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Hintergrund: Adipositas und Krebsrisiko

Ein Viertel der Deutschen ist übergewichtig

Übergewicht betrifft in Deutschland immer mehr Menschen: Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen wiegen zu viel. Im Rahmen seines aktuellen Gesundheitsmonitorings hat das Robert Koch-Institut (RKI) noch detailliertere Zahlen veröffentlicht: Demnach ist ein Viertel der Bevölkerung nicht nur übergewichtig, sondern deutlich zu dick. Diese Adipositas wird in der Regel definiert durch einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 und darüber, sie gilt als gesundheitliches Risiko. Betroffen sind aktuell 23 Prozent der erwachsenen Männer und 24 Prozent der Frauen.

Gesundheitsexperten beobachten diese Entwicklung mit Sorge: Das Risiko für eine ganze Reihe von Erkrankungen steigt. Seit einigen Jahren weiß man, dass auch Krebs dazu zählen kann. Pauschale Aussagen, die man häufig in den Medien finden kann, sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Für welche Tumorarten trifft die Risikosteigerung zu, für welche nicht? Welche Rolle spielt die Fettverteilung? Insgesamt sind zu diesem Thema noch viele Fragen offen. Wie schwierig eine Beurteilung ist und was man bisher tatsächlich weiß, hat krebsinformationsdienst.med anhand der vorliegenden Fachliteratur geprüft.

Pauschale Risikoaussagen zurzeit schwierig

Dicker Mann auf einer Waage © whitetag/thinkstock
Der Body-Mass-Index (BMI) ist nicht immer allein ausschlaggebend für das Krebsrisiko. © whitetag/thinkstock

Wie komplex Aussagen zum Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebsrisiko sind, lässt sich vielleicht am besten durch zwei Beispiele verdeutlichen.

Als sicher gilt beispielsweise, dass Fettleibigkeit das Risiko für ein Nierenzellkarzinom erhöht. Zu dieser Schlussfolgerung kommen sowohl das Expertengremium des World Cancer Research Fund als auch die Autoren der aktuellen S3-Leitlinie Nierenzellkarzinom. Ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI), der auf Übergewicht oder Adipositas hindeutet, ist jedoch nicht allein ausschlaggebend. Auch der Taillenumfang und das Verhältnis Taillen- zu Hüftumfang scheinen das Risiko für Nierenzellkarzinome zu beeinflussen. Das bedeutet: Haben Menschen wenig Bauchfett, aber einen hohen BMI aufgrund von viel Muskelmasse oder einer hohen Knochendichte, ist ihr Krebsrisiko wahrscheinlich anders zu beurteilen als das Übergewichtiger mit viel Bauchfett und der typischen "Apfelform".

Body-Mass-Index

Übergewicht: BMI 25-29,9 kg/m2
Adipositas oder Fettleibigkeit: BMI ≥ 30 kg/m2

Auch das Beispiel Brustkrebs zeigt, wie schwierig pauschale Aussagen im Zusammenhang mit Krebsrisiko und Übergewicht sind. So bringen Experten Übergewicht nach den Wechseljahren aufgrund aussagekräftiger Studienergebnisse eindeutig mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Zusammenhang. Für Übergewicht bei jüngeren Frauen vor den Wechseljahren ist ein solcher eindeutiger Zusammenhang nicht belegt.
Nicht zulässig ist es, von epidemiologischen Beobachtungen an gesunden Frauen auf das Rückfallrisiko bereits Erkrankter zurückzuschließen. Für Patientinnen schätzen die Experten des World Cancer Research Fund und des American Institute for Cancer Research die Datenlage als deutlich unsicherer und weniger aussagekräftig ein. So gibt es lediglich Hinweise darauf, dass ein gesundes Körpergewicht das Überleben von Brustkrebspatientinnen positiv beeinflusst. Trotzdem haben sich die Herausgeber der aktuell gültigen Leitlinien dazu entschlossen, Brustkrebspatientinnen ein gesundes Körpergewicht, ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung zu empfehlen – ihnen geht es auch ganz allgemein darum, negative Folgen für die Gesundheit zu vermeiden.