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Alkohol © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Alkohol: Vom Genuss zur Gefahr

Bier, Wein oder Spirituosen steigern das Krebsrisiko

Der Genuss von Wein, Bier und Spirituosen wirkt sich auf das Krebsrisiko aus. Aber ab welcher Dosis ist Alkohol schädlich? Welche Folgen kann regelmäßiger Alkoholkonsum haben? Wie viele Krebserkrankungen sind auf Alkohol zurückzuführen?

Hintergründe sowie Linktipps zum Weiterlesen zum Thema Alkohol und Krebsentstehung hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt.

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Quellen und Links

Als Quellen für Informationen, die über aktuelles Lehrbuchwissen hinausgehen, wurden wissenschaftliche Artikel zum Thema sowie Veröffentlichungen nationaler und internationaler Fachgesellschaften herangezogen. Die Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text verlinkt. Eine Übersicht findet sich am Ende dieser Seite.

Dosis: Ab welcher Menge ist Alkohol schädlich?

Wer zu viel Alkohol trinkt, schadet seiner Gesundheit nachhaltig. Dabei muss es nicht gleich um Sucht und Abhängigkeit gehen: Der regelmäßige Konsum auch geringer Mengen kann die Entstehung von Übergewicht sowie Veränderungen an Leber, Bauchspeicheldrüse und anderen Organen begünstigen. Alkoholische Getränke steigern den Blutdruck, beeinträchtigen die Muskelleistung und können die Nerven schädigen. Die psychischen und sozialen Folgen regelmäßigen Alkoholkonsums sollten ebenfalls nicht ausgeklammert werden. Weniger bekannt ist vielen Menschen, dass Alkohol auch das Krebsrisiko steigert.

Fachleute raten: Nicht regelmäßig trinken

Wie viel ist zu viel? Ernährungs- und Krebsexperten raten auch Menschen, die nicht als Alkoholiker gelten, ihr Trinkverhalten und die konsumierten Mengen nicht zu unterschätzen.

Für das Krebsrisiko gilt: Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es keine Menge an Alkohol gibt, die bedenkenlos konsumiert werden kann.

Wer nicht auf Wein, Bier oder Spirituosen verzichten möchte, sollte nach Ansicht deutscher und vieler internationaler Fachleuten die Menge beschränken: Männer sollten höchstens einen halben Liter Bier oder einen Viertelliter Wein pro Tag trinken. Für Frauen liegt die Grenze bei einem Viertelliter Bier oder einem Achtelliter Wein. Das entspricht 10 bis 15 Gramm Alkohol, so der Fachreport "Food, Nutrition, Physical Actitvity and the Prevention of Cancer" des World Cancer Research Fund und des American Institute for Cancer Research.

Andere Quellen geben an, Männer sollten maximal 20 bis 24 Gramm Alkohol pro Tag und Frauen nicht mehr als 10 bis 12 Gramm zu sich nehmen. Gelegentlich liegt die Grenze, ab der von einer Gefahr ausgegangen wird, sogar noch höher. Aktuell arbeitet aber ein europäisches Projekt daran, zumindest die Empfehlungen innerhalb der EU auf wissenschaftlicher Basis zu vereinheitlichen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE, www.dge.de) weist darauf hin, dass auch geringe Mengen nicht jeden Tag getrunken werden sollten: Wer regelmäßig ein bisschen trinkt, kommt alles in allem nicht besser weg, als jemand, der gelegentlich zu viel Alkohol konsumiert.

Wenn es nicht beim Bier bleibt: Alkohol und Tabak

Häufig bleibt es nicht bei einem Genussgift: Zum Wein, zum Bier oder zu härteren Getränken gehört für viele Menschen auch die Zigarette. So ist es im Einzelfall schwer, die krebserzeugende Wirkung allein dem Alkohol oder dem Tabak zuzuordnen. Experten gehen davon aus, dass die einzelnen Risiken sich nicht einfach addieren, sondern gegenseitig noch verstärken. Trotzdem haben auch Menschen, die außer ihrem Alkoholkonsum kein weiteres Risikoverhalten zeigen, ein erhöhtes Krebsrisiko.

Weltgesundheitsorganisation warnt: Alkohol unter den "Top Ten" der Gesundheitsrisiken

Alkohol und Krebsrisiko sind eindeutig miteinander verknüpft. Das sagen Experten, die sich im Auftrag der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC, www.iarc.fr), einer Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation WHO, mit dem Thema auseinandergesetzt haben. In ihrem Bericht rechnen sie Alkoholkonsum zu den zehn weltweit bedeutendsten Gesundheitsrisiken.
In welcher Form man Alkohol zu sich nimmt, ob man also Bier, Wein oder Spirituosen trinkt, scheint keine Rolle zu spielen.

Untersuchungen zeigen: Risiko für einige Krebsarten steigt

Wissenschaftliche Arbeiten haben für einige Krebsarten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebsrisiko gezeigt. Der Fachreport "Food, Nutrition, Physical Activity and the Prevention of Cancer" nennt Tumoren

  • im Mundraum,
  • im Rachen,
  • des Kehlkopfes,
  • der Speiseröhre und
  • der weiblichen Brust (vor und nach den Wechseljahren).

Für diese Krebsarten haben Fachleute keinen unteren Grenzwert ermittelt, ab dem Alkohol ungefährlich wäre: Das heißt, auch geringe Mengen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für diese Krebserkrankungen.

Beim Speiseröhrenkrebs gilt ein Zusammenhang von Alkoholgenuss und sogenannten Kardiatumoren nur teilweise als belegt. Fachleute unterscheiden zwischen Adenokarzinomen und Plattenepithelkarzinomen. Für Plattenepithelkarzinome ist Alkohol als Risikofaktor unstrittig. Anders sieht es bei Adenokarzinomen aus. In einer umfangreichen Auswertung konnten Wissenschaftler hier keinen eindeutigen Zusammenhang nachweisen.

Ebenso sah es bei Kardiatumoren am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen aus. Neuere Studien zeigen jedoch, dass ein hoher Alkoholkonsum eventuell doch an der Entstehung von Magenkrebs beteiligt sein könnte - nämlich dann, wenn keiner der anderen bekannten Risikofaktoren vorliegen.

Forscher haben festgestellt, dass auch das Darmkrebsrisiko durch Wein, Bier und Schnaps beeinflusst wird. Eine große Übersichtsarbeit belegt: Menschen, die viel Alkohol trinken, erkranken öfter an Darmkrebs als Menschen, die wenig bis gar nicht trinken. Ein Zusammenhang konnte bei dieser Krebsart nur oberhalb eines Grenzwertes nachgewiesen werden. Bei Mengen von bis zu 12,5 Gramm Alkohol pro Tag - etwa ein kleines Bier - fanden Wissenschaftler kein erhöhtes Risiko.

Weitere Zusammenhänge: Leberkrebs und Lungenkrebs

Darüber hinaus ist es nach Ansicht vieler Fachleute wahrscheinlich, dass Alkohol die Entstehung von Leberkrebs begünstigt. Über eine chronische Entzündung und Verfettung der Leber kann Alkohol zu einer sogenannten Schrumpfleber (Zirrhose) führen, die ihrerseits ein hohes Krebsrisiko darstellt.

Die Daten einiger Studien deuten an, dass auch zwischen Lungenkrebs und Alkoholkonsum ein Zusammenhang besteht, der möglicherweise unabhängig vom Tabakkonsum ist. Andere Untersuchungen konnten eine solche Verknüpfung jedoch nicht belegen.

Statistik: Wie viele Krebserkrankungen werden durch Alkohol ausgelöst?

Wie viele Menschen erkranken tatsächlich infolge von Alkoholkonsum an Krebs? Eindeutige Aussagen sind hier schwer zu treffen. Das liegt auch daran, dass Alkoholkonsum oft mit weiteren Risikofaktoren verbunden ist, etwa Rauchen, unausgewogener Ernährung und Übergewicht, auch dies oft eine Folge des Trinkverhaltens.
Eine Gruppe von internationalen Forschern unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE, www.dife.de) hat im Jahr 2011 eine umfassende Berechnung vorgelegt. Demnach sind in Europa Wein, Bier und andere alkoholische Getränke bei Männern für eine von zehn Krebsneuerkrankungen mitverantwortlich. Bei Frauen ist es eine von 33 Neuerkrankungen. Allerdings bezogen die Wissenschaftler auch Tumoren mit ein, bei denen ein Zusammenhang zum Alkoholkonsum nicht ganz eindeutig belegt ist.

Für ihre Arbeit werteten die Wissenschaftler die Daten von mehr als 360.000 Menschen aus. Die knapp 110.000 männlichen Studienteilnehmer stammten aus sechs Ländern, die gut 250.000 weiblichen kamen aus acht Nationen. Deutschland wurde jeweils mituntersucht. Die Forscher glichen die Angaben der Teilnehmer zu ihrem Trinkverhalten mit Einträgen aus Krebsregistern und weiteren Quellen ab. So berechneten sie den auf Alkohol zurückzuführenden Anteil von Neuerkrankungen. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Alkohol besonders schädlich ist, wenn er in größeren Mengen konsumiert wird:

  • Männer: Den Hochrechnungen der Wissenschaftler zufolge war Alkoholkonsum für 32 von 100 Krebserkrankungen des oberen Verdauungstraktes (Mundraum, Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre), des Darms und der Leber mitverantwortlich. Mehr als die Hälfte dieser durch Wein, Bier oder Schnaps mitbedingten Tumoren ließen sich auf den Konsum größerer Mengen Alkohol zurückführen.
  • Frauen: Alkohol war für die Entstehung von fünf von 100 Krebserkrankungen des oberen Verdauungstraktes, des Darms, der Leber und der Brust mitverantwortlich. Je nach Krebsart unterschied sich die Zahl der Erkrankungen, die mit einem Alkoholkonsum oberhalb des Grenzwertes zusammenhing, von etwas weniger als der Hälfte bis hin zur überwiegenden Mehrheit. Diese und weitere verwendete Quellen finden sich am Ende dieses Textes.

Häufige Frage: Schützt Alkohol das Herz?

Die immer wieder aufgegriffene Meldung, regelmäßiger Alkoholkonsum sei gut für das Herz, stößt bei Experten auf wenig Zustimmung. Zwar ist es wahrscheinlich so, dass niedrige Mengen Alkohol eine gewisse Schutzwirkung vor Herzerkrankungen haben. Insgesamt muss aber auch das damit verbundene Risiko für andere Erkrankungen berücksichtigt werden. Deshalb ist bei den genannten Referenzwerten die möglicherweise herzschützende Wirkung von Alkohol schon berücksichtigt.

Weder Krebsforscher noch Ernährungs- oder Suchtexperten empfehlen, Wein zu trinken. Entsprechende Ratschläge, die wegen der möglicherweise positiven Auswirkungen auf das Herz immer wieder zu finden sind, unterstützt zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Ernährung auf keinen Fall - Alkohol schadet auch in geringen Mengen mehr, als er nützt. Hier eine Klarstellung der DGE: https://www.dge.de/presse/pm/praevention-durch-moderaten-alkoholkonsum/

Hintergrund: Wie beeinflusst Alkohol die Mechanismen der Krebsentstehung?

Wie genau Alkohol die Krebsentstehung beeinflusst, wird noch erforscht. Bisherige Erkenntnisse haben Wissenschaftler durch die Auswertung statistischer Daten gewonnen.

Vermutet wird, dass verschiedene Stoffe, die beim Abbau von Alkohol im Körper entstehen, eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen. Dazu zählt beispielsweise Acetaldehyd. Dieser Stoff ist sehr reaktionsfreudig und geht leicht Bindungen mit anderen Molekülen ein, darunter auch mit Bausteinen der Erbsubstanz (DNA, Desoxyribonukleinsäure).

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen, Fachinformationen (Auswahl)