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Styroporbehälter – Krebsrisiko aus der Verpackung?

Sind Styroporbehälter für Essen und Getränke eine Gefahr für die Gesundheit?

Im Netz findet man immer wieder Berichte über ein Krebsrisiko durch Styropor-Lebensmittelverpackungen - vorwiegend aus Asien. Bedenken bestehen in erster Linie wegen des Monomers Styrol, das von der Internationalen Krebsforschungsagentur (International Agency for Research on Cancer, IARC) als „möglicherweise krebserregend" eingestuft wird.
Wie dies zu bewerten ist und warum ein gesundheitliches Risiko durch Styroporbehälter für Essen oder Getränke nach wissenschaftlichen Erkenntnissen unwahrscheinlich ist, erfahren Sie von krebsinformationsdienst.med.

Hintergründe und Stellungnahmen

Essen in Styroporbehälter © aperturesound, Fotolia
Gesundheitlich unbedenklich: Essen aus der Styroporschale © aperturesound, Fotolia

Nicht alle Styroporprodukte sind unbedenklich, manche müssen sogar als Sondermüll entsorgt werden. Allerdings betrifft dies seit Oktober 2016 lediglich Fassadendämmplatten aus Styropor (eigentlich Polystyrol), die mit dem Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) getränkt sind. Als fruchtschädigend eingestuft wurde Hexabromcyclododecan bereits seit Frühjahr 2016 innerhalb der EU mit einem weitgehenden Handels- und Verwendungsverbot belegt.
Für Styropor-Produkte im Allgemeinen gibt es derzeit kein Verbot.

 

Was ist was: Styropor - Polystyrol- Styrol
Styropor ist ursprünglich ein Handelsname für Polystyrol. Polystyrol ist ein Polymer von Styrol - also eine Vernetzung aus vielen Styrol-Bausteinen. Styrol, ein ungesättigter aromatischer (ringförmiger) Kohlenwasserstoff, liegt in Reinform als flüchtige Flüssigkeit vor. In sehr geringen Mengen kommt Styrol natürlicherweise in Früchten vor. Industriell wird es außer bei der Herstellung von Polystyrol und weiteren Plastik- und Gummiprodukten als Lösungsmittel eingesetzt. Für ein mögliches Krebsrisiko - auch von Styroporverpackungen - ist Styrol die entscheidende Substanz.

Styrol-Quellen: Neben Verpackungen hauptsächlich Zigaretten

Hauptquelle für Styrol im Innenbereich ist Zigarettenrauch, in dem Styrol als Verbrennungsprodukt enthalten ist. Daneben wird Styrol aus Gebrauchsgegenständen wie beispielsweise Verpackungen, Kleiderbügeln oder CD-Hüllen freigesetzt. Im Außenbereich tragen Verbrennungsrückstände aus Autoabgasen und Industrieemissionen zur Styrolbelastung bei. Das über die Atemwege aufgenommene Styrol macht Schätzungen zufolge mehr als 90 % der Gesamtbelastung aus.

Lebensmittel sind – jedoch in weit geringerem Ausmaß - die zweitgrößte Aufnahmequelle von Styrol für die Allgemeinbevölkerung.
Bei der Herstellung von Polystyrol bleiben einzelne Styrol-Moleküle ungebunden im Endprodukt zurück. Dieses Styrol wird nachweislich aus Polystyrolverpackungen freigesetzt und geht auch teilweise in die darin enthaltenen Lebensmittel über. Diese müssen nicht zwangsläufig heiß sein, um Styrol aufzunehmen.

Die Styrol-Konzentration in Lebensmittelverpackungen wurde in der Vergangenheit unter anderem in Großbritannien und den USA bestimmt. Dabei zeigte sich eine große Spannbreite der Messwerte. Beispielsweise lagen die Werte in der britischen Untersuchung zwischen 16 und 1.300 mg Styrol pro kg Styroporverpackung. In den darin verpackten Lebensmitteln wurden wesentlich geringere Werte nachgewiesen: zwischen 1 und 200 µg/kg. Die Styrol-Konzentration in den Lebensmitteln war also etwa um den Faktor 10.000 geringer. Die Ergebnisse der US-amerikanischen Untersuchungen waren ähnlich.

Daneben entstehen bei der Polystyrol-Herstellung auch Styrol-Oligomere, die aus der Verpackung ebenfalls auf Lebensmittel übergehen können. Styrol-Oligomere sind kleinere Moleküle, die sich aus wenigen Styrol-Bausteinen zusammensetzen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beurteilte in einer Stellungnahme von April 2016 ein gesundheitliches Risiko durch Styrol-Oligomere als unwahrscheinlich.

Mögliches Krebsrisiko: Was sagen die Institutionen?

Von der Internationalen Krebsforschungsagentur (International Agency for Research on Cancer, IARC) wird Styrol als möglicherweise krebserregend eingeschätzt, also der Gruppe 2B zugeordnet. Diese Einschätzung beruht überwiegend auf Ergebnissen aus Tierversuchen beziehungsweise Studien aus dem beruflichen Bereich, konkret aus der Produktion von Styrol- und Polystyrol, von Glasfaser-verstärktem Plastik und von synthetischem Gummi. In diesen Studien lag die Styrolbelastung pro Tag mindestens im Milligrammbereich und war damit um etwa einen Faktor 1.000 höher, als bei der Allgemeinbevölkerung zu erwarten ist.

Laut der GESTIS-Datenbank des Instituts für Arbeitssicherheit (IFA) ist Styrol im beruflichen Bereich als "Krebserzeugend: Kategorie 5" eingestuft. In dieser Kategorie finden sich Stoffe, die ein so geringes krebserzeugendes und fruchtschädigendes Potential haben, „dass bei Einhaltung des MAK-Wertes kein nennenswerter Beitrag zum Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten ist." Der MAK-Wert entspricht der höchsten zulässigen Konzentration einer Substanz am Arbeitsplatz.

Das Umweltbundesamt (UBA) fasst die verfügbaren Erkenntnisse zum Krebsrisiko bzw. zu einer möglichen Schädigung des Ungeborenen durch Styrol wie folgt zusammen: "Hinsichtlich Wirkungen auf Fortpflanzung und Entwicklung nach akuter Einwirkung von Styrol liegen beim Menschen keine Daten vor. Epidemiologische Untersuchungen [aus dem beruflichen Bereich] erbrachten keine begründeten Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen wiederholter Styrolexposition .... und Wirkungen auf Fortpflanzung und Entwicklung."

Fazit für den Alltag: Nach derzeitigem Kenntnisstand unbedenklich

Wichtigste Quelle für eine Styrolbelastung der Allgemeinbevölkerung ist Zigarettenrauch. Aus Polystyrol-Verpackungen, im Allgemeinen als Styropor bezeichnet, kann jedoch auch in geringen Mengen Styrol auf Lebensmittel übergehen.

Styrol wird von der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsbehörde (WHO) als „möglicherweise krebserregend" (Gruppe 2B) eingestuft. Diese Beurteilung fußt hauptsächlich auf Tierstudien und Studien aus dem beruflichen Bereich.

Für den alltäglichen Kontakt mit Polystyrol-Verpackungen beziehungsweise dem daraus freigesetzten Styrol gilt folgendes:

  • Bisher wurde nicht nachgewiesen, dass Styrol aus Lebensmittelverpackungen beim Menschen tatsächlich Krebs auslöst oder fruchtschädigend wirkt.
  • Die Einstufung von Styrol durch die IARC hat einen vorsorgenden Charakter: Aufgrund eines möglicherweise vorhandenen Krebsrisikos, sollte Styrol soweit wie möglich gemieden werden.
  • Im Alltag lässt sich diese Empfehlung beispielsweise dadurch umsetzen, dass man Essen oder Getränke aus Polystyrol-Verpackungen nicht regelmäßig isst oder sicherheitshalber ganz meidet. Dies gilt insbesondere während der Schwangerschaft oder für Kinder. Um die individuelle Styrol-Belastung zu mindern, wäre ein Rauchverzicht noch wichtiger.

Ein gesundheitliches Risiko durch andere Styrol-Verbindungen, wie etwa Styrol-Oligomere, aus Lebensmittelverpackungen wurde vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als unwahrscheinlich beurteilt.