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Prostatakrebs-Früherkennung: Radfahren vor dem PSA-Test vermeiden?

Fahrradfahren als Einflussfaktor beim PSA-Screening diskutiert

Mit Frühlingsbeginn zieht es viele Menschen hinaus in die Natur. Dabei ist Fahrradfahren eine beliebte Freizeitaktivität. Im Rahmen der Prostatakrebs-Früherkennung stellt sich bei Männern immer wieder die Frage, ob Radfahren vor der Blutuntersuchung den PSA-Wert beeinflussen kann. Dies wird in der Literatur widersprüchlich beurteilt. Auch eine neue Metaanalyse aus dem Jahr 2015 kann diese Kontroverse nicht endgültig klären. Was also kann man Männern raten, bei denen die Frage nach Radfahren vor der PSA-Bestimmung aufkommt? Der krebsinformationsdienst.med hat für Sie die Hintergründe zusammengefasst.

Radfahren vor dem PSA-Test? Die Datenlage

Die Früherkennung von Prostatakrebs mittels PSA-Screening ist in Deutschland weit verbreitet. Untersucht wird, ob der Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut erhöht ist. Details zu Hintergründen und Stellenwert des PSA-Screenings finden Sie auf unseren Internetseiten im Bereich "Vorbeugung" unter dem Stichwort „Prostatakrebs – Früherkennung: PSA-Test noch immer umstritten“.

Radfahren mit Großeltern © Alexander Rochau/Fotolia
Mit Frühlingsbeginn zieht es viele Menschen hinaus in die Natur. © Alexander Rochau/Fotolia

Doch nicht nur Prostatakrebs, sondern auch andere Faktoren können den PSA-Spiegel im Blut beeinflussen. Seit langem steht die Hypothese im Raum, dass Fahrradfahren vor der Blutuntersuchung den PSA-Wert erhöhen kann. Die wissenschaftliche Literatur gibt jedoch keine eindeutige Antwort auf diese Frage: Die Datenlage wird von Experten als uneinheitlich angesehen. Eine im Jahr 2015 veröffentlichte Metaanalyse hatte zum Ziel, die vorliegenden Studien zum Zusammenhang zwischen Radfahren und PSA-Spiegel im Blut zu evaluieren. Die Autoren der Metaanalyse kommen zu dem Ergebnis, dass eine vorübergehende Erhöhung des PSA-Werts durch Radfahren bei einzelnen Männern nicht ausgeschlossen werden kann.

Die Wissenschaftler werteten für die Metaanalyse Daten aus sechs Einzelstudien aus: An diesen Studien hatten Männer ohne bekannte Prostataerkrankung teilgenommen, deren PSA im Rahmen der Krebsfrüherkennung bestimmt werden sollte. Ihr PSA-Wert wurde vor und nach dem Radfahren gemessen. Zwei Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Fahrradfahren den PSA-Spiegel im Blut erhöhen kann, zum Teil jedoch nur geringfügig. Die vier anderen Studien zeigten dieses Ergebnis nicht. Die Gesamtauswertung aller Daten ergab keinen statistisch signifikanten Einfluss von Fahrradfahren auf den PSA-Wert. Gleichzeitig wiesen die Wissenschaftler aber darauf hin, dass eine PSA-Erhöhung durch Radfahren prinzipiell nicht ausgeschlossen ist. Sie bewerten die Datengrundlage für die Metaanalyse als nicht ausreichend beweiskräftig: Mit insgesamt nur etwa 900 Teilnehmern sei die Fallzahl zu gering. Außerdem sei die Methodik der Studien bei den PSA-Messungen in Bezug aufs Fahrradfahren uneinheitlich. Trotzdem lassen sich nach Ansicht der Autoren aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen für das PSA-Screening ableiten.

Radfahren vor dem PSA-Test? Konsequenzen für die Beratung

Kann körperliche Aktivität das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, verringern?

Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unseren Internetseiten „Sport und Bewegung zur Krebsvorbeugung“.

Aufgrund der Studienergebnisse kamen die Autoren der Metaanalyse zu folgendem Schluss: Ärzte sollten Männern, die sich im Rahmen der Prostatakrebs-Früherkennung einer PSA-Testung unterziehen wollen, vorsichtshalber vom vorherigen Radfahren abraten. Das bedeutet, 24 Stunden vor der geplanten Blutentnahme sollte „Mann“ aufs Radfahren verzichten. Dadurch können möglicherweise unnötige Untersuchungen zur weiteren Abklärung eines erhöhten PSA-Wertes wie erneute PSA-Kontrollen beziehungsweise Prostatabiopsien vermieden werden.

Die deutsche S3-Leitlinie äußert sich in diesem Zusammenhang etwas zurückhaltender als die Autoren der oben genannten Metaanalyse. Erst bei erhöhtem PSA-Wert empfiehlt die derzeit gültige Leitlinie, mögliche Einflussfaktoren wie Fahrradfahren zu kontrollieren und den PSA-Wert ein zweites Mal zu messen: Kurz vor der Kontrollmessung sollten die Einflussfaktoren dann vermieden werden.

Grundsätzlich vom Fahrradfahren abraten braucht man Männern, die regelmäßig zum PSA-Screening gehen, jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Experten empfehlen zur Prävention des Prostatakarzinoms unter anderem, sich regelmäßig körperlich zu betätigen.

Mechanismus noch ungeklärt: Wie Radfahren den PSA-Wert erhöht

Noch nicht geklärt ist, wie Fahrradfahren den PSA-Wert erhöht. Verschiedene Mechanismen werden diskutiert. Einige Experten vermuten, dass das Sitzen auf dem Sattel mit einem erhöhten Druck auf die Prostata einhergeht: Mikrotraumen im Prostatagewebe sollen dazu führen, dass das Prostata-spezifische Antigen vermehrt in die Blutbahn gelangt. Andere gehen davon aus, dass die gesteigerte Muskelarbeit die Durchblutung im Beckenbereich und damit auch in der Prostata fördert. Infolgedessen steigt der PSA-Spiegel im Blut an. Beide Hypothesen können die uneinheitlichen Studienergebnisse zum Teil erklären: In den Studien waren beispielsweise weder Dauer und Intensität des Radfahrens noch die Zeitspanne bis zur Blutentnahme standardisiert.

PSA-Anstieg: Auch auf andere Einflussfaktoren hinweisen

Welche Faktoren können bei Männern, unabhängig von Prostatakrebs, den PSA-Wert außerdem erhöhen? Bekannt ist, dass der PSA-Spiegel im Blut – wie andere Biomarker auch – natürlichen Schwankungen unterliegt. Darüber hinaus kennt man weitere Einflussfaktoren, die sich auf die Höhe des PSA auswirken können. Die Prostatakrebs-Leitlinie listet folgende Beispiele auf:

  • Digital-rektale Untersuchung
  • Entzündung der Prostata (Prostatitis)
  • Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P)
  • Darmspiegelung (Koloskopie)
  • Harnverhalt
  • Blasenkatheter
  • Sexuelle Aktivität