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Radioaktivität und Strahlung: Quellen, Risiken, Nutzen

Der ein oder anderen Form von Strahlung ist jeder Mensch ausgesetzt: Energiereiche Strahlen aus dem Weltraum treffen, wenn auch durch die Atmosphäre gebremst, auf der Erde auf. Radioaktive Gesteine und Gase kommen in geringen Mengen praktisch überall natürlich vor. In der Umwelt haben außerdem Kernwaffentests oder auch die zivile Nutzung von Atomenergie Spuren hinterlassen. In der Medizin spielen energiereiche Strahlen bei vielen Untersuchungsverfahren eine Rolle, sie werden zur Behandlung von Krebs und einigen anderen Erkrankungen eingesetzt.
Warum gilt Radioaktivität als Krebsrisiko? Wie hoch ist die Strahlenbelastung in Deutschland tatsächlich? Wovor kann man sich schützen, wovor nicht? Der Krebsinformationsdienst hat Fakten zusammengestellt und nennt Ansprechpartner.

Letzte Aktualisierung: 24.08.2013

Quellen und Links

Die bei der Erstellung genutzten Quellen sowie Linktipps zum Weiterlesen sind nach Möglichkeit direkt im Text verlinkt.

Radioaktivität oder Strahlung: Was ist das eigentlich?

Als radioaktiv bezeichnet man Stoffe, deren Atomkerne zerfallen und dabei Energie in Form von Strahlung freisetzen. Diese Strahlung ist so stark, dass sie die atomare Struktur anderer Stoffe beim Durchdringen verändert: Sie verdrängt negativ geladene Teilchen, sogenannte Elektronen. Die übrig bleibenden Atome oder Moleküle sind elektrisch positiv geladen, man bezeichnet sie als Ionen. Die von radioaktiven Stoffen ausgehende Strahlung wird deshalb auch als ionisierende Strahlung bezeichnet.

Physik: Grundlagen kurz erklärt

Radioaktive Stoffe können natürlich vorkommen oder künstlich erzeugt werden. Bekannte Beispiele sind Uran, Radium, Plutonium oder zum Beispiel das radioaktive Edelgas Radon. In der Natur existieren aber auch radioaktive "Varianten" sehr vieler anderer, normalerweise stabiler Stoffe: Als sogenannte Nuklide oder Isotope bezeichnet man Substanzen, deren Atomkern zusätzliche subatomare Teilchen enthält, nämlich zusätzliche Neutronen. Sie weisen meist die gleichen chemischen Eigenschaften wie die "normale" Form auf, sind aber weniger stabil. Viele können deshalb radioaktiv zerfallen.

Ein Beispiel ist Kohlenstoff: Der Kern von Kohlenstoffatomen (chemische Abkürzung "C") enthält normalerweise sechs Protonen und genauso viele Neutronen; er wird umgeben von sechs Elektronen. Eine Variante enthält zwar die gleiche Zahl an Protonen und Elektronen, weist aber zwei zusätzliche und damit insgesamt acht Neutronen auf, und ist schwach radioaktiv. Die chemische Schreibweise lautet "14C". "14" ist die sogenannte Massezahl, die man erhält, wenn man Protonen und Neutronen eines Atoms zusammenzählt. 14C-Kohlenstoff kommt, wenn auch in geringen Mengen, in allen lebenden Organismen vor.
Radioaktive Isotope existieren in der Natur auch von anderen chemischen Elementen. Viele lassen sich heute auch künstlich herstellen.

Strahlung: Welle oder Teilchen?

Radioaktive, besser: ionisierende Strahlung lässt sich physikalisch sowohl als Strahl aus energiereichen Teilchen wie auch als elektromagnetische Welle erklären: Beim Zerfall der instabilen radioaktiven Substanzen können verschiedene Dinge passieren, je nach den Eigenschaften des jeweiligen Stoffs, aber auch abhängig von der jeweiligen Situation.

Einige Stoffe setzen subatomare Teilchen aus dem Atomkern frei; den Strom aus diesen Protonen und Neutronen nennt man Alpha-Strahlung (α-Strahlung). Werden bei einem Zerfall Elektronen frei, spricht man von Beta-Strahlung (β-Strahlung) oder Elektronenstrahlung. Gamma-Strahlung (γ-Strahlung) ist eine besonders energiereiche Strahlung. Der häufig verwendete Begriff Röntgenstrahlung steht für eine Strahlung, die im Spektrum sozusagen zwischen der Gamma-Strahlung und einer besonders intensiven, aber nichtionisierenden ultravioletten Strahlung (UV) liegt.

Ionisierende Strahlung entsteht nicht nur auf der Erde: Auch als kosmische Strahlung aus dem Weltraum kann sie, wenn auch stark oder vollständig gebremst durch die Atmosphäre, auf die Erde auftreffen.

Energie: Einheiten und Messung

Zur Messung von Radioaktivität zählen Physiker, wie viele Zerfälle pro Zeiteinheit bei einer radioaktiven Substanz vorkommen. Die physikalische Einheit ist Becquerel: Ein Becquerel (Bq) bedeutet einen Zerfall pro Sekunde.
Die "Halbwertszeit" steht für die Zeit, in der die Hälfte einer strahlenden Substanz zerfallen ist. Radioaktive Elemente verhalten sich dabei immer gleich: Für das 239Plutonium beträgt die Halbwertszeit 24.110 Jahre, es gibt jedoch auch Plutonium-Isotope mit Halbwertszeiten von Tagen oder Monaten. Bei 131Jod, das in der Medizin eingesetzt wird, dauert es dagegen nur etwas mehr als acht Tage, bis die Hälfte zerfallen ist.
In der Einheit Gray (Gy) wird die Energiedosis ionisierender Strahlung angegeben, zum Beispiel auch bei einer medizinischen Bestrahlung.
Nicht damit zu verwechseln sind Angaben in der Einheit Sievert (Sv). Auch hier ist zwar die Energiedosis durch Strahlung gemeint. Die Einheit Sievert lässt aber zusätzlich Rückschlüsse auf die biologische Wirkung der Strahlung zu: Die verschiedenen Strahlungsarten verursachen bei gleicher Energiemenge unterschiedliche Auswirkungen im Gewebe und werden deshalb mit einem jeweils unterschiedlichen Faktor multipliziert. Das ergibt die sogenannte Organdosis oder Organ-Äquivalentdosis. Mit ihrer Hilfe kann man in einem weiteren Schritt die sogenannte effektive Dosis berechnen. Diese Angabe gibt die Strahlenbelastung des gesamten Körpers an und ist ein Maß für das damit verbundene Risiko. Sie berücksichtigt zusätzlich die Strahlenempfindlichkeit der verschiedenen Organe: Innere Organe sind beispielsweise strahlenempfindlicher als die Haut, Keimdrüsen empfindlicher als Brustgewebe. Die Richtwerte zur Gewebeempfindlichkeit werden für jedes Organ oder Gewebe von der Internationalen Strahlenschutzkommission (www.icrp.org) auf Basis wissenschaftlicher Daten geschätzt und veröffentlicht. In Sievert geben Fachleute deshalb die Strahlenbelastungen durch die Hintergrundstrahlung aus der Umwelt oder durch Strahlenunfälle an.

Nicht mehr verwendet werden die früher üblichen Einheiten Rem (abgelöst durch Sievert) oder Rad (abgelöst durch Gray).

Ionisierende Strahlung: Was bewirkt sie im Körper?

Alle biologischen Moleküle und auch das im Körper enthaltene Wasser bremsen Strahlung ab. Dabei wird Energie frei. Sie ist für die Wirkung ionisierender Strahlung verantwortlich und löst auch in lebendem Gewebe die bereits beschriebene Veränderung der Ladung von Atomen und Molekülen aus.
Die so entstehenden Ionen sind besonders reaktiv. Sie versuchen sofort, chemisch wieder stabile  Verbindungen einzugehen - nicht immer die, die für den Körper sinnvoll oder "richtig" sind.
So kann ionisierende Strahlung zum Beispiel wichtige Enzyme funktionsunfähig machen oder Zellbausteine zerstören und zum Zelltod führen. Sie kann aber auch an den großen Molekülen der Erbsubstanz DNA Veränderungen hervorrufen, die bei der nächsten Zellteilung an Tochterzellen weitergegeben werden und langfristig zur Entstehung von Krebs beitragen.

Gesunde Zellen sind in der Lage, viele Schäden zu reparieren oder geschädigte Strukturen gezielt abzubauen. Ist die Strahlungsdosis sehr hoch oder das betroffene Gewebe besonders empfindlich, greift dieser natürliche Schutz nicht mehr. Grundsätzlich gilt jedoch: Auch eine sehr geringe Strahlungsdosis kann unter ungünstigen Umständen ausreichen, Gewebe zu zerstören oder eine Tumorentwicklung anzustoßen.

  • Eine untere Grenze oder einen Schwellenwert, unterhalb dessen ionisierende Strahlung unschädlich wäre, gibt es nicht.

Welche Organe oder Organsysteme besonders gefährdet sind, hängt auch davon ab, auf welchem Weg sie durch Strahlung betroffen wurden und wie lange diese einwirkt: Radioaktive Nuklide, die beim Zerfall Strahlung freisetzen, baut der Körper oft anstelle der nicht radioaktiven Isotope mit gleichen chemischen Eigenschaften in Gewebe, Organe oder Knochen ein. Ihre Wirkung hält dann solange an, bis sie der Körper wieder ausscheidet oder sie vollständig zerfallen sind. Radioaktives Jod nutzt der Körper beispielsweise wie "normales" Jod vorwiegend in der Schilddrüse.
Die Reichweite der frei werdenden Strahlung ist bei vielen dieser Substanzen so gering, dass andere Gewebe kaum betroffen sind.

Bei einer externen Bestrahlung, sei es zu therapeutischen Zwecken in der Medizin, im Flugzeug auf Langstreckenflügen oder bei Strahlungsunfällen, besteht der schädigende Einfluss dagegen nur so lange, wie die außerhalb des Körpers befindliche Strahlungsquelle einwirkt. Die Strahlung wirkt außerdem nur dort, wo sie das Gewebe tatsächlich trifft und durchdringt und nicht schon von der Haut abgebremst wird. Krebspatienten, die zur Behandlung bestrahlt werden, sind auch nicht selbst "radioaktiv".

Quellen: Welche Stoffe sind radioaktiv, wo gibt es Strahlung in Alltag und Beruf?

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt die durchschnittliche Belastung aus der Umwelt derzeit mit etwa insgesamt  2,1 Millisievert pro Jahr an (www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/natuerliche-strahlenbelastung/natuerliche-strahlenbelastung.html). Je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten oder Beruf kann die Strahlenexposition aber zwischen einem und zehn Millisievert schwanken.
Quellen dieser Strahlung sind natürlich vorkommendes Radon, weiter radioaktive Substanzen aus Gesteinen und Böden oder auch daraus hergestellten Baumaterialien. Diese natürlichen Strahler werden von Pflanzen und Tieren aus der Umwelt aufgenommen und erreichen den Menschen über seine Nahrung und sogar über "Genussmittel" wie Tabak.

Zur natürlichen Belastung trägt außerdem auch die kosmische Strahlung aus dem Weltall bei, zum Beispiel von der Sonne. Sie wird von der Lufthülle der Erde gebremst: Auf Meeresniveau ist die Dosis deshalb niedriger als in Gebirgen oder auch beim Fliegen.

Natürliche und zivilisatorische Quellen

Zur Berechnung der durchschnittlichen Gesamtbelastung in Deutschland zieht das Bundesamt für Strahlenschutz weitere Quellen heran: 

  • die Strahlung sogenannten zivilisatorischen Urspungs.

Dazu gehört die medizinische Anwendung von Strahlung, zum Beispiel beim Röntgen oder bei der Behandlung von Krebs. Weiter wirken sich bis heute frühere Kernwaffentests oder der Reaktorunfall von Tschernobyl aus.

Für die Überwachung heutiger Kernkraftwerke oder anderer zivilisatorischer Quellen existiert in Deutschland ein bundesweites und flächendeckendes Überwachungsnetz (www.bfs.de/DE/themen/ion/notfallschutz/messnetz/imis/imis_node.html). Gibt es Hinweise auf besondere Risiken, werden auch gezielte Maßnahmen durchgeführt. Ein aktuelles Beispiel ist die Überwachung der Situation im und rund um das Endlager Asse in Niedersachsen, mehr unter www.asse.bund.de/Asse/DE/home/home_node.html.

In Studien wird darüber hinaus geprüft, ob Menschen ein höheres Krebsrisiko haben, die in der Nähe von Kernkraftwerken oder Lagerungen von radioaktiven Abfällen leben. Beispiele sind die deutsche KIKK-Studie zu Krebs bei Kindern und Kernkraftwerken (www.bfs.de/DE/bfs/wissenschaft-forschung/ergebnisse/kikk/kikk-studie.html) oder die schweizerische CANUPIS-Studie zum gleichen Thema (www.uniaktuell.unibe.ch/content/news/2011/canupis/index_ger.html).

Berufliche Strahlenbelastung

Betroffene Berufsgruppen sind etwa Bergarbeiter, ebenso wie Flugpersonal oder Arbeitnehmer in Wissenschaft und Medizin, die mit Strahlung arbeiten. 
Wer beruflich mit Strahlung zu tun hat, wird zum Schutz vor zu hohen Strahlendosen regelmäßig überwacht: Durch das bundesweite Strahlenschutzregister (SSK) soll sichergestellt werden, dass die geltenden Grenzwerte nicht überschritten werden. Die Kontrolle kann durch das regelmäßige Messen der Strahlenwerte direkt am Arbeitsplatz geschehen, aber zum Beispiel auch durch das Tragen sogenannter Dosimeter, die man an der Arbeitskleidung befestigt.
Zuständig für die Messungen sind die Landesbehörden und die von ihnen beauftragten regionalen Messstellen. Gemeldet werden die Ergebnisse an das bundesweite Strahlenschutzregister. Diese Messungen belegen: Die durchschnittliche Strahlenbelastung, der Menschen am Arbeitsplatz ausgesetzt sind, hat einen Tiefstwert erreicht. Der Jahresmittelwert lag 2010 bei 0,66 Millisievert (mSv), der niedrigste Wert, der seit Einführung der zentralen Überwachung je erreicht wurde. Nur bei drei Menschen wurde 2010 die zulässige Höchstgrenze von 20 Milllisievert im Jahr überschritten. Zehn Jahre zuvor waren es noch 33 Arbeitnehmer gewesen.

Hintergründe bietet das Bundesamt für Strahlenschutz unter www.bfs.de/DE/themen/ion/strahlenschutz/beruf/beruf_node.html/. Die  letzte Untersuchung zur durchschnittlichen beruflichen Strahlenbelastung ist abrufbar unter http://doris.bfs.de/jspui/handle/urn:nbn:de:0221-201206018415, der Text richtet sich vorwiegend an Fachleute.

Röntgen und CT: Wie groß ist das Krebsrisiko, wenn man oft geröntgt wurde?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist kaum möglich: Zu unterschiedlich ist die Belastung durch die verschiedenen Röntgenuntersuchungen, von der Aufnahme beim Zahnarzt über die Mammografie oder die Diagnostik bei Verdacht auf einen Knochenbruch bis hin zur Computertomographie, die ebenfalls zu den Röntgenuntersuchungen zählt.

Die jährliche Belastung kann also ganz unterschiedlich sein, je nachdem, ob jemand wegen einer schweren Erkrankung mehrere Computertomographien brauchte oder lediglich einmal beim Zahnarzt geröntgt wurde. Das Bundesamt für Strahlenschutz kontrolliert allerdings, welche Werte in Deutschland jährlich insgesamt erreicht werden (www.bfs.de/DE/mediathek/berichte/bfs-jahresberichte/bfs-jahresberichte_node.html).

In der Medizin ist außerdem immer die Frage wichtig, welches Risiko höher wäre - das einer meist doch geringen Strahlenbelastung oder das einer unerkannten Erkrankung. Untersuchungsverfahren lassen sich zudem nicht beliebig gegeneinander austauschen: Es ist also keineswegs, wie oft befürchtet, eine "Sparmaßnahme", wenn ein Arzt statt einer Ultraschalluntersuchung oder einer Magnetresonanztomographie eine Röntgenuntersuchung ansetzt, etwa eine Mammographie, und dabei eine Strahlenbelastung in Kauf nimmt.

Trotzdem muss für jede Röntgenaufnahme eine klare Indikation bestehen. Unnötige oder doppelte Untersuchungen sollten auf jeden Fall vermieden werden: Patienten, die den Arzt wechseln oder vom Hausarzt zu verschiedenen Fachärzten überwiesen werden, sollten möglichst immer fragen, ob Röntgenaufnahmen mitgegeben oder direkt den neuen Ärzten zur Verfügung gestellt werden können.
Details zur Belastung durch einzelne Verfahren bietet das Bundesamt für Strahlenschutz unter www.bfs.de/DE/themen/ion/anwendung-medizin/anwendung-medizin_node.html.

Tschernobyl, Fukushima: Welche Folgen lassen sich heute noch messen?

Die Reaktorunfällel in Tschernobyl und Fukushima werden noch für viele Jahre Auswirkungen auf die Belastung der betroffenen Regionen haben. Welche Konsequenzen sind für Deutschland zu erwarten? Gibt es zum Beispiel noch radioaktive Lebensmittel?

Das Bundesamt für Strahlenschutz wies zuletzt 2006 darauf hin, dass nicht nur in Osteuropa, sondern auch in einigen Regionen Deutschlands einige Pilzarten und Wild als Folge des Tschernobyl-Unglücks noch hoch belastet sind. Dazu gehören vor allem Südbayern und der Bayerische Wald (www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/lebensmittel/pilze-wildbret/pilze-wildbret.html). Eine messbare Gefahr besteht wahrscheinlich aber nur für Menschen, die sehr viel Wildfleisch oder Pilze aus diesen Regionen essen.
Nahrungsmittel, die in diesen Regionen durch Ackerbau produziert werden, sind dagegen meist weniger belastet als Wildpflanzen: Durch Pflügen und andere Bodenbearbeitung bleiben die radioaktiven Substanzen nicht so hoch konzentriert an der Oberfläche erhalten, wie es in Wald- und Wiesengebieten der Fall ist. Mehr zur Belastung von Lebensmitteln bietet das BfS auch unter www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/lebensmittel/lebensmittel_node.html.

Nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima 2011 gab es ähnliche Befürchtungen zu importierten Lebensmitteln aus Japan, zum Beispiel Fisch. Für die japanische Bevölkerung wurden von den nationalen Behörden Höchstwerte eingeführt, die die Belastung vor Ort möglichst gering halten sollen. Kontaminierte Lebensmittel werden zudem aus dem Handel genommen, wenn sie diese Werte übersteigen.
Importe nach Deutschland werden überwacht. Dabei nutzen die Behörden die Vorgaben, die 1986 nach dem Unfall in Tschernobyl entwickelt wurden. Eine ausführliche Darstellung der Auswirkungen von Fukushima für Deutschland bietet das Bundesamt für Strahlenschutz unter www.bfs.de/DE/themen/kt/unfaelle/fukushima/fukushima_node.html.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass sich - weltweit betrachtet - keine messbaren Folgen für die Krebsrate aus dem Unglück in Fukushima ergeben werden. Anders schätzt sie die Folgen für Japan ein: Unter den Menschen in den unmittelbar betroffenen Landesteilen wird die Krebsrate leicht ansteigen. Pressemitteilungen, Hintergründe sowie einen Expertenbericht in englischer Sprache bietet die WHO unter www.who.int/ionizing_radiation/pub_meet/fukushima_risk_
assessment_2013/en/index.html
. Die Informationen sind noch in weiteren Sprachen verfügbar, allerdings nicht in Deutsch. Auch für die Folgen von Tschernobyl ist noch ein WHO-Bericht abrufbar, online in englischer Sprache unter www.who.int/ionizing_radiation/chernobyl/en/.

Flugreisen: Welches Risiko gehen Vielflieger durch die Höhenstrahlung ein?

Dieser Frage wurde in den letzten Jahren in mehreren großen Studien nachgegangen. Dabei war für die beteiligten Wissenschaftler auch das Risiko wichtig, das Piloten und Kabinenpersonal eingehen, die ja unter Umständen über Jahrzehnte fast täglich fliegen. Anhand solcher Untersuchungen geht man heute davon aus, dass Gelegenheitsflieger wie die meisten Urlauber ihr Strahlenrisiko kaum vergrößern und auch Schwangere oder Kleinkinder keine messbare Gefahr eingehen. Tabellen zur Strahlenbelastung, an der sich Flugpassagiere orientieren können, stellt das Bundesamt für Strahlenschutz zur Verfügung (www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/luft-boden/flug/flug.html).
Zum Schutz von Beschäftigten in der Luftfahrt  wurde jedoch 2003 die Strahlenschutzverordnung geändert: Die Belastung betroffener Berufsgruppen wird heute regelmäßig vom Luftfahrtbundesamt überprüft und darf bestimmte Höchstgrenzen nicht überschreiten. Eine im August 2011 vorgelegte Auswertung zeigt, dass die Belastung von Cockpit- und Kabinenpersonal in den letzten Jahren gestiegen ist. Verantwortlich sind vermutlich Veränderungen in der kosmischen Höhenstrahlung, so das Bundesamt für Strahlenschutz. Sie kommen durch die wechselnde Aktivität der Sonne zustande, die in einem etwa elfjährigen Zyklus ansteigt und wieder abfällt (Pressemitteilung und Link zum Bericht unter www.bfs.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BfS/DE/2011/006.html.

Radon: Wie gefährlich ist das Gas zum Beispiel in Gebäuden?

Radon ist ein überall auf der Welt natürlich vorkommendes radioaktives Gas, farb-, geruch- und geschmacklos, mit einer kurzen Halbwertszeit von etwa 3,8 Tagen. 
Radon ist, so das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), in Deutschland die wichtigste Ursache radioaktiver Belastung. Dafür sind seine physikalischen Eigenschaften verantwortlich:
Radon entsteht durch den Zerfall noch schwererer und stärker radioaktiver Elemente  in der Erdkruste ständig neu. Da es als Gas leicht ist, steigt es durch Erdspalten und durch durchlässigere Gesteins- und Sedimentschichten auf. Je nachdem, wie der Untergrund in einer Region beschaffen ist, kann sich Radon in Höhlen, Bergwerken oder Stollen ansammeln. Hat ein Gebäude in diesen Regionen keine dicht abschließende Bodenplatte oder Versiegelungen der Kellerräume, kann Radon sich auch in Kellern, Souterrain-Räumen ansammeln. Auch Baumaterialien können abhängig von ihrer Zusammensetzung Radon freisetzen.

In den betroffenen Regionen Deutschlands reicht aber normalerweise schon einfaches Lüften aus, um die Radonkonzentration stark abzusenken. Zum Problem wird das Gas, wenn das Risiko nicht erkannt wird und zum Beispiel in Kellerräumen Werkstätten, Hobbyräume oder gar Schlafzimmer eingerichtet werden.  Zerfällt das radioaktive Gas, entstehen mehr oder weniger kurzlebige weitere Stoffe, die sich an feinste Staubteilchen in der Luft anlagern und dann eingeatmet werden können. Vor allem die Atemwege und die Lunge sind dann von Strahlung betroffen.

Welche Regionen in Deutschland sind betroffen?
Schon im 16. Jahrhundert war bekannt, dass in einigen Bergbaugebieten Deutschlands unter Bergarbeitern Lungenerkrankungen besonders häufig auftraten. Heute weiß man, dass es sich dabei um Bronchialkarzinome handelte und Radon der Auslöser war. Das Bundesamt für Strahlenschutz schätzt, dass Radon für etwa fünf Prozent der Todesfälle an Lungenkrebs in Deutschland verantwortlich ist. Raucher sind durch Radon besonders gefährdet.
Das BfS stellt daher unter www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/radon/gebaeude/gebaeude_node.html einen Atlas zur Verfügung, in dem stärker belastete Gebiete zu erkennen sind.

2013 hat die Europäische Union eine Richtlinie verabschiedet, nach der das europäische Strahlenschutzgesetz reformiert werden soll. Ein wichtiger Aspekt ist darin auch der verbesserte Schutz vor der Radonbelastung von privaten wie gewerblichen Gebäuden und Arbeitsplätzen.

Rauchen: Stimmt es, dass Zigaretten radioaktive Substanzen enthalten?

Alle Pflanzen können radioaktive Stoffe aus den Böden aufnehmen, auf denen sie wachsen. Werden Obst, Gemüse oder andere Pflanzen als Lebensmittel konsumiert, gelangen diese auch in den Körper des Menschen. Über die Nahrungskette können selbst tierische Lebensmittel strahlende Elemente enthalten.
In Tabak findet sich unter anderem 210Polonium, ein Alphastrahler, der über den Rauch in die Atemwege und die Lunge gelangt.
Mehr zum Thema hat das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum zusammengestellt, als PDF-Text zu laden unter www.dkfz.de/de/tabakkontrolle, Stichwort "Tabakprodukte und Zusatzstoffe", Stichwort "Gifte im Tabakrauch", Stichwort "Tabakrauch - ein Giftgemisch".

Mehr wissen: Links und Adressen (Stand: April 2015)

- In der Rubrik "Untersuchung" informiert der Krebsinformationsdienst über Diagnoseverfahren, bei denen Strahlung oder radioaktive Stoffe zum Einsatz kommen. Dazu zählen Computertomographie, Mammographie, PET oder Szintigraphie.

- In der Rubrik "Behandlung" erklärt der Text "Strahlentherapie und Nuklearmedizin" die Anwendungen in der Krebstherapie.

- Auch nichtionisierende Strahlung wird als Krebsrisiko diskutiert: Ultraviolettes Licht ist als möglicher Auslöser von Hautkrebs belegt. Noch nicht abgeschlossen ist die Diskussion um den sogenannten "Elektrosmog".