Für Alle

Sie sind Krebspatientin oder Krebspatient, Angehöriger, Freund oder Interessierter und haben Fragen zu Krebs?

0800 – 420 30 40

Telefonisch täglich von 8 bis 20 Uhr, Anruf kostenlos

krebsinformationsdienst@dkfz.de

Per E-Mail (datensicheres Kontaktformular)

Für Fachkreise

Sie sind an der Versorgung von Krebspatienten beteiligt und benötigen unabhängig und neutral recherchierte Fakten zu Krebs?

0800 – 430 40 50

Telefonisch Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, Anruf kostenlos

kid.med@dkfz.de

Per E-Mail (datensicheres Kontaktformular)

Nachricht

SARS-CoV-2 bei Krebs – wenn die Impfung nicht wirkt

Corona-Schutzmaßnahmen und Therapien rechtzeitig planen

Umfassende Lockerungen trotz hoher Infektionszahlen – das verunsichert gerade Krebsbetroffene mit ausbleibender Impfantwort. Wie gute Planung hier helfen kann, fasst krebsinformationsdienst.med zusammen.

Ein Arzt in weissem Kittel sitzt am Schreibtisch mit Laptop und Stetoskop. Er spicht zu einer vor ihm sitzenden Patientin mit Kopftuch.
Ärzte sollten frühzeitig mit Krebsbetroffenen über Infektionsschutz und Therapiemöglichkeiten sprechen. © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Für viele Krebspatientinnen und Krebspatienten bieten die derzeit zugelassenen Corona-Impfungen einen guten Schutz vor einer schweren COVID-19-Erkrankung. Bei einer ausgeprägten Immunschwäche kann der Impfschutz aber ausbleiben. Eine individuelle Risikoeinschätzung durch das betreuende Ärzteteam und eine frühzeitige und strukturierte Therapieplanung sind in dieser Situation hilfreich.

Corona und Krebs: der aktuelle Wissensstand

Eine aktuelle Fachpublikation1 fasst das derzeitige Wissen über SARS-CoV-2 bei Krebsbetroffenen übersichtlich zusammen. Die Autoren haben dafür Studiendaten aus den letzten beiden Jahren ausgewertet. Wesentliche Aussagen sind:

Impfungen sind sicher und effektiv: Grund- und Auffrischimpfungen mit den zugelassenen Corona-Impfstoffen sind bei Krebspatientinnen und Krebspatienten sicher und können eine schwere COVID-19-Erkrankung in vielen Fällen effektiv verhindern.

Immunschutz hängt von vielen Faktoren ab: Nicht nur Tumorart und Tumorstadium, sondern auch Medikation, Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen beeinflussen die Immunantwort nach einer Impfung. Der Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörpern im Blutserum (Serokonversion) kann Hinweise geben, ob eine Impfantwort erfolgt ist. Einen einzelnen, einfach messbaren immunologischen Marker, der einen sicheren Schutz vor schwerer COVID-19-Erkrankung nach der Impfung anzeigt, gibt es aber bislang nicht.

Orientierung bei der Risiko-Einschätzung: Die Fachpublikation bietet Ihnen Infoboxen zu Krebs(therapie)-spezifischen Risikofaktoren für eine reduzierte Immunantwort nach Grundimmunisierung und Booster. Zwei praxisrelevante Beispiele, wie die Impfreaktion eingeschätzt werden kann:

  • Brustkrebspatientinnen unter einer adjuvanten Hormontherapie: Bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, nach 3-fach-Impfung eine Immunantwort zu entwickeln, die sich nicht wesentlich von der Immungesunder unterscheidet.
  • Patientinnen und Patienten mit einer Blutkrebserkrankung unter laufender CD20-Antikörpertherapie: Hier muss bei mehr als der Hälfte der Betroffenen mit einer deutlich verminderten beziehungsweise ausbleibenden Serokonversion gerechnet werden.

Keine Impfantwort trotz Booster – was tun?

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) hat diese Fragestellung in ihrer Onkopedia-Leitlinie zur Coronavirus-Infektion bei Krebs2 und auch in einem aktuellen Positionspapier3 adressiert. Unter dem Motto "COVID-19 bei Krebspatient*innen: schützen – testen – frühzeitig behandeln" geben die Expertinnen und Experten hier einen Überblick über die konkreten Schutz- und Therapiemöglichkeiten.

Diese Optionen stehen grundsätzlich zur Verfügung:

  • konsequente Einhaltung aller bekannten Hygienemaßnahmen
  • weitere Auffrischimpfungen mit zugelassenen Corona-Impfstoffen
  • regelmäßige Testung
  • Präexpositionsprophylaxe: vorbeugende Gabe von spezifischen monoklonalen Antikörpern
  • Postexpositionsprophylaxe: Gabe von spezifischen Antikörpern nach Kontakt mit einem Coronainfizierten
  • Therapie bei SARS-CoV-2-Infektion: frühzeitige Therapie mit Antikörpern oder Virostatika

Neue Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 speziell für Krebsbetroffene werden auch in Deutschland in Studien4 erforscht, sind darüber hinaus bislang aber noch nicht verfügbar.

Frühzeitige Planung entscheidend

Das behandelnde Ärzteteam sollte gemeinsam mit ihren Patientinnen und Patienten überlegen, welche Schritte in der individuellen Erkrankungssituation vorbeugend beziehungsweise im Fall einer SARS-CoV-2-Infektion infrage kommen. Dazu gehören

  • die Einschätzung, wie hoch das persönliche Risiko für eine Infektion und einen schweren Krankheitsverlauf ist,
  • die Beratung über Hygienemaßnahmen sowie mögliche weitere Auffrischimpfungen,
  • Überlegungen zu geeigneten Teststrategien,
  • die Entscheidung, ob und wo gegebenenfalls eine vorbeugende Behandlung mit einem wirksamen Antikörper-Präparat erfolgen kann und
  • welche Schritte bei einem positiven Coronatest erfolgen sollen: Wer wird wann kontaktiert, welche Therapie soll erfolgen und wo wird diese verabreicht?

Kommt es bei einem Krebsbetroffenen zu einer SARS-CoV-2-Infektion, kann dann rasch entschieden und gezielt gehandelt werden.

Aktuelle Praxisinformationen rund um die Therapie

Welche Antikörper-Präparate und Virostatika gegen SARS-CoV-2 zugelassen und verfügbar sind, ändert sich fortlaufend. Ähnliches gilt für die Bestimmungen zur Bestellung der Medikamente über spezielle Formulare und/oder in ausgesuchten Apotheken. Dazu kommt: Einzelne Antikörper-Präparate wirken möglicherweise bei einer neuen SARS-CoV-2-Variante nicht in gleicher Weise wie bei einer zuvor bekannte Coronavariante.

Immer am Ball bleiben: Verschiedene Institutionen, Experten sowie Fachgruppen bieten Informationen und Beratung zur praktischen Umsetzung der SARS-CoV-2-Medikation für Haus- und Fachärzte an:

Onkologische Zentren: Ansprechpartner für die Behandlung von Krebsbetroffenen mit monoklonalen Antikörpern oder antiviralen Medikamenten können darüber hinaus auch Expertinnen und Experten in größeren onkologischen Zentren sein. Zur Therapie mit monoklonalen Antikörpern in Krankenhäusern wird auf den Seiten des RKI ein Postleitzahlen-Tool zur Suche nach Ansprechpartnern angeboten. Achtung: Die Angaben beruht auf freiwilligen Meldungen der beteiligten Krankenhäuser und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.



krebsinformationsdienst.med: Service für Fachkreise



Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Fachkreise-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

powered by webEdition CMS