  • Raucherinnen haben ein erhöhtes Risiko für Früh-, Fehl- und Totgeburten.
  • Kinder rauchender Mütter sind leichter, kleiner und haben einen geringeren Kopfumfang. Auch Kinder passivrauchender Mütter sind im Durchschnitt leichter.
  • Je mehr Zigaretten eine Mutter pro Tag während der Schwangerschaft raucht, desto größer ist beim Nachwuchs die Wahrscheinlichkeit von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten.
  • Nikotin kann die Entwicklung der Lunge eines ungeborenen Kindes beeinträchtigen. Daraus folgende Probleme können bis ins Jugendalter bestehen bleiben.
  • Kinder während der Schwangerschaft rauchender Mütter haben ein erhöhtes Risiko, im ersten Lebensjahr an plötzlichem Kindstod zu sterben; Rauchen während der Schwangerschaft gilt als einer von mehreren vermeidbaren Risikofaktoren. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht geklärt.

Gelegenheitsrauchen: Wie schädlich ist "ein bisschen"?

Selbst wenige Zigaretten pro Woche sind nicht unbedenklich. Gelegenheitsraucher fühlen sich vielleicht "fast" als Nichtraucher – sie sind es aber nicht. Einen unteren Grenzwert für die Gefahren des Tabakkonsums gibt es nicht: Auch wer wenig raucht, hat statistisch ein höheres Krebsrisiko als ein echter Nichtraucher. Darüber hinaus steigert gelegentliches Rauchen das Risiko für schwere Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Leiden.

Aus Forschungsergebnissen zum Passivrauchen weiß man, dass schon geringe Mengen der im Tabakrauch enthaltenen Stoffe gesundheitsschädlich sein können. Zwar unterscheidet sich die Zusammensetzung des Rauchs, den man einatmet, wenn man selbst an der Zigarette zieht von dem Qualm, dem Passivraucher ausgesetzt sind. Wesentliche Stoffe sind aber in beiden Fällen gleich.

Forschung: Studien bieten keinen Freifahrtschein für Partyraucher

Epidemiologische Studien, die das Risiko von bestimmten Bevölkerungsgruppen für verschiedene Krankheiten untersucht haben, geben keine Entwarnung für Gelegenheitsraucher, im Gegenteil: Ein unterer Grenzwert, ab dem Rauchen gefahrlos möglich wäre, wurde auch hier nicht gefunden.

  • Beispiel 1: Wissenschaftler aus Dänemark, Deutschland und Italien haben Daten von 160.000 Menschen ausgewertet. Um mehr über die Risiken des gelegentlichen Rauchens herauszufinden, verglichen die Forscher echte Nichtraucher mit täglichen Rauchern und mit Menschen, die nicht täglich, aber gelegentlich rauchten. Bei den Gelegenheitsrauchern traten insbesondere Blasenkrebserkrankungen häufiger auf als bei "Nie"-Rauchern.
    Etwas weniger deutlich, aber immer noch vorhanden war der Zusammenhang für weitere Krebserkrankungen insgesamt. Neben Blasenkrebs war dies Nierenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Lungenkrebs sowie Krebs der oberen Atemwege und des oberen Verdauungstraktes. Unter den Menschen, die nicht täglich zur Zigarette griffen, traten allerdings insgesamt zu wenige Lungenkrebsfälle auf, um gesicherte Aussagen für diese Krebsart allein zu treffen.
  • Beispiel 2: Norwegische Daten zeigen, dass sich auch Wenig-Raucher gesundheitlichen Risiken aussetzen: Demnach starben im Untersuchungszeitraum gemäßigte Raucher (ein bis vier Zigaretten am Tag) fast dreimal so häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Nichtraucher.
    Die Wissenschaftler haben, um die Ergebnisse einheitlich darzustellen, mit sogenannten Personenjahren gerechnet. Damit ist die Zeit gemeint, in der ein Mensch theoretisch eine Krankheit bekommen kann. In 100.000 Personenjahren starben 131 nichtrauchende Männer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei den geringfügigen Rauchern waren es 385. Lungenkrebs trat bei Männern, die höchstens vier Zigaretten täglich rauchten, fast dreimal so häufig auf wie bei Nichtrauchern; bei geringfügig rauchenden Frauen fast fünfmal so häufig wie bei Nichtraucherinnen.

Karzinogene im Tabak: Was macht das Rauchen so gefährlich, das Nikotin oder der Teer?

Nikotin ist nur einer unter Tausenden Inhaltsstoffen des Tabakrauchs. Diese Substanz ist mit ihrer anregenden und zugleich beruhigenden Wirkung auf das Nervensystem verantwortlich für die suchterzeugende Wirkung des Rauchens. In höherer Dosis gilt Nikotin als giftig. Für ein Kleinkind kann schon eine zerkaute Zigarette tödlich sein.

Direkt krebserzeugend sind jedoch überwiegend andere Stoffe. Deshalb wurden Nikotinpflaster und Nikotinkaugummis in Deutschland sogar rezeptfrei als Arzneimittel zur Raucherentwöhnung zugelassen. Rauch, Teer oder Kondensat bergen ganz andere Gefahren: Was ein Raucher einatmet oder auspustet und was im Aschenbecher verglimmt, ist in seiner Zusammensetzung nur bedingt vergleichbar mit Rauch, der beim Verbrennen von Holz, Kohle oder Öl entsteht.

Allen gemeinsam sind allerdings Krebs erzeugende Produkte einer unvollständigen Verbrennung vom Typ der so genannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), die sich abhängig von Temperatur und anderen Faktoren in wechselndem Umfang bilden. Die wichtigsten sonstigen bisher nachgewiesenermaßen oder stark verdächtigen Krebs erzeugenden Substanzen im Tabakrauch sind Nitrosamine sowie einige Metalle oder Metallsalze, zum Beispiel Nickel oder Cadmium.

Viele der im Tabakrauch enthaltenen Substanzen reagieren mit dem Erbgut der Zellen im menschlichen Körper. Dabei kann es zu Veränderungen oder Mutationen kommen, die die Steuerung von Wachstum, Teilung und Überlebenszeit einer Zelle entgleisen oder versagen lassen. Die Zelle kann sich dann unkontrolliert vermehren: der Beginn des Krebswachstums.

Für Krebspatienten: Lohnt es sich für Betroffene überhaupt noch, mit dem Rauchen aufzuhören?

Diese Frage stellen sich sehr viele Menschen, wenn sie die Diagnose Krebs erhalten haben. Viele haben auch Angst davor, gerade in dieser besonders belastenden Situation auch noch den Stress des Nikotinentzugs auf sich zu nehmen. Mediziner haben auf die Frage jedoch recht eindeutige Antworten.

Ob man länger lebt, wenn man aufhört zu rauchen, ist zwar längst nicht für alle Tumorarten einwandfrei belegt. Umfangreichere Daten liegen vor allem für Patienten mit Lungenkrebs vor: Ihre Prognose scheint besser zu sein, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Die Autoren der aktuellen Leitlinie Lungenkrebs nennen einen möglichen Grund dafür: Nichtraucher und Ex-Raucher verkraften die Therapien besser, sie haben weniger Nebenwirkungen, und möglicherweise wirken einige Behandlungen bei ihnen auch besser als bei aktiven Rauchern.

Insgesamt nutzt der Rauchverzicht dem Körper auf jeden Fall: Schon relativ kurze Zeit nach der letzten Zigarette verbessert sich die Sauerstoffaufnahme in der Lunge. Langfristig vertragen Krebspatienten, die nicht rauchen, die meisten Behandlungen besser: Wunden heilen schneller, Medikamente belasten den Stoffwechsel weit weniger, und bei Schmerzen helfen schon viel geringere Mengen an Schmerzmitteln als bei Rauchern, weil der Körper nicht mit der Verarbeitung von Nikotin beschäftigt ist. Ein wichtiges Beispiel sind chirurgische Eingriffe, so eine wissenschaftliche Analyse: Wer mindestens vier Wochen vor einer Operation – nicht nur bei Krebs – aufhört zu Rauchen, halbiert das Risiko für Störungen des Wundheilungsprozesses.

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