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Granatapfel bei Krebs – Was ist dran?

Nicht genug Daten bei Prostatakrebs

Dem Granatapfel werden viele Heilwirkungen zugeschrieben. Auch gegen Krebs soll er helfen, vor allem gegen Prostatakrebs. Sollten Krebskranke also regelmäßig Granatapfelsaft trinken? Mit den bisherigen Studien lässt sich diese Frage nicht beantworten.

Granatapfel, in der Mitte aufgeschnitten, mit saftig-roten Kernen.
Helfen der Granatapfel oder seine Produkte gegen Krebs? Noch fehlen aussagekräftige Studien. © Roman Odintsov, Pexels

In vielen Religionen gilt der Granatapfel als Symbol für Fruchtbarkeit, Liebe und Leben. Erwähnung findet die Frucht etwa im Christentum, im Judentum, im Buddhismus oder im Koran. Eine Heilwirkung wird dem Granatapfel bereits seit der Antike zugeschrieben. Er ist Bestandteil der Volksmedizin verschiedener Kulturen.

Extrakte aus Granatapfel, Granatapfelsaft oder andere Bestandteile der Frucht sollen beispielsweise bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes oder einem hohen Cholesterinspiegel helfen. Wissenschaftlich ist bisher nichts davon eindeutig bewiesen. Auch gegen Krebs soll Granatapfel wirken.

Granatapfel – antioxidativ und entzündungshemmend

Wie schält man einen Granatapfel?

Es gibt mehrere Wege, einen Granatapfel einfach und ohne viele Spritzer zu öffnen und zu entkernen. Wir stellen zwei Möglichkeiten vor:

1. Unter Wasser: Oben am Strunk einen kleinen Teil des Granatapfels kreisrund abschneiden (wie einen Deckel). Innen sieht man die roten Kerne und das helle Fruchtfleisch (= Trennwände). Nun die Schale von außen entlang der Trennwände einschneiden und die Frucht zerteilen. Die Kerne lassen sich mit den Finger in einer Schale mit Wasser als zusätzlichem Spritzschutz lösen.

2. Mit dem Löffel: Den Granatapfel in der Mitte durchschneiden (quer). Die Hälften mit der Schnittfläche nach unten über eine große Schüssel halten und mit einem Löffel kräftig auf die Schale klopfen, bis sich alle Kerne gelöst haben.

Auch eine Kombination der beiden Methoden ist möglich: Wenn man die Frucht wie unter 1. geteilt hat, lassen sich die Kerne auch durch Klopfen mit dem Löffel herauslösen.

Im Herbst und Winter hat der Granatapfel Saison. Von Oktober bis Januar werden die Früchte des Granatapfelbaums (Punica granatum) geerntet. Die rote Südfrucht hat eine holzige Schale und im Inneren viele Kerne, die den süß-säuerlichen Saft enthalten. Kerne und Saft des Granatapfels zählen zu den Lebensmitteln. Das helle Fruchtfleisch und die harte Schale sind nicht zum Verzehr geeignet.

Reich an Polyphenolen: Verschiedene Bestandteile des Baums und der Frucht werden zu medizinischen Zwecken eingesetzt, zum Beispiel

  • die Rinde,
  • die Blüten,
  • die Schale,
  • die Kerne und
  • der Saft oder
  • aus den Kernen gewonnenes Öl.

Nahrungsergänzungsmittel aus Granatapfel enthalten den konzentrierten oder fermentierten und gefriergetrockneten Saft der Kerne. Einige Inhaltsstoffe des Granatapfels haben antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. In den Kernen und dem Saft sind unter anderem verschiedene Polyphenole zu finden, hauptsächlich Anthocyanidine und Tannine.

Gesundheitsfördernde Wirkung unklar: Ob der Granatapfel gesundheitsfördernd ist, also ob Bestandteile des Granatapfels etwa das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern oder einen erhöhten Blutdruck senken können, lässt sich derzeit nicht beantworten. Die bisherigen Studien sind nicht aussagekräftig genug. Und auch hinsichtlich einer möglichen Wirkung gegen Krebs reicht die Datenlage derzeit nicht aus.

Granatapfel – Wirkung gegen Krebs?

Vorklinische Studien: In Laborstudien hemmen Granatapfelextrakte das Wachstum von Krebszellen in Zellkulturen und im Tiermodell. In verschiedenen Experimenten haben Forschende beispielsweise eine Hemmung von Zellproliferation, Tumorwachstum oder Metastasierung beobachtet. Außerdem gibt es aus vorklinischen Studien Hinweise darauf, dass Granatapfel den Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA) senken könnte.

Die Ergebnisse einer kürzlich publizierten experimentellen Studie deuten darauf hin, dass Urolithin A, ein Stoffwechselprodukt des Granatapfels, eine Anti-Tumor-Wirkung bei Darmkrebs haben könnte1. Im Mausmodell und in Zellkultur waren verschiedene Prozesse zu beobachten, die darauf schließen lassen, dass

  • Urolithin A die Immunabwehr stärkt und
  • dadurch das Tumorwachstum bremst.

Ob Urolithin A unterstützend bei der Therapie mit Immun-Checkpoint-Hemmern oder im Rahmen eines adoptiven T-Zell-Transfers eingesetzt werden könnte, muss erst noch in klinischen Studien untersucht werden.

Klinische Studien: In klinischen Studien zum Granatapfel wurden bislang vor allem Patienten mit Prostatakrebs untersucht. Dabei haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler meist flüssigen oder pulverisierten Granatapfelextrakt eingesetzt. Es gibt jedoch nur wenige Studien und die meisten sind von geringer Qualität. Außerdem kommen die Studien nicht zu einheitlichen Ergebnissen.

Einfluss auf den PSA-Wert: Ob Granatapfelprodukte den Anstieg des PSA-Werts bei Männern mit Prostatakrebs verlangsamen können, ist noch nicht abschließend geklärt.

  • Zunächst wurde in einer klinischen Studie aus dem Jahr 2006 eine verringerte PSA-Verdopplungszeit unter Granatapfel beobachtet. In dieser Studie gab es allerdings keine Kontrollgruppe.
  • Nachfolgende randomisiert-kontrollierte Studien konnten diesen Effekt für reine Granatapfelprodukte nicht bestätigen: In mehreren Studien wurden keine Unterschiede in den PSA-Werten zwischen Granatapfel- und Placebogruppe festgestellt.

Andere Biomarker: Bei Prostatakrebs können weitere Biomarker relevant sein. In einzelnen Studien haben Fachleute über veränderte Biomarker-Werte unter Granatapfel berichtet. Diese Ergebnisse ließen sich aber noch nicht in nachfolgenden Studien bestätigen.

So hatte in einer Studie aus dem Jahr 2021 mit 30 Prostatakrebspatienten die Einnahme von Granatapfelextrakt keinen Einfluss auf die Plasmaspiegel von IGF-1 und Testosteron und auch nicht auf den PSA-Wert2. Es wurde jedoch eine verringerte Expression von 8-Hydroxydesoxyguanosin (ein Marker für DNA-Schädigung) und des Androgenrezeptors beobachtet.

Granatapfel – Verträglichkeit und Wechselwirkungen

In Maßen gut verträglich: Die Kerne des Granatapfels zu essen oder seinen Saft zu trinken, gilt generell als unbedenklich. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung ist der regelmäßige Verzehr von Granatäpfeln sicher und gut verträglich. In klinischen Studien wurden bisher keine ernstzunehmenden Risiken berichtet. Zu bedenken ist dabei, dass die Datenlage insgesamt gering und uneinheitlich ist.

  • In einer Studie kam es bei Männern mit Prostatakarzinom häufiger zu Durchfall, nachdem sie größere Mengen eines Granatapfelextrakts eingenommen hatten.
  • In einer anderen Studie mit Prostatakarzinompatienten traten nur wenige unerwünschte Wirkungen auf, darunter Übelkeit, Verstopfung und verminderter Appetit. Diese waren nicht schwerwiegend.

Vorsicht bei großen Mengen und Supplementen: Ob der Granatapfel und seine Produkte auch unbedenklich sind, wenn sie in größeren Mengen verzehrt werden, ist noch nicht geklärt. Das betrifft auch den Konsum in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Konzentrierte oder isolierte Inhaltsstoffe können eine andere Wirkung entfalten als dies beim Essen der Frucht der Fall ist.

Einige Fachleute raten Personen mit Diabetes zur Vorsicht beim Konsum von Granatapfel, da die Frucht viel Zucker enthält. Außerdem sind allergische Reaktionen möglich, vor allem bei Personen, die bereits Allergien gegen andere Pflanzen haben.

Wechselwirkungen: Es gibt Hinweise auf Wechselwirkungen von Granatapfelsaft mit Warfarin, Metformin und Substraten einiger Cytochrom-P450-Enzyme. Die Hinweise stammen jedoch zum Teil aus Tierstudien oder Fallberichten und müssen noch in größeren Studien am Menschen untersucht werden. Ein eindeutiger Zusammenhang ist also derzeit nicht belegt.

Schadstoffbelastung: Granatäpfel können mit Schadstoffen belastet sein. Anfang 2022 hat das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart bei 83 von 84 Granatäpfeln Rückstände verschiedener Pestizide gefunden. Als gesundheitlich bedenklich gilt dies aber nicht, da die Rückstände unterhalb der jeweils toxikologisch festgelegten Referenzwerte lagen.

Fazit

Zu Granatapfel liegen nicht genügend Daten aus klinischen Studien mit Krebserkrankten vor, um sichere Aussagen treffen zu können. Produkte aus Granatapfel haben in einigen Studien den Anstieg des PSA-Werts bei Prostatakrebspatienten verlangsamt. Dies konnte in anderen Studien nicht bestätigt werden. Unklar ist außerdem, was das für die Patienten und ihre Prognose bedeutet.

In der derzeit gültigen S3-Leitlinie "Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen" wird für Männer mit Prostatakrebs daher weder eine Empfehlung für noch gegen eine Einnahme von Granatapfelsaft-Extrakt ausgesprochen.

Generell gilt der Verzehr von Granatapfel oder seinem Saft im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung als sicher und gut verträglich. Neben Nüssen, Lebkuchen, Mandarinen & Co. kann auch der Granatapfel einen Platz auf dem Weihnachtsteller bekommen.



krebsinformationsdienst.med: Service für Fachkreise



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Fachkreise-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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