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Krebspatienten mit Tieren: Diese Hygienetipps sind wichtig

Fragen und Antworten, die besonders für immunsupprimierte Patienten gelten

Muss ein junger Mann mit Akuter Myeloischer Leukämie seinen Jack Russel Terrier abgeben, wenn eine allogene Stammzelltransplantation geplant ist? Darf eine Brustkrebspatientin ein Katzenjunges kaufen, wenn ihre weißen Blutkörperchen unter der Chemotherapie immer wieder für mehrere Tage absinken? Dürfen krebskranke Kinder in den Streichelzoo oder in den Zirkus gehen? Muss die 80-Jährige Krebspatientin auf Besuche bei ihrer Schwester verzichten, weil diese eine Wellensittichvoliere hat? Mit diesen und anderen Fragen zum Thema Tierhaltung werden medizinisch tätige Personen häufig konfrontiert. krebsinformationsdienst.med hat eine Reihe der häufigsten Fragen und die Antworten hier schon einmal für Sie und ihre Patienten zusammengestellt.

Warum können Haustiere für Krebspatienten ein Problem sein?

Katzen als Haustiere © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
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Durch den Kontakt mit Haustieren können Krankheitserreger auf den Menschen übertragen werden: Neben Pilzen, wie Mikrosporidien und Trichophyten, können sich Menschen sowohl mit Viren, etwa Hepatitis-E-Viren, als auch mit Bakterien, wie Leptospiren oder Salmonellen, anstecken. Eine Übertragung von beispielsweise Bandwürmern und Einzellern, wie Kryptosporidien oder Toxoplasmen, ist ebenfalls möglich. Bei den Tieren selbst und auch bei einem gesunden Menschen verlaufen entsprechende Infektionen oft eher mild. Für Patienten mit einem stark geschwächten Immunsystem können diese und andere übertragbaren Krankheiten aber gefährlich und sogar lebensbedrohlich werden.

Tritt eine Immunschwäche auf, ist es letztlich unerheblich, ob sie eine Folge der Erkrankung oder der medizinischen Behandlung ist: Ein Patient sollte sich möglicher Gefahren dadurch bewusst sein. Abhängig vom Schweregrad einer Immunschwäche und ihrem zeitlichen Verlauf werden verschiedene Risikogruppen definiert: Dementsprechend rigide oder weniger strikt sind die Maßnahmen, die Patienten beachten sollten. Genauer erläutert werden die verschiedenen Risikogruppen und für sie geeignete Hygienemaßnahmen von der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert Koch-Instituts in Berlin. Diese finden sich auf der Internetseite des RKI unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Immunsuppr_Rili.pdf?__blob=publicationFile (PDF)

Was passiert mit einem Haustier, wenn eine Stammzelltransplantation ansteht?

Steht bei einem Krebspatienten eine Stammzelltransplantation an, sollten die behandelnden Ärzte über vorhandene Haustiere informiert werden. Oft verbringt ein Patient einen großen Teil der intensiven Therapiephase im Krankenhaus. Er wird zumeist erst entlassen, wenn sich die Blutbildung erholt hat und Teile des körpereigenen Immunsystems wieder funktionsfähig sind. Im Krankheitsverlauf können jedoch Komplikationen auftreten, die das Immunsystem beeinträchtigen: Beispielsweise kann eine Graft-versus-Host-Erkrankung auftreten, die meist eine zusätzliche Immunsuppression notwendig macht. In einem solchen Fall rät der Arzt dem Patienten vermutlich, sein Haustier vorübergehend besser von Verwandten oder Freunden in deren Zuhause betreuen zu lassen.

Meist müssen Krebspatienten aber nicht dauerhaft auf ihr geliebtes Haustier verzichten. Für einen möglichst gefahrlosen Umgang sollten immunsupprimierte Haustierhalter allerdings einige Verhaltensregeln berücksichtigen:

  • Gesunde Haustiere sollten regelmäßig tierärztlich überwacht und entwurmt werden, kranke Tiere müssen vom Tierarzt behandelt werden.
  • Das Tier muss alle notwendigen Impfungen haben.
  • Nach direktem Kontakt mit dem Tier sollten die Hände gewaschen und desinfiziert werden.
  • Die Tiere sollten kein rohes Futter erhalten und sauberes Wasser bekommen.
  • Katzentoiletten sollten nicht vom Patienten selbst gereinigt werden. Gleiches gilt für Vogelkäfige, Kaninchenställe, Terrarien und Aquarien. Auch mit Hundekot sollte ein Patient nicht in Berührung kommen. Es ist daher vorteilhaft, wenn ein krebskranker Tierhalter nicht alleine lebt. Ist das doch der Fall, sollten sich Patienten nicht scheuen, bei der Versorgung des Tieres auf die Hilfe von Freunden und Familie zurückzugreifen.
  • Abwehrgeschwächte Patienten sollten sich von ihren Haustieren nicht ablecken lassen und sie auch nicht küssen. Streicheleinheiten sind erlaubt und können die Lebensqualität von Mensch und Tier steigern. Wildes Spielen sollte allerdings vermieden werden, um Kratz- oder Bisswunden zu verhindern.

Darf man trotz Krebserkrankung neue Haustiere anschaffen?

Sich auch als Krebspatient ein neues Haustier anzuschaffen, ist möglich, allerdings nicht ohne Einschränkungen. Beispielsweise muss das Alter des neuen Gefährten berücksichtigt werden. Jungtiere, deren Immunsystem sich noch ausbildet und die noch keinen kompletten Impfschutz haben, sind tabu. Konkret bedeutet das, Tiere sollten älter als 6 Monate sein, Katzen sogar älter als ein Jahr. Katzenbabys, egal wie niedlich sie anzusehen sind, sind für abwehrgeschwächte Krebspatienten also keine Option. Berücksichtigt werden muss auch, dass das neue Haustier bevor es mit einem Krebspatienten in Kontakt kommt, einem Tierarzt vorgestellt wird. Hat dieser das Tier für gesund erklärt, kann der neue Haus- oder Wohnungsgenosse einziehen. Die Anschaffung von Exoten oder die Aufnahme von Wildtieren wird immunsupprimierten Patienten generell nicht empfohlen.

Dürfen krebskranke Kinder Tiere streicheln?

Ein direkter und indirekter Kontakt mit Wildtieren sollte vermieden werden: Mäuse, Ratten, Vögel, Hasen und Igel - auch verletzte Tiere - sollen von abwehrgeschwächten Patienten nicht angefasst werden. Auch Reptilien wie Geckos, Schlangen und Schildkröten sind tabu, da sie ein völlig anderes Erregerspektrum übertragen können. Junge Bauernhoftiere wie Kälber, Fohlen, Lämmer und generell Schafherden, aber auch freilaufende Haustiere sind zu meiden: Es ist aufgrund ihrer Haltungsbedingungen nicht ausgeschlossen, dass sie zu Wildtieren Kontakt haben. Aus diesen Gründen wird immunsupprimierten Kindern empfohlen, solchen Tieren nicht zu nahe zu kommen. Das betrifft beispielsweise auch das Streicheln von Kaninchen und Ziegen im Streichelzoo, von Elefanten im Zirkus oder von Eseln oder Schildkröten im Zoo.

Da der Kontakt mit Tieren krebskranken Kindern Freude bringt und ihre Lebensqualität erhöht, kann ein Tierkontakt natürlich wünschenswert sein. Hier sind besonders trainierte Hunde eine Option. Bei abwehrgeschwächten Kleinkindern sollte ein solches Zusammentreffen in jedem Fall von einem Erwachsenen beaufsichtigt werden.

Diese Empfehlung gilt auch für abwehrgeschwächte Erwachsene, die einen Ausflug mit ihren Kindern oder Enkelkindern in Erwägung ziehen, bei dem es zum Kontakt mit den genannten Tieren kommen kann.

Sind Vogelvolieren eine Gefahr?

Bei Vögeln muss man nach Art und Gattung unterscheiden. Für Nutztiere, wie Hühner, gilt dasselbe wie für Haustiere, etwa Wellensittiche: Sie sollten tierärztlich überwacht und frei von Vogelkrankheiten sein. Dies umfasst die durch den Erreger Chlamydia psittaci verursachte Papageienkrankheit (Ornithose), aber auch Infektionen durch Salmonellen oder Campylobacter-Arten. Taubenschläge mit Brieftauben und Speicher, auf denen freilebende Tauben nisten, sollten gemieden werden, da die Vögel unkontrolliert mit der Außenwelt in Berührung kommen. Um auf der sicheren Seite zu sein und nicht in Kontakt mit Vogelkot zu kommen, ist immunsupprimierten Patienten vom längeren Aufenthalt in und vor einer Vogelvoliere abzuraten. Der Vogelkäfig zuhause stellt keine Gefahr dar, solange die Vögel nicht frei in der Wohnung umherfliegen und die tägliche Reinigung des Käfigs von anderen übernommen wird.