© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Alkohol © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Alkohol und Krebs: Vom Genuss zur Gefahr

Bier, Wein und Spirituosen steigern das Krebsrisiko

Der Genuss von Wein, Bier und Spirituosen wirkt sich auf das Krebsrisiko aus. Aber ab welcher Dosis ist Alkohol schädlich? Welche Folgen kann regelmäßiger Alkoholkonsum haben? Wie viele Krebserkrankungen sind auf Alkohol zurückzuführen?

Hintergründe sowie Linktipps zum Weiterlesen rund um das Thema Alkohol und Krebsentstehung bietet der nachfolgende Text.

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Quellen und Links

Die Quellen auf denen der Text basiert sind nach Möglichkeit direkt verlinkt. Eine Übersicht findet sich am Ende der Seite.

Dosis: Ab welcher Menge ist Alkohol schädlich?

Wie viel ist zu viel? Ernährungs- und Krebsexperten raten dazu, das eigene Trinkverhalten und die konsumierten Mengen an Alkohol nicht zu unterschätzen. Für das Krebsrisiko gilt: Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es – genau genommen – keine Menge an Alkohol gibt, die bedenkenlos konsumiert werden kann.

Wer nicht auf Wein, Bier oder Spirituosen verzichten möchte, sollte nach Ansicht deutscher und vieler internationaler Fachleuten den Alkoholkonsum zumindest einschränken. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) empfiehlt daher:

  • Gesunde Männer sollten am Tag nicht mehr als 24 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen. Das entspricht in etwa einem halben Liter Bier oder einem Viertelliter Wein.
  • Für gesunde Frauen liegt die Grenze bei 12 Gramm reinem Alkohol am Tag. Das entspricht in etwa einen Viertelliter Bier oder einen Achtelliter Wein.
  • Außerdem sollte man nicht regelmäßig trinken. An mindestens zwei Tagen in der Woche sollte man ganz auf Alkohol verzichten.
  • Wer etwas trinken möchte, sollte dies möglichst zu Mahlzeiten tun.
  • Menschen mit einem erhöhten Risiko für alkoholbedingte Erkrankungen, etwa aufgrund genetischer Veranlagung, sollten Alkohol nur gelegentlich trinken.
  • Jugendliche sollten weitgehend auf Alkohol verzichten, um negative Folgen für ihre Entwicklung zu vermeiden.

Darüber hinaus gilt: Wer regelmäßig ein bisschen trinkt, kommt alles in allem nicht besser weg, als jemand, der gelegentlich zu viel Alkohol konsumiert.

Gesundheitsrisiken: Welche Tumorarten werden durch Alkohol begünstigt?

Wer zu viel Alkohol trinkt, schadet seiner Gesundheit nachhaltig. Dabei muss es nicht gleich um Sucht und Abhängigkeit gehen: Der regelmäßige Konsum auch geringer Mengen Alkohols kann die Entstehung von Übergewicht sowie Veränderungen an der Leber, der Bauchspeicheldrüse und anderen Organen begünstigen. Alkoholische Getränke steigern zudem den Blutdruck, beeinträchtigen die Muskelleistung und können die Nerven schädigen.
Die psychischen und sozialen Folgen regelmäßigen Alkoholkonsums sollte man ebenfalls bedenken.
Weniger bekannt ist vielen Menschen, dass Alkohol auch das Krebsrisiko steigert.

Untersuchungen zeigen: Risiko für einige Krebsarten steigt

Alkohol und Krebsrisiko sind eindeutig miteinander verknüpft. Das sagen Experten, die sich im Auftrag der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC), einer Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation WHO, mit dem Thema auseinandergesetzt haben.
In welcher Form man Alkohol zu sich nimmt, ob man also Bier, Wein oder Spirituosen trinkt, scheint dabei keine Rolle zu spielen.

Wissenschaftliche Arbeiten haben für einige Krebsarten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebsrisiko gezeigt. Für andere ist ein Zusammenhang wahrscheinlich oder es gibt Hinweise darauf, die einen Zusammenhang zumindest vermuten lassen.

Der Fachreport "Food, Nutrition, Physical Activity and the Prevention of Cancer" des World Cancer Research Fund International nennt Tumoren in den folgenden Geweben und Organen, für die Alkohol nachweislich ein Risikofaktor ist:

  • Mundraum, Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Darm, Leber, weiblichen Brust, Magen (wahrscheinlich).

Häufige Frage: Schützt Alkohol das Herz?

Frau mit einem Glas Wein in der Hand legt die Beine auf dem Sofa hoch © monkeybusinessimages – thinkstockphotos.de
© monkeybusinessimages – thinkstockphotos.de

Die immer wieder aufgegriffene Meldung, regelmäßiger Alkoholkonsum sei gut für das Herz, stößt bei Experten auf wenig Zustimmung. Zwar ist es wahrscheinlich so, dass niedrige Mengen Alkohol eine gewisse Schutzwirkung vor Herzerkrankungen haben. Insgesamt muss aber auch das damit verbundene Risiko für andere Erkrankungen berücksichtigt werden. Deshalb ist bei den genannten Referenzwerten die möglicherweise herzschützende Wirkung von Alkohol schon berücksichtigt.

Weder Krebsforscher noch Ernährungs- oder Suchtexperten empfehlen, Wein zu trinken. Entsprechende Ratschläge, die wegen der möglicherweise positiven Auswirkungen auf das Herz immer wieder zu finden sind, widerspricht zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Alkohol schadet auch in geringen Mengen.

Statistik: Für wie viele Krebserkrankungen ist Alkohol der Auslöser?

Wie viele Menschen erkranken tatsächlich infolge von Alkoholkonsum an Krebs? Eindeutige Aussagen sind dazu schwer zu treffen. Das liegt daran, dass Alkoholkonsum oft mit weiteren Risikofaktoren verbunden ist, etwa Rauchen, unausgewogener Ernährung und Übergewicht – oft eine Folge des Trinkverhaltens.

Eine Gruppe von internationalen Forschern unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) hat im Jahr 2011 eine umfassende Berechnung vorgelegt. Demnach sind in Europa Wein, Bier und andere alkoholische Getränke bei Männern für eine von elf Krebsneuerkrankungen mitverantwortlich. Bei Frauen ist es eine von 33 Neuerkrankungen.

Umgekehrt konnte eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigen, dass bei Männern einer von 13 alkoholbedingten Krankenhausaufhalten in Deutschland einer Krebserkrankung geschuldet ist. Bei Frauen ist es sogar einer von sieben. Darauf weist der "Alkoholatlas Deutschland 2017" des Deutschen Krebsforschungszentrums hin.

Hintergrund: Wie beeinflusst Alkohol die Krebsentstehung?

Wie genau Alkohol die Krebsentstehung beeinflusst, wird noch erforscht. Vermutet wird, dass verschiedene Stoffe, die beim Abbau von Alkohol im Körper entstehen, eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen. Dazu zählt beispielsweise Acetaldehyd. Dieser Stoff ist sehr reaktionsfreudig und geht leicht Bindungen mit anderen Molekülen ein, darunter auch mit Bausteinen der Erbsubstanz DNA (Desoxyribonukleinsäure): Dadurch kann es zu direkten Mutationen kommen, also Fehlern im "Bauplan".
Möglich sind auch Veränderungen, die zwar nicht die Erbinformation selbst zerstören, aber das Ablesen der Gene beeinflussen und so ebenfalls die Krebsentstehung fördern können.
Außerdem wirkt sich Alkohol unter anderem auf die Menge und die Wirkung verschiedener Geschlechtshormone aus. So erklärt man sich zum Beispiel das durch Alkoholkonsum gesteigerte Risiko für Brustkrebs.

Wenn es nicht beim Bier bleibt: Alkohol und Tabak

Volles Bierglas steht auf einem Tisch neben einem Aschenbecher mit einer qualmenden Zigarette © Lecic - thinkstock.com
Alkohol und Tabak © Lecic - thinkstock.com

Häufig bleibt es nicht bei alkoholischen Getränken: Zum Glas Wein, zum Bier oder zu härteren Getränken gehört für viele Menschen auch die Zigarette. So ist es im Einzelfall schwer, die krebserzeugende Wirkung allein dem Alkohol oder dem Tabak zuzuordnen, da beide Faktoren das Risiko beeinflussen.

Experten gehen davon aus, dass sich die einzelnen Risiken des Alkoholkonsums und des Rauchens nicht einfach aufaddieren, sondern gegenseitig verstärken. Menschen, die übermäßig viel Alkohol trinken und auch rauchen, tragen statistisch gesehen ein deutlich höheres Risiko, an Krebs zu erkranken, als Menschen, die nur Tabak oder Alkohol konsumieren.

Als Grund dafür kommen Mechanismen infrage, bei denen das Zusammenspiel zwischen den krebserzeugenden Substanzen aus dem Tabakrauch und dem Alkohol die Schleimhaut im Mund durchlässiger macht. Der Köper nimmt so mehr von den Schadstoffen auf.

Trotzdem haben auch Menschen, die außer ihrem Alkoholkonsum kein weiteres Risikoverhalten zeigen, ein erhöhtes Krebsrisiko, zum Beispiel für Speiseröhrenkrebs, aber auch andere Tumorarten.

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen (Auswahl)