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Nutzung psychoonkologischer Hilfen – Können Ärzte die Hemmschwelle senken?

Studie nimmt Patientengespräche unter die Lupe

Rund ein Drittel aller Krebspatienten leidet unter einer komorbiden psychischen Störung, mehr als die Hälfte weist eine hohe psychische Belastung auf. Doch auch wenn psychoonkologische Hilfen vor Ort zur Verfügung stehen, nutzen belastete Betroffene diese oftmals nicht. Inwieweit eine ärztliche Empfehlung Patienten und Patientinnen dazu motivieren kann, Unterstützung anzunehmen, untersuchten Forscher jetzt in einer Studie1,2. krebsinformationsdienst.med informiert Sie über die Ergebnisse.

Belastete Krebspatienten häufig ohne psychoonkologische Unterstützung

Arztgespräch Foto: Tobias Schwerdt, © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Arztgespräch Foto: Tobias Schwerdt, © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Größere Untersuchungen zeigen: Weniger als 50 % aller Krebspatienten mit psychischer Begleitstörung – beispielsweise einer Depression oder Anpassungsstörung – nehmen professionelle Unterstützung in Anspruch. Dabei scheinen auch persönliche Merkmale von Bedeutung zu sein. So weisen viele Studien darauf hin, dass insbesondere Männer, ältere Patientinnen und Patienten und Krebsbetroffene mit niedrigerem Bildungsstand seltener Hilfsangebote wahrnehmen.

Angesichts dieser unbefriedigenden Versorgungssituation stellt sich die Frage, was Krebspatienten dazu bewegt, vorhandene psychosoziale Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen oder ungenutzt zu lassen. Unterschiedliche Forschungsarbeiten versuchen, hierauf Antworten zu finden.

Studie: Welche Rolle spielt das Gespräch mit dem behandelnden Arzt?

Wissenschaftler der Universität Basel führten eine prospektive Beobachtungsstudie mit 333 Krebspatienten durch, die zur Behandlung in die onkologische Ambulanz des Universitätsklinikums kamen. Die Patienten hatten im Rahmen der "normalen" ersten Ambulanz-Konsultation ein Gespräch mit dem onkologisch behandelnden Arzt. Anschließend wurden sie unter anderem dazu befragt,

  • ob der Arzt mit ihnen über ihre psychosozialen Belastungen gesprochen hat.
  • ob sie vom Arzt über das psychoonkologische Unterstützungsangebot der Klinik informiert wurden.
  • ob der Arzt die Kontaktaufnahme mit dem psychoonkologischen Dienst explizit empfohlen hat.

Vier Monate später erfassten die Forscher, wer von den Teilnehmern inzwischen das psychoonkologische Angebot wahrgenommen hatte.

Thematisieren von Belastungen oder Information alleine nicht entscheidend

Entgegen der Erwartungen der Wissenschaftler zeigte sich: Ging der Arzt auf individuelle Belastungen ein, war dies für sich genommen nicht mit einer vermehrten Nutzung des Hilfsangebots assoziiert. Auch die Frage, ob Patienten detaillierte Informationen zum Unterstützungsangebot erhalten hatten oder nicht, schien für die Inanspruchnahme des psychoonkologischen Dienstes keine Rolle zu spielen. Allerdings könnten hier nach Ansicht der Autoren der Zeitpunkt und die besonderen Umstände des Gesprächs eine Rolle gespielt haben. Möglicherweise konnten viele Patienten die zusätzlichen Informationen nur eingeschränkt verarbeiten, weil sie während der ersten Konsultation in der onkologischen Ambulanz unter besonderem emotionalen Stress standen.

Ärztliche Empfehlung stärkster Prädiktor für das Annehmen von Unterstützung

Jenseits aller demographischen und krankheitsbezogenen Patientenmerkmale zeigte sich als stärkster Prädiktor für die Inanspruchnahme psychoonkologischer Hilfen die ausdrückliche Empfehlung des Arztes. Patienten, die von einer solchen Empfehlung berichteten, suchten in den darauffolgenden Monaten mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit den psychoonkologischen Klinikdienst auf als diejenigen, die keine Empfehlung erhalten hatten (odds ratio [OR] = 6,27). Dies galt unabhängig vom Ausmaß der psychischen Belastung, die zu Beginn der Studie mithilfe eines Fragebogens gemessen wurde.

Fazit: Bedeutung der ärztlichen Rates

Die Autoren weisen in ihrer Publikation auf methodische Einschränkungen der durchgeführten Studie hin, sehen ihre Ergebnisse aber dennoch als Indiz für eine zentrale Rolle des Arztes bei der Vermittlung psychoonkologischer Hilfen. Eine klare Empfehlung des onkologischen Behandlers könnte ein wichtiger Faktor sein, um bei Krebsbetroffenen die Hemmschwelle für das Annehmen von Unterstützungsangeboten zu senken.

Von einer solchen Empfehlung könnten insbesondere Patienten mit hochgradiger Belastung profitieren, die zögern, Hilfe aufzusuchen. Aber auch Krebspatienten mit psychosozialen Belastungen ohne "Krankheitswert" können Unterstützungsbedarf in unterschiedlichen Bereichen haben und von einem Begleitangebot profitieren.

Erklären, warum es psychoonkologische Hilfen gibt

Um Betroffenen psychoonkologische Angebote nahezubringen, kann es hilfreich sein zu vermitteln, dass eine Krebserkrankung für jeden, der davon betroffen ist, eine Ausnahmesituation darstellt. Das Leben mit der Krankheit bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich, die der Patient und seine Angehörigen zu meistern haben. Aus diesem Grund gelten begleitende Gesprächsangebote heutzutage in der Onkologie als selbstverständlicher Bestandteil der Behandlung. Sie können vom einmaligen, beratenden Kontakt bis hin zu einer regelmäßigen Begleitung reichen. Patientinnen und Patienten steht es zu, bei Bedarf solche Angebote zu nutzen, um möglichst gut mit der Erkrankungssituation zurechtzukommen.

Anlaufstellen benennen

Psychoonkologische Gesprächsangebote gibt es in vielen Akutkliniken. Insbesondere alle von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentren müssen ein solches Angebot vorhalten. Eine gute erste Anlaufstelle können auch die ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen sein. Sie beraten – in der Regel kostenfrei – zum Umgang mit der Krankheit, zu praktischen Fragen sowie zu sozialrechtlichen Themen. Zudem vermitteln sie weitere Anlaufstellen. Viele psychoonkologische Klinikdienste und Beratungsstellen stellen Flyer zur Verfügung, in denen sie ihr Angebot vorstellen.
Im Bereich der ambulanten Psychotherapie gibt es Therapeuten, die sich auf die Behandlung von Krebsbetroffenen spezialisiert und eine qualifizierte psychoonkologische Weiterbildung durchlaufen haben. Darüber hinaus kommen auch niedergelassene Psychotherapeuten ohne Spezialisierung als Ansprechpartner infrage.

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