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CBD-Öle für Krebspatienten

Rezeptfrei oder als Arzneimittel?

Angebot von und Nachfrage nach Cannabidiol (CBD) steigen rasant. CBD in Form von Ölen genießt auch bei Krebspatienten eine hohe Popularität. CBD-Öle sind auf Rezept erhältlich und auch rezeptfrei. Was steckt dahinter?

Cannabidiol-Öl und Hanfpflanze © Julia Teichmann, Pixabay
Cannabidiol (CBD) wird aus der Nutzhanfpflanze gewonnen. Mit der Pipette lässt sich CBD-Öl tropfenweise dosieren. © Julia Teichmann, Pixabay

Nicht berauschende Cannabinoide wie Cannabidiol (CBD) sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden: sowohl in der allgemeinen Bevölkerung als auch bei onkologischen Patientinnen und Patienten. Verbraucher erhoffen sich von CBD eine Linderung ganz unterschiedlicher Beschwerden.

Indikation, Wirksamkeit und Dosierung von CBD sind bislang nicht ausreichend in klinischen Studien untersucht. Bei Krebs spielen zudem mögliche Neben- und Wechselwirkungen eine wichtige Rolle. Wie Ärzte Krebspatienten zu CBD und CBD-Ölen beraten können, darüber informiert krebsinformationsdienst.med.

Hanf ist nicht gleich Hanf

Es gibt verschiedene Hanfsorten. Je nach Hanfpflanze und Pflanzenteil enthält Hanf (lat. cannabis) unterschiedliche Cannabinoide: Über 100 Phytocannabinoide sind bekannt.

Die zwei bekanntesten Cannabinoide sind Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Gegenüber THC hat CBD den Vorteil, dass es nicht berauschend (psychoaktiv) wirkt und daher nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.

Darüber hinaus enthält Hanf weitere wirksame Substanzen wie Terpene sowie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.

Komponenten der Hanfpflanze

Die Hanfpflanze besteht aus Wurzeln, Stängeln, Blättern, Blüten und Samen. Auf der gesamten Pflanze – mit Ausnahme von Samen und Wurzeln – befinden sich die Drüsenhaare, die die verschiedenen Cannabinoide bilden. Das ist der Grund dafür, dass hanfhaltige Produkte rein auf Basis von Hanfsamen kein CBD und THC enthalten. Das gilt auch für Lebensmittel wie Hanfsamenmehl oder Hanfsamenöl.

Nutzhanf versus Medizinalhanf

Je nachdem zu welchem Zweck der Hanf weiterverarbeitet wird, verwenden Hersteller unterschiedliche Hanfsorten.

Das nicht psychoaktive Cannabidiol (CBD) wird aus der Hanfpflanze Cannabis sativa L. gewonnen – auch als Nutz- oder Industriehanf bezeichnet: Denn dieser Hanf dient auch Textil-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie als Ausgangsstoff. In Europa dafür zugelassen sind Hanfsorten, die höchstens 0,2 Prozent Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten.

Für medizinische Zwecke wird Medizinalhanf mit höheren THC-Mengen eingesetzt.

Wie werden CBD-Produkte hergestellt?

Hersteller Cannabidiol-haltiger Produkte verwenden die oberirdischen Teile der EU-zertifizierten Nutzhanfpflanze Cannabis sativa L. Es gibt verschiedene Verfahren, um Cannabidiol (CBD) aus der Hanfpflanze zu extrahieren. Um CBD möglichst pur zu gewinnen, wird die Extraktion mit CO2 bevorzugt. CBD kann auch synthetisch im Labor hergestellt werden – vorwiegend für medizinische Zwecke.

Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften ist CBD gut in Öl löslich. Je nach CBD-Öl nutzen Produzenten diverse Basisöle wie Oliven-, Sesam- oder Traubenkernöl. Auch Hanfsamenöl, das selbst – wie weiter oben beschrieben – cannabinoidfrei ist, kann man verwenden.

Wichtig zu wissen: Die Zusammensetzung von frei verkäuflichen CBD-Ölen ist nicht einheitlich festgelegt. Durch Anreicherungen und Beimischungen weiterer Bestandteile können die angebotenen Produkte sehr variabel sein. Und nicht immer stimmt das, was außen angegeben ist, auch mit den tatsächlichen Inhaltsstoffen überein1 – so wissenschaftliche Untersuchungen. Forscher zeigten, dass Zubereitungen nicht selten relevante Mengen an psychoaktivem Tetrahydrocannabinol (THC) enthielten.

Cannabidiol-Produkte: vielfältiges Angebot

Auf den ersten Blick können frei verkäufliche Cannabidiol-Produkte einem zugelassenen CBD-Arzneimittel zum Verwechseln ähnlich sehen. Während die Inhaltsstoffe eines Arzneimittels jedoch pharmakologisch eindeutig definiert sind, ist der CBD-Gehalt in frei verkäuflichen Produkten nicht standardisiert. Arzneimittel unterliegen einer regelmäßigen Sicherheitsüberwachung, CBD-Öle auf dem freien Markt nicht.

Diese CBD-Präparate sind geprüfte und verschreibungspflichtige Arzneimittel:

  • Epidyolex ist das bisher einzige Fertigarzneimittel, das CBD als alleinigen Wirkstoff enthält. Seit Herbst 2019 ist das Medikament zugelassen für zwei spezielle Formen der kindlichen Epilepsie, basierend auf den Ergebnissen einer hochwertigen Phase-III-Studie.
  • Ebenfalls ohne Betäubungsmittelrezept können Ärzte rein CBD-haltige Rezepturarzneimittel verschreiben, die der Apotheker oder die Apothekerin nach genauen Vorschriften herstellt. Auf dem Etikett sind die Wirkstoffe nach Art und Menge exakt gekennzeichnet.

Diese CBD-Öle sind frei verkäuflich: Man kann sie als Lebensmittel, Novel Foods (sogenannte "neuartige Lebensmittel") oder Nahrungsergänzungsmittel etwa in Drogeriemärkten, Apotheken, aber auch online kaufen. Es handelt sich dabei um keine geprüften Arzneimittel.

  • In CBD-Ölen ist der Cannabidiol-Gehalt nicht standardisiert. In der Regel enthalten die Zubereitungen höhere CBD-Konzentrationen als die Ausgangspflanze. Nicht sicher kann man sein, wie rein das Produkt ist und ob weitere Komponenten beigemischt sind.
  • CBD-Vollspektrumöl ist eine Nutzhanf-Zubereitung. Darin soll ein möglichst breites Spektrum an Inhaltsstoffen der Ausgangspflanze erhalten bleiben wie CBD, andere Cannabinoide, Terpene usw. Die Hypothese ist, dass die diversen pflanzlichen Bestandteile synergistisch zusammenwirken (engl. entourage effect). Bislang ist dieser verstärkende Effekt nicht wissenschaftlich belegt. Angemerkt: Gesetzesgemäß darf der THC-Gehalt den Grenzwert von 0,2 Prozent nicht überschreiten.

Studienlage zu CBD und Krebs noch begrenzt

Cannabidiol (CBD) spricht viele verschiedene Rezeptoren im ganzen Körper an. Über dieses komplexe, körpereigene System – auch Endocannabinoidsystem genannt – kann CBD zahlreiche Funktionen beeinflussen. Die Wirkweise von CBD beim Menschen ist jedoch noch nicht vollständig erforscht. Aus in vitro-Studien und Tiermodellen gibt es Hinweise auf folgende Wirkungen von Cannabidiol:

  • analgetisch
  • anxiolytisch
  • antioxidativ
  • antikonvulsiv
  • antiinflammatorisch
  • immunmodulierend
  • tumorinhibierend

Während es gute Evidenz gibt, dass das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC) krebsbedingte Schmerzen lindert, ist die Datenlage zu isoliertem Cannabidiol (CBD) noch gering. Präklinische Studienergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Zur Wirksamkeit von CBD bei onkologischen Patienten können Wissenschaftler bislang nur auf Einzelfallberichte, kleine Fallserien und epidemiologische Beobachtungen zurückgreifen.

Fazit für die Praxis

Cannabidiol: Neben- und Wechselwirkungen

Cannabidiol (CBD) gilt in der Regel als gut verträglich.

Hinweis: Zur Einschätzung von Neben- und Wechselwirkungen kann es sinnvoll sein, die Fachinformation von Epidyolex zu konsultieren. Diese CBD-haltige Lösung ist das einzige zugelassene Fertigarzneimittel.

Die Studienlage zu Cannabidiol (CBD) bei Krebs ist noch begrenzt. Krebspatienten, die sich fragen, ob sie rauschfreies CBD zur Linderung von Beschwerden oder zur Verbesserung ihrer Lebensqualität einnehmen können, wenden sich daher oftmals an ihren behandelnden Arzt.

Ärztinnen und Ärzte wägen gemeinsam mit ihren Patienten Nutzen und Risiken einer CBD-Einnahme ab. Wichtig dabei ist, mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen – unter anderem auch mit einer gleichzeitigen Krebstherapie.

Reine CBD-Präparate dürfen Ärzte ohne Betäubungsmittelrezept verschreiben. Betroffene können sicher sein, dass die Inhaltsstoffe des rezeptierten Arzneimittels geprüft sind: Dies ist bei CBD-Produkten, die auf dem freien Markt zu kaufen sind, nicht immer zuverlässig gegeben. Entsprechend erfahrene Ärzte können bei onkologischen Patienten die Indikation für Cannabidiol stellen und eine geeignete Dosierung festlegen.



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