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Während der Krebstherapie in die Sonne: Was kann man Patienten raten?

Photosensibilisierung durch Krebsmedikamente möglich

Endlich Sonne! Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr ein Sommerspaziergang die Stimmung hebt. Auch Krebspatienten wird inzwischen ein möglichst aktiver Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung an der frischen Luft empfohlen. Bei einigen Krebspatienten tritt unter der medikamentösen Therapie aber eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit auf, die auch nach Ende der Therapie noch anhalten kann. Welche Patienten betrifft dies besonders häufig? Wie äußert sich eine solche medikamentenbedingte Lichtempfindlichkeit? Was kann man diesen Patienten empfehlen? Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums hat für Sie Informationen zu einer möglichen Photosensibilisierung bei Krebs zusammengestellt.

Phototoxische Reaktionen und Photoallergien durch Medikamente

Deutlich sichtbarer Sonnenbrand © asiandelight/Fotolia
Deutlich sichtbarer Sonnenbrand © asiandelight/Fotolia

Vielleicht haben Sie es bereits bei "Ihren" Krebspatienten beobachtet: Selbst ein kurzer Aufenthalt in der Sonne oder sogar unter bewölktem Himmel kann – mitunter heftige – Hautreaktionen an lichtexponierten Stellen wie Gesicht oder Armen hervorrufen. Diese können beispielsweise einem klassischen Sonnenbrand ähneln oder sich als Verfärbung der Haut äußern. Auch die Nägel können betroffen sein. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um phototoxische Reaktionen. Dabei entsteht durch die Lichteinwirkung in der Haut eine Substanz, die die Hautzellen direkt schädigt. Eine phototoxische Reaktion kann auch dadurch zustande kommen, dass ein Medikament die Fähigkeit der Hautzellen zur "Entgiftung" solcher Substanzen beeinträchtigt.

Bei den selteneren photoallergischen Reaktionen nimmt man dagegen an, dass sich das Medikament unter Lichteinwirkung mit biologischen Strukturen wie Eiweißen in der Haut verbindet. Diese Strukturen werden dann von Zellen des Immunsystems als Fremdantigen erkannt und angegriffen: Es kommt zu einer allergischen Reaktion.

Phototoxische und photoallergische Reaktionen können sich klinisch stark ähneln und werden zum Teil von den gleichen Medikamenten ausgelöst. Daher fasst man solche Wirkstoffe unter dem Oberbegriff "Photosensibilisatoren" zusammen. Sie alle erhöhen auf unterschiedlichen Wegen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Wichtig: Man kann nicht ausschließen, dass solche Medikamente auch die Lichtempfindlichkeit der Netzhaut verstärken und damit zu Augenschäden führen können. Diese mögliche Nebenwirkung ist jedoch bisher nicht gut untersucht.

Welche Medikamente können photosensibilisierend wirken?

Es gibt eine Vielzahl von Krebstherapeutika, die bei Krebspatienten eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit hervorrufen können.

Einige Beispiele:

  • Chemotherapeutika: Seit langem ist bekannt, dass einige Zytostatika die Lichtempfindlichkeit der Haut bei manchen Patienten stark steigern – allen voran 5-Fluorouracil (5-FU), aber auch weitere Chemotherapeutika wie Vinblastin, Dacarbazin oder Methotrexat.
  • Zielgerichtete Therapeutika, englisch "targeted therapy": Auch einige Substanzen aus der Gruppe der zielgerichteten Medikamente können zu einer Photosensibilisierung der Haut führen. Zuerst beschrieben wurde dies für verschiedene Hemmer des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors EGFR wie Cetuximab. Inzwischen ist klar, dass auch einige andere Kinase-Inhibitoren, beispielsweise ALK-Hemmer wie Alectinib, diese Nebenwirkung hervorrufen können. Besonders häufig tritt eine Photosensibilisierung auf, wenn Patienten mit dem B-Raf-Hemmer Vemurafenib behandelt werden: In entsprechenden Untersuchungen verstärkte sich bei etwa einem Drittel bis zur Hälfte der Patienten die Lichtempfindlichkeit, bei etwa 3 % der Patienten sogar sehr stark. Bei dem verwandten Wirkstoff Dabrafenib dagegen treten phototoxische Reaktionen sehr viel seltener auf.
  • Sonderfall - Wirkstoffe für die Photodynamischen Therapie: Insbesondere zur Behandlung von Läsionen, die nicht die Haut betreffen, werden Photosensibilatoren wie Porfimer-Natrium oder Temoporfin meist systemisch eingesetzt – beispielsweise in Studien zum Gallengangskarzinom oder zum Glioblastom. Dann ist eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit der Haut eine sehr häufige Nebenwirkung. Sie kann abhängig von der eingesetzten Substanz noch einige Wochen nach Abschluss der Behandlung anhalten.

Dazu kommt: Im Rahmen einer supportiven Therapie erhalten Krebspatienten häufig weitere Arzneimittel wie Antibiotika, Kortikosteroide oder Antidepressiva. Auch in diesen Substanzklassen gibt es potentiell photosensibilisierende Wirkstoffe. Darunter fallen beispielsweise trizyklische Antidepressiva wie Trimipramin oder Clomipramin sowie der pflanzliche "Stimmungsaufheller" Johanniskraut. Auch Antibiotika aus der Klasse der Fluorchinolone wie Ciprofloxacin oder Tetrazykline wie Doxycyclin gehören dazu.

Ist Photosensibilisator gleich Photosensibilisator?

Die oben genannten Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen können eine Photosensibilisierung hervorrufen. Aber: Ausmaß und Häufigkeit, mit der sie tatsächlich als Photosensibilisatoren wirken, unterscheiden sich deutlich. Sehr häufig tritt diese Nebenwirkung bei Patienten auf, die mit Vemurafenib behandelt werden (meist wegen eines malignen Melanoms). Auch Methotrexat, 5-FU oder Ciprofloxacin erhöhen häufig die Lichtempfindlichkeit. Vor allem diese Patienten sollten daher ausdrücklich auf entsprechende vorbeugende Maßnahmen hingewiesen werden. Bei anderen Wirkstoffen tritt diese Nebenwirkung dagegen selten auf. Dennoch ist es wichtig, bei Symptomen wie sehr schnell auftretendem Sonnenbrand daran zu denken, dass bei dem jeweiligen Patienten eine Photosensibilisierung vorliegen könnte – auch bei Arzneimitteln, bei denen diese Nebenwirkung seltener beschrieben wurde.

Verdacht auf eine Photosensibilisierung: Was tun?

Bekommt ein Krebspatient zum Beispiel sehr schnell einen Sonnenbrand oder juckende Flecken oder verfärbt sich seine Haut an sonnenexponierten Stellen, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine phototoxische Reaktion handeln könnte. Mit Untersuchungen wie einem Photo-Patch-Test kann festgestellt werden, ob ein Medikament dafür verantwortlich ist – und wenn ja, welches. Dabei wird die "verdächtige" Substanz auf zwei Hautareale aufgetragen, von denen dann eines unter standardisierten Bedingungen mit UV-A bestrahlt wird. Rötet sich nur das bestrahlte Areal stärker als die umliegende Haut, geht man von einer Photosensibilisierung durch die untersuchte Substanz aus.

Oft verschwinden die Veränderungen von selbst, wenn die Haut keiner UV-Strahlung mehr ausgesetzt wird. Gegebenenfalls kann diskutiert werden, auf ein anderes Medikament zu wechseln – dies ist jedoch bei der Behandlung von Krebspatienten in der Regel nicht ohne Weiteres möglich.

Am Sichersten wäre es natürlich, bei Einnahme potentiell photosensibilisierender Medikamente eine UV-Exposition beispielsweise durch Sonnenlicht konsequent zu vermeiden – bei manchen Arzneimitteln auch noch einige Zeit nach Beendigung der Therapie. Es muss jedoch beachten werden: Je nach Veranlagung kann das die Lebensqualität des Patienten erheblich einschränken. Auch die gängigen Sonnenschutzmaßnahmen wie Sonnenschutzkleidung und Sonnencreme sind eine Option.

Sonnenschutzmaßnahmen

Für die Lichtreaktionen verantwortlich ist nicht die "klassische", Sonnenbrand verursachende UV-B-Strahlung, sondern die langwelligere UV-A-Strahlung. UV-A wird durch manche Sonnencremes, durch dünne Kleidung und durch Fensterglas nicht ausreichend abgefangen. Die Patienten sollten darum darauf hingewiesen werden, bei jedem Aufenthalt im Freien eine Sonnencreme mit UV-A-Filter einzusetzen – gegebenenfalls auch bei längeren Autofahrten oder beim Aufenthalt hinter einer größeren Fensterfront oder in einem Wintergarten. Auch ein Sonnenhut und etwas dichtere Kleidung können diesen Patienten gute Dienste leisten. Es gibt auch UV-A-undurchlässige Schutzfolie, die auf Fensterscheiben oder auch das Glasdach eines Autos aufgebracht werden kann. Zusätzlich ist auch eine Sonnenbrille mit UV-A- und UV-B-Filter zum Schutz der Augen vor möglichen phototoxischen Schäden sinnvoll.