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Klinische Studie mit speziellem Design: Nichtunterlegenheitsstudie

Wann wird sie durchgeführt und wodurch zeichnet sie sich aus?

Nichtunterlegenheitsstudien finden in der Krebsmedizin zunehmend Beachtung. Auch können ihre Ergebnisse die klinische Praxis ändern. Ein Beispiel ist die IDEA-Analyse, die die Option eröffnete, die adjuvante Chemotherapie bei Patienten mit Kolonkarzinom von 6 auf 3 Monate zu verkürzen. Bei Brustkrebs zeichnet sich in der adjuvanten Herceptin-Therapie eine Therapieverkürzung von 12 auf 6 Monate ab (PERSEPHONE-Studie). Auf Grundlage der Nichtunterlegenheitsstudie REFLECT wurde 2018 ein Krebsmedikament neu zugelassen: Lenvatinib für die Erstlinientherapie bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom. Studien, die zeigen, dass eine Therapie einer anderen überlegen ist, sind den meisten Fachleuten geläufig. Wann aber werden Nichtunterlegenheitsstudien durchgeführt?

Was ist eine Nichtunterlegenheitsstudie?

In einer Nichtunterlegenheitsstudie soll gezeigt werden, dass eine Prüfbehandlung nicht oder nur unbedeutend schlechter ist als eine Referenzbehandlung. Unbedeutend schlechter bedeutet, dass der Unterschied zwischen Prüf- und Referenzbehandung klinisch ohne Bedeutung ist. Referenzbehandlung ist häufig die existierende Standardtherapie.

Wann wird eine Nichtunterlegenheitsstudie durchgeführt?

Ein Nichtunterlegenheitsdesign kann sinnvoll sein, wenn bei einem Vergleich von zwei Therapien möglicherweise gar kein oder nur ein vernachlässigbar kleiner Unterschied im Hinblick auf die Wirksamkeit zu erwarten ist. Als Verbesserung wird in solchen Situationen nicht eine bessere Wirksamkeit der neuen Therapie angesehen, sondern ein günstigeres Nebenwirkungsprofil, eine einfachere Handhabung oder geringere Kosten ‒ Aspekte, die in der Krebstherapie oft von Belang sind.

Mehrere Therapieoptionen erwünscht

Auch kann es in bestimmten Fällen wünschenswert sein, mehrere gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung zu haben. Dies ist beispielsweise von Vorteil, wenn es zu Resistenzentwicklungen, allergischen Reaktionen oder anderweitig zu Unverträglichkeiten bei Krebspatienten kommt.

Wodurch zeichnet sich eine Nichtunterlegenheitsstudie methodisch aus?

Nichtunterlegenheitsgrenze: Nichtunterlegenheit wird angenommen, wenn die neue Therapie allenfalls in gewissen, vor Studienbeginn definierten Grenzen schlechter abschneidet als die Referenzbehandlung. Vor Beginn einer Nichtunterlegenheitsstudie muss daher festgelegt werden, bis zu welcher Grenze leicht schlechtere Ergebnisse einer Therapie noch akzeptiert werden können, weil der Unterschied klinisch nicht relevant, das heißt für die Patienten ohne Bedeutung ist.

Relevante Analyse-Population: Bei einer Nichtunterlegenheits-Fragestellung ist die sogenannte Per-Protokoll-Auswertung ausschlaggebend. Das ist die Analyse, in die nur die Daten derjenigen Studienteilnehmer eingehen, die vollständig gemäß dem Prüfplan der Studie behandelt wurden. Bei der ebenfalls durchgeführten Intention-to-treat-Analyse dagegen werden die Daten aller Teilnehmer ausgewertet ‒ also auch die Daten derer, die im Laufe der Studie ausgeschieden sind oder eine andere Behandlung erhielten als ursprünglich geplant.

Signifikanzprüfung: Daten aus Nichtunterlegenheitsstudien bedürfen genauso der Signifikanzprüfung wie Daten aus Überlegenheitsstudien. Als signifikant gelten Ergebnisse dann, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, dass hier nur der Zufall am Werk war.

Geringere Fallzahl: Für einen Nichtunterlegenheitsnachweis sind in der Regel weniger Studienteilnehmer notwendig als für einen Überlegenheitsnachweis. Damit ist auch der finanzielle und organisatorische Aufwand geringer.





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Fachkreise-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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