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Von der Krebserkrankung geheilt?

Umgang mit Spätfolgen von Krebs

Nach einer Krebsbehandlung gelten immer mehr Patienten als geheilt. Obwohl die eigentliche Krebserkrankung überstanden ist, leiden jedoch viele von Ihnen nachfolgend an gesundheitlichen Störungen. Es können auch noch Jahre später neue Krankheiten auftreten, die durch den früher durchgemachten Krebs und/oder seine Behandlung mit bedingt sind. Häufig ist der Zusammenhang zwischen Spätfolgen und der ursprünglichen Tumorerkrankung beziehungsweise der Krebstherapie jedoch nicht klar ersichtlich. Seit einigen Jahren beschäftigt sich die LESS-Studiengruppe in Deutschland mit diesem Thema. Jetzt hat sie eine neue Informationsbroschüre zum Thema „Hodenkrebs und Krebsnachsorge" veröffentlicht. Krebsinformationsdienst.med stellt Ihnen die Broschüre vor, informiert Sie über LESS und erläutert, warum eine langfristige Nachsorge für alle ehemaligen Krebspatienten wichtig ist.

Neue LESS-Broschüre Hodenkrebs

Menschenmenge auf Strasse © WWW.SHOCK.CO.BA
Immer mehr Menschen von Krebs geheilt © WWW.SHOCK.CO.BA

„LESS" steht für Late Effects Surveillance System, übersetzt also etwa „strukturierte Überwachung auf Spätfolgen". Die LESS-Studiengruppe kümmert sich hauptsächlich um Spätfolgen von Krebs im Kindes- und Jugendalter. Jetzt hat diese Arbeitsgruppe erstmals eine Informationsbroschüre zur Nachsorge von Hodenkrebspatienten veröffentlicht.

Hodenkrebs ist die häufigste Krebsart bei Jugendlichen und jungen Männern. Den epidemiologischen Zahlen des Robert Koch-Instituts zufolge tritt Hodenkrebs meist im jungen Erwachsenenalter auf, das heißt zwischen dem 25. und 45. Lebensjahr. Im Jahr 2016 wird mit 4.200 Neuerkrankungen gerechnet.

In der neuen LESS-Informationsbroschüre Hodenkrebs „Von der Krebserkrankung geheilt: Nachsorge ist Vorsorge" werden die möglichen Folgen der Erkrankung und der verschiedenen Therapien von Hodenkrebs ausführlich dargestellt. Eine langfristige Nachsorge von Hodenkrebspatienten hat daher große Bedeutung.

Was bedeutet „Cancer Survivorship“?

Eine Erklärung des Begriffs und Hintergrundwissen zu diesem Thema finden Sie auf unserem Informationsblatt „Langzeit-Überleben nach Krebs" (PDF)

Eine wichtige Aufgabe der Langzeit-Nachsorge besteht darin, Spätfolgen von Krebs vorzubeugen beziehungsweise sie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Einige Informationen in der neuen Broschüre gelten nicht nur für Patienten mit Hodenkrebs, sondern lassen sich auch auf andere Krebsarten übertragen. Die neue LESS-Broschüre kann Fachleute unterstützen, die an der Versorgung von ehemaligen Krebspatienten beteiligt sind. Zudem bietet sie erste Anknüpfungspunkte für diejenigen, die sich für das Thema „Cancer Survivorship" interessieren.

Die LESS-Studiengruppe

Das Wissen zu möglichen Spätfolgen von Krebs stammt meist aus Langzeitbeobachtungen von Menschen, die bereits im Kindes- oder Jugendalter an Krebs erkrankt sind. In Deutschland werden diese Daten seit einigen Jahren von der Arbeitsgruppe „Spätfolgen in der Pädiatrischen Onkologie – Late Effects Surveillance System (LESS)" der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) erfasst und ausgewertet. Derzeit ist das LESS-Studienzentrum an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Lübeck unter der Leitung von Prof. Dr. Thorsten Langer angesiedelt. Für Ärzte und fachlich Interessierte bietet die LESS-Arbeitsgruppe auf ihren Internetseiten www.nachsorge-ist-vorsorge.de/ unter anderem folgendes Informationsmaterial an:

  • Übersichtsartikel zum Thema Langzeitfolgen
  • Informationen zu organbezogenen Spätfolgen
  • Informationen zu medikamentenbezogenen Spätfolgen
  • Nachsorgepläne für ehemals krebskranke Kinder und Jugendliche
  • Links zu Nachsorgesprechstunden für ehemals krebskranke Kinder und Jugendliche

Langzeit-Nachsorge von Krebspatienten

Experten empfehlen vielen ehemaligen Krebspatienten eine langfristige Krebsnachsorge, um Spätfolgen zu vermeiden oder frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Bislang ist nicht geklärt, wie eine solche Langzeit-Nachsorge ablaufen soll. Welche Fachleute sind für die Begleitung ehemals krebskranker Menschen zuständig und welche Untersuchungen gehören zu einem Follow-up? Wie können Ärzte sich zum Thema „Cancer Survivorship" informieren und fortbilden? Wer kommt für den zeitlichen Mehraufwand auf und bezahlt die zusätzlichen Kosten? Welche Versorgungsmodelle (Survivorship-Programme, strukturierte Nachsorgepläne) gibt es für die Langzeit-Nachsorge? Diese Fragen werden sowohl international als auch in Deutschland zunehmend diskutiert. Eine einheitliche Antwort und eine einfache Lösung gibt es derzeit nicht.

An der Langzeit-Nachsorge sind verschiedene Berufsgruppen beteiligt. In der wissenschaftlichen Literatur zu „Cancer Survivorship" wird Allgemein- und Hausärzten häufig eine zentrale Rolle zugesprochen: Sie sind die zentralen Ansprechpartner in Gesundheitsfragen für die betroffenen Familien und könnten in Zukunft die Versorgung ehemaliger Krebspatienten koordinieren. Dafür brauchen sie zusätzliches Wissen und Kompetenz. Fort- und Weiterbildungen auf diesem Gebiet werden derzeit allerdings nur begrenzt angeboten. Im Abschnitt "Zum Weiterlesen" finden Sie Informationsmöglichkeiten und weitere Ansprechpartner zum Thema Krebs-Langzeitnachsorge.