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Mikroskopische Untersuchung, Foto: Philip Benjamin/NCT Heidelberg © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Krebsvorsorge und Krebsfrüherkennung – eine Übersicht

Das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland

Krebs erkennen, bevor er entsteht oder Beschwerden macht: Das ist das Ziel der Krebsvorsorge und Krebsfrüherkennung. In Deutschland haben Frauen sowie Männer einen Anspruch darauf, sich im Lauf ihres Lebens auf verschiedene Krebsarten hin untersuchen zu lassen. Dazu gehören Brustkrebs, Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hautkrebs und Prostatakrebs.

Die Kosten der Untersuchungen übernehmen die Krankenkassen. Die Teilnahme an der "Krebsvorsorge" ist freiwillig. Wer nicht teilnehmen möchte, hat dadurch keinen Nachteil gegenüber der Versicherung oder bei der ärztlichen Behandlung. Hilfe bei der Entscheidung für oder gegen eine Untersuchung leisten die Haus- und Fachärzte.

Erstellt: 22.11.2018
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Ein Recht auf Vorsorge: Krebs-Screening in Deutschland

In Deutschland gibt es ein gesetzliches Krebsfrüherkennungsprogramm, auch Krebs-Screening oder Krebsvorsorge genannt. Jeder kann ab einem bestimmten Alter daran teilnehmen. Das Programm umfasst Untersuchungen zur Früherkennung von fünf verschiedenen Krebsarten: Brustkrebs, Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hautkrebs und Prostatakrebs. Der Gesetzgeber erhofft sich von dem Programm, dass es die Krebssterblichkeit in Deutschland senkt.

Der rechtliche Rahmen für die Krebsvorsorge ist im Sozialgesetzbuch SGB V verankert und in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) genau geregelt.
Die Teilnahme an den Untersuchungen ist freiwillig. Wer nicht am Screening-Programm teilnehmen möchte, hat dadurch keinen Nachteil gegenüber der Krankenversicherung oder bei der ärztlichen Behandlung.

Das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm

Angebote zur Krebsfrüherkennung für Männer und Frauen in Deutschland © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Angebote zur Krebsfrüherkennung für Männer und Frauen in Deutschland © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Für Frauen

  • Gebärmutterhalskrebs – ab 20* einmal jährlich Untersuchung des äußeren und inneren Genitals und Abstrich-Untersuchung von Gebärmuttermund und Gebärmutterhals, mehr unter "Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung"
    * Ab Anfang 2020 ist für Frauen ab 35 Jahren ein HPV-Test und eine Abstrich-Untersuchung alle drei Jahre vorgesehen.
  • Brustkrebs – ab 30 einmal jährlich Abtastung der Brüste und der Achselhöhlen, Anleitung zur Brustselbstuntersuchung; ab 50 bis einschließlich 69 alle zwei Jahre eine Mammographie, mehr unter "Brustkrebs-Früherkennung" und "Mammographie"

Für Männer

  • Prostatakrebs – ab 45 einmal jährlich Abtastung der Prostata vom Enddarm aus, Untersuchung des äußeren Genitals und Abtastung der Lymphknoten in der Leiste, mehr unter "Prostatakrebs-Früherkennung und PSA-Test"

Für Frauen und Männer

  • Hautkrebs – ab 35 alle zwei Jahre eine gezielte Befragung nach Hautveränderungen und Inspektion des gesamten Körpers einschließlich des behaarten Kopfes, mehr unter "Hautkrebs-Früherkennung"
  • Darmkrebs – von 50 bis einschließlich 54 einmal jährlich Test auf verborgenes (okkultes) Blut im Stuhl, ab 55 alle zwei Jahre, und/oder ab 50 (Männer) beziehungsweise 55 (Frauen) eine Darmspiegelung (Koloskopie) und eine einmalige Wiederholung nach mindestens zehn Jahren, mehr unter "Darmkrebs-Früherkennung"

Darüber hinaus gibt es in Deutschland weitere medizinische Früherkennungsangebote, beispielsweise den "Gesundheits-Check-up". Dieser soll dazu beitragen, Krankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Herzprobleme und Nierenschäden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Im Rahmen des Check-up's erfragen Ärztinnen und Ärzte auch familiäre Vorbelastungen für Krankheiten einschließlich Krebserkrankungen wie Darm- und Brustkrebs.

Eine Zusammenfassung aller Vorsorge- und Früherkennungsangebote bietet das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auf seiner Internetseite unter www.bundesgesundheitsministerium.de/?id=1097 (Stichwort "Früherkennung"). Zum Check-up informiert das BMG unter www.bundesgesundheitsministerium.de/checkup.html.

Besonderes Risiko oder Krebsverdacht?

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm ist für Menschen ohne besonderes Krebsrisiko gedacht. Menschen mit einem hohen Krebsrisiko, etwa weil viele Verwandte an Krebs erkrankt sind oder weil sie eine Vorerkrankung haben, die mit Krebs im Zusammenhang steht, sollten sich bei ihren Ärzten über zusätzliche Möglichkeiten der Krebsfrüherkennung informieren.
Auch wer Beschwerden hat, die auf eine Krebserkrankung hindeuten, sollte zum Arzt gehen. Dann kann man ganz unabhängig vom gesetzlichen Früherkennungsprogramm die medizinisch notwendigen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen erhalten.

Krebsvorsorge und Krebsfrüherkennung: Was bringt das?

"Früherkennung" bedeutet beim Thema Krebs: Gewebeveränderungen werden zu einem Zeitpunkt entdeckt, zu dem sie noch keine Schmerzen oder andere Beschwerden verursachen. Der Nutzen: Kleine und örtlich begrenzte Tumoren lassen sich besser behandeln als große Tumoren oder als solche, die schon gestreut haben.

Noch besser ist es, bereits Krebsvorstufen zu erkennen. Das sind Gewebeveränderungen, die noch nicht bösartig oder "maligne" verändert sind, aber ein hohes Risiko für eine spätere Krebsentstehung bedeuten. Lassen sich solche Vorstufen entfernen, kann man Krebs verhindern. In diesem Fall spricht man von "Krebsvorsorge".

Umsetzen lässt sich eine Krebsvorsorge bisher aber nur bei Darmkrebs und bei Gebärmutterhalskrebs sowie bei manchen Hautkrebsformen. Aber auch die Früherkennung von Tumoren trägt dazu bei, die Heilungsraten bei manchen Krebsformen zu verbessern.

Qualitätsanforderungen: Sichere und zuverlässige Früherkennung

Früherkennung: länger leben mit Krebs oder längeres Überleben? © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Was muss eine Früherkennungsuntersuchung leisten, die allen Gesunden in der Bevölkerung ab einem bestimmten Alter angeboten wird?

  • Zunächst einmal muss die Untersuchung wenig oder gar nicht belastend sein. Außerdem müssen mögliche Risiken durch den Nutzen aufgewogen werden.
  • Die Untersuchung muss zudem zuverlässig sein, man muss also genau wissen, bei wie vielen Menschen sie durchschnittlich funktioniert und wie häufig sie "versagt".
  • Und sie muss mit vertretbarem Aufwand für das nationale Gesundheitswesen finanzierbar sein.

Wesentlich ist aber auch:

  • Die Qualität einer Früherkennungsuntersuchung hängt nicht nur davon ab, dass sie eine bestimmte Krebsform in einem frühen Stadium nachweist. Die frühe Diagnose muss den Betroffenen auch einen messbaren Vorteil bringen: Sie müssen dank der frühen Behandlung länger und besser leben können, als bei einer Diagnose in einem späteren Krankheitsstadium. Denn: Wird durch eine Früherkennungsuntersuchung nur die Diagnose der Erkrankung vorverlegt, ohne dass eine frühere Behandlung dem Patienten oder der Patientin etwas nützt, ist diese Untersuchung für das Screening der gesamten gesunden Bevölkerung nicht geeignet.

Nutzen und Risiko: Sollte man am Screening teilnehmen?

Für die Früherkennung auf Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs ist der Nutzen sehr gut belegt und kaum umstritten. Außerdem kommt hinzu: Die Untersuchungen können mehr als eine Früherkennung sein – bereits Vorstufen von Krebs lassen sich erkennen und behandeln, bevor Krebs entsteht.

Die Untersuchungen auf Brustkrebs, Hautkrebs und Prostatakrebs haben hingegen zu vielen Diskussionen geführt. Es gibt Experten, die den Nutzen als belegt ansehen, aber auch Experten, die daran zweifeln.

Untersuchungen bringen keine hundertprozentige Sicherheit

Vorsorgetermin im Kalender © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Vorsorge: Was sind die Vor- und Nachteile der Untersuchung? © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Wer Interesse an einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung hat, sollte aber nicht nur über den Nutzen der Untersuchung, sondern auch über mögliche Nachteile nachdenken. Dazu gehört vor allem die Tatsache, dass es in der Medizin keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Zwar ist die Fehlerrate aller Früherkennungsuntersuchungen nicht sonderlich hoch, sie ist aber auch nicht gleich Null:

  • Ist ein Befund "falsch positiv", wird ein Krebsverdacht angezeigt, obwohl gar keine Erkrankung vorliegt. Das führt zu weiteren Untersuchungen und unter Umständen auch zu Behandlungen, die eigentlich gar nicht notwendig sind.
  • Ist die Untersuchung "falsch negativ" ausgefallen, wurde ein Tumor in der Früherkennung nicht erkannt, obwohl eine Krebserkrankung vorliegt.
  • Nicht aus jeder gefundenen Krebsvorstufe und nicht aus jedem gefundenen Tumor wird eine lebensbedrohliche Erkrankung. Es gibt Vorstufen und auch einige Tumoren, mit denen man lange leben und auch alt werden kann. Für Betroffene bedeutet eine Behandlung ein unnötiges Risiko und die Gefahr von Nebenwirkungen. Das Problem dabei ist, dass man bei den meisten Krebsarten bisher nicht vorhersagen kann, welche Krebsvorstufe und welcher Tumor "harmlos" verlaufen werden.

Teilnehmen oder nicht?

Wer Anspruch auf Leistungen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms hat oder vom Arzt Untersuchungen vorgeschlagen bekommt, sollte die Vor- und Nachteile der Untersuchungen kennen und diese gegeneinander abwägen. Persönliche Überzeugungen und Vorlieben darf und sollte man bei der Entscheidungsfindung ebenfalls berücksichtigen.

Kostenübernahme: Was zahlt die Krankenkasse?

Die Kosten für die gesetzliche geregelte Krebsfrüherkennung tragen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen.

Untersuchungen und Tests zur Krebsfrüherkennung, die nicht ausdrücklich Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms sind, werden von den gesetzlichen sowie privaten Krankenkassen normalerweise nicht übernommen. In der Regel müssen Versicherte die Kosten für die Leistungen selbst tragen. Man bezeichnet solche Angebote als "individuelle Gesundheitsleistung", abgekürzt "IGeL".

Einige Krankenkassen übernehmen jedoch die Kosten für solche Früherkennungsleistungen, die über die Ansprüche aus dem gesetzlichen Früherkennungsprogramm hinausgehen. Voraussetzung ist, dass die Leistung Teil des Versicherungsvertrags ist oder die Krankenkasse sie aus Kulanz übernimmt. Ob das der Fall ist, erfahren Versicherte bei ihrer Krankenkasse.

Schlägt der Arzt eine individuelle Gesundheitsleistung zur Krebsfrüherkennung vor, sollten Versicherte ihn darum bitten, die Kosten sowie die Vor- und Nachteile für ihre persönliche Situation zu erläutern.

Über IGeL in der Krebsfrüherkennung und die Hintergründe, warum manche Leistungen nicht Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms sind, informiert unser Text "Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL): Angebote für Selbstzahler".

Quellen und Links für Interessierte und Fachkreise