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Nachricht

Senkt Vitamin D das Krebsrisiko?

Studie zu Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D in der Krebsprävention veröffentlicht

Können Nahrungsergänzungsmittel das Krebsrisiko verringern? Berichte dazu sind ein Dauerthema in den Medien, jedoch wird nicht immer deutlich, wie aussagekräftig die Ergebnisse der Untersuchungen sind. Unter den Supplementen ist Vitamin D in der Krebsprävention von besonders großem Interesse: Vor allem aus Beobachtungsstudien gibt es Hinweise, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel das Krebsrisiko erhöhen könnte. Nun wird untersucht, ob Vitamin-D-Supplementierung dieses Risiko verringern kann. In diesem Monat wurden die primärpräventiven Daten der großen randomisierten US-amerikanischen VITAL (Vitamin D and omega-3)-Studie vorgestellt und publiziert. krebsinformationsdienst.med fasst für Sie die wichtigsten Aussagen zu Vitamin D in der Krebsvorbeugung zusammen.

VITAL-Studie – VITamin D and OmegA-3 TriaL

An der VITAL (Vitamin D und Omega-3)-Studie nahmen über 25.800 Erwachsene teil; davon 49 % Männer ab einem Alter von 50 Jahren und 51 % Frauen ab 55 Jahren. Der Altersdurchschnitt lag bei 67,1 Jahren. Die Studiendauer betrug median 5,3 Jahre.

VITAL-Studie – Studiendesign

Die Teilnehmer wurden wie folgt randomisiert: Sie nahmen entweder täglich 2.000 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D3 (Cholecalciferol), 1 g Fischöl-Kapseln (465 mg Eicosapentaensäure [EPA] und 375 mg Docosahexaensäure [DHA]), beide Wirkstoffe oder Placebo ein (Details siehe Infokasten). Die Studiengruppen waren im Hinblick auf weitere Risikofaktoren wie Body-Mass-Index, Anteil Raucher sowie Begleiterkrankungen, z. B. Diabetes, sehr ausgeglichen.

Primärer Endpunkt der Studie war die Häufigkeit invasiver Krebserkrankungen oder schwerwiegender Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen3,10.

VITAL-Studie – Studienergebnisse

Nach durchschnittlich 5,3 Jahren gab es keinen statistisch signifikanten Vorteil der Vitamin-D-Einnahme.

  • Von 12.927 Teilnehmern, die Vitamin D erhielten, erkrankten 793 an Krebs.
  • In der Placebogruppe mit 12.944 Teilnehmern erkrankten 824 Teilnehmer an Krebs.
  • Die Hazard Ratio [HR] betrug 0,96 bei einem 95 %-Konfidenzintervall [CI] von 0,88 bis 1,06. Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Auch die Auswertung der sekundären Endpunkte ergab keine signifikanten Unterschiede:

  • Todesfälle durch Krebs: HR 0,83; 95 % CI, 0,67 – 1,02;
  • Brustkrebs: HR 1,02; 95 % CI, 0,79 – 1,31;
  • Prostatakrebs: HR 0,88; 95 % CI; 0,72 – 1,07;
  • Kolorektalkarzinome: HR 1,09; 95 % CI; 0,73 – 1,62.

Kurz zusammengefasst: Unterschiede zwischen beiden Gruppen sind mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zufallsbedingt.

Die Effekte waren unabhängig von den Basiswerten der 25-Hydroxyvitamin D-Serumkonzentration. Die Nebenwirkungen waren in beiden Studiengruppen nicht signifikant unterschiedlich3.

Fazit der Studie: Die tägliche Einnahme von Vitamin-D-Supplementen sowie der Omega-3-Fettsäuren (Fischöl) hat in dieser großen randomisierten Studie zur Primärprävention das Krebsrisiko und das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht verringert3,4.

 

Vitamin D – so geht es weiter

Obwohl die VITAL-Studie Ende 2017 beendet wurde, wird es Nachbeobachtungen in den nächsten beiden Jahren geben13. Außerdem laufen noch weitere große Studien zur Fragestellung Vitamin D in der Krebsvorbeugung6,7:

  • Erst kürzlich wurde der "Finnish Vitamin D Trial (FIND)" nach Angaben des Studienregisters www.clinicaltrials.gov beendet; die Ergebnisse stehen noch aus. Statt der ursprünglich geplanten 18.000 Teilnehmer werden vermutlich nur die Daten von knapp 2.500 Teilnehmern ausgewertet. In der Studie wird der Einfluss von täglich 3.200 IE Vitamin D3 mit 1.600 IE Vitamin D3 verglichen11.
  • In der englischen "Vitamin D and Longevity (VIDAL)"-Studie, geplant mit 20.000 Teilnehmern, wollen Wissenschaftler den Einfluss von 100.000 IE Vitamin D pro Monat auf die Gesamtsterblichkeit und die Krebsinzidenz untersuchen14.
  • In der australischen "D-Health-Studie" wird der Fragestellung nachgegangen, wie sich die Gabe von 60.000 IE Vitamin D pro Monat auf die Gesamtsterblichkeit und Krebsinzidenz auswirkt. Die Studie ist mit über 21.000 Menschen geplant. Mit Ergebnissen ist jedoch nicht in den nächsten Jahren zu rechnen5,12.

Vitamin D – so lauten die derzeitigen Empfehlungen

Nahrungsergänzungsmittel ©Shutterstock "Saowannee K"
Nahrungsergänzungsmittel – von Interesse gegen Krebs © Shutterstock "Saowannee K"

Unter den Vitaminen nimmt Vitamin D eine Sonderstellung ein: Neben der Aufnahme über die Ernährung kann durch UVB-Sonnenlichtbestrahlung aus körpereigenen Vorstufen Vitamin D gebildet werden. Als Marker für die Beurteilung der Vitamin D-Versorgung dient die Serumkonzentration von 25-Hydroxyvitamin D (25[OH]D). Allerdings unterscheiden sich die analytischen Bestimmungsmethoden, daher muss bei Auswertungen oder dem Vergleich von Studiendaten darauf geachtet werden, ob die Werte tatsächlich vergleichbar sind.

Für die Knochengesundheit
In den deutschsprachigen Ländern wird im Hinblick auf die Knochengesundheit eine 25(OH)D-Serumkonzentration von mindestens 50 nmol/l (20 ng/ml) angestrebt.

  • Als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr bei fehlender endogener Bildung nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) eine Gabe von 20 µg Vitamin D pro Tag. Dieser Wert entspricht 800 IE/Tag15.
  • Der Dachverband Osteologie e.V. (DVO) empfiehlt für Frauen nach der Menopause und Männer im Hinblick auf die Knochengesundheit täglich 800 IE Vitamin D und 1 g Calcium mit der Ernährung aufzunehmen. Sollten diese Mengen nicht erreicht werden, sollten Supplemente eingenommen werden1.
  • Als Aufnahmehöchstmenge von Vitamin D gibt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Erwachsene 100 µg/Tag an, was 4.000 IE täglich entspricht8.

Vorbeugen gegen Krebs – das sind die Möglichkeiten

Für Deutschland gehen Experten davon aus, dass mindestens 37 % der zu erwartenden Krebsneuerkrankungen auf beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen sind und damit prinzipiell vermeidbar wären2.

Experten-Empfehlungen für Gesunde

Wissenschaftlich fundierte Empfehlungen, wie gesunde Menschen ihr Krebsrisiko senken können, hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) gemeinsam mit der Europäischen Kommission in der 4. Ausgabe des "Europäischen Kodex gegen Krebs" aktualisiert9. Der Krebsinformationsdienst hat die Inhalte zur Krebsvorbeugung in seiner Broschüre "Was kann ich tun? Gegen Krebs!" aufgearbeitet. Die Broschüre kann kostenfrei über die Kontaktdaten bestellt oder online als PDF aufgerufen werden.