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Leitlinie Eierstockkrebs aktualisiert

Neue Studienergebnisse fließen künftig jährlich ein

Genetik wird bei Eierstockkrebs immer wichtiger. Das hat Konsequenzen für die medikamentöse und operative Therapie sowie die Prophylaxe. Bei der Operation ist weniger mehr. krebsinformationsdienst.med informiert über die neue Leitlinie.

Ovarialkarzinom © Krebsinformationsdienst, DKFZ, erstellt mit BioRender.com
Ovarialkarzinom © Krebsinformationsdienst, DKFZ, erstellt mit BioRender.com

S3-Leitlinien werden in aufwändigen Verfahren erstellt. Das dauert häufig lange und führt dazu, dass die Leitlinien nicht auf dem neuesten Stand sind. Das Tempo neuer, therapieverändernder Erkenntnisse aus Studien hat für den Eierstockkrebs in den letzten Jahren jedoch deutlich zugenommen. Damit dies schneller bei den Patientinnen ankommt, soll die Leitlinie jetzt jährlich ergänzt werden. Die wichtigsten Änderungen haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Nicht nur BRCA:

Viel häufiger als bisher gedacht weisen Patientinnen mit Eierstockkrebs vererbbare genetische Veränderungen auf. Eine Studie untersuchte 593 Eierstockkrebspatientinnen auf Mutationen in einem von 16 Risikogenen1. Bei 26,2 Prozent der Patientinnen war mindestens eins der untersuchten Gene verändert. Ein BRCA-Test hätte nicht alle Betroffenen gefunden: 5 Prozent der Mutationen traten in einem der selteneren Gene auf. Deshalb wurden die Empfehlungen für familiären Brust- und Eierstockkrebs jetzt geändert: Auch gesunde Frauen mit selteneren Genveränderungen sollen über eine vorbeugende Eierstockentfernung beraten werden.

PARP-Inhibitor nicht nur beim Rezidiv:

PARP-Hemmer haben in der Therapie des Rezidivs bereits ihren Platz. In einer doppelblind randomisierten Phase-III-Studie wurden sie erstmals in der ersten Therapielinie eingesetzt2. 391 Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs und nachgewiesener BRCA-Mutation wurden mit Olaparib weiterbehandelt, wenn sie auf die Standard-Therapie mit Carboplatin und Paclitaxel angesprochen hatten.

Nach 3 Jahren waren 70 Prozent der Patientinnen in der Olaparib- Gruppe progressionsfrei, dagegen nur 30 Prozent in der Placebogruppe. Die Leitlinie empfiehlt den PARP-Inhibitor nun in der Erhaltungstherapie bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom und BRCA-Mutation.

Schonender operieren:

Die aufwendige systematische Lymphknotenentfernung im kleinen Becken und neben der Aorta galt bisher als unverzichtbar. Rechtfertigt die längere Operationszeit und die höhere Belastung der Patientinnen das Ergebnis auch dann, wenn der Tumor optimal tumorfrei operiert wurde?

Die operative Qualität wurde in der prospektiven, randomisierten LION-Studie durch hohe Standards vorgegeben3. In den ausgewählten Zentren wurden 647 Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom in zwei Gruppen eingeteilt: entweder ging es nach der Standardoperation mit einer systematischen Lymphknotenentfernung weiter oder nicht. Voraussetzung war: es durfte keine auffälligen Lymphknoten und keine Tumorreste geben.

Die Patientinnen profitierten von dem höheren Aufwand nicht, so die Ergebnisse der LION-Studie. In dieser Situation soll jetzt auf die systematische Lymphadenektomie verzichtet werden.