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Olaparib: neue Indikation Prostatakrebs

Zulassung für das metastasierte kastrationsresistente Prostatakarzinom

Im November 2020 wurde Olaparib bei Prostatakrebs zugelassen. Voraussetzung ist eine nachgewiesene BRCA1- oder BRCA2-Mutation. Mit dem PARP-Hemmer steht Betroffenen jetzt die erste zielgerichtete Therapie zur Verfügung.

EU-Zulassungserweiterung © Krebsinformationsdienst, DKFZ
© Krebsinformationsdienst, DKFZ

Nach Brust-, Eierstock- und Bauchspeicheldrüsenkrebs ist Prostatakrebs die vierte Tumorart, bei der die Europäische Arzneimittelbehörde EMA Olaparib (Handelsname: Lynparza®) zugelassen hat.

Ärztinnen und Ärzte können das Medikament als orale Monotherapie bei Männern mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom einsetzen. Die Erkrankung muss fortschreiten und Betroffene müssen zuvor eine der neuen Antihormontherapien Abirateron oder Enzalutamid erhalten haben.

Zulassungsstudie

PARP-Hemmer

Allgemeines zur Wirkweise der PARP-Inhibitoren finden Sie in einer früheren News, anlässlich der Zulassung von Olaparib bei Brustkrebs 2019.

Die Zulassungserweiterung basiert auf den Ergebnissen der PROfound-Studie1. Insgesamt haben 387 Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs teilgenommen, deren Erkrankung unter der Vortherapie fortgeschritten war. Alle Männer wiesen Veränderungen in mindestens einem der 15 getesteten Gene auf, die bei der DNA-Reparatur eine Rolle spielen.

In dieser randomisierten Phase-III-Studie wurde der PARP-Inhibitor Olaparib mit einer der neuen antihormonellen Therapien Abirateron beziehungsweise Enzalutamid (Kontrollgruppe) verglichen.

Ergebnisse:

Die Studienergebnisse zeigten einen statistisch signifikanten Vorteil für Olaparib, vor allem bei Betroffenen mit BRCA1- oder BRCA2-Mutation. Prostatakrebspatienten mit selteneren Genveränderungen wie ATM, CHEK2 oder PALB2 zeigten in dieser Studie kaum oder keinen Nutzen durch Olaparib. Die folgenden Daten beziehen sich auf die BRCA-positive Kohorte:

  • Die Patienten, die Olaparib erhielten, hatten im Median ein signifikant verlängertes progressionsfreies Überleben: 7,4 Monate in der Olaparib-Gruppe verglichen mit 3,6 Monaten in der Kontrollgruppe.
  • Die Ansprechrate lag unter Olaparib bei 33 % versus 2 % in der Kontrollgruppe.
  • Das mediane Gesamtüberleben war in der Olaparib-Gruppe signifikant länger als in der Kontrollgruppe: 19,1 gegenüber 14,7 Monaten.
  • Unerwünschte Ereignisse in der Olaparib-Gruppe entsprachen den bekannten Nebenwirkungen. Am häufigsten wurden Anämie und Übelkeit beobachtet.

Mutationsnachweis

Olaparib war bislang nur für BRCA1/2-mutierte Patientinnen und Patienten mit Mamma-, Ovarial- oder Pankreaskarzinom zugelassen. Prinzipiell kann eine BRCA-Mutation bereits in der Keimbahn vorliegen (erblich) und ist dann in allen Körperzellen nachweisbar. Eine BRCA-Mutation kann auch erst im Laufe des Lebens in einzelnen Zellen (somatisch) entstehen, etwa bei der Tumorentwicklung.

In der PROfound-Studie wurde die Mutationsanalyse am Tumorgewebe durchgeführt – sowohl an archiviertem als auch frischem Gewebe, von Primärtumor oder Metastasen. 20 bis 30 Prozent der Männer mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom haben eine ererbte und/oder somatische Mutation in den BRCA-Genen.

Hürden bei der Testung

Noch ist die molekularpathologische Diagnostik beim Prostatakarzinom nicht im Praxisalltag angekommen. Mit der Einführung von Olaparib in die Prostatakrebstherapie wird sich dies künftig ändern: Voraussetzung ist, dass spezialisierte Behandlungszentren validierte Testverfahren bereitstellen.

Wichtig zu wissen: Für die Gensequenzierung von Tumorgewebe braucht der Pathologe ausreichend Tumormaterial – eine genetische Beratung der Patienten ist hierbei nicht erforderlich. Ist hingegen eine Keimbahnanalyse, etwa anhand einer Blutprobe geplant, müssen Ärzte Betroffene entsprechend dem deutschen Gendiagnostikgesetz aufklären.

Die Experten-Empfehlungen sind uneinheitlich

Internationale Expertengruppen wie APCCC2, ESMO3 und NCCN4 geben diverse Empfehlungen zur Untersuchung des BRCA-Status im Zusammenhang mit Prostatakrebs. Im Gegensatz dazu macht die deutsche S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom bislang keine Aussagen zu genetischen Analysen – weder für an Prostatakrebs Erkrankte noch für gesunde Männer mit familiärer Belastung.

Den BRCA-Status zu kennen, kann je nach Situation bei verschiedenen Fragen weiterhelfen: zur Früherkennung von Prostatakrebs, zur Prognoseabschätzung beziehungsweise zur Therapieentscheidung bei einer Prostatakrebserkrankung. Derzeit noch kontrovers diskutiert werden beispielsweise folgende Themen zur genetischen Testung:

  • Welches Testmaterial ist zu verwenden?
  • Welche Gene oder Genpanels sind zu untersuchen?
  • Wann im Krankheitsverlauf soll getestet werden?
  • Wann ist eine Wiederholung der Genanalyse sinnvoll?
  • Wann ist eine genetische Beratung angezeigt?

Fazit für die Praxis

Das metastasierte kastrationsresistente Prostatakarzinom ist nicht heilbar. Mit der Zulassung von Olaparib wird das Therapiespektrum für diese Patientengruppe erweitert: Nach dem antihormonellen und zytotoxischen Standbein gewinnt nun also die zielgerichtete Strategie an Bedeutung.

Eine neue Entwicklung wird eingeläutet, die es – auch bei Männern mit Prostatakrebs – ermöglicht, die Krebsbehandlung zu individualisieren. Damit verknüpft ist, dass die molekularpathologische Diagnostik rasch Einzug halten wird. Evaluiert werden muss noch, in welcher Reihenfolge die zur Verfügung stehenden Therapieoptionen bestmöglich anzuwenden sind.



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