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Kurzzeitfasten während der Chemotherapie

Verbessert kurzes Fasten die Verträglichkeit der Krebsbehandlung?

Heutzutage gilt Fasten oft als gesund. Zumeist geht es dabei um das Fasten über einen kurzen Zeitraum, auch Kurzzeitfasten, Intervallfasten oder intermittierendes Fasten genannt. Gemeinsam ist diesen Fastenarten, dass sich zeitliche Phasen der Nahrungskarenz oder einer stark reduzierten Kalorienzufuhr mit Phasen der Nahrungszufuhr abwechseln. Dies soll verschiedene positive Effekte haben: So wird diskutiert, dass Fasten Übergewicht reduziert, eine ungünstige Stoffwechsellage korrigiert und Signalwege in der Zelle beeinflusst. Viele Krebspatienten fragen sich deshalb, ob Fasten auch für sie eine Option darstellt. Wie wirkt sich kurzzeitiges Fasten begleitend zu einer Chemotherapie aus? Die Datenlage dazu hat krebsinformationsdienst.med für Sie zusammengestellt.

Welche Effekte hat Kurzzeitfasten während der Chemotherapie?

Aus Zellkulturversuchen und Studien an Tiermodellen gibt es vielversprechende Hinweise: Kurzfristiges Fasten begleitend zur Chemotherapie könnte normale Zellen vor der therapeutischen Toxizität schützen. Im Gegensatz dazu, scheinen Tumorzellen bei Nahrungskarenz anfälliger für eine zytotoxische Behandlung zu sein.

Bisher gibt es wenige Studien zum Kurzzeitfasten begleitend zur Chemotherapie bei Krebspatienten:

Pilotstudie mit 10 Patienten

Im Jahr 2009 haben Safdie und Mitarbeiter die Fallbeschreibungen von 10 Patienten mit unterschiedlichen Krebserkrankungen zusammengefasst. Die Patienten fasteten freiwillig 48 bis 140 Stunden vor Chemotherapie und/oder 5 bis 56 Stunden danach. Über eine verringerte Fatigue und Schwäche sowie verminderte gastrointestinale Nebenwirkungen berichteten 6 Patienten, die während der Chemotherapie fasteten. Sie hatten sowohl Chemotherapie mit und ohne Fasten erhalten. Das Kurzzeitfasten wurde gut vertragen. Als Begleiterscheinungen des Fastens traten Hunger und Benommenheit auf. Die Wirksamkeit der Chemotherapie schien durch das Fasten nicht beeinträchtigt.

Fasten bei 13 Brustkrebspatientinnen

In eine kleine Studie von de Groot und Kollegen aus dem Jahr 2015 wurden 13 Brustkrebspatientinnen aufgenommen. 7 von ihnen fasteten 24 Stunden vor und nach der Chemotherapie. Die übrigen ernährten sich gesund und entsprechend den gültigen Ernährungsempfehlungen. Verglichen wurden die unerwünschten Wirkungen nach Behandlung mit Docetaxel, Doxorubicin und Cyclophosphamid. Bei den Patientinnen, die fasteten, fanden sich 7 Tage nach Chemotherapie signifikant höhere Erythrozyten- und Thrombozytenzahlen als bei denen, die sich normal ernährten. Nicht-hämatologische Toxizitäten traten in beiden Studiengruppen gleich häufig auf. Das Kurzzeitfasten wurde gut vertragen.

Fasten bei 20 Krebspatienten mit Platin-basierter Chemotherapie

In einer Studie aus dem Jahr 2016 untersuchte die Gruppe um Dorff bei 20 Patienten mit unterschiedlichen Krebserkrankungen den Einfluss des Fastens bei platinhaltigen Chemotherapien. Die Patienten verzichteten 24 bis 48 Stunden vor und 24 Stunden nach der Chemotherapie auf Nahrung. Welchen Einfluss die unterschiedliche Fastendauer auf die toxische Wirksamkeit der Chemotherapie hatte, wurde nicht explizit ausgewertet. Bei längerer Fastendauer wurden Hinweise auf weniger Schäden an Leukozyten gefunden. Auch verringerte sich die Konzentration von Insulin-ähnlichem Wachstumsfaktor (IGF-1). Dies könnte normale Zellen vor Toxizitäten durch die Therapie schützen: In Tiermodellen wurde bei Hemmung von IGF-1 ein verstärkter Zellschutz gegen toxische Belastung beobachtet. Das Fasten verursachte nur wenige Symptome. Die Patienten berichteten über Fatigue, Kopfschmerz und Schwindel.

Fasten © L.Klauser - stock.adobe.com
Verbessert Fasten die Verträglichkeit der Chemotherapie? © L.Klauser - stock.adobe.com

Laufen weitere Studien mit Krebspatienten zum Kurzzeitfasten?

Laut einem internationalen Studienregister laufen derzeit sieben Studien zum Kurzzeitfasten unter Chemotherapie, eine weitere ist geplant. Dabei handelt es sich überwiegend um sogenannte Machbarkeitsstudien mit geringer Patientenanzahl. Eine niederländische Studie ist größer angelegt: Es ist geplant 250 Brustkrebspatientinnen aufzunehmen. Mit Ergebnissen ist voraussichtlich erst im Jahr 2019 zu rechnen. Es ist möglich, dass weitere Studien laufen, die nicht in diesem Studienregister gemeldet sind.

Welchen Stellenwert hat das Kurzzeitfasten?

Derzeit ist es zu früh, um Aussagen über eine mögliche Wirkung und den Stellenwert des Kurzzeitfastens unter Chemotherapie zu machen. Im Gegensatz dazu ist eine dauerhafte Kalorienrestriktion bei Krebspatienten wegen des hohen Risikos für Gewichtsverlust und Mangelernährung kontraindiziert. Die S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung in der Onkologie rät generell von Diätvorschriften ab, die die Nahrungsaufnahme bei Patienten mit (drohender) Mangelernährung einschränken. In den Leitlinien und Empfehlungen der gynäkologischen und urologischen Fachgesellschaften wird Fasten nicht als unterstützende Maßnahme erwähnt.
Ob Kurzzeitfasten oder andere Arten von Intervall-Fasten oder Kalorienrestriktion die Nebenwirkungen einer Chemotherapie wirkungsvoll verringern können, bleibt abzuwarten. Sollten Ihre Patienten dennoch am Kurzzeitfasten während der Chemotherapie interessiert sein, ist ihnen eine Teilnahme an einer klinischen Studie zu empfehlen.