© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Gebärmutterhalskrebszelle, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Gebärmutterhalskrebs: Krebsentstehung, Anatomie, Häufigkeit

Wie viele Frauen sind betroffen?

Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs? Warum unterscheiden Fachleute Krebs des Gebärmutterhalses von anderen Tumorarten der Gebärmutter? Wie häufig ist die Erkrankung in Deutschland?

Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes gibt einen allgemeinen Überblick, wie Krebs entsteht. Er erläutert außerdem wie die Gebärmutter aufgebaut ist und welche Funktion sie hat und informiert über Statistiken zu Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses. Patientinnen und Interessierte finden zudem Linktipps zum Weiterlesen.

Letzte Aktualisierung: 05.05.2014

Quellen und Links

Genutzte Quellen, die über Lehrbuchwissen hinausgehen, sind am Ende des Textes verlinkt. Weitere Linktipps und Fachquellen bietet der Text "Mehr wissen über Gebärmutterhalskrebs".

Tumorbiologie: Was passiert bei der Krebsentstehung?

Der Begriff "Krebs" steht für eine große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen. Sie haben eines gemeinsam: die unkontrollierte Teilung von Zellen eines Organs oder Gewebes. Diese Zellen altern nicht und sterben trotz vieler Veränderungen nicht ab wie gesunde Zellen. Sie tarnen sich, sodass das Immunsystem sie nicht als krank oder geschädigt erkennt. Daraus können bösartige Geschwulste entstehen, wie beim Gebärmutterhalskrebs: Er zählt zu den "soliden" Tumoren, im Gegensatz zu "systemischen" Erkrankungen des Blutes oder Knochenmarkes, bei denen sich Krebszellen von Anfang an über den ganzen Körper verbreiten können.
Solide Tumoren verdrängen zunächst gesundes Gewebe. Wird ihr Wachstum nicht gestoppt, dringen sie in umliegendes Gewebe ein und zerstören es, sie werden "invasiv". Krebszellen können in Blutbahnen und Lymphgefäße einbrechen und mit dem Blut- und Lymphstrom in andere Körperorgane gelangen. Siedeln sich Tumorzellen dort an und wachsen weiter, entstehen Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen.

Heute weiß man, dass die Ursache für die Krebsentstehung in einer Veränderung des Erbmaterials einzelner Körperzellen liegt. Diese Veränderung ist aber meist nur der erste Schritt, der die Erbinformation einer Zelle instabil macht. Weitere Veränderungen folgen, die schließlich das Tumorwachstum auslösen.
An der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen sind Viren aus der Gruppe der humanen Papillomviren (HPV) beteiligt. Eine HPV-Infektion alleine reicht jedoch nicht aus, damit Krebs entsteht – sonst würden sehr viel mehr Frauen erkranken, als dies tatsächlich der Fall ist. Man kennt heute einige weitere Faktoren, die bei einer HPV-Infektion das Risiko der Krebsentstehung zusätzlich steigern. Fachleute sprechen von "Kofaktoren".

Uterus: Wie ist das Organ Gebärmutter aufgebaut?

Anatomie der Gebärmutter und der Eierstöcke © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Vergrößerte Ansicht
Anatomie der Gebärmutter und der Eierstöcke © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Die Gebärmutter zählt zusammen mit den beiden Eierstöcken, den beiden Eileitern und der Scheide zu den inneren Geschlechtsorganen der Frau. Sie liegt zwischen Blase und Enddarm im Becken. Fachleute sprechen von "Uterus". Elastische Bindegewebsbänder, die von allen Seiten der Gebärmutter zur Beckenwand ziehen, halten die Gebärmutter in ihrer Lage. In diesem Bindegewebe, den sogenannten Parametrien, verlaufen auch die Eileiter und Blutgefäße.
Bei jungen Frauen hat das Organ in etwa die Form einer schlanken, auf dem Stiel stehenden und hohlen Birne. Während einer Schwangerschaft wächst im Inneren der Gebärmutter das ungeborene Kind. Dann dehnt sich das Organ stark aus, und der Halteapparat des Organs wird entsprechend beansprucht. Bei Frauen, die mehrere Kinder geboren haben, und bei älteren Frauen haben sich Lage und Form der Gebärmutter daher oft verändert.

Das Organ wird anatomisch in mehrere Abschnitte gegliedert: Der Gebärmutterkörper (Corpus uteri) mit der Gebärmutterhöhle im Inneren bildet die oberen zwei Drittel der Gebärmutter. In den oberen Teil, den Fundus uteri, münden rechts und links die beiden Eileiter (Tuben). Über sie gelangen Eizellen von den Eierstöcken (Ovarien) in die Gebärmutterhöhle. Der muskulöse Gebärmutterkörper ist im Inneren mit einer Schleimhaut ausgekleidet, dem sogenannten Endometrium.
Als Gebärmutterhals oder Zervix bezeichnet man das untere röhrenförmige Drittel der Gebärmutter. Die Gebärmutterhöhle verengt sich hier zum sogenannten Zervikalkanal. Der Gebärmutterhals schließt mit dem Gebärmuttermund (Portio vaginalis) ab, der in den oberen Teil der Scheide hineinragt.

Der Gebärmutterhals (Zervix oder Cervix)

Der Gebärmutterhals besteht wie der gesamte Uterus aus Bindegewebe und Muskulatur. Die Schleimhaut, die den Gebärmutterhals im Bereich des Muttermundes auskleidet, ist jedoch flacher als die Schleimhaut im Inneren der Gebärmutter.
Es handelt sich um ein sogenanntes Plattenepithel, das von großer mechanischer Belastbarkeit ist und sich schnell und regelmäßig erneuern kann. Die Drüsenzellen in diesem Gewebe produzieren zähen Schleim. Er hat die Aufgabe, den Gebärmutterhals nach außen zu verschließen und so die Gebärmutterhöhle vor Keimen aus der Scheide zu schützen. Nur während der fruchtbaren Tage einer Frau und bei der Menstruation wird dieser Schleim dünner und weniger zäh: Der Zervikalkanal und der Muttermund öffnen sich um wenige Millimeter. Während einer Schwangerschaft ist der Muttermund dagegen fest geschlossen.

Krebs des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter: Warum machen Fachleute hier Unterschiede?

Die Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses, die sogenannten Zervixkarzinome, sind weltweit deutlich häufiger als die der sonstigen Gebärmutteranteile. Bösartige Tumoren können in verschiedenen Teilen der Zervix entstehen. Bei sieben bis acht von zehn Frauen geht ein invasiver Tumor vom Deckgewebe der Schleimhaut aus, dem Plattenepithel. Fachleute sprechen dann von einem "Plattenepithelkarzinom". Seltener sind sogenannte Adenokarzinome. Sie entstehen im Drüsengewebe und machen circa zwei von zehn Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen aus.
Einem Zervixkarzinom gehen meist Krebsvorstufen voraus. Fachleute erfassen diese gesondert und sprechen von "zervikalen intraepithelialen Neoplasien", kurz CIN (englisch: cervical intraepithelial neoplasia).

In den hier folgenden Texten bezieht sich der Krebsinformationsdienst vor allem auf die häufigste Krebsform der Zervix, das Plattenepithelkarzinom.

  • Krebs des Gebärmutterkörpers, auch als Endometrium- oder Korpuskarzinom bezeichnet, verläuft anders als Krebs des Gebärmutterhalses und wird auch anders behandelt. Frauen, die daran erkrankt sind, finden Informationen für ihre Situation im Kapitel "Gebärmutterkörperkrebs".
  • Ebenfalls nicht als Zervixkarzinom oder Gebärmutterhalskrebs bezeichnen Fachleute Tumoren, die vom Muskelgewebe des Uterus ausgehenden. Diese äußerst seltenen Tumoren zählen als Weichteilgeschwülste zu den Sarkomen und werden wie diese behandelt. Ausführlichere Informationen hat der Krebsinformationsdienst im Text "Weichteilsarkome" zusammengestellt.
  • Patientinnen, die sich nicht sicher sind, um welche Erkrankungsform es sich bei Ihnen handelt, sollten ihren behandelnden Arzt fragen.  Weiterführende Informationen können sie dann per Telefon unter 0800 - 420 30 40 oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de erhalten.

Häufigkeit und Altersverteilung: Wie oft kommt Gebärmutterhalskrebs vor?

Im Jahr 2012 erkrankten in Deutschland nach Angaben der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister (www.gekid.de) und des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (www.krebsdaten.de) 4.640 Frauen an einem Zervixkarzinom, für 2016 werden 4.300 Neuerkrankungen erwartet (Broschüre "Krebs in Deutschland 2011/2012"). Fachleute schätzen, dass im Jahr 2012 etwa 17.900 Frauen in Deutschland lebten, denen in den fünf Jahren zuvor die Diagnose Gebärmutterhalskrebs gestellt wurde (mehr zur Verbreitung von Krebserkrankungen auch im Text "Krebsstatistiken", Stichwort "Prävalenz").

Dabei sind Vorformen, wie sie bei der Früherkennung festgestellt werden können, nicht erfasst: Sie stellen keine Krebserkrankungen im engeren Sinn dar. Die Diagnose und Behandlung solcher Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs (CIN) erläutert der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text.

Bei der Erfassung der Krebshäufigkeit unterscheiden Fachleute nicht nur zwischen Krebsvorstufen und Krebs. Sie prüfen auch, ob der Tumor bereits tiefer liegende Gewebeschichten zerstört hat oder ob er noch eher oberflächlich wächst. Das mittlere Erkrankungsalter bei invasiven, also die ursprünglichen Gewebegrenzen überschreitenden Karzinomen beträgt 53 Jahre. Das Durchschnittsalter von Patientinnen mit einem Karzinom im Frühstadium, einem In-situ-Karzinom, liegt bei etwa 34 Jahren - jüngere Frauen gehen vergleichsweise regelmäßig zum Frauenarzt. Wird bei ihnen eine Erkrankung festgestellt, hat der Tumor die Gewebegrenzen meist noch nicht überschritten und sich nicht in andere Organe ausgebreitet.
Vor der Einführung des gesetzlichen Früherkennungsprogramms 1971 war das Zervixkarzinom die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Mittlerweile ist es durch das Angebot regelmäßiger Untersuchungen auf Platz zwölf zurückgefallen. Deutlich zurückgegangen ist auch die Wahrscheinlichkeit, an Gebährmutterhalskrebs zu sterben: Insgesamt sterben in Deutschland jedes Jahr etwas mehr als 1.600 Frauen an diesem Tumor. Vor 30 Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele.

Für Interessierte und Fachkreise: Weiterführende Informationen und Quellen