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Checkpoint-Inhibitoren: Wenn das Immunsystem Krebs bekämpft

Neue PD-1-Hemmer zur zielgerichteten onkologischen Therapie

+++ ACHTUNG: Zu dieser News liegt eine aktuellere Version vor. Diese finden sie hier. +++

Von Durchbruch, Revolution oder gar Meilenstein ist die Rede, wenn die Medien über Nivolumab und PD-1-Hemmer im Allgemeinen berichten. Doch was verbirgt sich hinter diesen sogenannten Checkpoint-Inhibitoren? Welche Signalwege in Krebszellen hemmen sie? Welche Arzneimittelzulassungen bestehen bereits? Und was können sich Ärzte und Patienten tatsächlich von dieser neuen Medikamentengruppe erwarten? Der krebsinformationsdienst.med hat die wichtigsten Fakten zusammengestellt und bietet Quellen für die eigene Recherche.

Checkpoint-Hemmer zählen zu den Immuntherapien

Immuntherapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Checkpoint-Inhibitoren gelten als vergleichsweise neuer Ansatz in der onkologischen Therapie. Sie können nicht nur zu den sogenannten zielgerichteten Medikamenten gerechnet werden, sondern gehören auch zu den immuntherapeutischen Verfahren.
Als Antikörper wirken sie nicht gegen Krebszellen direkt. Sie greifen vielmehr in die Steuerung der Immunantwort gegen Tumoren ein, an den sogenannten Immun-Checkpoints: Darunter versteht man mehrere wichtige Schaltstellen im Immunsystem, an denen zelluläre Proteine dafür sorgen, dass eine laufende Immunreaktion auch wieder beendet wird. Besonders wichtig ist diese Kontrolle der Immunreaktion, um eine Autoimmunreaktion zu verhindern, bei der sich T-Lymphozyten langfristig gegen das eigene Gewebe richten würden.

Diese gezielte "Bremse" der Immunreaktion gegen den eigenen Körper kommt allerdings auch manchen Krebszellen zugute. Da sie immer noch viele Merkmale ihres Ursprungsgewebes aufweisen, können sie typische Checkpoints und damit die eigentlich gegen sie gerichteten T-Zellen ausschalten.

Eine dieser wichtigen Schaltstellen im Immunsystem ist CTLA4, ein Eiweiß auf der Oberfläche von T-Zellen: Die Abkürzung steht für "cytotoxic T-lymphocyte-associated protein 4". Erste Medikamente, die eine tumorbedingte "Bremse" der Immunabwehr über diesen Checkpoint aufheben, sind bereits seit mehreren Jahren auf dem Markt. Viel Aufmerksamkeit gilt aktuell einer weiteren Gruppe, die sich gegen den Immun-Checkpoint PD-1 richtet: Der Name PD-1 stammt vom englischen "programmed death 1", also programmierter (Zell)Tod. Die neuen PD-1-Hemmer sorgen ebenfalls dafür, dass Tumoren vom Immunsystem erkannt und zerstört werden.

Checkpoint-Hemmer zur Therapie von Haut- und Lungenkrebs

Alle Checkpoint-Inhibitoren sind innerhalb der Europäischen Union bislang nur für fortgeschrittene Krebserkrankungen zugelassen:

  • Schon seit 2011 ist der CTLA4-Hemmer Ipilimumab (Yervoy®) zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem schwarzem Hautkrebs (Melanom) zugelassen. Ipilimumab ist als erste oder zweite Therapielinie einsetzbar.
  • Viel Aufmerksamkeit hat die Zulassung von Nivolumab (Opdivo®) erhalten. Dieser PD-1-Inhibitor wird seit Sommer 2015 bei Patienten mit metastasiertem und/oder inoperablem Melanom eingesetzt.
    Er ist mittlerweile auch zugelassen zur Lungenkrebstherapie. Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs erhalten Nivolumab, wenn der Krebs einen Plattenepithelanteil aufweist. Eine weitere Voraussetzung: Patienten haben vorab eine Chemotherapie erhalten, unter der die Erkrankung voranschritt.
  • Ebenfalls seit Sommer 2015 kann der PD-1-Hemmer Pembrolizumab (Keytruda®) eingesetzt werden. Das Präparat ist für Patienten mit Melanom geeignet, die nicht operiert werden können oder bei denen Fernmetastasen vorliegen. Pembrolizumab kann als Erstlinientherapie direkt nach Diagnosestellung eingesetzt werden. Es darf auch im Anschluss an eine andere Therapie verabreicht werden.

Neue Checkpoint-Inhibitoren: Keine "Wunderwaffe"

Die neuen Arzneimittel bieten Patienten eine Perspektive, für die bisher nur noch sehr eingeschränkte therapeutische Optionen zur Verfügung standen. Es sind keine "Wunderwaffen": Die Wirkung setzt zumeist erst nach einigen Wochen ein, und nicht jeder Betroffene spricht auf Immun-Checkpoint-Inhibitoren an. Bislang ist unklar, welche Patienten auf eine Therapie ansprechen, und warum die Behandlung bei anderen versagt. Gesicherte prädiktive Faktoren fehlen, mit denen vor Therapiebeginn das voraussichtliche Ansprechen bestimmt werden könnte.

Wie alle Arzneimittel haben auch die neuen Immuntherapien Nebenwirkungen: Dazu zählen vor allem überschießende Immunreaktionen. Fieber, Hautbeschwerden mit Ausschlag, Schwellungen und Juckreiz zählen zu den häufigeren Beschwerden. Auch Entzündungen des Darms, der Leber, der Hirnanhangsdrüse, der Nieren und der Lunge sind möglich. Patienten benötigen daher einen Notfallplan und sollten wissen, worauf sie bei der in der Regel ambulant durchgeführten Therapie selbst achten müssen. Sehr schwere Nebenwirkungen können zum Abbruch der Therapie zwingen. Die überschießende Reaktion des Immunsystems wird dann mithilfe von Kortison oder anderen Immunsuppressiva unterdrückt.



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