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Weiße Tabletten auf blauem Hintergrund © Hal Gatewood, Unsplash
Chemoprävention

Krebsvorbeugung durch Tabletten?

Gibt es Substanzen, die Tumoren verhindern?

Letzte Aktualisierung: 28.11.2017

Eine Tablette, die Gesunde vor Krebs schützt – diese "Chemoprävention" ist ein Wunschtraum vieler Wissenschaftler und Ärzte. In der Krebsforschung setzte man lange zum Beispiel auf Vitamine oder pflanzliche Extrakte. Auch verschiedene Arzneistoffe wurden auf ihre krebsverhütende Wirkung hin überprüft, darunter so altbekannte Substanzen wie die Acetylsalicylsäure, das "Aspirin".

Bisher ist der Plan nicht aufgegangen. Erste Studien zeigen: Manche Stoffe schaden mehr, als sie nutzen. Andere zeigen zwar eine vorbeugende Wirkung. Sie haben aber so schwere Nebenwirkungen, dass sie Gesunden kaum zuzumuten sind. Doch die Forschung geht weiter.

Der Krebsinformationsdienst geht im folgenden Text auf Fragen zum Thema ein und bietet eine Übersicht über aktuelle Entwicklungen. Beigefügt sind außerdem Linktipps zum Weiterlesen. 

Zum Weiterlesen

Wie Krebs entsteht, verstehen Forscher immer besser: Ausgangspunkt sind genetische Veränderungen in einer einzelnen Zelle. Sie machen das Erbmaterial zunehmend instabiler. Einer neu entstandenen Tumorzelle  fehlen viele Kontrollprogramme: Sie altert nicht mehr und teilt sich immer weiter.
Hat das so gebildete Tumorgewebe eine gewisse Größe erreicht, setzen weitere komplexe Prozesse ein: Neue Blutgefäße entstehen und versorgen den wachsenden Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen. Das Tumorgewebe verdrängt und zerstört gesundes Gewebe. Eventuell lösen sich Zellen ab und führen an anderen Stellen im Körper zu Metastasen.

Kann man die Abläufe bei der Krebsentstehung stoppen?

Das Konzept der Chemoprävention setzt darauf, mit Medikamenten gezielt einen oder mehrere dieser Schritte zu blockieren – und dies am besten bei Menschen, die sich noch völlig gesund fühlen.

Welche Substanzen könnten sich zur Chemoprävention eignen?

Das haben Wissenschaftler und Ärzte in den vergangenen Jahren vor allem aus Beobachtungsstudien abgeleitet: Dazu zählen Studien an Menschen mit unterschiedlichsten Krankheiten, die deshalb über längere Zeit Medikamente erhalten. Beispiele sind etwa Schmerzmittel, Mittel gegen Diabetes oder gegen Fettstoffwechselstörungen.

Interessant wird es immer dann, wenn die Forscher Veränderungen beim Krebsrisiko dieser Gruppen beobachten. Steigt die Zahl der Krebserkrankungen? Dann ist dies ein Hinweis auf eine womöglich gefährliche Nebenwirkung des jeweiligen Medikaments. Wenn die Tumorrate aber sinkt – schützt das Medikament dann sozusagen nebenbei vor Krebs?

In anderen Studien beobachten Krebsforscher Zusammenhänge zwischen Krebsrate, Ernährung und Lebensstil: Wenn Menschen, die besonders viel von bestimmten Nahrungsmitteln essen, seltener Krebs bekommen – lassen sich aus diesen Lebensmitteln einzelne Wirkstoffe isolieren, die für den Effekt verantwortlich sind? Kann man diese natürlichen Substanzen dann reinigen und konzentrieren? So, dass sie als Tablette noch die gleiche Wirkung haben?

Hier drei Beispiele:

Dickdarmkrebs: Die kolorektale Tumoren entstehen aus Veränderungen der Darmschleimhaut. Als Krebsvorstufe gelten gutartige Polypen. In Studien entwickelten manche Menschen, die regelmäßig "Aspirin" oder ähnliche Arzneimittel einnahmen, seltener Darmpolypen als andere, die dies nicht taten. Auch ihre Darmkrebsrate schien niedriger zu sein.

Lässt sich daraus schließen, dass man zur Vorbeugung nur jeden Tag "Aspirin" schlucken muss?

Die Antwort zurzeit lautet: noch nicht. Für die allermeisten Menschen würden die getesteten Arzneimittel auf Dauer auch viele Nebenwirkungen mit sich bringen: Sie behindern unter anderem die Blutgerinnung. Wer sie lebenslang einnehmen würde, müsste mit der ständigen Gefahr kleinerer und größerer Blutungen rechnen, und im Verdauungstrakt kann es zu Schmerzen und Schleimhautentzündungen kommen. Und man weiß inzwischen auch: "Aspirin" wirkt nicht bei allen Menschen gleich, verantwortlich sind genetische Unterschiede.

Es gibt jedoch Menschen mit angeborenem, extrem hohem Darmkrebsrisiko, für die eine solche Chemoprävention vielleicht derzeit schon infrage kommt, mehr dazu hier.

Inzwischen weiß man außerdem, dass die Acetylsalicylsäure auch das Risiko für andere Tumorarten beeinflussen könnte, etwa das für Eierstockkrebs.

Brustkrebs: Diese auch als Mammakarzinom bezeichnete Krebsart ist bei Frauen in Asien deutlich seltener als bei Frauen in westlichen Ländern. Könnte dies mit der Ernährung zusammenhängen? Asiatinnen essen viel Soja. Könnte die eiweißreiche Hülsenfrucht Stoffe enthalten, die das Brustkrebsrisiko senken?

Für Forscher war schnell klar, wie sich ein solcher Zusammenhang erklären ließe: Brustkrebs wächst bei viele Frauen hormonabhängig. Und Sojabohnen enthalten sogenannte Phytoöstrogene – wirken sie als natürliche Gegenspieler der weiblichen Geschlechtshormone? Nach und nach entdeckte man, dass sich solche hormonell aktiven Stoffe auch aus einigen anderen Pflanzen isolieren ließen.

Als isolierte Substanz, zu Tabletten gepresst, hat bisher jedoch keines dieser "Phytohormone" einen sicheren Nutzen erbracht, auch wenn die Forschung dazu noch nicht abgeschlossen ist. Es gibt jedoch auch Hinweise, dass pflanzlichen Hormone keineswegs "sanft und sicher" sind: Unerwünschte Nebenwirkungen sind nicht auszuschließen. Sogar eine Steigerung des Krebsrisikos ist durch die zusätzlichen Hormone zumindest theoretisch denkbar. Die meisten Experten wie auch die deutschen Behörden raten zurzeit von der Einnahme ab, mehr dazu hier

Lungenkrebs: Bronchialkarzinome treten besonders häufig bei Rauchern auf. Wer dagegen viel Obst und Gemüse isst, erkrankt seltener.

Könnte die Risikosenkung etwas mit dem Vitamingehalt pflanzlicher Lebensmittel zu tun haben? 

Vor 30 Jahren war dies eine häufig geäußerte Vermutung. Und so führten Krebsforscher eine ganze Reihe von Studien durch, in denen sie Rauchern Vitamintabletten gaben, zum Schutz vor Krebs. Doch die Hoffnungen der Forscher wie der Studienteilnehmer wurden enttäuscht. Ein Beispiel ist die CARET-Studie, in der die Vitamin-A-Vorstufe Beta-Karotin verwendet worden war:

  • Die Lungenkrebsrate unter den Teilnehmern stieg, anstatt zu sinken. Die Untersuchung musste abgebrochen werden. 

Ähnlich enttäuschend, oder zumindest nicht ermutigend, verliefen bisher viele weitere Studien zur Chemoprävention: mit Vitaminen, mit Spurenelementen und mit vielen anderen isolierten Stoffen aus Obst oder Gemüse, mit Substanzen aus traditionellen Heilpflanzen und aus vielen weiteren Quellen.

Selbstmedikation zur Krebsvorbeugung? Besser nicht!

Chemoprävention auf eigene Faust?

Experten raten davon ab, Tabletten zur Krebsvorbeugung einzunehmen. Ein ungesunder Lebensstil lässt sich dadurch nicht ausgleichen. Was kann man stattdessen selbst tun zur Krebsvorbeugung? Mehr dazu bietet der Text Lebensstil und Krebsrisiko.

Bisher ist in Deutschland kein Medikament mit dem Ziel "Krebsvorbeugung" zugelassen. Das bedeutet: Täglich ein "Aspirin" auf eigene Faust ist kein guter Weg zur Krebsvorbeugung.
Die meisten Fachleute raten auch davon ab, isolierte Vitamine, Spurenelemente, Extrakte aus Pflanzen oder sonstige Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, zumindest nicht, ohne mit dem Arzt darüber gesprochen zu haben – obwohl die Werbung anderes suggeriert. Zwar gibt es bereits viele veröffentlichte Studien dazu. Die Ergebnisse sind jedoch widersprüchlich.

  • Bisher lässt sich nicht ableiten, dass Nahrungsergänzungsmittel vor Krebs schützen.
  • Eher das Gegenteil ist der Fall: Große Studie zeigen, dass durch manche Vitamine als Tablette sogar die Gesamtsterblichkeit steigen könnte.

Für einige Vitamine und Mineralstoffe gibt es inzwischen sogar konkrete Belege dafür, dass sie schaden können, wenn sie über längere Zeit als isolierte Wirkstoffe eingenommen werden, also als Tablette oder Kapsel.

Vor allem gilt: Ein ungesunder Lebensstil lässt sich durch Tabletten nicht ausgleichen.

Für Menschen mit sehr hohem Krebsrisiko diskutieren Experten einige Ausnahmen – ohne bisher international oder auch innerhalb Deutschlands zu einer eindeutigen Meinung gelangt zu sein, wann für wen welches Mittel vielleicht doch geeignet ist.

Anstatt auf Chemoprävention setzen die Fachgesellschaften zurzeit vor allem auf einen allgemein gesunden Lebensstil und auf Früherkennung. Was diese beiden Faktoren bewirken, ist durch Studien relativ gut belegt. Aber sie haben auch ihre Grenzen: Es gibt eine ganze Reihe von Tumorarten, für die man derzeit weder Möglichkeiten der Vorbeugung noch der Früherkennung kennt.



Auf synthetisch hergestellte Vitamine und Mineralstoffe wurden in den letzten Jahrzehnten die größten Hoffnungen gesetzt. Ihre Eignung für die Chemoprävention von Krebs konnte bisher jedoch nicht belegt werden. Im Gegenteil: In sogenannten Interventionsstudien führten einige dieser Supplemente sogar zu einer Steigerung der Krebsrate. 

Ein Beispiel ist die bereits erwähnte CARET-Studie, in der bei mit Beta-Karotin versorgten Rauchern die Lungenkrebsrate stieg, anstatt wie erwartet zu sinken. Eine weitere ist die SELECT-Studie: Hier hatten Männer Vitamin E und Selen erhalten, um Prostatakrebs zu verhindern oder zumindest die Erkrankung zu verlangsamen. Eine Schutzwirkung ließ sich nicht erzielen.

Für Aufsehen sorgte 2007 eine Analyse von insgesamt 68 Studien mit Menschen, die regelmäßig sogenannte Antioxidantien einnahmen, darunter die Vitamine A, C und E sowie Selen.

  • Die Auswertung ergab: Wer solche Mittel verwendete, lebte kürzer.

Nur noch wenige Wissenschaftler erwarten anhand der aktuellen Datenlage von isolierten Vitamine und Mineralstoffen eine Krebs vorbeugende oder gar heilende Wirkung.

  • Weitere Fakten und Quellen zum aktuellen Kenntnisstand zum Thema hat der Krebsinformationsdienst in dem Text Vitamine und Spurenelemente zusammengefasst.

Gesunde Ernährung nicht ersetzbar

Sekundäre Pflanzenstoffe

Pflanzen enthalten viele Inhaltsstoffe, die keine Energie liefern, aber trotzdem eine biologische Wirkung haben. Das können Farbstoffe sein, aber auch altbekannte Substanzen mit Heilwirkung bis hin zu pflanzlichen Giften wie Nikotin oder Koffein. Man fasst sie als "Sekundäre Pflanzenstoffe" zusammen, obwohl sie chemisch ganz verschieden aufgebaut sind.

Der Markt ist voll davon, die Werbung vielversprechend: Extrakte aus Obst, Gemüse oder anderen Pflanzen, seltener auch aus tierischen Lebensmitteln. Viele enthalten isolierte Einzelstoffe, andere eine bunte Mischung aus angeblich hochkonzentrierten, aber trotzdem noch "natürlichen" Substanzen. Was ist davon zu halten? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) meint zurzeit: Erwiesen ist gar nichts, und Nahrungsergänzungsmittel seien auch nicht dazu geeignet, Ernährungssünden auszugleichen.

In Obst, Gemüse, Pilzen, Kräutern, Tees oder auch Fisch sind zwar tatsächlich viele Stoffe enthalten, die theoretisch das Potenzial zur Chemoprävention besitzen. Doch was genau die vielen bisher untersuchten Einzelstoffe in der Krebsprävention wirklich leisten können und was nicht, steht noch längst nicht fest.
Hier nur einige Beispiele für Stoffe, die in der Diskussion sind:

  • Flavonoide oder Isoflavone, die in Pflanzen als Farbstoffe enthalten sind,
  • Resveratrol aus Trauben (und Rotwein),
  • Katechine, die sich zum Beispiel in Tees finden,
  • Genistein und weitere sogenannten Phytohormoen aus Soja,
  • Indolverbindungen aus den verschiedenen Kohlsorten,
  • Kumarin, bekannt als Gewürz und in verschiedenen chemischen Formen in vielen Pflanzen enthalten,
  • Lektine aus Pilzen,
  • Lycopen aus Tomaten und
  • ungesättigte Fettsäuren, die zum Beispiel in Fischöl enthalten sind.

Diese Stoffe sind für die Forschung zwar hochinteressant. Doch die Versuche, ihre Wirkung isoliert und zur Tablette gepresst zu erhalten, verliefen bisher eher enttäuschend. Keine dieser Substanzen hat daher bisher in Deutschland eine Arzneimittelzulassung. Die Vermarktung erfolgt als sogenanntes Nahrungsergänzungsmittel.

Vorsicht vor Nebenwirkungen und unerwünschten Wechselwirkungen

Forscher warnen auch hier vor möglichen Risiken: Von manchen sekundären Pflanzenstoffen sind Nebenwirkungen bekannt, die man bei natürlichen Lebensmitteln so nicht erlebt - ähnlich wie bei isolierten und konzentrierten Vitaminen. Dazu gehören zum Beispiel Unverträglichkeiten und Allergien. 

Ebenso sind bisher noch weitgehend unerforschte Wechselwirkungen mit regulären Arzneimitteln denkbar. Und bei sehr vielen Stoffen ist noch gar nicht geklärt, was genau sie im Körper bewirken können, wenn sie in konzentrierter Form eingenommen werden. Ein Beispiel sind Isoflavone aus Soja, Rotklee und einigen anderen Pflanzen, die eine hormonähnliche Wirkung entfalten können: Ob sie wirklich vor Brustkrebs schützen oder nicht doch eher auch ein Risiko sein können, steht noch nicht zweifelsfrei fest.

Mehr Informationen zum Thema hat der Krebsinformationsdienst im Text Nahrungsergänzungsmittel zusammengestellt.

Studien zur Chemoprävention gibt es sehr viele. Ein Teil davon konzentriert sich eher auf Substanzen und prüft das Risiko für mehrere Krebsarten. Viele beziehen sich jedoch auf die Effekte, die sich bei einzelnen Tumorarten erzielen lassen.

  • Die folgenden Beispiele stellen daher zwangsläufig nur eine Auswahl dar.
  • Fragen zum Thema Chemoprävention, auch bei anderen Krebsformen oder mit hier nicht aufgeführten Stoffen, beantwortet der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail.

Beispiel Darmkrebs und "Aspirin"

In großen Beobachtungsstudien ergab sich ein auffallender Zusammenhang zwischen dem Darmkrebsrisiko und der Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS, "Aspirin"). Durchgeführt wurden diese Studien nicht nur mit Menschen, die ASS und verwandte Stoffe lange Zeit gegen Schmerzen erhielten. Eine weitere Gruppe von Probanden sind Patienten, die diese Arzneimittel wegen ihrer gerinnungshemmenden Wirkung erhalten.

Über welchen Mechanismus die Schutzwirkung zustande kommen könnte, dazu gibt es viele Anhaltspunkte:

  • ASS und ähnliche Medikamente wirken nicht nur gegen Schmerzen und Entzündungen. Alle Wirkstoffe aus dieser Gruppe der so genannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) beeinflussen auch Stoffwechselvorgänge bei Entzündungsprozessen. Von diesen weiß man heute, dass sie an der Krebsentstehung beteiligt sein können.

Zum Thema ASS, chemischen Verwandten und Krebs sind deshalb sehr viele Studien durchgeführt worden, nicht nur am Beispiel Darmkrebs. 

2012 erschien eine Auswertung von mehr als fünfzig Studien, in denen ASS zur Verhinderung von Blutgerinnseln eingesetzt wurde. Sie ergab, dass Patienten, die täglich über mehrere Jahre hinweg ASS einnahmen, ein allgemein geringeres Erkrankungsrisiko für Krebs hatten. Auch wer trotzdem erkrankte, konnte noch auf einen Schutzeffekt rechnen: das Sterberisiko schien geringer. Eine Ursache dafür könnte sein, so die Forscher: Eventuell nimmt unter täglicher Einnahme von ASS die Häufigkeit von Fernmetastasen ab: Absiedlungen des Tumors im Körper treten seltener auf.

Auch in einer Analyse von 2014 kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Aspirin das Krebsrisiko senken könnte, und dieser Effekt mögliche Nachteile vielleicht überwiegt. Trotzdem raten auch sie davon ab, bereits zur Tablettenschachtel zu greifen, noch sind auch aus ihrer Sicht Fragen offen.

Eine Studie von 2015 zeigt: Möglicherweise gibt es auch genetisch bedingte Unterschiede in der Reaktion auf die Medikamente - nicht alle Menschen scheinen gleichermaßen davon zu profitieren. Einigen kann ASS nützen, bei anderen bewirkt es nicht, und selbst ein Schaden ist nicht ganz auszuschließen.

  • Ganz wichtig ist aber vor allem eines: Keines der Medikamente mit Acetylsalicylsäure ist derzeit zur Krebsprävention zugelassen - wer trotzdem auf die regelmäßige Tabletteneinnahme setzt, tut dies auf eigenes Risiko, und entgegen der aktuellen Expertenempfehlung.

2016 erschien eine weitere Studie, die erneut den möglichen Nutzen von niedrig dosiertem ASS vor allem als Schutz vor Krebs des Verdauungstraktes belegt: Die Forscher hatten rund die Daten von 88.000 Frauen und fast 48.000 Männer in den USA zusammengefasst und erneut ausgewertet, die über Jahrzehnte an zwei großen Studien teilgenommen hatten.

Bis Ende 2018 ist eine ganze Reihe weiterer Publikationen zur Acetylsalicylsäure und ihrer möglichen schützenden Wirkung erschienen, auch bei anderen Tumorarten als Dickdarmkrebs. An den konkreten Empfehlungen für Gesunde hat sich jedoch nichts geändert - auf eigene Faust sollte man ASS nicht regelmäßig einnehmen.

Darmkrebs: Medikamente bei erblich hohem Risiko?

Kein ASS auf eigene Faust – auch nicht bei hohem Darmkrebsrisiko!

ASS sollte man nicht längere Zeit einnehmen, ohne den Arzt zu fragen. Behörden haben die Warnung verstärkt: Schmerzmittel müssen auf ihrer Verpackung einen entsprechenden Hinweis tragen. Acetylsalicylsäure ("Aspirin") verändert die Blutgerinnung und kann weitere schwere Nebenwirkungen haben.

In einer besonderen Situation sind Menschen mit einem sehr hohen angeborenen Darmkrebsrisiko. Ein Beispiel ist die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP). Bei Betroffenen bilden sich schon sehr früh im Leben sehr viele zunächst gutartige Schleimhautwucherungen, sogenannte Polypen oder Adenome. Sie entarten bald und führen zu Darmkrebs. 

Studien zeigen: Eine Langzeiteinnahme von ASS-verwandten Substanzen könnte die Entstehung solcher Polypen bremsen und somit das Darmkrebsrisiko bei Betroffenen senken. Auch bei Patienten mit anderen erblichen Formen dieser kolorektalen Karzinome wurden die Möglichkeiten der Chemoprävention entsprechend untersucht, wenn auch mit nicht mit dem erhofften Erfolg. Noch gibt es deshalb auch hier keine allgemeine Empfehlung.

Schützender Effekt: Weitere Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen

Inzwischen ist neben "Aspirin" und seinen chemischen Verwandten ein weiteres Medikament in den Blickpunkt gerückt: das Warfarin, ein chemischer Verwandter des Cumarins. Dieses Medikament bremst als sogenanntes Antikoagulans die Blutgerinnung. Weltweit werden sehr viele Menschen mit diesem und ähnlichen Wirkstoffen behandelt, zum Beispiel nach Schlaganfällen oder in Situationen, in denen es leicht zu gefährlichen Blutgerinnseln im Körper kommen kann.  

Studien zeigen: Ähnlich wie der auch als Gewürz genutzte Pflanzenstoff Cumarin können auch die modernen chemischen Abkömmlinge möglicherweise das Krebsrisiko senken. Allerdings sind diese Substanzen zur Chemoprävention bei ansonsten Gesunden nicht geeignet: Das Risiko gefährlicher Blutungen wäre viel zu hoch.

Beispiel Brustkrebs und antihormonelle Arzneimittel

Brustkrebs ist bei vielen Frauen hormonabhängig. Das heißt, das Wachstum der Tumoren wird durch die Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen mitbestimmt.

Dies führte zu der Frage: Lassen sich Medikamente, die man zur Hormonblockade in der Brustkrebstherapie einsetzt, auch zur Chemoprävention nutzen?

Dass diese Überlegung nicht nur theoretisch richtig ist, konnte inzwischen in mehreren Studien gezeigt werden. Doch diese Medikamente haben starke Nebenwirkungen: Dazu gehört bei fast allen Frauen ein vorzeitiger Eintritt in die Wechseljahre durch den Hormonentzug, mit den typischen Symptomen, etwa Hitzewallungen. Weitere unerwünschte Behandlungsfolgen, wie etwa ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterkörperkrebs, sind von einzelnen dieser Substanzen ebenfalls bekannt.

Für Frauen ohne besondere Risiken für Brustkrebs kommen solche Medikamente daher normalerweise nicht infrage.

Brustkrebs: Medikamente bei hohem Risiko?

Deutschland: Keine Zulassung zur Brustkrebsprävention

Bisher ist in Deutschland kein Mittel zur Chemoprävention von Brustkrebs zugelassen. Noch laufen Studien zu diesem Thema. Ein Problem sind die Nebenwirkungen.

Wie sieht die Risiko-Nutzen-Abwägung bei Frauen mit  stark erhöhtem Brustkrebsrisiko aus? Wie ist es mit Frauen, die die Wechseljahre schon hinter sich haben und deren Risiko altersbedingt ansteigt?

In Studien wurden bisher hauptsächlich die Substanzen Raloxifen und Tamoxifen untersucht.

  • Tatsächlich lässt sich das Risiko für hormonabhängigen Brustkrebs messbar senken. Allerdings ist die Höhe des Effekts nicht unumstritten.
  • Unklar ist auch, ob die Erkrankung nicht nur "nach hinten", ins höhere Alter verschoben wird, oder ob sich langfristig wirklich auch die Sterblichkeitsrate an Brustkrebs senken lässt.

Vor allem zeigte sich: Ein großer Teil der an sich gesunden Frauen war nach einiger Zeit nicht mehr bereit, die Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen.

  • Sehr viele brachen die Einnahme der Medikamente ab.

In den USA sind Raloxifen und Tamoxifen trotzdem zur Brustkrebsvorbeugung zugelassen. Die Bewertung der Substanz Exemestan steht noch aus. In Deutschland ist bisher kein Antihormon-Medikament nur zur "Krebsvorbeugung" erhältlich. Die Bewertungen der verschiedenen deutschen Fachgesellschaften fallen unterschiedlich aus:

Ein Teil der Expertengeht davon aus, dass eine Risikoreduktion zurzeit noch nicht ausreichend sicher nachgewiesen ist und Entscheidungen nur nach individueller Abwägung möglich sind. In der geplanten Neufassung der Leitlinie Mammakarzinom wird eine medikamentöse Vorbeugung bei hohem Risiko aber auch nicht kategorisch ausgeschlossen.

Eine Fachgesellschaft, die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO), sieht Anhaltspunkte, dass Tamoxifen bei jüngeren Frauen oder Raloxifen und Aromatasehemmer bei Frauen nach den Wechseljahren sinnvoll sein könnten - wenn eindeutig ein hohes Brustkrebsrisiko nachgewiesen ist.
Auch die AGO fordert jedoch eine individuelle und umfassende Risiko-Nutzen-Abwägung, bevor eine Frau mit sehr hohem Risiko diese Medikamente zur Brustkrebsvorbeugung einsetzt.

Entsprechende Studien werden weiter durchgeführt.

Beispiel Prostatakrebs und antihormonelle Arzneimittel

Für das Prostatakarzinom setzt die Chemoprävention daran an, den Einfluss des Hormons Testosteron zu mindern: Dazu nutzt man ähnliche Substanzen, wie sie auch in der Behandlung bereits erkrankter Männer verwendet werden.

Finasterid hemmt die Produktion von Testosteron. Die Substanz wurde bereits 1993 in einer großangelegten Studie mit 20.000 Männern auf ihre krebsvorbeugende Wirkung hin untersucht. Tatsächlich ließ sich die Krebsrate senken.

Zu dieser Studie liegen allerdings inzwischen Langzeitergebnisse vor: Zwar senkt Finasterid die Erkrankungsrate, jedoch nicht so stark, wie zunächst angenommen. Erkrankten Männer trotz des Medikaments, deuteten die Gewebebefunde allerdings auf ein vergleichsweise aggressiveres Tumorwachstum hin.  Möglicherweise verschiebt das Arzneimittel die Tumorbildung nur in ein höheres Lebensalter, so eine Vermutung. Oder es verhindert vor allem wenig aggressive Tumoren, die den betroffenen Männern von vornherein wenig oder gar keine Beschwerden gemacht hätten.
Ein weiterer Effekt gilt als relativ gesichert: Finasterid "maskiert" das Prostata-spezifische Antigen PSA, das als Marker für die Erkrankung gilt. Dies könnte dazu beigetragen haben, dass selbst größere Karzinome häufig nicht erkannt wurden. 
Ähnlich sehen die bisherigen Studiendaten für die Substanz Dutasterid aus.

Beide Substanzen haben zudem Nebenwirkungen, die viele an sich gesunde Männer nicht über längere Zeit tolerieren: Sie können die Fähigkeit zur Erektion vermindern und senken insgesamt das Interesse an Sexualität.  Auch weitere Nebenwirkungen sind möglich, darunter etwa vergrößerte Brustdrüsen.

Arzneimittel wie Finasterid oder Dutasterid sind daher bisher in Deutschland nicht zur Chemoprävention zugelassen.

Es gibt noch einen weiteren Ansatz, der auch als Chemoprävention verstanden werden kann. Eine Reihe von Erkrankungen fördert das Krebsrisiko, wenn sie nicht oder nur unzureichend behandelt werden. Gelingt es dagegen, sie mit Medikamenten unter Kontrolle zu bringen oder gar zu heilen, so kann auch dies im weitesten Sinn als Chemoprävention gewertet werden.
Beispiele bieten Erkrankungen, die mit chronischen Entzündungen oder chronischen Stoffwechselverschiebungen verknüpft sind, die ihrerseits eine Art Entzündung im Gewebe auslösen. Hier einige Beispiele:

Übergewicht kann eine dauerhafte Stoffwechselschieflage fördern, das sogenannte metabolische Syndrom. Viele Anzeichen im Körper ähneln dann einer Art chronischer Entzündung. Heute weiß man, dass das metabolische Syndrom nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes fördert, sondern auch das Risiko für einige Krebsarten steigert. Klar ist: Abnehmen und mehr Bewegung helfen.

Neueste Studien deutend darauf hin, dass auch ein schon lange erhältliches Diabetes-Medikament das Risiko senken könnte, das Metformin. Inzwischen gibt es dazu nicht nur Beobachtungen bei sowieso mit Metformin behandelten Menschen. In ersten Studien haben Patienten gezielt Metformin zur Vorbeugung erhalten, etwa nach der Entfernung von Polypen im Darm, also von Krebsvorstufen. Noch ist weitere Forschung notwendig, bevor zur Rolle von Metformin mehr gesagt werden kann.

Ständiges Sodbrennen und saures Aufstoßen können zu Veränderungen der Schleimhaut in der Speiseröhre führen. Diese gelten als Krebsrisiko, auch wenn längst nicht jeder Mensch mit häufigem Sodbrennen an Speiseröhrenkrebs erkrankt.  Ob sich auch dieses Risiko senken lässt, wenn Sodbrennen ausreichend und dauerhaft behandelt wird, ist zurzeit ein Thema von Studien.

Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre können eine Rolle als Krebsauslöser spielen. Tatsächliche Ursache ist sehr häufig die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori - man weiß, dass dieser Keim das Magenkrebsrisiko verdoppelt oder sogar verdreifacht. Wird die Entzündung behandelt, sinkt das Risiko wieder. 

Zucker- und Fettstoffwechselstörungen: Ein weiteres Beispiel bieten Erkrankungen, bei denen die Regulationsmechanismen des Körpers nicht (mehr) ausreichend greifen. Dazu gehören beispielsweise die Zuckerkrankheit Diabetes, und auch chronische Fettstoffwechselstörungen. Sie führen im Gewebe zu einer Art Daueralarm, einer chronischen Entzündung, die heute auch als Krebsrisikofaktor gewertet wird. Das Stichwort lautet metabolisches Syndrom, mehr dazu hier.

So ist es kein Wunder, dass immer mehr Studien belegen: Medikamente, die regulierend in den Stoffwechsel eingreifen, scheinen auch das Krebsrisiko zu senken. Daten liegen zum Beispiel zur Insulintherapie und zur Therapie mit dem Wirkstoff Metformin gegen Diabetes vor, auch zu Statinen bei Fettstoffwechselstörungen. Noch sind zu diesem Thema allerdings viele Fragen offen.



Quellen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl)

Leitlinien, evidenzbasierte Empfehlungen

Unter www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien.html können aktuelle ärztliche Leitlinien zu den verschiedenen Tumorlokalisationen abgerufen werden. Diese Texte informieren auch über die jeweiligen Möglichkeiten der Prävention und gegebenenfalls Chemoprävention. Für diesen Text wurden insbesondere genutzt die Leitlinien zum "Kolorektalen Karzinom", zum "Mammakarzinom" und zum "Lungenkarzinom".

Die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) haben ebenfalls Leitliniencharakter, dort gibt es Informationen zum Beispiel zur medikamentösen Prävention von Brustkrebs bei Hochrisiko-Patientinnen. Unter www.ago-online.de/de/infothek-fuer-aerzte/leitlinienempfehlungen/mamma/ ist die Leitlinie "Brustkrebsrisiko und Prävention" einsehbar. 

Der World Cancer Research Fund veröffentlicht seit mehreren Jahren aktuelle wissenschaftliche Überblick über die Zusammenhänge zwischen Ernährung, weiteren Lebensstilfaktoren und Krebs. Während die gedruckten Fassungen dieser "Reports" nur in größeren Abständen erscheinen, gibt es online eine kontinuierlich fortgeführte Dokumentation. Sie ist auch unter dem Namen "Continuous Update Project" online: www.wcrf.org/int/continuous-update-project. Eine Matrix mit einem schnellen Überblick über wichtige Risikofaktoren bietet das Projekt unter  unter hwww.wcrf.org/int/research-we-fund/continuous-update-project-findings-reports/continuous-update-project-cup-matrix.

Informationen zu noch laufenden und noch nicht publizierten Studien finden Interessierte in deutschen und internationalen Studienregistern. Der Krebsinformationsdienst hat in seinem Text Krebsforschung entsprechende Linktipps zusammengestellt.

Indikationen, Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimitteln
Als Quelle für Aussagen zu Medikamenten hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Fachinformationen der Hersteller herangezogen (über www.fachinfo.de für Fachkreise zugänglich), weiter Arzneimittelinformationen in deutschen Datenbanken (vor allem www.pharmnet.bund.de), aktuelle Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte unter www.bfarm.de sowie die Informationen der EU-Arzneimittelbehörde EMA unter www.ema.europa.eu/ema/.

Fachpublikationen

Die im Folgenden aufgeführten Artikel und Linktipps stellen eine Auswahl genutzter Quellen und Hintergrundinformationen dar, einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt der Krebsinformationsdienst nicht. Fachveröffentlichungen liegen überwiegend in englischer Sprache vor, sie richten sich an vorinformierte Leser und sind meist nur über wissenschaftliche Bibliotheken oder kostenpflichtige Onlinedienste zugänglich.

Allgemeines zur Chemoprävention:

Kolligs FT, Pox CP: Chemoprävention - Was ist gesichert? Onkologe (2017) 23: 415. doi:10.1007/s00761-017-0207-9

Patterson SL, Colbert Maresso K, Hawk E. Cancer chemoprevention: successes and failures. Clin Chem 2013; 59 (1): 94-101. DOI: 10.1373/clinchem.2012.185389.

Potter JD. The failure of cancer chemoprevention. Carcinogenesis (2014) 35 (5): 974-982 first published online March 11, 2014  doi:10.1093/carcin/bgu063.  

Informationen zu ASS (Aspirin):

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Cao Y, Nishihara R, Wu K, Wang M, Ogino S, Willet WC, Spiegelman D, Fuchs CS, Giovannucci EL, Chan AT (2016): Population-wide Impact of Long-term Use of Aspirin and the Risk for Cancer. JAMA Oncology, online March 03, 2016. doi:10.1001/jamaoncol.2015.6396.

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Hsu L et al. (2015): Association of Aspirin and NSAID Use With Risk of Colorectal Cancer According to Genetic Variants. Jama 313(11):1133-1142. doi:10.1001/jama.2015.1815.

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McNeil JJ, Nelson MR, Woods RL, Lockery JE, Wolfe R, Reid CM, Kirpach B, Shah RC, Ives DG, Storey E, Ryan J, Tonkin AM, Newman AB, Williamson JD, Margolis KL, Ernst ME, Abhayaratna WP, Stocks N, Fitzgerald SM, Orchard SG, Trevaks RE, Beilin LJ, Donnan GA, Gibbs P, Johnston CI, Radziszewska B, Grimm R, Murray AM; ASPREE Investigator Group. Effect of Aspirin on All-Cause Mortality in the Healthy Elderly. N Engl J Med. 2018 Sep 16. doi: 10.1056/NEJMoa1803955.

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Rothwell PM, Price JF, Fowkes FGR, Zanchetti A, Roncaglioni C, et al. Short-term effects of daily aspirin on cancer incidence, mortality, and non-vascular death: analysis of the time course of risks and benefits in 51 randomised controlled trials. Lancet 2012, 379(9826), 1602-1612. DOI: 10.1016/S0140-6736(11)61720-0.

Sutcliffe P, Connock M, Gurung T, Freeman K, Johnson S, Kandala NB, Grove A, Gurung B, Morrow S, Clarke A. Aspirin for prophylactic use in the primary prevention of cardiovascular disease and cancer: a systematic review and overview of reviews. Health Technol Assess. 2013 Sep;17(43):1-253. doi: 10.3310/hta17430.

Van Kruijsdijk RC et al.: Individualised prediction of alternate-day aspirin treatment effects on the combined risk of cancer, cardiovascular disease and gastrointestinal bleeding in healthy women. Heart 2014; doi: 10.1136/heartjnl-2014-306342. Epub ahead of print.

Bereits 2005 wiesen sowohl die europäische Arzneimittelagentur EMA wie auch das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) auf die Gefahr von Blutungen im Magen-Darm-Trakt und auf Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-System bei Dauereinnahme hin (in englischer Sprache unter www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Public_statement/2009/11/WC500014818.pdf. Aktuelle Informationen zu möglichen Risiken sind den kontinuierlich angepassten Fachinformationen von ASS-Präparaten und verwandten Substanzen zu entnehmen.

Informationen zu Metformin:

Higurashi T, Hosono K, Nakahima A et al. (2016): Metformin for chemoprevention of metachronous colorectal adenoma or polyps in post-polypectomy patients without diabetes: a multicentre double-blind, placebo-controlled, randomised phase 3 trial. The Lancet Oncology 17(4), 475-483, doi:10.1016/S1470-2045(15)00565-3

Margel D et al. (2013). Metformin Use and All-Cause and Prostate Cancer-Specific Mortality Among Men With Diabetes. J Clin Oncol. 2013 Sep 1;31(25):3069-3075. doi: 10.1200/JCO.2013.50.7715

Zhang ZJ & Li S. (2014) The prognostic value of metformin for cancer patients with concurrent diabetes: a systematic review and meta-analysis. Diabetes Obes Metab;16(8):707-10. doi: 10.1111/dom.12267

Informationen zu Warfarin und weiteren Cumarin-Verwandten

Haaland GS, Falk RS, Straume O et al.: Association of Warfarin Use With Lower Overall Cancer Incidence Among Patients Older Than 50 Years. JAMA Intern Med. Published online November 6, 2017. doi:10.1001/jamainternmed.2017.5512

Kirane A, Ludwig KF, Sorrelle N, et al. Warfarin blocks Gas6-mediated Axl activation required for pancreatic cancer epithelial plasticity and metastasis. Cancer Res. 2015;75(18):3699-3705.

Chemoprävention bei Darmkrebs

Die CAPP2-Studie ist ein Beispiel für eine Untersuchung zur Wirkung von ASS auf Menschen mit hohem Risiko für familiären Darmkrebs (Lynch-Syndrom).

Burn J, Gerdes AM, Macrae F, Mecklin JP, Moeslein G et al. Long-term effect of aspirin on cancer risk in carriers of heriditary colorectal cancer: an analysis from the CAPP2 randomized controlled trial. Lancet 2011; 378(9809): 2081-7. DOI: 10.1016/S0140-6736(11)61049-0. 

Eine neue Studie mit dem Namen CAPP3 zu ASS und familiärem Darmkrebs wurde 2014 gestartet. Die Details der Studie sind einsehbar unter www.capp3.org. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist für das Jahr 2021 geplant. 

Chemoprävention bei Brustkrebs

Die IBIS Studien untersuchen den Nutzen von Tamoxifen, Anastrozol und weiteren Wirkstoffen zur Chemoprävention.  Die Resultate werden jeweils auf der Internetseite der Studie öffentlich zugänglich gemacht: www.ibis-trials.org. Hier eine Auswahl bereits abgeschlossener Studien:
Cuzick J, Forbes JF, Sestak I, Cawthorn S, Hamed H, Holli K, Howell A; International Breast Cancer Intervention Study I Investigators. Long-term results of tamoxifen prophylaxis for breast cancer-96-month follow-up of the randomized IBIS-I trial. J Natl Cancer Inst 2007; 99(4): 272-82. DOI: 10.1093/jnci/djk049.

Cuzick J, Forbes J, Edwards R, Baum M, Cawthorn S, Coates A, Hamed A, Howell A, Powles T; IBIS investigators. First results from the International Breast Cancer Intervention Study (IBIS-I): a randomised prevention trial. Lancet 2002; 360(9336): 817-24. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(02)09962-2.

 In der BCPT-Studie sollte untersucht werden, ob Frauen mit einem hohen Erkrankungsrisiko für Brustkrebs von einer vorbeugenden Tamoxifen-Einnahme profitieren. Tamoxifen reduzierte das Risiko von hormonsensiblen Brusttumoren, allerdings litten Studienteilnehmerinnen unter  starken Nebenwirkungen. Hier eine Auswahl der Veröffentlichungen zum Thema:

Fisher B, Costantino JP, Wickerham DL, Cecchini RS, Cronin WM, Robidoux A, Bevers TB, Kavanah MT, Atkins JN, Margolese RG, Runowicz CD, James JM, Ford LG, Wolmark N. Tamoxifen for the prevention of breast cancer: current status of the National Surgical Adjuvant Breast and Bowel Project P-1 study. J Natl Cancer Inst 2005; 97(22): 1652-62. DOI: 10.1093/jnci/dji372.

Fisher B, Costantino JP, Wickerham DL, Redmond CK, Kavanah M, Cronin WM, et al. Tamoxifen for prevention of breast cancer: report of the National Surgical Adjuvant Breast and Bowel Project P-1 Study. J Natl Cancer Inst 1998; 90: 1371-88. DOI: 10.1093/jnci/90.18.1371. 

In der STAR-Studie wurde der Nutzen von Raloxifen zur Vorbeugung von Brustkrebs bei Hochrisiko-Patientinnen im Vergleich zu Tamoxifen untersucht. Laut aktueller Auswertung der Studienergebnisse soll Raloxifen langfristig zwar weniger wirksam als Tamoxifen sein, dafür aber auch zu weniger Nebenwirkungen führen.

Bevers TB. Breast cancer prevention: an update of the STAR trial. Curr Treat Oncol 2010; 11(3-4): 66-9. DOI: 10.1007/s11864-010-0124-2.

Vogel VG, Constantino JP, Wickerham DL, Cronin WM, Cecchini RS, Atkins JN, et al. Effects of tamoxifen vs raloxifene on the risk of developing invasive breast cancer and other disease outcomes: the NSABP Study of Tamoxifen and Raloxifene (STAR) P-2 trial. JAMA 2006; 295: 2727-41. DOI: 10.1001/jama.295.23.joc60074.

Chemoprävention bei Prostatakrebs:

Schon in den neunziger Jahren durchgeführt wurde die PCPT-Studie. Es wurde untersucht, ob Finasterid die Entstehung von Prostatakrebs verhindern kann. Das Medikament reduzierte zwar allgemein das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, ging aber gleichzeitig mit einem höheren Risiko für aggressive Tumoren einher. 2013 wurden die Ergebnisse der Nachbeobachtung über einen Zeitraum von 18 Jahren veröffentlicht: Was die Sterblichkeit an Prostatakrebs (und auch an anderen Ursachen) angeht, gibt es keinen Unterschied zwischen der Finasterid- und der Placebo-Gruppe.

Thompson IM et al:  Long-Term Survival of Participants in the Prostate Cancer Prevention Trial. N Engl J Med 2013,  369:603-610August 15, 2013DOI: 10.1056/NEJMoa1215932

Mellon JK. The finasteride prostate cancer prevention trial (PCPT) – what have we learned? Eur J Cancer 2005; 41(13): 2016-22. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.ejca.2005.06.010.

Feigl P, Blumenstein B, Thompson I, Crowley J, Wolf M, Kramer BS, et al. Design of the Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT). Control Clin Trials 1995; 16: 150-63. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/0197-2456(94)00XXX-M.

Die REDUCE-Studie wurde durchgeführt, um die Wirksamkeit der Substanz Dutasterid zu untersuchen. Gesunde Patienten erhielten vorbeugend das Medikament. Dutasterid wirkte chemopräventiv, konnte also das Risiko einer Krebserkrankung senken. Gleichzeitig beobachtet wurden Nebenwirkungen, wie etwa Herz-Kreislauferkrankungen.

Andriole GL, Bostwick DG, Brawley OW, Gomella LG, Marberger M, Montorsi F, Pettaway CA, Tammela TL, Claudio Teloken, Donald J. Tindall, Somerville MC, Wilson TH, Fowler IL, Rittmaster RS, the REDUCE Study Group. Effect of Dutasteride on the Risk of Prostate Cancer. N Engl J Med 2010; 362:1192-1202. DOI: 10.1056/NEJMoa0908127.

In der Diskussion ist zurzeit auch, ob die Substanz Metformin, ein Medikament gegen Diabetes Typ II, die Prostatakrebsrate bei zuckerkranken Männern senken könnte. Hinweise darauf bietet eine aktuelle Studie: Margel D, Urbach DR, Lipscombe LL, Bell CM, Kulkarni G, Austin PC, Fleshner N: Metformin Use and All-Cause and Prostate Cancer-Specific Mortality Among Men With Diabetes. Published online before print August 5, 2013, doi: 10.1200/JCO.2012.46.7043

Abgebrochen wurde die SELECT-Studie: Selen und Vitamin E waren daraufhin geprüft worden, ob sich die beiden Substanzen auf das Prostatakrebsrisiko auswirkten: Klein EA et al. (2011) Vitamin E and the Risk of Prostate Cancer. The Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT). JAMA. 306(14):1549-1556. doi: 10.1001/jama.2011.1437

Chemoprävention bei Lungenkrebs:

Die CARET-Studie zur Verwendung von Carotinen und Retinol wurde bereits 1996 publiziert: Onmen GS et al. (1996): Risk factors for lung cancer and for intervention effects in CARET, the Beta-Carotene and Retinol Efficacy Trial. JNCI 88(21), 1550-1559, doi: 10.1093/jnci/88.21.1550

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Erstellt: 31.10.2013