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Gebärmutterhalskrebszelle, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Gebärmutterhalskrebs: Symptome, Untersuchung, Stadieneinteilung

Was tun bei Verdacht auf ein Zervixkarzinom?

Woran erkennt man Gebärmutterhalskrebs? Welche Untersuchungen sind wichtig, um Symptome oder Beschwerden abzuklären? Was passiert, wenn der Frauenarzt bei der Gebärmutterhalskrebs-Früherkennungsuntersuchung etwas Auffälliges findet? Der folgende Text bietet betroffenen Frauen und Interessierten einen Überblick über die wichtigsten Abklärungsuntersuchungen bei Verdacht auf ein Zervixkarzinom. Außerdem nennt er mögliche Ansprechpartner. Hinweise auf genutzte Quellen für Interessierte und Fachkreise sind am Ende des Textes zusammengestellt. Wichtig: Informationen aus dem Internet können bei Krebsverdacht eine ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Was gilt für andere auffällige Veränderungen am Gebärmutterhals, die noch nicht als Krebs gewertet werden? Betroffene Frauen finden Informationen zu dieser Situation im Text "Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs: Untersuchung und Behandlung".

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Quellen und Links

Linktipps zu weiterführenden Informationen des Krebsinformationsdienstes sind direkt im Text genannt. Interessierte und Fachkreise finden Hinweise auf genutzte Quellen am Ende des Textes. Eine weitere Übersicht bietet auch der Text "Mehr wissen über Gebärmutterhalskrebs".

Anzeichen für Gebärmutterhalskrebs: Welche Symptome sind verdächtig?

In frühen Stadien verursacht Gebärmutterhalskrebs meist keine Beschwerden. Das gilt auch für Vorstufen dieser Krebsart: Sie entwickeln sich zunächst meist unbemerkt. Erste Anzeichen für Krebs am Gebärmutterhals kann man leicht mit anderen, harmloseren Erkrankungen verwechseln: Vaginaler Ausfluss, Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr, außerhalb des Menstruationszyklus oder nach den Wechseljahren können auf einen Tumor hinweisen. Sie gleichen allerdings typischen Beschwerden, die zum Beispiel auch bei einer Entzündung oder bei einer gutartigen Wucherung entstehen können. Trotzdem sollte man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen oder aus Scheu vor der Abklärung längere Zeit verdrängen.
In fortgeschrittenen Stadien können Schmerzen im Kreuz- und Beckenbereich, Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang sowie Lymphstau in den Beinen auftreten.

Wer einzelne oder gar mehrere dieser Symptome hat, sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen - auch wenn gerade kein Termin zur Früherkennungsuntersuchung ansteht. Es kann lebensrettend sein, Symptome rechtzeitig abklären zu lassen. Auch wenn es sich nicht um Krebs handelt, so gilt doch: Infektionen, kleine gutartige Wucherungen oder andere Auslöser können ebenfalls unangenehm sein und unter Umständen langfristig ernste Gesundheitsprobleme verursachen.

  • Welche Ursache hinter den genannten Symptomen steht, lässt sich normalerweise relativ einfach abklären: Die notwendigen Untersuchungen sind vergleichsweise wenig aufwändig oder belastend, auch wenn viele Frauen sie als unangenehm empfinden.

Ansprechpartner: Wohin gehen bei Beschwerden?

Hausarzt oder Fachärzte für Frauenheilkunde (Gynäkologie) sind zunächst Ansprechpartner für die wichtigsten Untersuchungen zur Abklärung von Beschwerden.

Ob eine Blasenentzündung oder eine andere Allgemeinerkrankung hinter den Beschwerden steht, kann in der Regel der Hausarzt testen. Gynäkologen übernehmen dies ebenfalls, und zusätzlich viele der notwendigen Untersuchungen zur Abklärung, die sich ambulant durchführen lassen. Für besondere Tests und Diagnoseverfahren überweisen sie an weitere Fachärzte, an Ärzte oder Kliniken mit sogenannten Dysplasiesprechstunden oder auch in die Ambulanz einer spezialisierten Frauenklinik.

Geht es einer Patientin körperlich sehr schlecht oder sprechen andere wichtige Gründe dafür, kann der Großteil der anstehenden Untersuchungen unter Umständen auch stationär im Krankenhaus stattfinden.

Erhärtet sich der Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs? Dann sollte die letzte Beurteilung aller Befunde in der gynäkologischen Fachabteilung eines zertifizierten Zentrums erfolgen. Das empfehlen Fachleute in der aktuellen Behandlungsleitlinie. Der Grund: Das Personal in solchen Zentren hat viel Erfahrung mit der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs.
Ob diese Befundprüfung noch ambulant möglich ist, oder ob man dazu bereits stationär ins Krankenhaus aufgenommen wird und danach direkt eine Behandlung beginnt, hängt von der individuellen Situation ab.
Bei der Wahl der richtigen Klinik hilft der Hausarzt oder der einweisende Facharzt für Gynäkologie. Spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen, können bei der Wahl der Klinik natürlich auch persönliche Kriterien und Wünsche berücksichtigt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Nähe zum Wohnort, um Angehörigen Besuche zu erleichtern.

  • Wie findet man qualifizierte Ärzte? Woran erkennt man ein zertifiziertes Zentrum, das besonders auf die Behandlung von gynäkologischen Krebserkrankungen spezialisiert ist? Wichtige Adressen und Links Hinweise zur Suche finden Betroffene, Angehörige und Interessierte auch in den Texten zur "Arztsuche" und "Kliniksuche". Einen Überblick zum Laden und Ausdrucken bietet das Informationsblatt "Gute Ansprechpartner finden" (PDF).
  • Bei Fragen hilft der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail weiter.

Diagnostik: Welche Untersuchungen sind bei Tumorverdacht sinnvoll?

Welche Untersuchungen machen Ärzte bei einer Frau mit Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs? Das hängt von der individuellen Situation der Frau ab: Die Diagnostik kann sich von Patientin zu Patientin stark unterscheiden. Was für die Behandlungsplanung nötig ist, ergibt sich oft erst im Laufe der Untersuchungen.
Kommt man vielleicht wegen unspezifischer Beschwerden zum Arzt? Oder hat sich der Verdacht auf ein invasives Karzinom bei der Früherkennung ergeben? Dann sind einige Untersuchungen eventuell schon vorab gelaufen.
Am Beginn der Abklärung steht die gynäkologische Untersuchung. Falls noch nicht geschehen, macht der Arzt möglicherweise einen Pap-Abstrich.

  • Ergibt sich, dass alles in Ordnung ist, folgen keine weiteren Untersuchungen.
  • Vielleicht liegt den Beschwerden auch eine ganz andere Erkrankung zugrunde, aber kein Tumor am Gebärmutterhals.
  • Wie das weitere Vorgehen aussieht, wenn man noch kein invasives Karzinom, aber eine Krebsvorstufe am Gebärmutterhals hat, führt der Krebsinformationsdienst im Text "Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs: Untersuchung und Behandlung" auf.

Erhärtet sich der Krebsverdacht? Dann folgen weitere Untersuchungen.
Die gynäkologische Untersuchung spielt bei betroffenen Frauen auch in dieser Situation eine wichtige Rolle, ebenso wie während der späteren Behandlung und der Nachsorge. Hinzu kommen sogenannte bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall, und je nach Situation weitere Verfahren. Bei Bedarf überweist der Frauenarzt zu anderen Fachärzten oder in eine Klinikambulanz mit entsprechender Spezialisierung, falls er selbst nicht über die notwendigen Diagnosegeräte oder Testmöglichkeiten verfügt.

Gynäkologische Untersuchung

Für die gynäkologische Untersuchung muss man den Unterleib entkleiden und auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen. Der Arzt tastet über die Bauchdecke und durch die Scheide Muttermund, Gebärmutterhals, Gebärmutterkörper und Eierstöcke ab. Bei Krebsverdacht kontrolliert er den hinteren Teil der Gebärmutter und deren Halteapparat auch durch den Enddarm. Um das Gewebe in der Scheide, an Gebärmuttermund und Gebärmutterhals besser einsehen zu können, entfaltet er die Scheide mit einem Metallspatel, dem sogenannten Spekulum.

Falls sich der äußere Muttermund und seine Umgebung mit bloßem Auge nicht gut genug beurteilen lassen, nutzt der Arzt eine Vergrößerungslupe mit Lichtquelle, das Kolposkop. Diese Untersuchung heißt "Scheidenspiegelung" oder "Kolposkopie".

Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie), Konisation

Entdeckt der Arzt auffällige Gewebebereiche, entnimmt er bei der Kolposkopie eine kleine Gewebeprobe. Dieser Vorgang heißt auch Biopsie. Das Ergebnis der Untersuchung soll Aufschluss über die Veränderung geben: Aus welchen Zellen besteht die Veränderung? Ist der Tumor bösartig? Wie weit hat er sich ausgedehnt? Ist er bereits in umliegendes Gewebe vorgedrungen und wenn ja, wie weit?

Ist die Gewebeveränderung klein, und lässt sie sich gut vom umliegenden gesunden Gewebe abgrenzen? Dann ist möglicherweise nicht die Biopsie der nächste Schritt, sondern die Ärzte entfernen die Veränderung gleich ganz, in einer Konisation. Dabei wird ein Kegel aus dem Gebärmutterhals ausgeschnitten: das erkrankte Gewebe mit einem Saum aus gesundem Gewebe zur Sicherheit.

Wie belastend sind Untersuchung und Probenentnahme? Die gynäkologische Untersuchung selbst ist vielen Frauen zwar unangenehm, tut aber normalerweise nicht weh. Liegt allerdings eine ernsthaftere Erkrankung vor, kann dies anders sein. Dann ist eine schmerzstillende lokale Betäubung möglich, bei sehr starken Beschwerden auch eine flache Kurznarkose. Diese ist allerdings nicht in jeder Frauenarztpraxis durchführbar. Wichtig: Findet die Gewebeentnahme ambulant unter Narkose statt, sollte man sich danach abholen lassen und zum Beispiel nicht selbst Auto fahren.

Bösartige Veränderung im Gebärmutterhals © MediDesign Frank Geisler
Bösartige Veränderung im Gebärmutterhals © MediDesign Frank Geisler

Anschließend untersucht ein Pathologe die Gewebeprobe in einem Speziallabor. Vom Ergebnis dieser Untersuchungen hängt ab, wie es weitergeht.

  • Diese Vorgehensweise bei Verdacht auf ein Zervixkarzinom unterscheidet sich zunächst nicht wesentlich von der bei Verdacht auf Krebsvorstufen, mehr dazu im Text "Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs: Untersuchung und Behandlung".
  • Erst wenn die Gewebeuntersuchung zeigt, dass es sich tatsächlich um ein "invasives Karzinom" handelt, also Krebs, der bereits in tiefere Schichten des Gebärmutterhalses vorgedrungen ist, folgen weitere Untersuchungen. Üblicherweise wird eine Ultraschalluntersuchung der inneren Geschlechtsorgane und der Nieren durchgeführt. Je nachdem, wie fortgeschritten die Erkrankung ist, folgen bei vielen Frauen ein sogenanntes operatives Staging und/oder weitere bildgebende Verfahren zur Ausbreitungsdiagnostik.

Wie die Reihenfolge der nächsten Schritte aussieht, sollte man als Patientin mit den Ärzten besprechen: Pauschale Auskünfte dazu sind schwierig, weil der Ablauf der Diagnostik heute möglichst individuell an die Situation angepasst wird. Nicht jede Frau benötigt jede Untersuchung. Während es für manche Frauen besser ist, vergleichsweise rasch zu operieren statt vorher umfangreich nach wenig wahrscheinlichen Tumorabsiedlungen zu suchen, kann es für andere besser sein, sich vor der Entscheidung für eine Behandlung zunächst einen vollständigen Überblick zu verschaffen.

Ultraschall: wichtige Untersuchung zur Ausbreitung eines Tumors

Um zu untersuchen, ob sich ein Tumor des Gebärmutterhalses bereits auf umliegende Organe ausgedehnt hat, macht der Arzt eine Ultraschalluntersuchung. Üblich ist der vaginale Ultraschall, er ist zuverlässiger als von außen über die Bauchdecke: Dazu führt der Arzt die Ultraschallsonde in die Scheide ein. So lassen sich die inneren Geschlechtsorgane und die weiteren Organe in Becken und Unterbauch besser sichtbar machen. Der Arzt kann kontrollieren, ob der Tumor neben dem Gebärmutterhals bereits auch das umliegende Gewebe befallen hat.

Außerdem untersucht der Arzt, ob der Tumor bereits in weiter entfernte Organe gestreut hat, zum Beispiel in die Nieren, die Harnwege und Blase oder die Leber. Dazu macht er eine weitere Ultraschalluntersuchung des gesamten Bauchraums, diesmal mit einem Schallkopf, der auf die Bauchhaut aufgesetzt wird.
Bei manchen Patientinnen werden zusätzlich die Lymphknoten im Halsbereich per Ultraschall untersucht, um mögliche Lymphknotenmetastasen aufzuspüren.

Ultraschalluntersuchungen können beliebig oft wiederholt werden, sie sind nach heutigem Wissen risikolos: Man ist keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.

Operatives Staging: Hat sich der Tumor im Bauchraum ausgebreitet?

Erhärtet sich der Anfangsverdacht auf Gebärmutterhalskrebs? Dann ist der nächste Schritt für nicht wenige Patientinnen inzwischen eine Operation. Fachleute sprechen von operativem "Staging". Das heißt: Durch den Blick in den Bauchraum lassen sich die Organe in Becken und Unterbauch genauer untersuchen. Bei dem Eingriff entnimmt ein Arzt zudem die notwendigen Gewebeproben, zum Beispiel auch verdächtige Lymphknoten. Sie werden anschließend im Labor feingeweblich untersucht.
Mit den während des Eingriffs gewonnen Informationen lässt sich der Tumor genauer klassifizieren: Sind bereits Lymphknoten mit Krebszellen befallen? Hat sich der Tumor in den Bauchraum ausgebreitet? Diese Informationen haben wiederum einen Einfluss auf die Behandlungsplanung.

Die am wenigsten belastende Möglichkeit, diesen Eingriff durchzuführen, ist die Bauchspiegelung, auch "Laparoskopie" genannt. Mithilfe eines Endoskops kann der Arzt über kleine Bauchschnitte in die Bauchhöhle sehen. Nicht immer ist eine Bauchspiegelung sinnvoll, je nach Situation wird das operative Staging mit einem größeren Bauchschnitt durchgeführt, auch "Laparotomie" genannt.

Für beide Eingriffe erhält man eine Narkose. Wie sie genau ablaufen, und was es im Vorfeld zu beachten gibt, erfahren Patientinnen von ihrem Arzt; über die Art und den Umfang der Narkose informieren auch die zuständigen Anästhesisten.

Eine Bauchspiegelung lässt sich theoretisch auch bei einem Tagesaufenthalt in der Klinik durchführen. Auch wenn ein Bauchschnitt bei einer offenen OP nötig wird, ist der Eingriff selbst nicht sehr umfangreich, und der allein für das Staging notwendige Krankenhausaufenthalt wäre kurz.

Doch das operative Staging leitet bei vielen Frauen schon zur eigentlichen Behandlung über: Hat man als Patientin nach entsprechender Aufklärung das Einverständnis dazu gegeben, können die Ärzte unter Umständen schon während des Eingriffes entscheiden, wie es weitergeht:
Wenn dies die voraussichtlich beste Behandlung ermöglicht, entnehmen sie den Tumor sofort, in der Regel mit der gesamten Gebärmutter.
Können sie bei der Operation voraussichtlich nicht alles Tumorgewebe entfernen? Dann wird der Eingriff abgebrochen, und die Ärzte prüfen anhand weiterer Untersuchungen, welche Behandlung infrage kommt.

  • Wenn man auf jeden Fall zunächst die Befunde abwarten möchte, sollte man dies bei der Aufklärung über die verschiedenen Möglichkeiten ansprechen.

Warum sofort eine Operation statt zunächst Röntgen, Computertomographie oder andere bildgebende Verfahren? Liefern die Befunde durch operatives Staging im Vergleich zu den Befunden anhand von bildgebenden Verfahren bessere Aussagen über den Tumor? Hat man als Gebärmutterhalskrebspatientin langfristig Vorteile, was die Behandlung und das Überleben betreffen?

  • Diese Fragestellungen werden derzeit in Studien untersucht.

Weitere bildgebende Verfahren: Wann kommen sie infrage?

Besteht der Verdacht, dass Tumorzellen bereits tiefer in die Gebärmutter eingedrungen sind? Gibt es Hinweise darauf, dass der Tumor in benachbarte Organe eingewachsen ist oder Fernmetastasen gebildet hat? Dann kommen verschiedene weitere Untersuchungsverfahren infrage. Welches jeweils geeignet ist, hängt davon ab, wie die beteiligten Ärzte die Situation nach der Gewebeentnahme und den Ultraschalluntersuchungen einschätzen, und auch davon, ob und welche Beschwerden man hat.

Die notwendigen bildgebenden Diagnoseverfahren können Gynäkologen in der Regel nicht selbst durchführen. Sie überweisen daher an spezialisierte radiologische Praxen oder in die Ambulanzen von spezialisierten Krankenhäusern. Frauen, die zu diesem Zeitpunkt bereits stationär im Krankenhaus sind, etwa nach einer Bauchspiegelung zum operativen Staging, können klären, ob die weiteren Untersuchungen ambulant oder stationär möglich sind.

Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie (MRT): Bei dieser Untersuchung ist man als Patientin keiner Strahlenbelastung ausgesetzt. Mit der MRT kann vor allem das Becken genauer untersucht werden.

Computertomographie (CT): Dieses Verfahren arbeitet dagegen mit Röntgenstrahlen. Mit dieser Untersuchung lassen sich ebenfalls die Bauchorgane beurteilen. Mit der CT lässt sich außerdem die Lunge auf mögliche Metastasen untersuchen.

Röntgen: Röntgenuntersuchungen können bei der Suche nach Metastasen im Brustraum eingesetzt werden ("Röntgen-Thorax"). Bei den meisten Frauen wird heute jedoch eher eine Computertomographie durchgeführt. Auch eine Röntgenuntersuchung der Nieren und Harnwege ist möglich, bei der die Ärzte vorher ein Kontrastmittel geben. Dieses sogenannte Pyelogramm benötigen aber nur vergleichsweise wenige Patientinnen.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET): Mit dieser Methode können Ärzte Stoffwechselvorgänge sichtbar machen, die in Tumoren oft anders ablaufen als in gesundem Gewebe. Bei Krebsverdacht ist eine PET jedoch keine Methode, die sofort und bei allen betroffen Frauen eingesetzt wird. Vor allem gilt: Das Verfahren kann andere Untersuchungsverfahren nicht ersetzen.

Aussagekraft bildgebender Untersuchungsverfahren

Welche Aussagen können die Ärzte durch diese Untersuchungen insgesamt treffen? Ultraschallbilder oder die Aufnahmen mit anderen bildgebenden Verfahren sind Grundlage der Behandlungsplanung. Allerdings gilt auch: Die endgültige Beurteilung der Tumorausdehnung ist bei vielen Patientinnen nur bei einer Operation möglich. Steht von vornherein fest, dass eine Operation nicht ausreicht, um das Tumorwachstum zu stoppen, können bildgebende Verfahren jedoch genauere Aussagen über andere Behandlungsmöglichkeiten liefern.

Spiegelung von Blase und Mastdarm: Nur bei Verdacht auf fortgeschrittene Erkrankung

Hat sich der Tumor auf Blase oder Enddarm ausgebreitet, hat dies Konsequenzen für die Behandlungsplanung. Ärzte müssen anders und wesentlich umfangreicher operieren oder die chirurgische Entfernung des Tumorgewebes ist gar nicht möglich. Bei entsprechenden Symptomen kann daher auch eine Spiegelung dieser Organe dazugehören.

Bei der Blasenspiegelung (Zystoskopie) nutzen Ärzte ein spezielles Endoskop, das Zystoskop. Vor der Untersuchung werden auf das Gerät ein betäubendes Gel und ein Gleitmittel aufgetragen: So wird die Harnröhre unempfindlicher gegen die Dehnung beim Einführen des Zystoskops. Das Gerät selbst besteht aus einem biegsamen Schlauch, an dessen Ende eine kleine Kamera sitzt. Damit lässt sich das Innere der Harnblase untersuchen. Die Untersuchung ist insgesamt wenig belastend.

Bei der Enddarmspiegelung (Rektoskopie) wird der etwa 12 bis 15 Zentimeter lange Abschnitt des Enddarms untersucht. Anders als bei der vollständigen Darmspiegelung, der Koloskopie, muss man dazu nicht vorher fasten oder sehr umfänglich abführen. Etwa eine halbe bis eine Stunde vor Beginn der Untersuchung wird der Enddarm mit einem Einlauf gereinigt. Ärzte nutzen für die Spiegelung ein starres Rohr. Gegebenenfalls wird dabei etwas Luft in den Darm eingeblasen, um diesen zu entfalten und mit dem Endoskop besser einsehen zu können. Die Untersuchung selbst ist zwar unangenehm, aber meist trotzdem nicht schmerzhaft. Anders sieht dies aus, wenn tatsächlich Tumorgewebe die Organe angegriffen hat. Bei Bedarf kann man dann ein Medikament erhalten, das für einen leichten Dämmerschlaf sorgt.

Bei beiden Untersuchungen lassen sich auch Gewebeproben aus verdächtig aussehenden Abschnitten der Blasen- oder Darmschleimhaut entnehmen. Diese werden anschließend im Labor untersucht, um festzustellen,  ob der Tumor bereits in Blase oder Enddarm eingewachsen ist.

Tumormarker: Nur geringer Stellenwert in der Diagnostik

Bei Patientinnen mit einem Zervixkarzinom können zwar bestimmte Blutwerte erhöht sein, sogenannte Tumormarker. Sie sind jedoch kein "Krebstest". Zur Diagnosestellung ist die Messung solcher Werte allein nicht geeignet: Nicht jede Patientin weist krebstypische Marker in ihrem Blut auf, dagegen können manche auch bei gesunden Frauen gemessen werden. Ihre Bedeutung zeigt sich meist erst in der Nachsorge, wenn ein erneuter Anstieg der Tumormarker ein erster Hinweis auf einen Krankheitsrückfall sein könnte, ein Rezidiv.

Welche Marker können beim Zervixkarzinom eine Rolle spielen? Bei einem Plattenepithelkarzinom kann das Tumorantigen SCC ("squamous cell carcinoma antigen", Plattenepithelkarzinom-Antigen) vermehrt auftreten. Adenokarzinome produzieren oft CEA ("carcinoembryonic antigen") oder CA 125 ("Cancer-Antigen 125"), neuroendokrine Karzinome das sogenannte NSE ("neuron-specific enolase").

Stadieneinteilung: Wie unterscheiden Fachleute die verschiedenen Krankheitsstadien?

Wichtig für betroffene Frauen: Wie Gebärmutterhalskrebs behandelt wird, hängt vor allem vom Krankheitsstadium ab. Fachleute sprechen von "Tumorklassifizierung", "Stadieneinteilung" oder "Staging". Es gibt mehrere Systeme, die für die Stadieneinteilung international verwendet werden - allen voran die Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2014 und die Klassifikation der Internationalen Vereinigung gegen Krebs von 2010, die "UICC/TNM-Klassifikation". Das TNM-System berücksichtigt

  • T: Wie groß und wie weit ausgedehnt ist der Tumor (T1 bis T4)?
  • N: Sind Lymphknoten in der Nähe des Tumors befallen (N0 bis N3, lateinisch Nodus = Knoten)?
  • M: Gibt es bereits Metastasen, also Tochtergeschwulste in anderen Organen oder Geweben (M0 oder M1)?

Ein Beispiel: T1N0M0 bezeichnet einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Metastasen. Steht anstelle einer Zahl ein "X" hinter den T- oder N-Angaben, bedeutet das: Die Situation ist (noch) nicht beurteilbar.

Eine ganz exakte Beurteilung des TNM-Stadiums ist nur nach operativem Entfernen des Tumors möglich. In der Dokumentation wird die TNM-Einteilung dann durch ein vorangestelltes "p" ergänzt. Das p steht dabei für die postoperative Untersuchung des entnommenen Gewebes durch einen Pathologen.

Für gynäkologische Tumoren haben Frauenärzte zusätzlich die sogenannte FIGO-Klassifikation entwickelt. Sie ist benannt nach der Internationalen Vereinigung für Gynäkologie und Geburtshilfe (International Federation of Gynecology and Obstetrics). Die FIGO-Einteilung für gynäkologische Tumoren stimmt mit der TNM-Klassifikation praktisch überein.

Grundsätzlich unterscheiden Fachleute "mikroinvasive" und "makroinvasive" Karzinome. Mikroinvasiv bedeutet, dass die Tumorausdehnung nur unter dem Mikroskop anhand von entnommenem Gewebe beurteilt werden kann; makroinvasiv bedeutet, Ärzte können den Tumor mit bloßem Auge erkennen. Die einzelnen Stadien des Zervixkarzinoms werden mit römischen Ziffern und Buchstaben beschrieben:

  • 0 ("Stadium Null"): Carcinoma in situ, Krebs im Frühstadium, der Tumor ist noch nicht in das umliegende Gewebe eingewachsen, entspricht der hochgradigen plattenepithelialen Dysplasie (CINIII).
  • I ("Stadium Eins"): Der Tumor ist begrenzt auf den Gebärmutterhals (Cervix uteri).
    IA ("Stadium Eins A"): Nur unter dem Mikroskop ist am entnommenen Gewebe erkennbar, dass der Tumor bereits invasiv wächst und beginnt, in anderes Gewebe einzudringen ("mikroinvasives Karzinom").
    IB ("Stadium Eins B"): Ein invasives Karzinom ist mit bloßem Auge erkennbar, es ist deutlich zu sehen, dass der Tumor in umliegendes Gewebe eingedrungen ist ("makroinvasives Karzinom").
  • II ("Stadium Zwei"): Der Tumor hat sich über die Gebärmutter hinaus ausgedehnt, ist aber nicht bis zur Beckenwand und nicht ins untere Drittel der Scheide, der Vagina, vorgedrungen.
    IIa ("Stadium Zwei A"): Das obere Drittel der Scheide ist befallen; der Halteapparat der Gebärmutter (Parametrien) ist aber noch tumorfrei.
    IIB ("Stadium Zwei B"): Der Halteapparat des Uterus  ist befallen, aber die Beckenwand ist tumorfrei.
  • III ("Stadium Drei"): Der Tumor hat sich bis zur Beckenwand ausgedehnt und/oder das untere Drittel der Scheide befallen und/oder beeinträchtigt die Nierenfunktion.
    IIIA ("Stadium Drei A"): Das untere Drittel der Scheide ist befallen, aber die Beckenwand ist frei.
    IIIB ("Stadium Drei B"): Der Tumor hat sich bis zur Beckenwand ausgedehnt oder verursacht einen Nierenstau.
  • IV ("Stadium Vier"): Der Tumor ist in ein angrenzendes Organ eingedrungen und/oder hat Tochtergeschwulste in entfernter gelegenen Organen gebildet.
    IVA ("Stadium Vier A"): Der Tumor infiltriert die Schleimhaut der Blase oder des Rektums, oder er überschreitet die Grenze des kleinen Beckens und wächst in den Bauchraum.
    IVB ("Stadium Vier B"): Tochtergeschwulste haben sich in entfernter gelegenen Organen gebildet (Fernmetastasen).

Einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten je nach Stadium bieten die Texte "Gebärmutterhalskrebs: Behandlung" und "Gebärmutterhalskrebs: Therapie bei Rückfall und fortgeschrittener Erkrankung".

Diagnose Krebs: Wie geht es danach weiter?

Die Diagnose Krebs ist für viele Menschen zunächst ein Schock. Hinzu kommt: Innerhalb kurzer Zeit müssen viele Dinge entschieden und geplant werden. Woran muss man denken? Was kann man organisieren und vorbereiten? Wo gibt es Unterstützungsmöglichkeiten? Antworten auf viele Fragen, die Patientinnen möglicherweise in den ersten Tagen nach der Diagnose beschäftigen, bietet der Text "Diagnose Krebs - wie geht es weiter? Rat und Hilfe für die ersten Tage".

Welche Unterstützungsmöglichkeiten es für Patientinnen und ihnen nahestehenden Menschen gibt, listen auch die Texte zum Thema "Krankheitsverarbeitung" auf.

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