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Dickdarmkrebsgewebe, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Dick- und Enddarmkrebs – eine Einführung: Anatomie, Entstehung, Häufigkeit

Wie ist der menschliche Darm aufgebaut und welche Funktionen übernimmt er? Wie entsteht Darmkrebs? Wie viele Menschen sind in Deutschland betroffen? Der folgende Text erläutert Grundlagen zu den sogenannten kolorektalen Karzinomen. Kolorektal ist eine Zusammensetzung aus zwei Wörtern und fasst eigentlich mehr als eine Krebsart zusammen: Fachsprachlich bezeichnet man einen Tumor im Dickdarm als Kolonkarzinom. Bei Tumoren im Enddarm dagegen spricht man auch von einem Rektumkarzinom.
In diesem Text nicht thematisiert sind andere Tumoren des Darms: Patienten mit gastrointestinalen Stromatumoren in Dünndarm und Dickdarm finden Informationen für ihre Situation unter dem Stichwort "GIST-Tumoren". Patienten mit Lymphomen im Verdauungstrakt finden Informationen unter dem Stichwort "MALT-Lymphome". Für Betroffene mit anderen, seltenen Formen von Darmkrebs oder mit Analtumoren steht der Krebsinformationsdienst am Telefon und per E-Mail zur Verfügung.

Letzte Aktualisierung: 27.04.2016

Quellen und Links

Zur Erarbeitung des Textes hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Lehrbücher genutzt. Eine Zusammenstellung weiterer Quellen, Links und Literaturtipps findet sich am Ende des Textes. Auch der Text "Mehr wissen zum Thema Darmkrebs" bietet Hinweise auf allgemeine Fachliteratur sowie Linktipps zum Weiterlesen.

Anatomie: Aufbau und Funktion des Darms

Im menschlichen Verdauungstrakt übernimmt der Magen die Vorverdauung. Er vermischt die durch Kauen zerkleinerte Nahrung mit Magensaft und gibt den Speisebrei in kleinen Portionen an den Dünndarm weiter. Leber und Bauchspeicheldrüse liefern für die Verdauung notwendige Enzyme, Stoffwechselhormone und Signalsubstanzen.
Im Dünndarm (Intestinum) findet die eigentliche Verdauung statt: Von dort aus treten auch die meisten Nährstoffe in den Körper über.
Über den Blinddarm (Caecum) schließen sich Dickdarm (Kolon) und Enddarm (Rektum) an. Als Dickdarm im engeren Sinn bezeichnet man tatsächlich nur das Kolon, manchmal werden allerdings auch Kolon und Rektum zum Dickdarm zusammengefasst. Insgesamt ist dieser Darmabschnitt bei erwachsenen Menschen etwa eineinhalb Meter lang. Er transportiert den verdauten Nahrungsbrei in Richtung After und entzieht ihm Wasser und Salze.

Verdauungssystem, Grafik © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Vergrößerte Ansicht
Der Dickdarm umschließt den vielfach gewundenen Dünndarm © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Der Dickdarm verläuft in der Form eines umgekehrten "U" durch den Bauchraum und ist in mehrere Abschnitte unterteilt:

  • einen aufsteigenden Teil, den Colon ascendens,
  • einen Querteil, den Colon transversum,
  • und einen absteigenden Teil, den Colon descendens.

In einer S-förmigen Schleife - dem sogenannten Sigma oder Colon sigmoideum - geht der Dickdarm in den Enddarm über. Dieser speichert die unverdaulichen Reste der Nahrung bis zur nächsten Stuhlentleerung. Am Darmausgang (Anus) sitzt der Afterschließmuskel. Den Darmausgang selbst rechnen Fachleute nicht mehr zum Enddarm.

In welchem Abschnitt des Dick- oder Enddarms ein Karzinom auftritt, bestimmt neben weiteren Faktoren die Behandlung: Entsteht zum Beispiel ein Rektumkarzinom in großer Nähe zum Darmausgang, sinkt die Wahrscheinlichkeit, bei einer Operation den Schließmuskel erhalten zu können. Daher spielt die genaue Beschreibung des betroffenen Darmabschnitts für die Darmkrebsdiagnose und für die Behandlungsplanung eine wichtige Rolle.

Die Darmmuskeln ziehen sich zum Stuhltransport wellenförmig zusammen

Alle Dickdarmabschnitte bestehen aus kräftigen Gewebeschichten und weisen viele elastische Ausbuchtungen auf. Bindegewebe sorgt für Festigkeit und Dehnbarkeit. Der Darm kann sich so an unterschiedliche Füllungsgrade anpassen. Für den Stuhltransport sind Muskelfasern verantwortlich. Sie bewirken das wellenförmige Zusammenziehen aufeinanderfolgender Darmabschnitte, die sogenannte Peristaltik.
Die innerste Schicht der Darmwand ist eine Schleimhaut mit schleimproduzierenden Drüsenzellen. Dieser Schleim macht den Stuhl gleitfähiger. Blutgefäße versorgen den Darm mit Sauerstoff und transportieren aus dem verdauten Nahrungsbrei gewonnene Salze und Wasser ab. Nervenbahnen steuern durch ihre Signale die Darmaktivität.

Im Dickdarm leben eine Vielzahl unterschiedlicher Bakterien, Einzeller und Viren – die sogenannte Darmflora. Sie helfen unter anderem, Stoffe abzubauen, die sonst für den Körper unverdaulich sind. Sie bilden aber auch eine Art Barriere gegen Krankheitserreger aus der Nahrung.
Zusätzlich sorgen die zahlreich im Darm vorhandenen Immunzellen dafür, dass solche Keime nicht in den Körper gelangen. In unmittelbarer Nähe zu Dünn- wie auch Dickdarm finden sich zudem viele Lymphknoten und Lymphbahnen. Sie wirken wie Filter und transportieren Flüssigkeiten sowie ausgeschwemmte Stoffe ab.

Tumorentstehung: Wie normale Darmzellen zu Krebszellen werden

Krebszellen entwickeln sich aus normalen Körperzellen. Doch was macht sie so bösartig? Normalerweise werden Wachstum und Vermehrung von Zellen im Körper streng reguliert und fein abgestimmt. Krebszellen haben es geschafft, sich dieser Wachstumskontrolle zu entziehen. Sie vermehren sich ungebremst, wachsen in umliegendes Gewebe ein und zerstören es.

Grund dafür sind Veränderungen am Erbmaterial einer Zelle: Sogenannte Mutationen betreffen das genetische Material selbst, also die abzulesende Information zur Herstellung von Eiweißen. Möglich sind aber auch Fehler bei der Steuerung: Ob Erbinformationen überhaupt abgelesen werden oder nicht, bestimmen verschiedene Markierungen am Erbmaterial und an dessen Verpackungseiweißen – auch hier können Fehler zu unkontrolliertem Zellwachstum führen. Mehrere solcher Veränderungen sind notwendig, um eine Zelle zur Krebszelle werden zu lassen.

Die Ursachen sind vielfältig, oft wirken auch mehrere Faktoren zusammen. Das können zum Beispiel ererbte genetische Veränderungen sein. Auch äußere Einflüsse - von Infektionen über Chemikalien bis hin zu Auswirkungen des persönlichen Lebensstils - können zu Schäden im Erbmaterial führen. Mutationen entstehen aber im Laufe des Lebens auch zufällig. Zusätzlich nimmt mit zunehmendem Alter die Fähigkeit des menschlichen Organismus ab, aufgetretene Fehler zu korrigieren. Deshalb sind Krebserkrankungen bei älteren Menschen wesentlich häufiger als in jungen Jahren.

Wie groß ist der Einfluss dieser Faktoren bei Dickdarmkrebs? Bei den meisten Patienten gelingt es im Nachhinein nicht, eine konkrete Ursache zu finden. Nur bei sehr wenigen Betroffenen - vermutlich bei etwa fünf von hundert - finden sich typische und vererbbare genetische Veränderungen nicht nur in Darmzellen, sondern in allen Zellen des Körpers. Ob es noch weitere genetische Faktoren gibt, die das Risiko steigern, wird derzeit untersucht.

Bei allen anderen Patienten entstehen die genetischen "Fehler" erst im Laufe des Lebens und nur im betroffenen Darmgewebe selbst. Eine Übersicht  über die heute bekannten Faktoren, die die Entstehung von Darmkrebs begünstigen, finden Interessierte im Text "Dickdarmkrebs: Ursachen, Risikofaktoren, Vorbeugung".

Darmkrebs entsteht in der Schleimhaut im Darminneren

Den Begriff Darmkrebs benutzt man vor allem für Tumoren, die im Dickdarm oder Enddarm liegen. Krebs kann aber auch in allen anderen Darmabschnitten entstehen. Mehr als 95 von 100 aller Darmtumoren liegen allerdings im Dick- oder Enddarm. Bösartige Geschwulste im Dünndarm sind dagegen selten.

Dick- und Enddarmkarzinome gehören zu den sogenannten soliden Tumoren: Diese Krebsarten gehen von Zellen eines einzelnen Organs aus. Ihnen gegenüber stehen Leukämien und Lymphome: Sie betreffen von Anfang an den gesamten Körper, da sich die betroffenen Zellen über das Blut oder die Lymphbahnen verteilen. Aber auch Zellen solider Tumoren können unter Umständen im Körper wandern: Erlangen die Krebszellen die Eigenschaft, sich aus ihrem Verband zu lösen und an anderen Stellen im Körper anzuwachsen, dann bilden sich sogenannte Fernmetastasen.

Darmtumoren gehen bei den meisten Patienten von den Drüsenzellen der Schleimhaut aus, die das Darminnere auskleidet. Diese Krebsarten werden auch als Adenokarzinome bezeichnet. Seltener entstehen Tumoren im Darm, die nicht zu Darmkrebs im eigentlichen Sinn zählen. Sie gehen von anderen Geweben im Darm aus:

  • Gastrointestinale Stroma-Tumoren (GIST) werden den Weichteilsarkomen zugeordnet. Sie entstehen nicht aus der Darmschleimhaut, sondern aus Vorläuferzellen des Binde- und Stützgewebes. Sie können im gesamten Magen-Darm-Trakt vorkommen; am häufigsten werden sie im Magen und Dünndarm diagnostiziert, seltener auch im Dickdarm. Weitere Informationen bietet der Text "Gastrointestinale Stromatumoren".
  • Das MALT-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des Lymphgewebes, die unter Umständen auch in der Darmwand entstehen kann. Es zählt zu den Non-Hodgkin-Lymphomen und wird wie diese behandelt. Informationen hierzu hat der Krebsinformationsdienst unter dem Thema "Maligne Lymphome" zusammengestellt.
  • Neuroendokrine Tumoren des Magen-Darm-Trakts (GEP-NET) entwickeln sich aus hormonproduzierenden Zellen des Verdauungssystems. Der Krebsinformationsdienst hat eine Liste mit Broschüren zum Thema neuroendokrine Tumoren im Verdauungstrakt zusammengestellt.

Nicht zu den Darmtumoren zählen die Analkarzinome am äußeren Darmausgang. Sie gehören zu den Krebsarten, an deren Entstehung humane Papillomviren beteiligt sind, mehr dazu im Text "HPV als Krebsrisiko".

Darmkrebsentstehung: Ein langwieriger Prozess

Ein Darmtumor entsteht in der Regel nicht von heute auf morgen: Oft dauert es viele Jahre oder Jahrzehnte, bis sich Krebs entwickelt. Häufig geht eine bösartige Veränderung zunächst von einer einzelnen Zelle aus. Mehrere Fehler im genetischen Material verändern im Laufe der Zeit ihr Wachstumsverhalten. Sind die Veränderungen zu schwerwiegend, dann stirbt die Zelle ab oder wird vom körpereigenen Immunsystem als schädlich erkannt und vernichtet.
Erst wenn sie diesen Kontrollmechanismen entgeht, kann sie sich trotz ihrer genetischen Veränderungen weiter teilen. So gibt sie ihre neuen Eigenschaften an Tochterzellen weiter, die sich weiter vervielfältigen und schließlich eine bösartige Geschwulst mit eigener Blutversorgung bilden.

Aus Untersuchungen weiß man, dass Darmkrebs meist aus zunächst gutartigen Vorstufen hervorgeht. Diese sind bei einer Darmspiegelung als kleine Wucherungen der Darmschleimhaut sichtbar, als sogenannte Polypen. Unter dem Mikroskop zeigt sich, dass die meisten dieser gutartigen Geschwulste sogenannte Adenome sind, andere Formen von Darmpolypen kommen seltener vor. Einige dieser Polypen würden vermutlich harmlos bleiben. Nur ein Teil scheint sich - so der bisherige Wissensstand - über einen längeren Zeitraum und in mehreren Schritten zum Karzinom zu entwickeln. Heute kennt man zudem mehrere aufeinanderfolgende, charakteristische Genveränderungen, die hinter dieser schrittweisen Entwicklung stehen.

Die zuverlässigste Früherkennungsmethode, mit der man bereits die gutartigen Vorstufen erkennen und entfernen kann, ist zurzeit die Darmspiegelung. Sie steht in Deutschland allen Versicherten ab dem Alter von 55 Jahren zur Verfügung. Gesetzlich Krankenversicherte zwischen 50 und 55 können einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl durchführen lassen, mehr dazu im Kapitel "Früherkennung von Darmkrebs".

Häufigkeit: Zahlen und Statistiken zu Darmkrebs

In Deutschland erkrankten 2012 rund 28.490 Frauen und 33.740 Männer erstmals an Dickdarmkrebs. Im Jahr 2016 werden laut Schätzung der deutschen epidemiologischen Krebsregister und des Zentrums für Krebsregisterdaten im Robert-Koch-Institut 33.400 Männer und 27.600 Frauen an einem kolorektalen Karzinom erkranken.
Damit ist Darmkrebs derzeit bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Tumorerkrankung hierzulande. Deutschland liegt bei den Neuerkrankungsraten im internationalen Vergleich mit an der Spitze. Fachleute machen dafür unter anderem die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten verantwortlich, mehr dazu im Kapitel "Risikofaktoren für Darmkrebs".

Bis 2008 war die Zahl der Neuerkrankungen kontinuierlich gestiegen. Seither geht sie sowohl bei Männern als auch bei Frauen leicht zurück. Fachleute vermuten, dass diese Entwicklung auf die verbesserte Darmkrebsfrüherkennung zurückzuführen ist. Weitere Studien zur Klärung sind notwendig. Erste Hinweise darauf gibt es aber bereits: Im europäischen Vergleich ist die Sterberate am stärksten in den Ländern gesunken, in denen Krebsfrüherkennungsangebote bestehen, inbesondere die Möglichkeit der Koloskopie.
Zugleich sinkt auch die sogenannte altersstandardisierten Sterberate. Diese Zahl gibt an, wie viele Menschen an ihrer Erkrankung sterben, rechnet dabei aber die allgemeine Sterberate für die jeweilige Altersgruppe mit ein. Dieser Vergleich zeigt: Immer mehr Menschen können langfristig mit einer Erkrankung an Dick- und Enddarmkrebs leben.

Darmkrebs ist bei älteren Menschen deutlich häufiger als bei jüngeren: Männer und Frauen, die jünger als 40 sind, haben nur ein sehr geringes Risiko, in den nächsten zehn Jahren zu erkranken.
Anders sehen die Angaben für Patienten aus, bei denen die Erkrankung auf seltene Genveränderungen zurückgeführt wird, die auch vererbt werden können: Betroffene mit der sogenannten familiären adenomatösen Polyposis (FAP) oder der hereditären nicht polypösen Form von Darmkrebs (HNPCC) erkranken häufig bereits sehr jung, mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Darmkrebsrisiko".

Die Angaben zu Krebsneuerkrankungen sind der aktuellen Auflage der Broschüre "Krebs in Deutschland 2011/2012" entnommen. Weitere Informationen zu Krebsstatistiken hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt.

Zum Weiterlesen: Informationen, Links und Quellen (Auswahl, Stand 4/2016)