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Neue Wege in der Therapie des Endometriumkarzinoms

Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie von Gebärmutterkrebs: Weniger ist mehr

Belastende Therapien nur bei hohem Risiko – bei niedrigem Risiko weniger behandeln; die aktuelle deutsche S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientinnen mit Endometriumkarzinom greift diesen Trend auf. Welche Veränderungen die aktualisierte Leitlinie für die Behandlung von Gebärmutterkörperkrebs gebracht hat, fasst krebsinformationsdienst.med zusammen.

Weniger ist mehr: Operation

Wichtigster Baustein bei der Behandlung von Gebärmutterkörperkrebs ist die Entfernung von Gebärmutter, Eierstöcken und Eileitern.

Minimalinvasiv ist gleichwertig: Mittlerweile gilt die laparoskopische Operation als Standard. Im Vergleich zur Operation über einen Längsschnitt des Bauches wird sie insbesondere für frühe Stadien als therapeutisch gleichwertig angesehen. Gleichzeitig ist sie für Patientinnen weniger belastend.

Patientinnen mit gut differenziertem, auf die Schleimhaut und die innere Muskelschicht beschränktem Karzinom benötigen keine weitere Nachbehandlung. Sie sind durch die Operation geheilt.

Lymphknotenentfernung: keine, einige, viele, alle?

Verkehrsschilder Stop und Abbiegen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Neue Wege in der Therapie des Endometriumkarzinoms © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Bei einer systematischen Lymphknotenentfernung werden im Rahmen der Krebsoperation die Lymphknotenstationen im kleinen Becken und entlang der Aorta entfernt. Die Lymphadenektomie ist jedoch aufwendig und verlängert die Operation wesentlich. Komplikationen wie Lymphödeme bei den Patientinnen sind nicht selten die Folge.

Risikoadaptiertes Vorgehen

In der neuen Leitlinie zur Therapie des Endometriumkarzinoms wird eine systematische Lymphknotenentfernung erst bei Vorliegen folgender Risikofaktoren empfohlen:

  • Der Tumor hat sich außerhalb des Gebärmutterkörpers ausgebreitet oder
  • der Tumor ist nicht differenziert (ab Stadium T2 bzw. T1B G3) oder
  • der Tumor gehört zu den risikoreicheren östrogenunabhängigen Typ 2-Tumoren.

Beim gut differenzierten, ganz frühen Krebs reicht es aus, wenn auffällige Lymphknoten entfernt werden.

Neu: Bei allen anderen Stadien kann individuell entschieden werden, ob die Lymphknoten systematisch entfernt werden sollen. Sind die Lymphgefäße befallen, ist die systematische Lymphknotenentfernung immer empfohlen.

Weniger ist mehr: Bestrahlung

Mehrere Studien haben gezeigt:

  • Scheidenstumpfmetastasen werden sowohl durch die vaginale Brachytherapie, als auch durch die externe Beckenbestrahlung verringert.
  • Die selteneren Beckenmetastasen werden durch die äußere Bestrahlung etwas wirkungsvoller eingedämmt.
  • Dennoch verlängert die externe postoperative Bestrahlung die Lebenszeit nicht verglichen mit der vaginalen Brachytherapie.

Diese Beobachtungen treffen auch noch nach 10 Jahren Nachbeobachtung zu, wie die kürzlich veröffentlichten Daten der PORTEC-2-Studie bestätigten2. Hier waren die beiden Bestrahlungsarten bei Endometriumkarzinom-Patientinnen mit mittlerem und hohen Rückfallrisiko verglichen worden.

Beckenbestrahlung: nur noch bei hohem Risiko

Ist eine Bestrahlung angezeigt, ist die vaginale Brachytherapie mittlerweile in den meisten Fällen Standard. Die Leitlinie sieht die äußere Beckenbestrahlung erst ab Stadium III bei Ausbreitung außerhalb der Gebärmutter vor. Sie kann aber bei zusätzlichen Risikofaktoren wie beispielsweise Lymphgefäßbefall diskutiert werden.

Ausblick: Neue Prognosemarker für die Strahlentherapie

Die Therapieplanung richtet sich derzeit nach dem histologischen Tumortyp und dem Staging. Mit neuen molekularen Markern kann die Strahlentherapie in der bisherigen mittleren Risikogruppe möglicherweise weiter individualisiert werden: In einigen Fällen könnte die Bestrahlungsindikation wegfallen, in anderen eine intensivere Therapie erfolgen. Dieser Ansatz wird derzeit in der PORTEC-4a-Studie4 untersucht.

Weniger ist mehr: Chemotherapie

Etwa jede 8. Patientin mit Endometriumkarzinom hat ein erhöhtes Risiko für Fernmetastasen. In der PORTEC-3-Studie3 wurde untersucht, ob bei diesen Patientinnen nach der Primäroperation eine Chemotherapie mit einer äußeren Bestrahlung kombiniert werden sollte.

Das Endergebnis wurde dieses Jahr veröffentlicht und zeigte: Die Überlebenszeit hat sich durch die Radiochemotherapie nicht wesentlich verbessert, allerdings hat sich die Lebensqualität deutlich verschlechtert. Allenfalls jüngere Patientinnen im fortgeschrittenen Stadium III profitierten von der Kombination.

Experten bezogen jetzt Stellung zu den Ergebnissen1: Die belastende Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie wird kein neuer Standard für Hochrisikopatientinnen im Stadium I und II. Sie kann in ausgewählten Fällen jedoch diskutiert werden.