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Moringa: "Wunderbaum" zur Krebstherapie?

Vom Heilmittel der Antike zum vermeintlichen "Superfood"

Eine Internetsuche mit dem Suchwort Moringa führt zu den verschiedensten Ergebnissen. Vom "Wunderbaum" und "Baum des Lebens" ist die Rede. Angeblich haben schon die alten Griechen und Römer zum Wohle ihrer Gesundheit Moringablätter gekaut. Auch vom jahrhundertelangen Einsatz der diversen Pflanzenteile in der ayurvedischen Medizin wird berichtet. Moringa hilft anscheinend bei mannigfaltigen Zipperlein. Was wirklich dran ist an der Wirkung von Moringa und ob die Pflanze als Therapie bei Krebs hilft, hat krebsinformationsdienst.med für Sie geprüft.

Moringa oleifera, der Merrettichbaum

Moringa - Blätter und Pulver, © Swapan - stock.adobe.com
Moringa, © Swapan - stockadobe.com

Moringa gehört zur Familie der Bennussgewächse. Die Arten dieser Pflanzengattung sind laubabwerfende, kleine Sträucher und Bäume mit knolligen oder rübenförmigen Wurzeln oder "Flaschenbäume" mit angeschwollenen Stämmen. Sie enthalten insbesondere in den saftreichen Teilen Senfölglykoside, die stark nach Meerrettich riechen. Aus diesem Grund trägt Moringa auch den Namen Meerrettichbaum (Moringa oleifera).

Ursprünglich kommt der Baum aus Indien, wo er am Fuße des Himalayas wächst. Weitere Arten sind in Asien und Afrika beheimatet. Inzwischen wird Moringa aber weltweit angebaut. Fast alle Teile der Moringapflanze sind essbar oder können anderwärtig genutzt werden.

Antibakterizide Wirkung von Moringa

Sowohl Blätter als auch Samen von Moringa haben eine bakterizide Wirkung: In einer Studie der "London School of Hygiene and Tropical Medicine" waren Hände, die mit einem Pulver aus 4 Gramm Moringablättern gewaschen wurden, genauso sauber wie Hände nach dem Waschen mit herkömmlicher Seife. Alle Probanden waren gesund, hatten die Hände vorab aber gezielt mit Escherichia coli-Kulturen benetzt.

Zur Desinfektion geeignet
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt konnte schon Ende der 1990er Jahre in einem Projekt zeigen, dass mithilfe von Moringasamen Wasser gereinigt und desinfiziert werden kann. Die Wirkung basiert unter anderem auf Agglomeration, so dass das Vorgehen umso wirksamer ist, je mehr Trübstoffe das Wasser enthält. Aufgrund der guten Wasserqualität ist das Verfahren hierzulande unnötig, in Entwicklungsländern – wo die Wasserqualität nicht immer gleich hoch ist – kann ein solches Vorgehen aber von großem Nutzen sein.

Behenöl in Medikamenten, Kosmetika und Speisen

Behenöl wird aus den Samen von Moringa oleifera gewonnen. Schon die ägyptischen Pharaonen der 6. Dynastie (ca. 2300 v. Chr.) importierten das Öl aus Indien. Damals wurde es zum Kochen, als Grundlage von Parfums sowie zum Einbalsamieren und generell in der Medizin genutzt. Im 18. Jahrhundert wurde das Öl zum Schmieren von Uhrwerken verwendet, bevor es durch billigeres Olivenöl verdrängt wurde. Behenöl ist für ein Pflanzenöl extrem haltbar und stabil. Heutzutage wird es immer noch als Grundlage von Kosmetika und in der ayurvedischen Medizin verwendet sowie als Speiseöl genutzt.

Nahrungsergänzungsmittel, aber kein Superfood
Moringa wird zusammen mit Chia-Samen, Acai-Beeren und anderen Lebensmitteln als "Superfood" bezeichnet. Dieser Marketing-Begriff wird für nährstoffreiche Lebensmittel verwendet, die als besonders förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden erachtet werden. Nach der europäischen Health-Claims-Verordnung muss die gesundheitsfördernde Wirkung eines Superfoods nachgewiesen sein. Da Belege für einen besonderen ernährungsphysiologischen Nutzen fehlen, entspricht Moringa allerdings keinem Superfood. Tatsächlich sind Moringaprodukte "nur" als Nahrungsergänzungsmittel registriert und haben damit den Stellenwert eines normalen Lebensmittels.

Studien mit Moringa

Moringa enthält viele Antioxidantien, beispielsweise verschiedene Vitamine und Carotinoide, auch Mineralstoffe, Saponine, Flavonole und das pflanzliche Zytokin Zeatin. In der Zellkultur hemmten diese Antioxidantien Krebszellen und lösten so die Apoptose aus. Solche Versuche gab es mit einer Reihe von Krebszelllinien, etwa von Brustkrebs, Darmkrebs, Hautkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Im Tierversuch zeigte Moringa eine leberschützende Wirkung bei Ratten mit Leberkrebs.

Studien am Menschen fehlen
All diese Ergebnisse sprechen dafür, dass Moringa und seine Inhaltsstoffe Potential als Medikamente gegen Krebs haben könnten. Allerdings sind Ergebnisse aus der Grundlagenforschung nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar. Aus diesem Grund bedarf es Studien mit Menschen. Diese gibt es bislang nicht. Moringa hat demnach keinen Stellenwert als Medikament bei Krebs.

Der Konsum von hochwertigem Moringa ist relativ sicher

Fazit für die Beratung:

Eine therapeutische Wirkung gegen Krebs beim Menschen durch Moringa ist nicht durch aussagekräftige wissenschaftliche Studien belegt.

Der Konsum von hochwertigem Moringa, etwa als Nahrungsergänzungsmittel, in normalen Dosen ist sicher. Erst bei Einnahme sehr hoher Mengen zeigte Moringa im Tierversuch erbschädigende Wirkungen. Allerdings kann Moringa aufgrund der Anbaubedingungen mit Pestiziden oder Keimen verunreinigt sein.

Da Moringa das CYP 450-Enzym der Variante 3A4 hemmt, können Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten oder anderen Arzneimitteln nicht ausgeschlossen werden.

Wenden Krebspatienten alleine und ohne Rücksprache mit ihren behandelnden Ärzten Moringa an, um damit ihren Krebs zu behandeln, handelt es sich um einen Einsatz als alternative Methode. Wird Moringa ohne therapeutische Intention als Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich zur Therapie eingenommen, handelt es sich um eine komplementäre Anwendung.

Verunreinigungen sind häufig
In den Jahren 2013 bis 2015 hat das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) sechzehn Proben aus Moringa-Blattpulver im Labor auf Reinheit und Zusammensetzung untersucht:

  • Elf der sechzehn Produkte stammten aus Indien, die übrigen waren nicht nach Herkunft deklariert.
  • Von allen sechzehn Produkten waren nur zwei vollständig in Ordnung und wurden nicht beanstandet.
  • Von den übrigen vierzehn Produkten enthielten zwei Proben Salmonellen, was auf Verunreinigungen mit Fäkalien im Ursprungsland hindeutet.
  • Dreizehn Proben waren auf Pestizide untersucht worden und bei zwölf wurden Rückstände gefunden. Von diesen zwölf überschritten acht – davon zwei "Bio"-Produkte – den jeweils zulässigen Höchstwert.
  • Dreizehn Proben wiesen Kennzeichungsmängel auf. Hier fanden sich beispielsweise Angaben zu nicht nachgewiesenen Wirkungen von Moringa (unzulässige Kennzeichnung).

Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen
Frei von Verunreinigungen und sorgfältig produziertes Moringa ist ein relativ sicheres Produkt, welches – in normaler Dosierung eingenommen – keine Nebenwirkungen verursacht. Im Tierversuch führten erst extrem hohe Dosen (über 3.000 mg/kg Körpergewicht) zu Schäden am Erbgut von Versuchstieren. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass Inhaltsstoffe von Moringa das Cytochrom P 450-Enzym der Leber vom Typ 3A4 hemmt. Möchten Krebspatienten Moringa einnehmen, sollten sie zusammen mit ihrem behandelnden Arzt prüfen, ob Wechselwirkungen mit ihrer Medikation auftreten könnten. Vorsicht ist etwa bei der Einnahme von Immunmodulatoren oder bei bestimmten Antihormontherapien geboten.