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Linktipp: Monographien zu pflanzlichen Produkten

Die Europäische Arzneimittelbehörde beurteilt auch medizinisch genutzte Pflanzen

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) lässt Arzneimittel zu. Darüber hinaus bewertet sie traditionell angewendete Phytopharmaka. Von krebsinformationsdienst.med erfahren Sie, was für Krebspatienten relevant ist.

Auf der Internetseite www.ema.europa.eu/human-regulatory/herbal-medicinal-products finden Interessierte die englischsprachigen Monographien zu pflanzlichen Produkten. Erstellt werden sie vom Ausschuss für Phytotherapeutika (Committee on Herbal Medicinal Products, HMPC) der EMA. Der Fokus liegt auf Pflanzen, die traditionell oder schon lange von Menschen angewendet werden.

Sicherheit und Wirksamkeit

Purpurner Sonnenhut, © Robbi Hoy, Pixabay
Purpur-Sonnenhut in der Natur. © Robbi Hoy, Pixabay

Die Monographien des HMPC enthalten alle notwendigen Informationen, die für die Anwendung des jeweiligen Phytopharmakons relevant sind. Folgende Fragen beantwortet jede Monographie:

  • Wofür wird das pflanzliche Produkt verwendet?
  • Für wen ist das pflanzliche Produkt gedacht?
  • Welche Sicherheit hat das pflanzliche Produkt?
  • Mit welchen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen ist bei der Anwendung zu rechnen?

Es geht also – wie bei den zugelassenen Arzneimitteln auch – um die Sicherheit und Wirksamkeit der medizinisch genutzten Pflanzen.

Aus onkologischer Sicht interessant

In der Liste der etwa 160 Monographien zu pflanzlichen Produkten finden sich auch solche, die konkrete Hinweise für Patientinnen und Patienten mit Krebs enthalten. Beispielhaft ist die Monographie (PDF) zum Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) zu nennen:

In ihr wird unter anderem davor gewarnt, Purpur-Sonnenhut bei einer ausgeprägten Schwäche des Immunsystems, bei Immunsuppression oder bei Erkrankungen der weißen Blutzellen einzunehmen.

Das liegt daran, dass Echinacea-Präparate möglicherweise eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem haben (Aktivierung der Monozyten und Wachstumsförderung von B-Zellen). Dies kann bei bestimmten hämatologischen Krebserkrankungen unerwünscht sein, wie zum Beispiel bei Lymphomen oder Leukämien.

Wechselwirkungen, Interaktionen und Warnhinweise

Wechselwirkungen: Vorsicht ist auch vor Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie bestimmten Krebstherapien geboten. Beispielsweise wenn diese und zusätzlich eingenommene pflanzliche Produkte über dieselben Leberenzyme verstoffwechselt werden. Ein bekanntes Beispiel ist das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum).

Arzneimittel-Interaktionen: Beispiele für Interaktionen von Phytopräparaten mit Arzneimitteln sind:

  • Thymianöl. Im Tierversuch wurde eine vermehrte Aufnahme von 5-Fluoruracil nachgewiesen (Aufnahme über die Haut von Schweinen). Unklar ist, ob ein solcher Effekt auch beim Menschen auftritt.
  • Eichenrinde (Gattung Quercus). Wird Eichenrinde zusammen mit anderen Medikamenten eingenommen, muss mindestens ein zeitlicher Abstand von einer Stunde zwischen den verschiedenen oralen Präparaten eingehalten werden. Sonst kann die Aufnahme der Arzneimittel aus dem Darm beeinträchtigt sein.

Warnhinweise: Allgemeine Warnungen betreffen folgende Präparate:

  • Es gibt Phytopharmaka, die von Patienten mit beeinträchtigter Leberfunktion nicht eingenommen werden sollten.
  • Die empfohlene Einnahmedauer von pflanzlichen Abführmitteln soll nicht überschritten werden. Sonst drohen Störungen im Elektrolythaushalt.

Fazit für die Praxis

Viele Krebspatientinnen und -patienten möchten neben ihren onkologischen Medikamenten auch pflanzliche Arzneimittel einnehmen. Ob dies gefahrlos möglich ist, sollten Patienten mit ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten besprechen.

In Bezug auf Phytopharmaka, die seit langem oder traditionell in der Medizin angewendet werden, können die englischsprachigen Produkt-Monographien der EMA Fachkreisen dabei helfen, mögliche Gefahren für Krebspatienten aufzudecken.



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