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Bitte beachten Sie: Die vorliegenden Informationen sind keine ärztliche Empfehlung im Sinn einer Zweitmeinung, noch sind sie als Leitlinie oder Stellungnahme des Deutschen Krebsforschungszentrums zu verstehen. Die Auswahl genutzter Quellen bedeutet nicht, dass es nicht noch weitere Informationen zum Thema gibt, die auch andere Sichtweisen und Inhalte vermitteln können. Der Krebsinformationsdienst bemüht sich, Informationen so sorgfältig wie möglich zu recherchieren, kann jedoch keine Gewähr für etwaige Folgen übernehmen, die durch die Nutzung der vermittelten Informationen bei der Diagnose, Therapie oder sonstigen Betreuung onkologischer Patienten auftreten. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

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Linktipp: Leitlinienwatch

Internetseite zur Transparenz von medizinischen Leitlinien – auch zu Krebserkrankungen

Leitlinienwatch ist ein Portal, das die Transparenz von medizinischen Leitlinien bewertet. Wer dahinter steckt und wie die Leitlinien aus dem Bereich Onkologie abschneiden, lesen Sie auf krebsinformationsdienst.med.

Auf der Internetseite von www.leitlinienwatch.de finden Interessierte und Fachkreise derzeit 184 medizinische Behandlungsleitlinien: Leitlinienwatch bewertet, wie unabhängig sie von der Pharmaindustrie sind. Die Einschätzung erfolgt mithilfe eines Punktesystems. Eine Leitlinie bekommt umso mehr Punkte, je weniger Interessenskonflikte ihre Autoren haben. Die Punktespanne reicht von 0 bis 18, farblich gekennzeichnet durch die Ampelfarben rot, gelb und grün.

S3-Leitlinien zu Krebs haben zwischen 6 und 14 Punkten

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Recherchieren im Internet. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Von den 21 bewerteten onkologischen S3-Leitlinien schneiden zehn gut ab. Dieser obere, grüne Bereich reicht von 11 bis 18 Punkten. Spitzenreiter – mit jeweils 14 Punkten – sind die Leitlinien zum Magenkarzinom und zur Palliativmedizin. Maximal vergeben hat Leitlinienwatch bisher 15 Punkte, allerdings an eine nicht-onkologische Leitlinie.

Im mittleren, gelben Bereich zwischen 6 und 10 Punkten landen elf weitere Leitlinien. Von diesen befassen sich neun mit Krebslokalisationen und zwei decken angrenzende Themen ab: die tumorbedingte Schmerztherapie und den Tabakkonsum. Schlusslichter – mit jeweils 6 Punkten – sind die Leitlinien zum Vulva- und zum Basalzellkarzinom.

Keine der onkologischen Leitlinien schnitt im unteren, roten Bereich zwischen 5 und 0 Punkten ab.

Die Bewertungskriterien für Leitlinien

Die Bewertungskriterien von Leitlinienwatch umfassen fünf Kategorien (mit jeweils maximal 3 Punkten) sowie die Möglichkeit, Bonuspunkte zu sammeln.

Die Kategorien sind:

  • Transparenz: Wie viele Mitglieder der Leitliniengruppe geben ihre Interessenskonflikte an?
  • Zusammensetzung der Leitliniengruppe: Prozentualer Anteil an Personen in der Leitliniengruppe, die Interessenskonflikte haben.
  • Unabhängigkeit von Koordinatoren, Vorsitzenden oder federführenden Autoren: Weisen alle oder viele, einige oder keiner Interessenskonflikte auf?
  • Enthaltung bei Abstimmungen: Haben Mitglieder der Leitliniengruppe Interessenskonflikte, sollten sie sich bei Abstimmungen zu entsprechenden Themen enthalten.
  • Externe Beratung: Geprüft wird, ob der Entwurf der Leitlinie durch Fachöffentlichkeit oder Patienten kommentiert werden kann und ob die eingegangenen Vorschläge berücksichtigt werden.

Maximal 3 Bonuspunkte extra: Mithilfe verschiedener weiterer Kriterien können Leitlinien maximal 3 Bonuspunkte zusätzlich sammeln. Beispielsweise bewertet Leitlinienwatch als positiv, wenn ein Methodiker die Studienevidenz aufbereitet hat. Auch ein offener Umgang mit Interessenskonflikten, der in der Leitliniengruppe diskutiert wird, wird honoriert. Generell werden alle Anstrengungen einer Leitliniengruppe belohnt, welche eine transparente Arbeitsweise unterstützen oder aufzeigen.

Wer steckt dahinter?

Leitlinienwatch ist gemeinsam von Mezis, NeurologyFirst und Transparency International Deutschland ins Leben gerufen worden.

  • Mezis e.V. (www.mezis.de) steht für "Mein Essen zahl' ich selbst". Dabei handelt es sich um einen Verein mit von der Pharmaindustrie unabhängigen Ärztinnen und Ärzten.
  • NeurologyFirst (www.neurologyfirst.de) ist ein Zusammenschluss von Neurologen, die sich für ärztliche Unabhängigkeit einsetzen.
  • Transparency International Deutschland e.V. (www.transparency.de) ist der deutsche Zweig von Transparency International. Der eingetragene Verein setzt sich ein für Transparenz und gegen Korruption – im Gesundheitswesen und anderswo.

Für Leitlinienwatch arbeiten Ärzte und Medizinstudenten: die Ärzte tun dies ehrenamtlich, während die studentischen Mitarbeiter ein Honorar erhalten. Leitlinien werden von zwei Personen bewertet, wobei maximal eine Person aus der Fachgesellschaft stammen darf, deren Leitlinie bewertet wird. Finanzielle Interessenskonflikte über Produkte, die Gegenstand einer Leitlinie sind, disqualifizieren die betreffende Person für die Bewertung.

Transparenz: eines von mehreren Qualitätskriterien

Dass die Unabhängigkeit bzw. Transparenz von Leitlinien nur eines von mehreren Qualitätskriterien ist, ist Leitlinienwatch bewusst. So wird auf der Internetseite auch ausdrücklich auf DELBI verwiesen, das Deutsche Leitlinien Bewertungs-Instrument, mit dessen Hilfe sich die methodische Qualität von Leitlinien erfassen lässt.

Leitlinienwatch betont, dass die Kriterien zu den Interessenskonflikten über die der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF, www.awmf.org) hinausgehen.

Die Mitarbeiter von Leitlinienwatch möchten die internationale Diskussion um mehr Transparenz in der Medizin in Deutschland präsenter machen. Auf diese Weise lässt sich die Qualität von Leitlinien verbessern und die Versorgung von Patienten und damit auch Krebspatienten optimieren.

krebsinformationsdienst.med: Service für Fachkreise