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Soja und Brustkrebs

Müssen Brustkrebspatientinnen Sojaprodukte meiden?

Sojaisoflavone ähneln in ihrer Struktur dem weiblichen Sexualhormon Östrogen. Daher stellen Patientinnen immer mal wieder die Frage, ob Sojaprodukte bei Brustkrebs die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall erhöhen könnten. Wie sieht die aktuelle Datenlage aus? Dürfen Brustkrebspatientinnen Sojaprodukte konsumieren? krebsinformationsdienst.med hat die Empfehlungen für Sie zusammengefasst.

Sojaisoflavone sind Phytoöstrogene

Sojabohnen sind reich an Isoflavonen. Isoflavone haben eine ähnliche Struktur wie 17-β-Östradiol und zählen zu den sogenannten Phytoöstrogenen: Wie körpereigenes Östrogen binden sie, wenn auch mit einer etwas geringeren Affinität, an Östrogenrezeptoren. Sie können dort sowohl östrogenartige als auch antiöstrogene Wirkungen entfalten.

Konsum von Isoflavonen: Im Gegensatz zu Ländern in Südostasien ist Soja in Europa meist kein Hauptbestandteil der Ernährung. Nahrungsergänzungsmittel mit Sojaextrakten jedoch können hohe Konzentrationen isolierter Sojaisoflavone enthalten. Sie werden zum Beispiel zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden angeboten und beworben. Auch Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, nehmen häufig größere Mengen an Sojaprodukten zu sich.

Sojaisoflavone und Rezidivrisiko

Wegen der östrogenähnlichen Wirkungen wird diskutiert, dass Sojaisoflavone das Rückfallrisiko von Brustkrebspatientinnen erhöhen könnten.

Aktuelle Datenlage: In der Zusammenschau weisen epidemiologische Studien bisher nicht darauf hin, dass der Konsum von Sojaisoflavonen die Prognose von Brustkrebspatientinnen verschlechtert. Die Ergebnisse vorklinischer Studien sind uneinheitlich: Bei Zelllinien und Versuchstieren wurden sowohl krebsfördernde als auch krebshemmende Effekte von Sojaisoflavonen beschrieben. Es ist jedoch fraglich, ob sich diese experimentellen Daten auf den Menschen übertragen lassen.

Moderater Sojaverzehr bei Brustkrebs unbedenklich

Sojamilch © Carojulia, Thinkstock
1-2 Portionen Soja pro Tag gelten als gesund. © Carojulia, Thinkstock

Nach Einschätzung nationaler und internationaler Fachgesellschaften sind ein bis zwei Portionen sojahaltiger Nahrungsmittel pro Tag (Isoflavongehalt ca. 25 – 50 mg) auch für Brustkrebspatientinnen und Brustkrebsüberlebende unbedenklich. Eine Portion entspricht etwa 100 g Tofu oder 250 ml Sojamilch. Auch eine antihormonelle Therapie mit Tamoxifen oder Aromataseinhibitoren spricht nicht gegen den Verzehr von Soja.

Gesunde Ernährung: Es gibt Hinweise, dass sojahaltige Lebensmittel möglicherweise sogar die Gesamtsterblichkeit nach einer Brustkrebserkrankung senken. Soja als Nahrungsmittel kann daher nach Auffassung des World Cancer Research Funds (WCRF) neben einem normalen Körpergewicht, sportlicher Aktivität und einer ballaststoffreichen, fettarmen Ernährung zu einer ausgewogenen und gesunden Lebensführung nach Brustkrebs beitragen.

Warnung vor Nahrungsergänzungsmitteln: Da Daten aus hochwertigen Studien fehlen, kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass Sojaisoflavone in größeren Mengen das Rezidivrisiko bei Brustkrebs steigern. Insbesondere Frauen mit oder nach einer hormonabhängigen Brustkrebserkrankung rät das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) daher von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen explizit ab.

Empfehlungen für gesunde Frauen

Auch für gesunde Frauen gilt: In Maßen können sojahaltige Lebensmittel zu einer gesunden Ernährung beitragen. Anders als bei Brustkrebspatientinnen rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gesunden Frauen nicht grundsätzlich von Nahrungsergänzungsmitteln auf Sojabasis ab. Laut BfR dürfen gesunde Frauen isolierte Sojaisoflavone in Maßen konsumieren: Die Menge sollte auf maximal 100 mg pro Tag und die Einnahmedauer auf bis zu 10 Monate begrenzt sein.

Möglicher Schutz vor Brustkrebs: Ob eine sojareiche Ernährung gesunde Frauen möglicherweise sogar vor Brustkrebs schützt, kann nach Einschätzung der deutschen Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) derzeit nicht abschließend beurteilt werden.